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Tagesschau, Der vor der Küste Deutschlands Gestrandete Buck… – Texte à lire

Tagesschau, Der vor der Küste Deutschlands Gestrandete Buckelwal ist Tot

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Der in Dänemark gefundene tote Wal ist der Buckelwal, der mehrfach an der Ostseeküste gestrandet ist. Das teilten das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern und die dänische Umweltbehörde mit. An dem Tier wurde den Behörden zufolge ein zuvor angebrachter Tracker gefunden. Der Buckelwal war nach mehreren Wochen von einer privaten Initiative Richtung Nordsee geschleppt und ins Meer ausgesetzt worden. Mehrere Fachleute hatten damals gesagt, dass die Überlebenschancen für das Tier gering seien. Und ich spreche jetzt mit dem Meeresbiologen und Wal-Experten Ralf Sonntag. Ich grüße Sie.

Ja, einen schönen guten Tag.

Wie überraschend kam denn für Sie die Nachricht, dass es sich bei diesem toten Tier um den Buckelwal handelt, den man versucht hatte zu retten?

Also für mich kam es überhaupt nicht überraschend. Es war eine Frage der Zeit, dass es tatsächlich passiert. Es ging jetzt schneller als manche gedacht haben. Aber das Tier hat jetzt wochenlang heftigsten Stress erlebt. Es wurde an ihm rumgezerrt, es wurde ihn vom Sand, er wurde vom Sand gezogen, er wurde in eine Barke reingedrückt und so weiter. Also er hatte sehr viel Stress, war verletzt. Von daher war es zu erwarten, dass das Tier wahrscheinlich sehr schnell gestorben ist.

Um das zu verstehen, bedeutet das, dieser Stress kann tödlich sein für so ein Tier?

Na, wenn noch mehr dazu kommt. Das Tier hat ja wenig gefressen oder wahrscheinlich gar nichts gefressen, seit es in die Karibik geschwommen ist, ein halbes Jahr vorher. Und dann der ganze Stress, dann die ganzen Verletzungen, also das wird sich auf das Tier sehr stark auswirken.

Nun hatte ja eine private Initiative versucht, den Wal mit einer sehr aufwendigen Aktion zu retten. War das aus Ihrer Sicht trotzdem wichtig, es zu versuchen?

Nun, man kann es eine gewisse Zeit versuchen. Also in Holland gibt es Vorschriften, dass man 12 Stunden lang versuchen kann und dann sollte man das Tier in Ruhe lassen. Ich denke, das ist ein guter und richtiger Ansatz und darüber müssen wir auch in Deutschland nachdenken, wie wir das in Zukunft machen, damit eben nicht an so einem Tier rumgezerrt wird, was letztendlich qualvoll für dieses Tier ist.

Wie oft kommt es eigentlich vor, dass Wale verenden, dann abseits unserer Wahrnehmung?

Nun, Wale sind wie alle Tiere, bekommen die ein bestimmtes Alter und dann sterben sie. Und es kann auch sein, dass ein Wal mal die Orientierung verliert, was ja in diesem Fall der Fall war. Das passiert, das ist der Lauf der Dinge. Wichtig ist, dass man guckt, wie es den Lebenden geht und dass man da möglichst viel macht, um diese Tiere zu schützen. Beispielsweise sind im Pazifik etwa 20 bis 30 Prozent der Buckelwale verschwunden in den letzten 2, 3 Jahren, was sehr wahrscheinlich mit dem Klimawandel zusammenhängt. Also das heißt, wir müssen viel tun, sowohl in Deutschland als auch global.

Was muss man tun?

Nun, beispielsweise ist es wichtig, gute Schutzgebiete zu haben. Schutzgebiete, die nicht wie zum Teil bei uns intensiv befischt werden. Das ist natürlich schädlich für die Schweinswale. Wir haben 800, 900 Schweinswale, die jedes Jahr verändern, nur aufgrund des Fischereidrucks. Und das darf nicht sein. Da müssen wir dran arbeiten, dass sich das ändert.

Auch dieser Wal soll ja ein Netz im Maul gehabt haben. Noch mal konkreter: Was bedeutet das? Was müsste man hier genau ändern? Und wer ist gefragt? Die Politik?

Hier ist die Politik gefragt. Es werden— es wurde international festgestellt, dass wir 30% der Meere unter Schutz stellen müssen. Das muss jetzt auch durch die Politik durchgezogen werden, das muss gemacht werden. Und dann müssen natürlich bestimmte Fischereimethoden eingeschränkt werden, beispielsweise Bodenschleppnetzfischerei, die massiv schädlich ist für alle Tiere im Meer. Und hier müssen wir aktiv werden, hier müssen wir die Sachen ändern, tatsächlich.

Glauben Sie, dass die Geschichte dieses Buckelwals, mit dem sich ja viele Menschen identifiziert haben, muss man ja fast sagen, dazu beiträgt, dass jetzt wirklich etwas mehr zum Walschutz getan wird?

Das hoffe ich sehr, dass die Leute, die darüber sich echauffiert haben, dass die jetzt auch drüber nachdenken, was tatsächlich passiert, wie viele Wale in Deutschland sterben jedes Jahr etc. Ich denke, es wäre klasse, wenn diese Energie, die in die Rettung dieses Buckelwals geflossen ist, und auch das Geld, das da reingeflossen ist, wenn man das tatsächlich für den Walschutz, für den Naturschutz einsetzen würde.

Angenommen, so eine Situation passiert wieder, es strandet wieder ein Buckelwal vor der Ostseeküste. Glauben Sie, man ist jetzt besser vorbereitet?

Ich glaube, man muss hier tatsächlich mal einen runden Tisch machen und bei diesem runden Tisch muss dann durchdacht werden, wie gehen wir das nächste Mal vor, und dann muss man sich dran halten. Nicht so wie dieses Mal, das war ein Hin und Her, und ich kann auch Minister Backhaus überhaupt nicht verstehen. Dass er dann das Heft aus der Hand gegeben hat, obwohl zahlreiche Wissenschaftler, also Leute, die wirklich Erfahrung mit Buckelwalen haben, gesagt haben: Lasst den Wal in Ruhe. Und er hat sich da aus der Verantwortung geschlichen. Das finde ich falsch.

Sagt Ralf Sonntag, Meeresbiologe und Wal-Experte. Ganz herzlichen Dank, Herr Sonntag.

Gerne.

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