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2020-7 Imported from YouTube, Tschernobyl - Die nukleare Katastrophe

Tschernobyl - Die nukleare Katastrophe

. Vielleicht habt ihr sie schon gesehen. Die Miniserie "Tschernobyl".

Für mich ist das aktuell eine der besten Serien der Welt

und auf meiner Alltime- favorite-Liste auch ganz oben.

Eine absolute Empfehlung.

Viele von euch wollten wissen, wie war das damals,

als in Tschernobyl der Atomreaktor explodiert ist?

Genau darum geht es hier in diesem Video.

Die Schweden sind ordentliche Leute und gehen mit Technik sorgfältig um,

deshalb kontrollieren sie rund um ihre Atomkraftwerke

auch immer die Strahlung,

damit etwaige Fehlfunktionen sofort entdeckt werden.

Als die Kontrolleure in Schweden Ende April 1986 nahe einem Kraftwerk

bei Stockholm erhöhte Strahlungswerte messen, sind sie alarmiert.

Aber plötzlich melden auch andere Kraftwerke eine erhöhte Strahlung.

Bald ist klar, die Strahlung kommt nicht aus den schwedischen Reaktoren,

sondern über die Atmosphäre durch die Luft.

Die Wissenschaftler errechnen, dass die Strahlung aus der Ukraine,

einem Teil der Sowjetunion stammt.

Tatsächlich ist dort im Kernkraftwerk Tschernobyl

ein katastrophaler Unfall passiert.

Diese Katastrophe wird durch einen Versuch eingeleitet.

Ein Kernkraftwerk kann man nicht so einfach abschalten wie einen Toaster.

Auch ein abgeschaltetes Kernkraftwerk braucht Strom,

damit die Kühlung läuft und die Instrumente der Anlage funktionieren.

Im noch nagelneuen Atomkraftwerk Tschernobyl soll getestet werden,

wie vom Ausfall der Stromversorgung

bis zum Anspringen der Notstromaggregate

die Versorgung überbrückt werden kann.

Aber diese Sicherheitsübung geht furchtbar schief.

Zum Teil wegen technischer Defekte, zum Teil wegen falscher Bedienung.

Auf jeden Fall gerät die atomare Kettenreaktion außer Kontrolle,

was zur Folge hat, dass der Reaktordruckbehälter birst

und das Gebäude dazu beschädigt wird.

Der Reaktor, der mit Graphit gefüllt ist, fängt sofort zu brennen an.

Die heißen Verbrennungsgase tragen daraufhin radioaktives Material

hoch in die Atmosphäre.

Die Katastrophe ist da.

Das passiert am 26. April 1986 um 1:23 Uhr, mitten in der Nacht.

Das Feuer der 250 Tonnen Graphit in dem zerstörten Reaktor

lässt sich nicht so leicht löschen und die Strahlung,

die aus dem Reaktor kommt, die kann man nicht sehen.

In der Serie Tschernobyl steigt da schwarzer Rauch auf.

Aber der Ruß, der aufsteigt, ist nicht das Gefährliche,

es sind die radioaktiven unsichtbaren Bestandteile,

die mit dem Rauch in die Höhe steigen.

Über Tschernobyl bildet sich eine große radioaktive Wolke.

Also eine Wolke radioaktiver Teilchen, die der Wind verweht.

Auch rund um den Reaktor liegt natürlich

jede Menge strahlender Schutt rum.

Die Männer, die die ersten Maßnahmen ergreifen,

werden davon oft furchtbar verstrahlt.

Und werden fast alle an den Folgen dieser Strahlung sterben.

Mittlerweile ist ein Tag vergangen, es ist Sonntag, der 27. April.

Um das Feuer zu löschen und die atomare Kettenreaktion zu stoppen,

werfen Hubschrauber Tonnen von Bohr, Blei und Sand über dem Reaktor ab.

Über 2000 Tonnen Material wird über dem Brandherd abgeworfen.

Aber wie bei einem Vulkan spuckt der Reaktor noch zehn Tage lang

radioaktives Material in den Himmel.

Jetzt wird endlich auch die Stadt Prypjat,

die ganz in der Nähe der Atomanlage liegt, evakuiert.

Selbst jetzt ist die Aufklärung über die Katastrophe noch dürftig,

Dabei müssten die Menschen doch erfahren,

wie sie sich verhalten müssen,

um möglichst wenig Strahlung abzubekommen.

Am darauffolgenden Montag, am 28. April,

stellen die schwedischen Techniker die Strahlung fest.

Bis nach Skandinavien hat sich die radioaktive Wolke schon ausgebreitet.

