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2021 Hessenschau.de Nachrichten aus Hessen, Corona - droht wirklich neue Gefahr? | hessenschau vom 17.07.2021

Corona - droht wirklich neue Gefahr? | hessenschau vom 17.07.2021

Die Sendung wurde live vom hr untertitelt.

Schönen guten Abend und willkommen zur hessenschau am Samstag!

Heute schauen wir ganz genau auf die Inzidenzen

und die Situation in den Krankenhäusern.

Und was darf eigentlich alles in die gelbe Tonne?

Das klären wir im vorletzten Teil unserer Wochenserie.

Nach der Flutkatastrophe bei unseren Nachbarn

in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

sind das Leid und die Not der Menschen groß.

Hoffnung macht da die große Hilfsbereitschaft von allen Seiten.

Heute Morgen haben sich freiwillige Helfer, wie hier in Büdingen,

auf den Weg nach Ahrweiler gemacht,

unter anderem beladen mit Traktoren, Kehrmaschinen und Sachspenden.

Von überall kommt Hilfe für die, die sie brauchen.

Viele Tote, immer noch Dutzende Vermisste,

eingestürzte Häuser und weggespülte Straßen.

Das Unwetter mit Dauerregen hat vor allem Nordrhein-Westphalen

und Rheinland-Pfalz mit voller Wucht getroffen.

Deshalb kommen heute Morgen hunderte Menschen

hierher nach Volkmarsen in den Ortsteil Herbse,

bringen alles vorbei, was die Opfer gebrauchen könnten.

Die Hilfsbereitschaft ist immens:

Ich hab die Bilder im Fernsehen gesehen.

Wenn wir das wären und wir hätten nichts mehr,

wir wären froh und dankbar,

wenn uns Leute helfen würden.

Die ganze Straße, das ganze Dorf ist voll, das ist der Wahnsinn.

Ich habe Tränen in den Augen, weil ich das so ergreifend finde.

Im Ort und auf dem Firmengelände ist zweitweise sogar Stau.

Die Spendenaktion hat der Spediteur

Stephan Hasenschar spontan organisiert.

Ursprünglich sollten nur zwei Lkw mit Tierfutter von seiner Firma aus

in die Unwetter-Region aufbrechen, aber:

Gestern bin ich den ganzen Tag unterwegs gewesen, dachte mir,

wenn wir jetzt mit 2-3 Lkw da aufschlagen,

mit nur Futtermittel drin, das geht überhaupt nicht.

Da sind so viele Leute betroffen, denen es schlecht geht.

Dann habe ich einen Facebook-Aufruf gestartet.

Das ging so durch die Decke.

Es ist überwältigend, was hier los ist.

Aber nicht nur in Volksmarsen ist die Hilfsbereitschaft riesig.

Auch in Fulda formiert sich ein Hilfstrupp.

Hier werden über 1000 Heuballen aufgeladen.

Denn auch Kühe und Pferde in den Unwetter-Regionen

haben kein Futter mehr, ist alles von der Flut mitgerissen worden.

Den Transport der Heuballen

spendet eine Recycling-Firma aus Fulda:

Wir haben zu Glück mehr Fahrer bekommen,

wie wir eigentlich Fahrzeuge zur Verfügung haben.

Das Engagement im Betrieb ist unheimlich groß.

Ich bin sehr stolz, dass die das aus Überzeugung machen.

Wer weiß, vielleicht kommen wir auch mal in die Situation,

wo man Hilfe braucht.

Landwirt Benjamin Thorne hatte die Idee mit dem Transport der Heuballen.

Dankbar ist er vor allem, weil nicht nur Heuballen-Spenden

direkt aus Fulda hier angekommen sind.

Auch Landwirte aus Bayern, Thüringen

und dem ganzen Vogelsbergkreis haben Spenden vorbeigebracht.

Wir haben 1200-1800 Heuballen zusammengekriegt.

Das ist für den Anfang in Ordnung.

In 4 bis 8 Wochen werden wir weiter helfen müssen.

Dieses Wochenende werden sich ca. 30 Lastwagen von hier aus

auf den Weg in die Hochwassergebiete machen.

In Mittelhessen, in Marburg, formiert sich auch Hilfe.

Das Deutsche Rote Kreuz des Bezirk Marburg-Biedenkopf

schickt 8 Fahrzeuge nach Rheinland-Pfalz zum Nürburgring.

Die Rettungswagen sind abfahrbereit.

Die Rettungskräfte: leicht angespannt.

Es sind gemischte Gefühle, weil ich nicht weiß, was vor Ort ist

und wie sehr es an die Nieren geht.

Ich freue mich sehr, dass wir helfen können.

Auf der anderen Seite kommen wir in eine Situation,

da weiß ich nicht so genau, was uns erwartet.

Die Gefühlslage ist sehr gemischt.

Nach knapp 9 Stunden zieht Organisator Stefan Hasenschar

in Volkmarsen ein erstes Fazit.

Hier sind nun alle Kisten fertig gepackt.

Er musste noch mehr Transporter nachbestellen.

Die 5 geplanten haben nicht ausgereicht.

Jetzt sind es 14 Lkw.

Die Aktion ist total durch die Decke gegangen.

Es ist so viel, ich weiß auch momentan nicht,

wo mir der Kopf steht.

Es ist grandios, was hier gelaufen ist heute.

So hoch wie die Hilfsbereitschaft heute hier in Hessen war,

wird das auch sicherlich nicht

der letzte Spenden-Transport gewesen sein.

Und wir schauen auf die aktuellen Coronazahlen.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden sind dem Robert-Koch-Institut (RKI)

weitere 190 Corona-Infizierte in Hessen gemeldet worden.

Es wurden keine Toten

im Zusammenhang mit Covid-19 registriert.

Die hessenweite Inzidenz

ist weiter leicht gestiegen und liegt heute bei 12,3.

Die Inzidenz steigt zwar, ist aber immer noch niedrig,

v.a. im Vergleich zum letzten Winter zum Beispiel.

Da war nicht nur die Inzidenz hoch, auch die Zahl der Menschen,

die wegen Corona im Krankenhaus behandelt

und beatmet werden mussten.

Die Intensivstationen waren voll. Doch wie siehts im Moment aus?

Das wollten wir wissen und waren in Wiesbaden.

Trotz niedriger Inzidenz: Auf der Intensivstation

der Horst-Schmidt Kliniken in Wiesbaden ist viel zu tun.

Doch seit Kurzem ist die Mehrzahl der Betten

nicht mehr mit Covid-Patienten belegt.

Es herrscht ein Stück weit Normalität.

Die normale Patienten-Klientel kehrt ein Stück weit zurück.

Es ist nicht mehr ganz so aufwendig von der Isolation.

Man sieht auch wieder ein anderes Krankheitsbild.

Monatelang haben wir fast ausschließlich

schwere Covid-Fälle behandelt.

Für das Team und die Motivation ist es gut,

dass ein Stück Normalität zurückkehrt.

Vor rund 3 Monaten sah es hier noch so aus.

15 schwerkranke Covid-Patienten lagen auf den Station.

Viele mussten täglich mehrfach umgelagert werden.

Aktuell gibt es hier noch 2 Covid-Patienten.

Diese 42-Jährige ist seit über einem Monat

an der sogenannten ECMO angeschlossen,

die das Blut mit Sauerstoff versorgt.

Weniger Covid-Patienten bedeuten mehr Entlastung

für das medizinische Team der Intensivstation.

Doch die momentane Sorglosigkeit vieler Menschen

sorgt hier für Unverständnis.

Auch wie viele dann sagen: "Corona gibt es nicht mehr."

Die würde ich gerne an die Hand nehmen

und in das Patientenzimmer führen, dass es Corona doch gibt.

