Die Nachbarn Kapitel 3 Georgs Nachforschungen
Georg will nicht in die Schule. Er will sehen, was passiert. Als er hinausgehen will, sieht er, dass Beiers Wohnungstür offensteht. Herr Beier steht in der Tür und spricht mit den Nachbarn. Er sieht traurig aus, aber Georg sagt nichts und sieht ihn böse an. Er glaubt nicht, dass er traurig ist. Georg geht aus dem Haus. Er geht in das Café gegenüber und wartet. Er sieht seine Mutter mit seiner Schwester aus dem Haus kommen. Sie bringt sie in den Kindergarten.
„Gut“, denkt Georg, „dann kann ich in ein paar Minuten wieder reingehen.“
Er wartet noch zehn Minuten. Dann geht er zurück in die Wohnung. Er stellt sich in der Nähe der Tür auf. Er wartet eine halbe Stunde, eine Stunde... Georg liest in einem Comic und langweilt sich. Er muss immer an einen Satz aus seinem „Handbuch für den tüchtigen Detektiv“ denken:
„Glaubt nicht, dass die Arbeit eines Detektivs immer interessant ist. Die meiste Zeit verbringt er mit Warten.“
Da! Er hört, dass Herr Beier aus der Wohnung kommt. Er trägt einen schwarzen Müllbeutel. Ein paar Minuten später kommt er zurück. „Das ist doch absurd“, denkt Georg, „wie kann er an den Müll denken, wo seine Frau gerade gestorben ist?“
Georg geht in den Hof hinunter, wo die Mülltonnen stehen. Niemand da. Er hat Glück. Es gibt nur zwei Müllbeutel und nur einer ist schwarz. Das muss der Beutel sein, den Herr Beier nach unten gebracht hat. Er macht den Sack auf und findet darin einen halben Fisch, zwei leere Milchflaschen, eine alte Zeitung, einen Schuh und: einen durchsichtigen Plastikbeutel mit Spuren eines weißen Pulvers. Ein Medikament?
Am Nachmittag ruft er Hans an, seinen besten Freund. Hans ist acht Monate älter als er. Er wohnt im Haus nebenan. Sie waren schon zusammen in den Kindergarten gegangen. Hans ist sehr intelligent und gut in der Schule. Hans ist kein Krimi-Fanatiker wie Georg. Er liest lieber
Science-Fiction-Romane. Er weiß viel über Planeten, UFOs und übernatürliche Phänomene. Er will Wissenschaftler werden. Aber was Georg erzählt, interessiert ihn auch.
„Das sehe ich auch so wie du. Der Beier hat seine Frau ermordet und da muss man etwas tun. Du musst zur Polizei gehen und alles erzählen.“ Die glauben mir doch nicht, Hans! Ich habe keine Beweise , und außerdem bin ich für die doch noch ein Kind.“
Aber Hans läßt nicht locker:
„Du hast zwei Indizien. Du hast in der Nacht einen Schrei gehört und du hast den Beier einen Beutel wegwerfen sehen, in dem vielleicht Gift war.“
„Ich möchte noch auf eigene Faust weitersuchen“ sagt Georg. Aber Hans will das nicht:
„Nein. Das ist gefährlich. Wenn der Typ wirklich seine Frau umgebracht hat, ist das gefährlich. Geh zur Polizei... Versuch's wenigstens mal!“
„Na gut“, sagt Georg, „sie werden mir nicht glauben, aber ich kann ja trotzdem hingehen...“