Wie reagiert die sowjetische Führung darauf?

Naja, erst mal mit Vertuschung.

Es ist offiziell nichts passiert.

Die Unfallstelle wird abgeschirmt und ansonsten geht das Leben weiter.

In Kiew, das ist nur gut 150 km von Tschernobyl entfernt,

gehen die Menschen wie gewohnt auf den Markt.

Sie kaufen ein, die Kinder spielen Fußball im Freien usw.

Aber am Abend des 28. April

wird dann doch eine Pressemitteilung herausgegeben.

"Im Atomkraftwerk Tschernobyl hat sich ein Unfall ereignet.

Ein Reaktor wurde beschädigt,

Maßnahmen zur Beseitigung der Unfallfolgen werden ergriffen.

Den Geschädigten wird Hilfe geleistet,

eine Regierungskommission ist gebildet worden."

Am 29. April ist dann erstmals von einer Katastrophe die Rede.

Auch in den deutschen Zeitungen wird jetzt über den GAU berichtet.

Aber belastbare Informationen sind dürftig. Es gibt keine Bilder.

Was es gibt sind Messwerte, denn die Wolke aus radioaktiven Teilchen

wird vom Wind verweht.

Ein Teil nach Skandinavien, ein Teil nach Mittel-und Westeuropa.

Regen wäscht die Partikel aus der Luft aus

und so gelangt die Radioaktivität auf den Boden.

Vor allem Cäsium 137, dass sich in Bayern, Baden-Württemberg

und Thüringen im Boden und in den Wäldern absetzt.

Heute, noch 30 Jahre nach dem Unfall, kann man die Strahlenbelastung

in Wildschweinen und teilweise auch in Pilzen in Bayern nachweisen.

Ich bin übrigens geboren am 30. April 1986.

Meine Mutter durfte damals viele Tage nicht mit mir vor die Tür gehen.

Erst in 300 Jahren wird die Strahlung verschwunden sein.

Die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe sind

also auch in Deutschland zu spüren.

Da mag der damalige westdeutsche Innenminister Friedrich Zimmermann

noch so beruhigend in den Nachrichten auftreten.

"Wir sind 2000 km von der Unfallstelle entfernt,

eine Gefährdung der deutschen Bevölkerung ist ausgeschlossen."

So der Minister. Aber die Bevölkerung glaubt ihm kaum.

Die Leute fragen sich, ob sie Wäsche zum Trocknen

im Freien aufhängen können?

Ist die Katze, die draußen auf Jagd war, jetzt strahlenverseucht?

Die Menschen wissen erst nicht,

dass verseuchter Regen auf sie herabprasselt.

In Wiesbaden schließt die Stadt die Spielplätze.

Auf der anderen Rheinseite, in Mainz, bleiben sie offen.

Die offiziellen Stellen, aber auch die verschiedenen Experten

in Rundfunk und Fernsehen, geben ganz unterschiedliche Ratschläge.

Die Menschen haben Angst, dass sie Strahlung abbekommen haben,

die dazu führt, dass sie in 20 Jahren wahrscheinlich an Krebs sterben.

Man kann also schon von einer Art Massenpanik sprechen,

die damals Westdeutschland ergreift.

Deshalb war auch meine Mutter mit mir immer drinnen.

In Ostdeutschland, in der DDR, hält die SED den Unfall

und die radioaktive Wolke über Europa zunächst im Verborgenen.

Später wird der Bevölkerung weisgemacht,

es bestünde keine Gefahr.

Aber auch in der DDR fordern Menschen den Ausstieg aus der Kernenergie.

Die Einstellung der Westdeutschen zum Thema Atomkraft

verändert der Reaktorunfall von Tschernobyl radikal.

Jahrelang gab es eine Mehrheit,

die sich für den Bau neuer Atomkraftwerke aussprach.

Nach dem Unfall sind zwei Drittel der Bundesbürger dagegen.

Sie machen sich große Sorgen.

Das macht sich auch bemerkbar,

weil ganz speziellen Geräte ausverkauft sind: Geigerzähler.

Also Messgeräte, die radioaktive Strahlung aufspüren können.

Die Menschen kaufen erst einmal keine frischen Lebensmittel am Markt mehr,

sie trinken keine frische Milch,

Spinat und Salat dürfen nicht mehr verkauft werden.

Bei Regen bleibt man drinnen

und viele lassen auch ihre Kinder nicht draußen spielen.

Habt ihr ja bei mir gehört.

Fast undenkbar in Deutschland:

Sogar Fußballspiele werden abgesagt.

In der Sowjetunion geht derweil der Kampf gegen die Katastrophe weiter.