Das Pflegepersonal und die Ärzte haben es

seit gerade einer Woche mal geschafft, durchzuschnaufen

und mal wieder schöne Dienste zu haben.

Wenn jetzt die 4. Welle bevorsteht, fehlt die Kraft.

Das macht Angst. Wir sprechen darüber im Team sehr viel.

Nach Monaten weit über dem Limit,

fühlt sich die langsame Rückkehr zur normalen Arbeitsbelastung

für das Team fast schon wie Erholung an.

Trotzdem befürchtet der leitende Oberarzt

v.a. im Herbst und Winter wieder steigende Zahlen.

Ich glaube, dass wir noch zahlreiche

kritisch kranke Covid-Patienten behandeln werden.

Ich glaube, dass das Patienten- Klientel jünger werden wird.

Wir hatten in der 3. Welle schon eine etwas jüngere Klientel

als in den ersten zwei Wellen.

Aber in der 4. Welle werden wir deutlich jüngere Patienten

mit schweren Verläufen sehen.

Die Anzahl der Patienten wird das Niveau der vergangenen Wellen

nicht mehr erreichen.

Sorge bereitet dem Team

die mangelnde Impfbereitschaft mancher Menschen.

Denn je weniger sich impfen lassen,

desto höher wird die Belastung auf der Intensivstation.

Die Situation in den Krankenhäusern

soll in Zukunft eine größere Rolle spielen, wenn es darum geht,

welche Maßnahmen ergriffen werden.

Bisher war einer der wichtigsten Richtwerte

immer die 7-Tage-Inzidenz.

Die haben wir jeden Tag gecheckt wie die Wettervorhersage.

Doch wie aussagekräftig ist diese Zahl und auch andere?

Hier eine kleine Übersicht.

Sie ist ein zentraler Bestandteil der Corona-Pandemie.

die 7-Tage-Inzidenz.

Sie bildet die Fälle

der vergangenen 7 Tage pro 100.000 Einwohner ab.

Aber was sagt dieser Wert aus und was eben nicht?

Einerseits gibt die 7-Tage-Inzidenz an,

wie viele Menschen sich in einem bestimmten Gebiet

innerhalb einer Woche neu infiziert haben.

Damit ist der Wert so etwas wie ein Frühwarnsystem

und bestimmt, wann welche Maßnahmen gelten.

Ist der Wert sehr hoch,

kann das zu massiven Einschränkungen im Alltag führen.

Andererseits ist der Inzidenzwert nicht zwangsläufig repräsentativ.

Er kann z.B. extrem hoch sein,

weil es einen größeren Ausbruch in einer Einrichtung gab.

Über die Schwere der Fälle sagt der Wert nichts aus.

Eine andere Zahl, die auch immer wieder genannt wird,

ist der sogenannte R-Wert.

Er bezeichnet die Anzahl der Personen, die im Schnitt

von einer anderen Person mit dem Virus angesteckt werden.

Man kann den R-Wert somit auch als Ansteckungsrate bezeichnen.

Liegt der Wert über 1 heißt das: Das Virus breitet sich weiter aus.

Ist der Wert bei 1, bleibt die Anzahl der Infizierten gleich.

Liegt er dauerhaft unter 1,

kann die Infektionen zurückgedrängt werden.

Es gibt dann weniger Neuinfektionen.

Das Problem: Der R-Wert wird nicht gemessen, sondern geschätzt:

auf Basis der Neuinfektionen der vorangegangenen 4 Tage.

Die werden mit den aktuellen Neuinfektionen verglichen.

Daraus ergibt sich dann der Trend für die Zukunft.

Voraussetzung dafür ist aber,

dass sich die Entwicklung genauso fortsetzt.

Bisher gab es immer einen klaren Zusammenhang

zwischen dem R-Wert und der 7-Tage-Inzidenz.

Steigen diese beiden, so wie im letzten Herbst und Winter,

werden auch mehr Menschen im Krankenhaus behandelt.

Betten werden knapp, schwere Verläufe nehmen zu.

Zwar ist die Zahl der Covid-Patienten in Hessen

zzt. auf einem niedrigen Niveau,

aber die Zahl der Neuinfektionen steigt,

damit auch die 7-Tage-Inzidenz und der R-Wert.

Mittlerweile sind aber mehr Menschen geimpft.

Und die Impfung schützt vor schweren Verläufen.

In Hessen sind 58,6 % der Menschen mindestens einmal geimpft,

44,57 % sind bereits vollständig geimpft.

So weit der Überblick.

Und in Zukunft soll also eher auf die Krankenhausbelegung

und v.a. auf die Zahl der schweren Corona-Fälle geschaut werden.

Wir haben es eben schon gehört, die ist im Moment ziemlich gering.

Wir wollen das noch mal einordnen,

und zwar mit meinem Kollegen Jan Eggers aus unserem Datenteam.

Hallo Hülya. - Hallo Jan, willkommen.

Was bringt es uns, wenn wir auf die Krankenhausbelegung schauen?

Die sagt uns z.B., dass es im Augenblick tatsächlich

keine besonders bedrohliche Situation ist.

Und Ministerpräsident Bouffier hat das ja auch schon erwähnt,

als er laut darüber nachgedacht hat,

ob man nicht die Testpflicht in Restaurants

in den Innenräumen abschaffen kann.

Klar, die Anzahl der Menschen,

die ins Krankenhaus müssen wegen Corona,

das ist eine ziemlich harte Zahl, die kann man gut erheben.

Die hängt auch nicht, wie die Inzidenzen, ab

von der Anzahl der Menschen, die man testet

oder die man auch nicht testet.

Auf der anderen Seite hat diese Zahl einen gravierenden Nachteil:

Im Zweifelsfall sagt diese Zahl nur,

was man vor 14 Tagen hätte tun können,

weil sie etwas nachhängt.

Wenn sich Menschen ansteckend, das dauert ja eine Zeit,

bis die Krankheit dann so schwer wird.

Das ist dann auch die Frage:

Kann man es sich wirklich leisten,

die Krankheit einfach schon laufen zu lassen?

Denn wenn wir jetzt handeln müssten,

wenn wir noch mal Beschränkungen haben müssten,

dann wissen wir, muss das relativ schnell geschehen.

Und die Sieben-Tage-Inzidenz

hat gegenüber dieser Hospitalisierungsrate den Vorteil,

dass die viel schneller reagiert,

auch wenn sie vielleicht nicht so eine gute Zahl ist.

Du hast gesagt, laufen lassen.

Können wir das Virus jetzt laufen lassen? Was meinst du?

Wir müssen uns auf jeden Fall Großbritannien anschauen,

wo genau das passiert.

Ich denke, eine Sache dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren,

dass wir sehr, sehr viele Menschen

noch nicht gegen das Virus geimpft haben.

Wenn wir die Zahlen für Hessen angucken,

dann sind das unterschieden nach Altersgruppen

sehr viele Menschen, die noch nicht geimpft sind.

Von durchgeimpft wollen wir noch gar nicht reden.

Die besonders gefährdete Altersgruppe,

das sind die Über-60-Jährigen,

da sind erfreulich viele geimpft, das entspannt die Lage merklich.

Aber das sind insgesamt halt doch noch mal

eine große Zahl Menschen, die noch durch das Virus bedroht werden.

Wie viele von ihnen könnten jetzt im Krankenhaus landen?

Wir haben versucht, das hochzurechnen,

aus den Zahlen, die das Robert-Koch-Institut uns liefert

und haben so eine Quote errechnet,

auch unterschieden nach Altersgruppen.

Da sieht man, am gefährdetsten ist natürlich die Risikogruppe,

also die 60-Jährigen und älter.

Da sind sehr viele Menschen betroffen.

