Orchideen
Die Orchideen fangen im Herbst und Spätherbst zu blühen an, das heißt, die exotischen Pflanzen aus der Äquatornähe oder von der südlichen Halbkugel, für die es Sommer oder immerwährender Sommer wäre. Es ist ein Erlebnis, alle Jahre wieder passiert es, dass die mickrigsten Orchideen plötzlich anfangen, Blütenstängel zu treiben. Die dunkleren Tage scheinen den Blühbeginn zu fördern, bei den längeren Tagen im Sommer tun die meisten das nicht. Die Tatsache, dass im Sommer die Tage im Süden kürzer sind als im Norden, könnte dafür verantwortlich sein. Warum sie sich hierorts nicht umstellen, wird wohl an der Genetik liegen. Das heißt, sie stellen sich nicht um, nur weil sie jetzt nördlich des Äquators oder nördlich der Subtropen stehen. Deshalb erreicht die Blüte ihren Höhepunkt um Weihnachten und das Neue Jahr.
Im Laufe des Frühjahrs bis zum beginnenden Sommer nimmt die Zahl der blühenden Orchideen ab. Nur wenige fangen im Frühling erst zu blühen an, wenn die Tage länger werden. Diese kommen vermutlich aus Gegenden. die weiter nördlich liegen, also zumindest aus den Subtropen, sei es dem subtropischen Südafrika oder Südamerika. Falls es dort keine solchen Orchideen gibt, stammen sie aus Zuchten, die sich mit Kreuzungen beschäftigen, die vielleicht auch die genetisch bestimmte Blütezeit verändern, also aus Ostasien oder Holland, wo alle möglichen Arten nachgezüchtet und vermehrt werden.
Orchideen sollen ja für Harmonie verantwortlich sein, je mehr desto besser. Ob man das merkt, kann ich nicht belegen, weil ich in Umgebungen gelebt und gearbeitet habe, wo es jedenfalls auch Disharmonie gegeben hat. Ein bisschen kann ich Rückschlüsse daraus ableiten, dass ich selber mich gut fühle, wenn ich vor allem blühende Orchideen sehe. Das Beste an ihnen ist die lange Lebenszeit, vorausgesetzt sie werden regelmäßig ausreichend richtig betreut. Bei Tieren spricht man von artgerechter Haltung. Bei Orchideen ist es ähnlich. Was sie brauchen ist ausreichende Feuchtigkeit und in geringerem Maße Nahrung.
Dafür zu sorgen ist nicht leicht. Angesichts der normalerweise geringen Luftfeuchtigkeit in unseren Wohnungen ist es notwendig, sie alle zwei Wochen zu gießen. Das tut man aber nicht, indem man mit der Gießkanne gießt, sondern die Töpfe mit dem Substrat zur Gänze in einen Kübel voll Wasser eintaucht oder auch unter das aus dem Wasserhahn fließende Wasser hält, bis sie durch und durch mit Wasser durchtränkt sind. Zumindest alle vier Wochen fügt man dem Kübel voll Wasser eine kleine Menge Flüssigdünger - Spezialdünger für Orchideen - hinzu, sodass für ausreichend Nahrung gesorgt ist. Hierzulande enthält die Luft nicht so viele düngende Partikel, die vielleicht in tropischer Luft oder im Regenwasser enthalten sind. Also muss man nachhelfen. Zu oft sollte man die Pflanzen weder gießen noch düngen. Manchmal schadet es durchaus nicht, sie ein wenig hungern zu lassen. Sie verlieren dann vielleicht auch einmal ein Blatt oder Wurzeln und Luftwurzeln beginnen einzutrocknen, aber normalerweise schadet das nicht, solange man sie dann einige Zeit lang wieder normal mit Wasser und Dünger versorgt.