In den ersten Tagen des Mai werden die Stadt Tschernobyl und das Gebiet

in einem Umkreis von 30 km um den Reaktor evakuiert.

Insgesamt müssen über 300.000 Menschen ihre Häuser

und Wohnungen verlassen.

70 Dörfer und Städte werden zu Geisterstädten.

Das unmittelbare Gebiet um Tschernobyl herum

ist auf unabsehbare Zeit radioaktiv verseucht.

Praktisch eine Todeszone.

Am 6. Mai 1986 wird die Freisetzung von radioaktiven Material

nahezu gestoppt.

Aber damit endet die Katastrophe nicht.

Sie geht jetzt von einem Notfall in eine dauerhafte Gefährdung über.

Zwar sind die glühenden Überreste des Reaktors

mit tausenden Tonnen Sand und Blei zugeschüttet,

aber das Material glüht weiter.

Auf dem Dach liegen Brocken, die bei der Explosion

herausgeschleudert wurden,

die jetzt Helfer in den Reaktor zurückwerfen sollen.

Diese Männer, v.a. Soldaten, bekommen die Anweisung,

dass sie einen Bleischutz tragen sollen

und dass sie sich nur 45 Sekunden am Stück

auf dem Dach aufhalten sollen.

Aber in 45 Sekunden, da kann man ja kaum was machen.

Die Männer aber wollen helfen, sie bleiben länger.

Teilweise werfen sie die Bleischürze weg, weil ihnen zu heiß wird.

Diese Männer, die "Liquidatoren", werden furchtbar verstrahlt.

Viele sterben, einige schnell, andere Jahre oder Jahrzehnte später,

oft sehr qualvoll.

Maschinen, die eingesetzt werden sollen, versagen,

aufgrund der Strahlung ihren Dienst.

Auch das sieht man in der Serie ganz gut.

Insgesamt sind hunderttausende Liquidatoren im Einsatz.

Sie räumen nicht nur auf, sondern dekontaminieren auch die Umgebung.

Das bedeutet, sie beseitigen die radioaktiven Partikel, den Staub,

der sich überall auf den Dächern der Häuser und am Boden abgesetzt hat.

Über der Unfallstelle wird aus mehr als 300.000 t Stahlbeton

ein sogenannter Sarkophag errichtet.

Eine Hülle, die die Strahlung abschirmen soll.

Weil die Hülle aber brüchig wird, braucht man einen neuen Sarkophag.

Eine riesige Halle, die über die Unglücksstelle geschoben wird.

Mitte 2019 ist diese zweite Schutzhülle an ihrem Platz.

Der Bau hatte sich verzögert, auch, weil die Strahlung

immer noch stärker war als gedacht.

Unter der Hülle soll der Unglücksreaktor rückgebaut werden.

Was natürlich eine gigantische Aufgabe ist,

denn hier wird ja nicht

ein ordentlich stillgelegtes Atomkraftwerk zerlegt,

und die Reste sicher verwahrt, soweit das möglich ist.

Nein, wir reden hier von vielen Tonnen hochradioaktivem Material,

von dem man nicht weiß, wie und wo es genau liegt.

Die Katastrophe hat einen langen Atem.

Einen vollständigen Schutz vor der Strahlung bietet die neue Hülle

übrigens nicht, aber immerhin wird kein verunreinigter Staub mehr

in die Umwelt gelangen.

Und die 36.000 t schwere Konstruktion soll 100 Jahre lang halten.

Soll.

Nur am Rande, eine Sache, die oft vergessen wird,

in Tschernobyl ist nur einer von vier Reaktorblöcken explodiert.

Die drei anderen nehmen schon Ende September 1986

den normalen Betrieb wieder auf.

Erst 2000 stellt das Atomkraftwerk den Betrieb komplett ein.

Was sind die Auswirkungen dieser Katastrophe?

Was euch interessiert, wie viele Menschen wegen des Unfalls starben,

das wüsste ich auch gern.

Es gibt ganz unterschiedliche Studien und Zahlen dazu.

Der wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung

der Auswirkungen der atomaren Strahlung,

hat im Jahr 2011 geschrieben, dass in den ersten 20 Jahren nach Tschernobyl

insgesamt 62 Menschen an den Folgen gestorben sind.

Die Organisation

"Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges"

schreibt im Jahr 2016, dass viele Tausende

an verschiedenen Krebsarten erkrankt sind.

Vor allem in Weißrussland und in der Ukraine.

Kurz und knapp, man weiß es nicht.

Woran liegt das?

Zunächst einmal weiß man nicht, welche Strahlung überhaupt

bei dem Unfall freigesetzt wurde.