Aber selbst bei den Schülerinnen und Schülern,

bei der Altersgruppe unter 18, da wären das Tausende von Menschen,

wo man damit rechnen muss,

die könnten möglicherweise von einer schweren Corona-Erkrankung

getroffen werden und müssten ins Krankenhaus.

Das sind Zahlen, wo man sich zweimal überlegen sollte,

ob man es sich leisten kann, das Virus laufen zu lassen.

Okay, das heißt also weiterhin einfach noch vorsichtig sein.

Jan Eggers aus dem hr-Datenteam, vielen Dank für die Einschätzungen.

Wir machen weiter mit dem Nachrichtenüberblick,

wie gewohnt kurz und kompakt.

Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender

auf ihrer traditionellen Parade

zum Christopher Street Day in Frankfurt.

Sie gehen für ihre Rechte

und gegen Benachteiligung und Diskriminierung auf die Straße.

Mit zweitausend Teilnehmenden war gerechnet worden.

Es kamen mehr als 8000.

Anders als vor Corona gab es keine Motivwagen.

Die fröhliche Demo durch die Stadt war nur zu Fuß erlaubt.

Das tat der guten Laune offenbar keinen Abbruch.

Die ICE-Strecke Kassel-Göttingen ist saniert worden und wieder befahrbar.

Vom 24. April an war die Strecke gesperrt gewesen.

Nach 30 Jahren Betrieb war eine Sanierung unumgänglich.

114 Mio Euro hat sie gekostet.

Mit der Sanierung ist die Bahn in ihrem Zeitplan geblieben.

Vor Corona hatte die Bahn auf der Strecke

42.000 Reisende pro Tag gezählt.

Ein ganzer Tag für das Fahrrad.

Hier die Abschlusskundgebung

vor dem Kasseler Rathaus gegen 17 Uhr.

Die etwa 50 Teilnehmenden wollen die Verkehrswende, weg vom Auto.

Eine Studie in mehr als 100 Städten Europas

soll ergeben haben, dass während der Corona-Krise

48 % der Menschen durch Pop-up-Bikelanes

auf die Straße gelockt werden konnten.

Pop-up-Bikelanes sind kurzfristig eingerichtete Radwege.

Die Veranstalter, ein Bündnis von 16 Initiativen,

fordern außerdem den Umstieg aufs Lastenfahrrad.

Es könnte bei vielen Fahrten das Auto ersetzen.

Seit 3 Wochen gibts bei uns samstags wieder das dolle Dorf.

Diesmal gings nach Schönnen, einen Ortsteil von Erbach im Odenwald.

Da leben gerade mal 350 Menschen.

Das erste, was die gesagt haben, als unser Team ankam, war:

"Wir sind so klein, wir haben hier doch nix zum Filmen".

Damit lagen sie dann doch ein bisschen daneben.

Denn unser Team hat was gefunden.

Und das eine oder andere fällt einem quasi vor die Füße.

Achtung, Baum fällt!

Nicht der einzige,

der in den letzten Wochen hier gefällt wurde.

Stümpfe überall! Adolf Bergér ist frustriert.

Wobei es dazu erst mal keinen Grund gibt.

Schönnen ist so, wie es heißt: schön.

Etwas unübersichtlich vielleicht.

Es gibt ein Unter- und ein Oberdorf.

Der Ort streckt sich über eine ziemliche Distanz

und schmiegt sich in die bergige Landschaft des Odenwaldes.

Warum Schönnen so heißt?

Weil hier die "schönnen" Männer wohnen,

verrät uns der Ortsvorsteher mit einem Augenzwinkern.

Herr Hörr hat uns zu einer Planwagenfahrt eingeladen.

So was wird hier angeboten

für Junggesellenabschiede oder Betriebsausflüge

oder wenn das Fernsehen kommt.

Wo es hingeht? Abwarten!

Vorher sind wir bei Adolf Gieß, Elfenbeinschnitzer.

Mit 91 Jahren immer noch aktiv.

Hier repariert er einen Schirmknauf aus Elfenbein.

Neue Arbeiten aus den Elefantenzähnen darf man nicht mehr herstellen.

Artenschutz!

Aber Bestehendes reparieren und restaurieren ist erlaubt.

Für Herrn Gieß nach wie vor die schönste Beschäftigung der Welt.

Es macht Freude, wenn man etwas entstehen sieht.

In der Vitrine hat er seine schönsten Arbeiten gesammelt.

Unfassbar filigran, lebendig und perfekt.

Im bekannten Elfenbeinmuseum in Erbach stehen weitere.

Das hier ist seine Meisterarbeit:

der heilige Georg, Schutzpatron von England.

Raten Sie mal, was Queen Elisabeth II.

1965 bei ihrem Besuch in Wiesbaden vom damaligen

hessischen Ministerpräsidenten überreicht bekommen hat?

Richtig: einen Elfenbein-St.-Georg.

Nun raten Sie noch mal, wer den damals geschnitzt hat!

Wieder richtig: Adolf Gieß. Für die Queen! Aufregend, oder?

Eigentlich nicht.

Das ist ja meine Arbeit.

Schönnen liegt im Oden-"Wald", also viele Bäume überall.

Aber mittendrin dann plötzlich kahle Flecken wie hier,

fast 1 ha groß.

Das Waldstück gehört Adolf Bergér.

In den letzten 15 Jahren konnte er durch regelmäßige Einschläge

gutes Geld mit dem Holz verdienen.

Bis im letzte Jahr der Borkenkäfer

seine und die Fichten vieler Waldbesitzer befiel

und der Preis für den Festmeter Holz von 100 auf 30 Euro fiel.

Bergér musste seine befallenen Bäume fällen lassen,

damit der Käfer sich nicht weiter ausbreitet.

Dieses Jahr haben wir eine kleine Verschnaufpause.

Durch dieses nasse Jahr sind wir sehr froh.

Aber die letzten 2 Jahre haben den Boden derartig ausgetrocknet,

dass die alle vorgeschädigt sind.

Seine 3 Enkelinnen sind aber die personifizierte Hoffnung

auf einen gesunden Wald.

Warum? Klären wir noch.

Helau!

Fastnacht in Schönnen: eine Institution!

Wegen Corona aber zuletzt 2019 gefeiert.

Der Sitzungspräsident

und noch ein Mitglied des Elferrats marschieren ein.

Jubelnde Karnevalisten im Saal, die stellen wir uns mal vor.

Von den sonst 10 Gardemädchen nur 3 einsatzbereit.

Aber die bringen Leistung auf Knopfdruck.

Neben der Feuerwehr

bilden die Karnevalisten den einzigen Verein in Schönnen.

Dessen Vereinsleben liegt brach. Aber die Hoffnung lebt.

Wir hätten dieses Jahr die Kampagne "4 mal 11 Jahre".

Das wäre natürlich optimal, wenn wir die feiern dürften.

Wir drücken die Daumen!

Zurück auf dem Planwagen.

Der Ortsvorsteher hatte uns was Besonderes versprochen:

den schönsten Ausblick auf Schönnen.

Da unten liegt es, zumindest das Unterdorf.

Aber ob da oder im Oberdorf:

Schönnen hat unter Corona gelitten,

aber ein Stück weit auch davon profitiert.

Man fragt mal nach: "Kann man dir helfen? Ist alles in Ordnung?"

Das merkt man, dass die Gemeinschaft hier im Ort

noch vorhanden ist und gut funktioniert.

Um die Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr

bei der Stange zu halten, muss man sich dann und wann

was Besonderes in Schönnen überlegen.

Darum wird die Löschübung schon mal

mit der alten Pumpe von 1895 durchgezogen.

Top in Schuss, toll restauriert und jederzeit einsatzbereit!

Alles ohne Motoren, das Wasser wird mit vereinter Muskelkraft

durch die Löschschläuche gepresst.