Sommerhitze und die Heizperiode sind Zeiten mit erhöhtem Stress für Orchideen. Dann können sie auch Schädlinge bekommen, die sich sehr schnell verbreiten können, wenn man mehrere Pflanzen benachbart untergebracht hat. Um die sommerliche Sonneneinstrahlung vom Fenster her zu minimieren, ist es angebracht Orchideen eher auf nordseitigen Fensterbrettern oder zumindest etwas mehr im Rauminneren aufzustellen, da sie sonst unter Trockenstress leiden und sehr leicht welk und unansehnlich werden. Was die möglichen Schädlinge angeht, ist es am einfachsten, sie durch mehrmaliges Waschen zu beseitigen und anschließend immer wieder zu kontrollieren. Gift braucht man normalerweise keines, höchstens etwas Rapsöl oder Paraffinöl dem Sprühwasser beimengen. Das reicht immer.
Alle paar Jahre ist es nötig, die ganze Pflanze, die schon zu weit aus dem Topf herausgewachsen ist und kaum mehr Halt im Substrat hat auszutopfen. Die abgetrockneten oder abgefaulten Wurzeln und Luftwurzeln schneidet man einfach vorsichtig ab; das gilt auch für den Stamm, den man bis unter die ersten schönen Wurzeln kürzt. Dann verwendet man eventuell einen etwas größeren Topf, falls die Pflanze zu groß für den kleineren geworden ist, und gibt als Substrat schönen Rindenmulch, am besten von der Pinie, in den Topf. Zuerst ein wenig unten, dann kommt die Orchidee mit etlichen Luftwurzeln hinein und dann füllt man den Topf allmählich auf, bis die Pflanze halbwegs fest im Substrat sitzt. Sollte sie ausreichend Wurzeln besessen haben, reicht das, und man kann sie das erste Mal gießen, also am besten unter der Wasserleitung wässern. Sollte sie zu wenige gute Wurzeln haben, kann man sie mit einem oder zwei Stöckchen, wie man sie als Stütze für die Blütenstängel verwendet, festhalten, damit sie nicht aus dem Topf fällt, bevor sie neue Wurzeln getrieben hat. Als Töpfe haben sich am besten durchscheinende Plastiktöpfe bewährt, weil sie lichtdurchlässig sind, was das Wurzelwachstum anregt. Schon nach wenigen Wochen sind dann oft schöne saftige und grüne Wurzeln im Substrat erkennbar und das Blattwachstum beginnt wieder.
Manchmal, wenn die Orchidee nur mehr sehr schwach und kaum überlebensfähig war, dauert es Monate oder ein zwei Jahre, bis man echte Fortschritte sieht. Orchideen halten viel aus, sie können schwierige Zeiten überstehen und wieder zum Blühen kommen. Es kann aber auch ein langes Siechtum sein, aus dem sie nicht mehr herauskommen. Wenn man das erkennt, ist es besser sie durch neue Pflanzen zu ersetzen, an denen man sich sofort erfreuen kann. Im Extremfall kann es von einem erkennbaren Schaden, meist ein faulender Stamm, von dem die Blätter der Reihe nach abfallen, bis zum unausweichlichen Ende nur Tage dauern. Dann nützt auch kein noch so radikales Zurückschneiden von Wurzeln oder Stamm. Glücklicherweise ist das sehr selten. Aufpassen muss man immer bei neu zugekauften oder geschenkten Orchideen, weil in Gärtnereien oder Blumengeschäften durch die längere Verweildauer und mangelnde Hygiene Schädlinge vorhanden sein können, die erst bei uns zu Hause erkennbar werden. Kein Problem ist aber, abgeblühte Orchideen stark verbilligt zu kaufen, weil sie bei guter Pflege innerhalb einiger Monate oder eines Jahres auf jeden Fall wieder blühen werden. Umso großer ist dann die Freude, weil man ja nicht immer weiß, wie die Blüten aussehen werden. Die Vielfalt der Orchideen ist ja schier grenzenlos.