Und dann ist es eigentlich unmöglich zu sagen,

dass ein Krebstoter in Weißrussland deshalb Krebs bekommen hat,

weil er durch den Reaktorunfall verstrahlt wurde.

Dann streiten sich Wissenschaftler auch noch darum,

welche Auswirkungen niedrige Strahlung überhaupt hat.

Es ist wirklich schwierig,

eine Aussage zu den Opferzahlen zu treffen.

Fest steht, dass Hunderttausende ihre Heimat verloren haben.

Und dass die hunderttausenden von Liquidatoren,

die aufgeräumt haben, sehr viel häufiger an Krebs erkrankten,

als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Eines macht der GAU in Tschernobyl aber auf jeden Fall klar:

das Restrisiko ist größer als gedacht.

Restrisiko, mit diesem Begriff bezeichnet man den Zustand,

dass z.B. Atomreaktoren in der Bundesrepublik

zwar sicher sind, so sicher, dass eigentlich nichts passieren kann,

aber Unfälle oder Fehler können eben immer passieren.

Deshalb besteht ein Restrisiko.

Jetzt wird den Menschen klar, dass dieses Restrisiko

immer noch eine Katastrophe bedeuten kann.

Aber es dauert noch lange, bis zum Reaktorunglück in Fukushima, 2011,

bis der Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie

endgültig beschlossen wird.

Bis Ende des Jahres 2022 werden alle Reaktoren abgeschaltet.

Womit das Problem ja noch nicht gelöst ist.

Noch dazu, weil es in vielen anderen Ländern

nach wie vor Atomkraftwerke gibt teils neue gebaut werden.

Noch mal zurück nach Tschernobyl: ein großes Gebiet rund um den Reaktor

ist bis heute radioaktiv belastet.

Aber nicht menschenleer.

Auch dazu trägt wieder die Tschernobyl-Serie bei.

Nach der Ausstrahlung kommen mehr Touristen nach Tschernobyl.

Ja, ihr habt richtig gehört.

Schon seit einiger Zeit gibt es einen regelrechten Tschernobyl-Tourismus.

Ich zitiere mal einen Ausflugs-Anbieter:

"Planmäßige ein-und mehrtägige Touren,

in welchen Sie nicht nur die Städte Prypjat und Tschernobyl besuchen,

sondern auch das Atomkraftwerk Tschernobyl,

mit dem weltbekannten Sarkophag,

an welchen Sie bis auf wenige 100 Meter herantreten.

Auch verlassene und vergessene Dörfer stehen auf dem Plan,

hier können auch noch Bewohner angetroffen werden,

welche nach der Zwangsaussiedlung zurückgekehrt sind.

Sie erzählen Ihnen Geschichten,

welche Sie vorher noch nie gehört haben."

Tatsächlich muss man sich sehr lange in Tschernobyl aufhalten,

um wirklich Strahlenschäden zu erleiden. Heute.

Aber es gibt auch Stellen, an die man nicht gehen darf.

Touristen werden nach dem Besuch auf Strahlung überprüft

und müssen gegebenenfalls gereinigt werden.

Und natürlich gilt: keine Souvenirs.

Also Gegenstände aus der Zone mitnehmen.

Wenn man an der Serie "Tschernobyl" was kritisieren möchte,

dann vielleicht das:

die Macher zeigen uns,

wie das verkrustete Sowjetsystem einen fürchterlichen Fehler

nach dem anderen begeht. Aber der Unfall an sich,

der hätte auch in jedem anderen beliebigen Land geschehen können.

Das wissen wir seit der Reaktorkatastrophe

im japanischen Fukushima.

Ich will den Sowjetkommunismus nicht in Schutz nehmen, im Gegenteil,

aber blinder Glaube an die Allmacht der Technik

und an die Beherrschbarkeit der Naturgewalten, ist eine Sache,

die wir im Westen auch gut genug kennen, würde ich sagen.

Jetzt interessiert mich natürlich, wie ihr das seht.

Sagt ihr, man sollte daraus lernen,

Atomkraftwerke sollte es künftig nirgendwo mehr geben.

Oder sagt ihr, es ist halt immer ein Risiko, das besteht,

an sich ist Atomkraft was Gutes.

Gerne eure Meinung unten in die Kommentare.

Hier neben mir geht es um das Thema Atom, aber Atom als Waffe.

Mehr dazu dann in dem Video.

Und direkt darunter ein Video über den "Kalten Krieg".

Da spielt die Sowjetunion natürlich auch eine entscheidende Rolle.

Wenn ihr kein Video verpassen wollt, abonniert den Kanal.

Ich sage, vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.

Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)

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