Für die Kinder ein Riesenspaß,

für die Großen an der Pumpe nicht so.

Es war damals anstrengend, Brände zu löschen.

Man sieht es vielleicht. Aber es funktioniert immer noch tadellos.

Zurück in das kahlgeschlagene Waldstück von Herr Bergér.

1 ha Fichte musste wegen Borkenkäferbefall gefällt worden.

Bergérs Enkelinnen Juli, Emilia und Marlene

forsten aber wieder auf.

Sie haben um Ostern herum Eicheln in Opas Waldboden gesteckt.

Jetzt wachsen die ersten zarten Eichentriebe.

Die Arbeit hat sich gelohnt.

Vorher war es halt mühselig und hat nicht so viel Spaß gemacht.

Aber jetzt macht es mehr Spaß, das zu sehen, die Pflanzen.

Ich finde es ein bisschen schade, dass hier auch Rehe sind.

Denn die fressen alles ab.

Dann hoffen wir mal, dass die Rehe sich zurückhalten

und auch der Borkenkäfer die Eichen in Ruhe lässt.

Damit Schönnen noch "schönner" wird!

Dolles Dorf im Odenwald!

Im Odenwald muss auch der Müll getrennt werden,

wie überall in Deutschland.

Heute schauen wir in unserer Wochenserie auf den Plastikmüll.

Der kommt in die gelbe Tonne.

Also so was wie Plastikflaschen, Joghurtbecher

oder Getränkedosen kommt da rein.

Aber es gibt auch viele Dinge, die in der gelben Tonne landen,

die gar nicht reingehören.

Daniela Möllenkamp hat sich schlau gemacht.

* Musik *

Seit ich für diesen Beitrag recherchiere,

trenne ich meinen Plastikmüll superordentlich.

Aber wir könnten ja mal bei Isabell anrufen,

wie es bei ihr so aussieht in der gelben Tonne.

Hallo! - Hallöchen!

Ich habe die Tonne schon bereitgestellt.

Sehr gut! Ich hoffe, du hast noch nicht drin herumsortiert.

Ich habe noch nicht darin herumsortiert.

Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob das so eine Vorzeigetonne ist.

Hier ist das gute Stück. Knallfolie und ein Duschgel.

Natürlich leer, allerdings unausgewaschen.

Und dann, ich traue es mich fast gar nicht, das zu zeigen,

beim Ausräumen des Kellers haben wir alte Felgen gefunden.

Allerdings aus Plastik.

Sehr beliebte Theorie:

Alles was aus Plastik ist, kommt in die gelbe Tonne.

Dachte ich auch.

Muss ich meine Tonne komplett wieder ausräumen?

Vielleicht machst du die Sachen untendrunter,

die du mir gerade gezeigt hast.

Ich will sehen, was bei den anderen Leuten so im Müll landet.

Kommen Sie!

Ich darf mitfahren!

Müllwerker Andreas Lauterschläger

nimmt mich mit auf seiner Tour durch Naumburg.

Wundern Sie sich manchmal, was die Leute da alles reinschmeißen?

Alles, was es gibt, alles! Farbe, Öl, Steine, Bio. Alles!

Anfang des Jahres wurde hier vom gelben Sack

auf die gelbe Tonne umgestellt.

Seitdem hat sich der Anteil an Fehlwürfen erhöht.

In so einer Tonne kann man eben besser was "verklappen"

als in dem dünnen, transparenten Sack.

Wollen wir da vorher reingucken, ob alles korrekt ist?

Es musst leicht sein, dann ist es korrekt.

Okay, dann probiere ich mal.

Oh, sehr leicht.

Wenn es zu schwer, merkst du das sofort.

Wenn leicht, mache ich nie auf.

Und dann finden wir eine, bei der nicht alles stimmt.

Das gehört hier nicht rein.

Was ist da drin? Binden und so, ne? Restmüll.

Die müsste stehenbleiben. Der Rest landet hier in Lohfelden.

Verpackungsmüll aus dem Landkreis Kassel. Rund 25 Tonnen pro Tag.

Von Lohfelden geht der Müll

etwa in die Sortieranlage nach Porta Westfalica.

Aus dem sortenreinen Plastik wird in Haimburg Recyclinggranulat.

Aber das funktioniert nicht mit jedem Kunststoff.

Wir haben jetzt hier einen Mischkunststoffbecher.

Gehört zwar rein, ist Verpackung.

Wir können es nur leider nicht stofflich verwenden.

Das kommt dann in die Fraktion Mischkunststoffe

und wird hochwertig thermisch verwertet, zur Energiegewinnung.

Sonst kann man leider nichts mehr damit anfangen.

Da wäre es also besser, wenn so was nicht hergestellt würde.

Das wäre ein Wunsch an die Hersteller, die so was machen,

dass man da drauf achtet.

Oder auch die Politik, die das entsprechend beschließt.

Dabei steht drauf, dass es in die Tonne gehört.

Mit rund 20% dieses Müllbergs geht das so.

30% sind gar kein Verpackungsabfall und etwa 50% können recycelt werden.

Verpackungen werden aber häufig keine Verpackungen mehr.

Nur 9% Recyclingmaterial

steckt durchschnittlich in einer neuen Verpackung.

Da ist Luft nach oben.

Ein Grund ist das günstige Rohöl,

erklärt mit Prof David Laner von der Uni Kassel.

Plastik aus Recyclingmaterial herzustellen

darf eigentlich nicht teurer sein als Plastik aus Rohöl.

Aber es bewegt sich was.

In diesem Bereich gibt es relativ viel Aktivität.

Es gibt Selbstverpflichtungen von Getränkeherstellern,

es gibt gesetzliche Vorgaben,

die Mindestanteile von Rezyklat vorschreiben.

Die natürlich dafür sorgen,

dass Preise steigen für Kunststoffrecyclingmaterialien,

was wiederum die Sortierung attraktiver macht,

was wiederum dazu führt, dass wir höhere Recycling-Niveaus haben.

Zurück in Lohfelden und zu der Frage,

was in die gelbe Tonne gehört oder was eben nicht.

Was immer wieder in den gelben Tonnen landet, ist das hier: Akkus.

Außen vielleicht Plastik, aber innen gar nicht lustig.

Und wenn die in so eine Sortieranlage kommen ...

... dann wirds schnell mal brandgefährlich.

Leider kommt das fast wöchentlich vor,

dass irgendwelche Anlagen brennen.

Das ist jedes mal für uns einfach eine Katastrophe.

Nicht gefährlich, aber trotzdem hier am falschen Platz

sind Plastik-Artikel, die keine Verpackungen sind.

Die Felgen aus Isabells Tonne gehören da auch dazu.

Hier bei diesem Töpfchen, das wäre ja ich.

Das hätte ich auch in die gelbe Tonne geschmissen noch bis vor Kurzem.

Ja, jetzt waren Sie ja heute dabei und haben viel gelernt.

Da sind natürlich

keine Verpackungsentgelte für bezahlt worden

und da wurde ein System benutzt, aber nichts dafür geleistet.

Der Töpfchenhersteller

hat quasi nichts für das gesamte System bezahlt,

deswegen darf das Töpfchen auch nicht in die gelbe Tonne.

Grundsätzlich würde Ihnen das aber keine Probleme machen,

das zu recyclen?

Richtig, das geht bei uns in die Kunststoffe dann mit rein.

Trotzdem ein blinder Passagier im Müllhaufen.

Eins ist klar: Ich trenne meinen Verpackungsmüll so sauber wie nie.

Aber wenig Müll zu machen, ist immer noch am ressourcenschonendsten.

Das war die hessenschau für heute.

Nach der Tagesschau zieht Michael Kessler wieder los.

Diesmal auf zwei Schwimmkufen rund um Berlin.

Schönen Abend und bis morgen!

Copyright Untertitel: hr 2021


Corona - droht wirklich neue Gefahr? | hessenschau vom 17.07.2021

Die Sendung wurde live vom hr untertitelt.

Schönen guten Abend und willkommen zur hessenschau am Samstag!

Heute schauen wir ganz genau auf die Inzidenzen

und die Situation in den Krankenhäusern.

Und was darf eigentlich alles in die gelbe Tonne?

Das klären wir im vorletzten Teil unserer Wochenserie.

Nach der Flutkatastrophe bei unseren Nachbarn

in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

sind das Leid und die Not der Menschen groß.

Hoffnung macht da die große Hilfsbereitschaft von allen Seiten.

Heute Morgen haben sich freiwillige Helfer, wie hier in Büdingen,

auf den Weg nach Ahrweiler gemacht,

unter anderem beladen mit Traktoren, Kehrmaschinen und Sachspenden.

Von überall kommt Hilfe für die, die sie brauchen.

Viele Tote, immer noch Dutzende Vermisste,

eingestürzte Häuser und weggespülte Straßen.

Das Unwetter mit Dauerregen hat vor allem Nordrhein-Westphalen

und Rheinland-Pfalz mit voller Wucht getroffen.

Deshalb kommen heute Morgen hunderte Menschen

hierher nach Volkmarsen in den Ortsteil Herbse,

bringen alles vorbei, was die Opfer gebrauchen könnten.

Die Hilfsbereitschaft ist immens:

Ich hab die Bilder im Fernsehen gesehen.

Wenn wir das wären und wir hätten nichts mehr,

wir wären froh und dankbar,

wenn uns Leute helfen würden.

Die ganze Straße, das ganze Dorf ist voll, das ist der Wahnsinn.

Ich habe Tränen in den Augen, weil ich das so ergreifend finde.

Im Ort und auf dem Firmengelände ist zweitweise sogar Stau.

Die Spendenaktion hat der Spediteur

Stephan Hasenschar spontan organisiert.

Ursprünglich sollten nur zwei Lkw mit Tierfutter von seiner Firma aus

in die Unwetter-Region aufbrechen, aber:

Gestern bin ich den ganzen Tag unterwegs gewesen, dachte mir,

wenn wir jetzt mit 2-3 Lkw da aufschlagen,

mit nur Futtermittel drin, das geht überhaupt nicht.

Da sind so viele Leute betroffen, denen es schlecht geht.

Dann habe ich einen Facebook-Aufruf gestartet.

Das ging so durch die Decke.

Es ist überwältigend, was hier los ist.

Aber nicht nur in Volksmarsen ist die Hilfsbereitschaft riesig.

Auch in Fulda formiert sich ein Hilfstrupp.

Hier werden über 1000 Heuballen aufgeladen.

Denn auch Kühe und Pferde in den Unwetter-Regionen

haben kein Futter mehr, ist alles von der Flut mitgerissen worden.

Den Transport der Heuballen

spendet eine Recycling-Firma aus Fulda:

Wir haben zu Glück mehr Fahrer bekommen,

wie wir eigentlich Fahrzeuge zur Verfügung haben.

Das Engagement im Betrieb ist unheimlich groß.

Ich bin sehr stolz, dass die das aus Überzeugung machen.

Wer weiß, vielleicht kommen wir auch mal in die Situation,

wo man Hilfe braucht.

Landwirt Benjamin Thorne hatte die Idee mit dem Transport der Heuballen.

Dankbar ist er vor allem, weil nicht nur Heuballen-Spenden

direkt aus Fulda hier angekommen sind.

Auch Landwirte aus Bayern, Thüringen

und dem ganzen Vogelsbergkreis haben Spenden vorbeigebracht.

Wir haben 1200-1800 Heuballen zusammengekriegt.

Das ist für den Anfang in Ordnung.

In 4 bis 8 Wochen werden wir weiter helfen müssen.

Dieses Wochenende werden sich ca. 30 Lastwagen von hier aus

auf den Weg in die Hochwassergebiete machen.

In Mittelhessen, in Marburg, formiert sich auch Hilfe.

Das Deutsche Rote Kreuz des Bezirk Marburg-Biedenkopf

schickt 8 Fahrzeuge nach Rheinland-Pfalz zum Nürburgring.

Die Rettungswagen sind abfahrbereit.

Die Rettungskräfte: leicht angespannt.

Es sind gemischte Gefühle, weil ich nicht weiß, was vor Ort ist

und wie sehr es an die Nieren geht.

Ich freue mich sehr, dass wir helfen können.

Auf der anderen Seite kommen wir in eine Situation,

da weiß ich nicht so genau, was uns erwartet.

Die Gefühlslage ist sehr gemischt.

Nach knapp 9 Stunden zieht Organisator Stefan Hasenschar

in Volkmarsen ein erstes Fazit.

Hier sind nun alle Kisten fertig gepackt.

Er musste noch mehr Transporter nachbestellen.

Die 5 geplanten haben nicht ausgereicht.

Jetzt sind es 14 Lkw.

Die Aktion ist total durch die Decke gegangen.

Es ist so viel, ich weiß auch momentan nicht,

wo mir der Kopf steht.

Es ist grandios, was hier gelaufen ist heute.

So hoch wie die Hilfsbereitschaft heute hier in Hessen war,

wird das auch sicherlich nicht

der letzte Spenden-Transport gewesen sein.

Und wir schauen auf die aktuellen Coronazahlen.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden sind dem Robert-Koch-Institut (RKI)

weitere 190 Corona-Infizierte in Hessen gemeldet worden.

Es wurden keine Toten

im Zusammenhang mit Covid-19 registriert.

Die hessenweite Inzidenz

ist weiter leicht gestiegen und liegt heute bei 12,3.

Die Inzidenz steigt zwar, ist aber immer noch niedrig,

v.a. im Vergleich zum letzten Winter zum Beispiel.

Da war nicht nur die Inzidenz hoch, auch die Zahl der Menschen,

die wegen Corona im Krankenhaus behandelt

und beatmet werden mussten.

Die Intensivstationen waren voll. Doch wie siehts im Moment aus?

Das wollten wir wissen und waren in Wiesbaden.

Trotz niedriger Inzidenz: Auf der Intensivstation

der Horst-Schmidt Kliniken in Wiesbaden ist viel zu tun.

Doch seit Kurzem ist die Mehrzahl der Betten

nicht mehr mit Covid-Patienten belegt.

Es herrscht ein Stück weit Normalität.

Die normale Patienten-Klientel kehrt ein Stück weit zurück.

Es ist nicht mehr ganz so aufwendig von der Isolation.

Man sieht auch wieder ein anderes Krankheitsbild.

Monatelang haben wir fast ausschließlich

schwere Covid-Fälle behandelt.

Für das Team und die Motivation ist es gut,

dass ein Stück Normalität zurückkehrt.

Vor rund 3 Monaten sah es hier noch so aus.

15 schwerkranke Covid-Patienten lagen auf den Station.

Viele mussten täglich mehrfach umgelagert werden.

Aktuell gibt es hier noch 2 Covid-Patienten.

Diese 42-Jährige ist seit über einem Monat

an der sogenannten ECMO angeschlossen,

die das Blut mit Sauerstoff versorgt.

Weniger Covid-Patienten bedeuten mehr Entlastung

für das medizinische Team der Intensivstation.

Doch die momentane Sorglosigkeit vieler Menschen

sorgt hier für Unverständnis.

Auch wie viele dann sagen: "Corona gibt es nicht mehr."

Die würde ich gerne an die Hand nehmen

und in das Patientenzimmer führen, dass es Corona doch gibt.

Das Pflegepersonal und die Ärzte haben es

seit gerade einer Woche mal geschafft, durchzuschnaufen

und mal wieder schöne Dienste zu haben.

Wenn jetzt die 4. Welle bevorsteht, fehlt die Kraft.

Das macht Angst. Wir sprechen darüber im Team sehr viel.

Nach Monaten weit über dem Limit,

fühlt sich die langsame Rückkehr zur normalen Arbeitsbelastung

für das Team fast schon wie Erholung an.

Trotzdem befürchtet der leitende Oberarzt

v.a. im Herbst und Winter wieder steigende Zahlen.

Ich glaube, dass wir noch zahlreiche

kritisch kranke Covid-Patienten behandeln werden.

Ich glaube, dass das Patienten- Klientel jünger werden wird.

Wir hatten in der 3. Welle schon eine etwas jüngere Klientel

als in den ersten zwei Wellen.

Aber in der 4. Welle werden wir deutlich jüngere Patienten

mit schweren Verläufen sehen.

Die Anzahl der Patienten wird das Niveau der vergangenen Wellen

nicht mehr erreichen.

Sorge bereitet dem Team

die mangelnde Impfbereitschaft mancher Menschen.

Denn je weniger sich impfen lassen,

desto höher wird die Belastung auf der Intensivstation.

Die Situation in den Krankenhäusern

soll in Zukunft eine größere Rolle spielen, wenn es darum geht,

welche Maßnahmen ergriffen werden.

Bisher war einer der wichtigsten Richtwerte

immer die 7-Tage-Inzidenz.

Die haben wir jeden Tag gecheckt wie die Wettervorhersage.

Doch wie aussagekräftig ist diese Zahl und auch andere?

Hier eine kleine Übersicht.

Sie ist ein zentraler Bestandteil der Corona-Pandemie.

die 7-Tage-Inzidenz.

Sie bildet die Fälle

der vergangenen 7 Tage pro 100.000 Einwohner ab.

Aber was sagt dieser Wert aus und was eben nicht?

Einerseits gibt die 7-Tage-Inzidenz an,

wie viele Menschen sich in einem bestimmten Gebiet

innerhalb einer Woche neu infiziert haben.

Damit ist der Wert so etwas wie ein Frühwarnsystem

und bestimmt, wann welche Maßnahmen gelten.

Ist der Wert sehr hoch,

kann das zu massiven Einschränkungen im Alltag führen.

Andererseits ist der Inzidenzwert nicht zwangsläufig repräsentativ.

Er kann z.B. extrem hoch sein,

weil es einen größeren Ausbruch in einer Einrichtung gab.

Über die Schwere der Fälle sagt der Wert nichts aus.

Eine andere Zahl, die auch immer wieder genannt wird,

ist der sogenannte R-Wert.

Er bezeichnet die Anzahl der Personen, die im Schnitt

von einer anderen Person mit dem Virus angesteckt werden.

Man kann den R-Wert somit auch als Ansteckungsrate bezeichnen.

Liegt der Wert über 1 heißt das: Das Virus breitet sich weiter aus.

Ist der Wert bei 1, bleibt die Anzahl der Infizierten gleich.

Liegt er dauerhaft unter 1,

kann die Infektionen zurückgedrängt werden.

Es gibt dann weniger Neuinfektionen.

Das Problem: Der R-Wert wird nicht gemessen, sondern geschätzt:

auf Basis der Neuinfektionen der vorangegangenen 4 Tage.

Die werden mit den aktuellen Neuinfektionen verglichen.

Daraus ergibt sich dann der Trend für die Zukunft.

Voraussetzung dafür ist aber,

dass sich die Entwicklung genauso fortsetzt.

Bisher gab es immer einen klaren Zusammenhang

zwischen dem R-Wert und der 7-Tage-Inzidenz.

Steigen diese beiden, so wie im letzten Herbst und Winter,

werden auch mehr Menschen im Krankenhaus behandelt.

Betten werden knapp, schwere Verläufe nehmen zu.

Zwar ist die Zahl der Covid-Patienten in Hessen

zzt. auf einem niedrigen Niveau,

aber die Zahl der Neuinfektionen steigt,

damit auch die 7-Tage-Inzidenz und der R-Wert.

Mittlerweile sind aber mehr Menschen geimpft.

Und die Impfung schützt vor schweren Verläufen.

In Hessen sind 58,6 % der Menschen mindestens einmal geimpft,

44,57 % sind bereits vollständig geimpft.

So weit der Überblick.

Und in Zukunft soll also eher auf die Krankenhausbelegung

und v.a. auf die Zahl der schweren Corona-Fälle geschaut werden.

Wir haben es eben schon gehört, die ist im Moment ziemlich gering.

Wir wollen das noch mal einordnen,

und zwar mit meinem Kollegen Jan Eggers aus unserem Datenteam.

Hallo Hülya. - Hallo Jan, willkommen.

Was bringt es uns, wenn wir auf die Krankenhausbelegung schauen?

Die sagt uns z.B., dass es im Augenblick tatsächlich

keine besonders bedrohliche Situation ist.

Und Ministerpräsident Bouffier hat das ja auch schon erwähnt,

als er laut darüber nachgedacht hat,

ob man nicht die Testpflicht in Restaurants

in den Innenräumen abschaffen kann.

Klar, die Anzahl der Menschen,

die ins Krankenhaus müssen wegen Corona,

das ist eine ziemlich harte Zahl, die kann man gut erheben.

Die hängt auch nicht, wie die Inzidenzen, ab

von der Anzahl der Menschen, die man testet

oder die man auch nicht testet.

Auf der anderen Seite hat diese Zahl einen gravierenden Nachteil:

Im Zweifelsfall sagt diese Zahl nur,

was man vor 14 Tagen hätte tun können,

weil sie etwas nachhängt.

Wenn sich Menschen ansteckend, das dauert ja eine Zeit,

bis die Krankheit dann so schwer wird.

Das ist dann auch die Frage:

Kann man es sich wirklich leisten,

die Krankheit einfach schon laufen zu lassen?

Denn wenn wir jetzt handeln müssten,

wenn wir noch mal Beschränkungen haben müssten,

dann wissen wir, muss das relativ schnell geschehen.

Und die Sieben-Tage-Inzidenz

hat gegenüber dieser Hospitalisierungsrate den Vorteil,

dass die viel schneller reagiert,

auch wenn sie vielleicht nicht so eine gute Zahl ist.

Du hast gesagt, laufen lassen.

Können wir das Virus jetzt laufen lassen? Was meinst du?

Wir müssen uns auf jeden Fall Großbritannien anschauen,

wo genau das passiert.

Ich denke, eine Sache dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren,

dass wir sehr, sehr viele Menschen

noch nicht gegen das Virus geimpft haben.

Wenn wir die Zahlen für Hessen angucken,

dann sind das unterschieden nach Altersgruppen

sehr viele Menschen, die noch nicht geimpft sind.

Von durchgeimpft wollen wir noch gar nicht reden.

Die besonders gefährdete Altersgruppe,

das sind die Über-60-Jährigen,

da sind erfreulich viele geimpft, das entspannt die Lage merklich.

Aber das sind insgesamt halt doch noch mal

eine große Zahl Menschen, die noch durch das Virus bedroht werden.

Wie viele von ihnen könnten jetzt im Krankenhaus landen?

Wir haben versucht, das hochzurechnen,

aus den Zahlen, die das Robert-Koch-Institut uns liefert

und haben so eine Quote errechnet,

auch unterschieden nach Altersgruppen.

Da sieht man, am gefährdetsten ist natürlich die Risikogruppe,

also die 60-Jährigen und älter.

Da sind sehr viele Menschen betroffen.

Aber selbst bei den Schülerinnen und Schülern,

bei der Altersgruppe unter 18, da wären das Tausende von Menschen,

wo man damit rechnen muss,

die könnten möglicherweise von einer schweren Corona-Erkrankung

getroffen werden und müssten ins Krankenhaus.

Das sind Zahlen, wo man sich zweimal überlegen sollte,

ob man es sich leisten kann, das Virus laufen zu lassen.

Okay, das heißt also weiterhin einfach noch vorsichtig sein.

Jan Eggers aus dem hr-Datenteam, vielen Dank für die Einschätzungen.

Wir machen weiter mit dem Nachrichtenüberblick,

wie gewohnt kurz und kompakt.

Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender

auf ihrer traditionellen Parade

zum Christopher Street Day in Frankfurt.

Sie gehen für ihre Rechte

und gegen Benachteiligung und Diskriminierung auf die Straße.

Mit zweitausend Teilnehmenden war gerechnet worden.

Es kamen mehr als 8000.

Anders als vor Corona gab es keine Motivwagen.

Die fröhliche Demo durch die Stadt war nur zu Fuß erlaubt.

Das tat der guten Laune offenbar keinen Abbruch.

Die ICE-Strecke Kassel-Göttingen ist saniert worden und wieder befahrbar.

Vom 24. April an war die Strecke gesperrt gewesen.

Nach 30 Jahren Betrieb war eine Sanierung unumgänglich.

114 Mio Euro hat sie gekostet.

Mit der Sanierung ist die Bahn in ihrem Zeitplan geblieben.

Vor Corona hatte die Bahn auf der Strecke

42.000 Reisende pro Tag gezählt.

Ein ganzer Tag für das Fahrrad.

Hier die Abschlusskundgebung

vor dem Kasseler Rathaus gegen 17 Uhr.

Die etwa 50 Teilnehmenden wollen die Verkehrswende, weg vom Auto.

Eine Studie in mehr als 100 Städten Europas

soll ergeben haben, dass während der Corona-Krise

48 % der Menschen durch Pop-up-Bikelanes

auf die Straße gelockt werden konnten.

Pop-up-Bikelanes sind kurzfristig eingerichtete Radwege.

Die Veranstalter, ein Bündnis von 16 Initiativen,

fordern außerdem den Umstieg aufs Lastenfahrrad.

Es könnte bei vielen Fahrten das Auto ersetzen.

Seit 3 Wochen gibts bei uns samstags wieder das dolle Dorf.

Diesmal gings nach Schönnen, einen Ortsteil von Erbach im Odenwald.

Da leben gerade mal 350 Menschen.

Das erste, was die gesagt haben, als unser Team ankam, war:

"Wir sind so klein, wir haben hier doch nix zum Filmen".

Damit lagen sie dann doch ein bisschen daneben.

Denn unser Team hat was gefunden.

Und das eine oder andere fällt einem quasi vor die Füße.

Achtung, Baum fällt!

Nicht der einzige,

der in den letzten Wochen hier gefällt wurde.

Stümpfe überall! Adolf Bergér ist frustriert.

Wobei es dazu erst mal keinen Grund gibt.

Schönnen ist so, wie es heißt: schön.

Etwas unübersichtlich vielleicht.

Es gibt ein Unter- und ein Oberdorf.

Der Ort streckt sich über eine ziemliche Distanz

und schmiegt sich in die bergige Landschaft des Odenwaldes.

Warum Schönnen so heißt?

Weil hier die "schönnen" Männer wohnen,

verrät uns der Ortsvorsteher mit einem Augenzwinkern.

Herr Hörr hat uns zu einer Planwagenfahrt eingeladen.

So was wird hier angeboten

für Junggesellenabschiede oder Betriebsausflüge

oder wenn das Fernsehen kommt.

Wo es hingeht? Abwarten!

Vorher sind wir bei Adolf Gieß, Elfenbeinschnitzer.

Mit 91 Jahren immer noch aktiv.

Hier repariert er einen Schirmknauf aus Elfenbein.

Neue Arbeiten aus den Elefantenzähnen darf man nicht mehr herstellen.

Artenschutz!

Aber Bestehendes reparieren und restaurieren ist erlaubt.

Für Herrn Gieß nach wie vor die schönste Beschäftigung der Welt.

Es macht Freude, wenn man etwas entstehen sieht.

In der Vitrine hat er seine schönsten Arbeiten gesammelt.

Unfassbar filigran, lebendig und perfekt.

Im bekannten Elfenbeinmuseum in Erbach stehen weitere.

Das hier ist seine Meisterarbeit:

der heilige Georg, Schutzpatron von England.

Raten Sie mal, was Queen Elisabeth II.

1965 bei ihrem Besuch in Wiesbaden vom damaligen

hessischen Ministerpräsidenten überreicht bekommen hat?

Richtig: einen Elfenbein-St.-Georg.

Nun raten Sie noch mal, wer den damals geschnitzt hat!

Wieder richtig: Adolf Gieß. Für die Queen! Aufregend, oder?

Eigentlich nicht.

Das ist ja meine Arbeit.

Schönnen liegt im Oden-"Wald", also viele Bäume überall.

Aber mittendrin dann plötzlich kahle Flecken wie hier,

fast 1 ha groß.

Das Waldstück gehört Adolf Bergér.

In den letzten 15 Jahren konnte er durch regelmäßige Einschläge

gutes Geld mit dem Holz verdienen.

Bis im letzte Jahr der Borkenkäfer

seine und die Fichten vieler Waldbesitzer befiel

und der Preis für den Festmeter Holz von 100 auf 30 Euro fiel.

Bergér musste seine befallenen Bäume fällen lassen,

damit der Käfer sich nicht weiter ausbreitet.

Dieses Jahr haben wir eine kleine Verschnaufpause.

Durch dieses nasse Jahr sind wir sehr froh.

Aber die letzten 2 Jahre haben den Boden derartig ausgetrocknet,

dass die alle vorgeschädigt sind.

Seine 3 Enkelinnen sind aber die personifizierte Hoffnung

auf einen gesunden Wald.

Warum? Klären wir noch.

Helau!

Fastnacht in Schönnen: eine Institution!

Wegen Corona aber zuletzt 2019 gefeiert.

Der Sitzungspräsident

und noch ein Mitglied des Elferrats marschieren ein.

Jubelnde Karnevalisten im Saal, die stellen wir uns mal vor.

Von den sonst 10 Gardemädchen nur 3 einsatzbereit.

Aber die bringen Leistung auf Knopfdruck.

Neben der Feuerwehr

bilden die Karnevalisten den einzigen Verein in Schönnen.

Dessen Vereinsleben liegt brach. Aber die Hoffnung lebt.

Wir hätten dieses Jahr die Kampagne "4 mal 11 Jahre".

Das wäre natürlich optimal, wenn wir die feiern dürften.

Wir drücken die Daumen!

Zurück auf dem Planwagen.

Der Ortsvorsteher hatte uns was Besonderes versprochen:

den schönsten Ausblick auf Schönnen.

Da unten liegt es, zumindest das Unterdorf.

Aber ob da oder im Oberdorf:

Schönnen hat unter Corona gelitten,

aber ein Stück weit auch davon profitiert.

Man fragt mal nach: "Kann man dir helfen? Ist alles in Ordnung?"

Das merkt man, dass die Gemeinschaft hier im Ort

noch vorhanden ist und gut funktioniert.

Um die Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr

bei der Stange zu halten, muss man sich dann und wann

was Besonderes in Schönnen überlegen.

Darum wird die Löschübung schon mal

mit der alten Pumpe von 1895 durchgezogen.

Top in Schuss, toll restauriert und jederzeit einsatzbereit!

Alles ohne Motoren, das Wasser wird mit vereinter Muskelkraft

durch die Löschschläuche gepresst.

Für die Kinder ein Riesenspaß,

für die Großen an der Pumpe nicht so.

Es war damals anstrengend, Brände zu löschen.

Man sieht es vielleicht. Aber es funktioniert immer noch tadellos.

Zurück in das kahlgeschlagene Waldstück von Herr Bergér.

1 ha Fichte musste wegen Borkenkäferbefall gefällt worden.

Bergérs Enkelinnen Juli, Emilia und Marlene

forsten aber wieder auf.

Sie haben um Ostern herum Eicheln in Opas Waldboden gesteckt.

Jetzt wachsen die ersten zarten Eichentriebe.

Die Arbeit hat sich gelohnt.

Vorher war es halt mühselig und hat nicht so viel Spaß gemacht.

Aber jetzt macht es mehr Spaß, das zu sehen, die Pflanzen.

Ich finde es ein bisschen schade, dass hier auch Rehe sind.

Denn die fressen alles ab.

Dann hoffen wir mal, dass die Rehe sich zurückhalten

und auch der Borkenkäfer die Eichen in Ruhe lässt.

Damit Schönnen noch "schönner" wird!

Dolles Dorf im Odenwald!

Im Odenwald muss auch der Müll getrennt werden,

wie überall in Deutschland.

Heute schauen wir in unserer Wochenserie auf den Plastikmüll.

Der kommt in die gelbe Tonne.

Also so was wie Plastikflaschen, Joghurtbecher

oder Getränkedosen kommt da rein.

Aber es gibt auch viele Dinge, die in der gelben Tonne landen,

die gar nicht reingehören.

Daniela Möllenkamp hat sich schlau gemacht.

* Musik *

Seit ich für diesen Beitrag recherchiere,

trenne ich meinen Plastikmüll superordentlich.

Aber wir könnten ja mal bei Isabell anrufen,

wie es bei ihr so aussieht in der gelben Tonne.

Hallo! - Hallöchen!

Ich habe die Tonne schon bereitgestellt.

Sehr gut! Ich hoffe, du hast noch nicht drin herumsortiert.

Ich habe noch nicht darin herumsortiert.

Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob das so eine Vorzeigetonne ist.

Hier ist das gute Stück. Knallfolie und ein Duschgel.

Natürlich leer, allerdings unausgewaschen.

Und dann, ich traue es mich fast gar nicht, das zu zeigen,

beim Ausräumen des Kellers haben wir alte Felgen gefunden.

Allerdings aus Plastik.

Sehr beliebte Theorie:

Alles was aus Plastik ist, kommt in die gelbe Tonne.

Dachte ich auch.

Muss ich meine Tonne komplett wieder ausräumen?

Vielleicht machst du die Sachen untendrunter,

die du mir gerade gezeigt hast.

Ich will sehen, was bei den anderen Leuten so im Müll landet.

Kommen Sie!

Ich darf mitfahren!

Müllwerker Andreas Lauterschläger

nimmt mich mit auf seiner Tour durch Naumburg.

Wundern Sie sich manchmal, was die Leute da alles reinschmeißen?

Alles, was es gibt, alles! Farbe, Öl, Steine, Bio. Alles!

Anfang des Jahres wurde hier vom gelben Sack

auf die gelbe Tonne umgestellt.

Seitdem hat sich der Anteil an Fehlwürfen erhöht.

In so einer Tonne kann man eben besser was "verklappen"

als in dem dünnen, transparenten Sack.

Wollen wir da vorher reingucken, ob alles korrekt ist?

Es musst leicht sein, dann ist es korrekt.

Okay, dann probiere ich mal.

Oh, sehr leicht.

Wenn es zu schwer, merkst du das sofort.

Wenn leicht, mache ich nie auf.

Und dann finden wir eine, bei der nicht alles stimmt.

Das gehört hier nicht rein.

Was ist da drin? Binden und so, ne? Restmüll.

Die müsste stehenbleiben. Der Rest landet hier in Lohfelden.

Verpackungsmüll aus dem Landkreis Kassel. Rund 25 Tonnen pro Tag.

Von Lohfelden geht der Müll

etwa in die Sortieranlage nach Porta Westfalica.

Aus dem sortenreinen Plastik wird in Haimburg Recyclinggranulat.

Aber das funktioniert nicht mit jedem Kunststoff.

Wir haben jetzt hier einen Mischkunststoffbecher.

Gehört zwar rein, ist Verpackung.

Wir können es nur leider nicht stofflich verwenden.

Das kommt dann in die Fraktion Mischkunststoffe

und wird hochwertig thermisch verwertet, zur Energiegewinnung.

Sonst kann man leider nichts mehr damit anfangen.

Da wäre es also besser, wenn so was nicht hergestellt würde.

Das wäre ein Wunsch an die Hersteller, die so was machen,

dass man da drauf achtet.

Oder auch die Politik, die das entsprechend beschließt.

Dabei steht drauf, dass es in die Tonne gehört.

Mit rund 20% dieses Müllbergs geht das so.

30% sind gar kein Verpackungsabfall und etwa 50% können recycelt werden.

Verpackungen werden aber häufig keine Verpackungen mehr.

Nur 9% Recyclingmaterial

steckt durchschnittlich in einer neuen Verpackung.

Da ist Luft nach oben.

Ein Grund ist das günstige Rohöl,

erklärt mit Prof David Laner von der Uni Kassel.

Plastik aus Recyclingmaterial herzustellen

darf eigentlich nicht teurer sein als Plastik aus Rohöl.

Aber es bewegt sich was.

In diesem Bereich gibt es relativ viel Aktivität.

Es gibt Selbstverpflichtungen von Getränkeherstellern,

es gibt gesetzliche Vorgaben,

die Mindestanteile von Rezyklat vorschreiben.

Die natürlich dafür sorgen,

dass Preise steigen für Kunststoffrecyclingmaterialien,

was wiederum die Sortierung attraktiver macht,

was wiederum dazu führt, dass wir höhere Recycling-Niveaus haben.

Zurück in Lohfelden und zu der Frage,

was in die gelbe Tonne gehört oder was eben nicht.

Was immer wieder in den gelben Tonnen landet, ist das hier: Akkus.

Außen vielleicht Plastik, aber innen gar nicht lustig.

Und wenn die in so eine Sortieranlage kommen ...

... dann wirds schnell mal brandgefährlich.

Leider kommt das fast wöchentlich vor,

dass irgendwelche Anlagen brennen.

Das ist jedes mal für uns einfach eine Katastrophe.

Nicht gefährlich, aber trotzdem hier am falschen Platz

sind Plastik-Artikel, die keine Verpackungen sind.

Die Felgen aus Isabells Tonne gehören da auch dazu.

Hier bei diesem Töpfchen, das wäre ja ich.

Das hätte ich auch in die gelbe Tonne geschmissen noch bis vor Kurzem.

Ja, jetzt waren Sie ja heute dabei und haben viel gelernt.

Da sind natürlich

keine Verpackungsentgelte für bezahlt worden

und da wurde ein System benutzt, aber nichts dafür geleistet.

Der Töpfchenhersteller

hat quasi nichts für das gesamte System bezahlt,

deswegen darf das Töpfchen auch nicht in die gelbe Tonne.

Grundsätzlich würde Ihnen das aber keine Probleme machen,

das zu recyclen?

Richtig, das geht bei uns in die Kunststoffe dann mit rein.

Trotzdem ein blinder Passagier im Müllhaufen.

Eins ist klar: Ich trenne meinen Verpackungsmüll so sauber wie nie.

Aber wenig Müll zu machen, ist immer noch am ressourcenschonendsten.

Das war die hessenschau für heute.

Nach der Tagesschau zieht Michael Kessler wieder los.

Diesmal auf zwei Schwimmkufen rund um Berlin.

Schönen Abend und bis morgen!

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