image

Grimms Märchen, Die zwölf Brüder

Die zwölf Brüder

Es war einmal ein König und eine Königin, die lebten in Frieden miteinander und hatten zwölf Kinder, das waren aber lauter Buben. Nun sprach der König zu seiner Frau »wenn das dreizehnte Kind, was du zur Welt bringst, ein Mädchen ist, so sollen die zwölf Buben sterben, damit sein Reichtum groß wird und das Königreich ihm allein zufällt.« Er ließ auch zwölf Särge machen, die waren schon mit Hobelspänen gefüllt, und in jedem lag das Totenkißchen, und ließ sie in eine verschlossene Stube bringen, dann gab er der Königin den Schlüssel und gebot ihr, niemand etwas davon zu sagen. Die Mutter aber saß nun den ganzen Tag und trauerte, so daß der kleinste Sohn, der immer bei ihr war, und den sie nach der Bibel Benjamin nannte, zu ihr sprach »liebe Mutter, warum bist du so traurig?« »Liebstes Kind,« antwortete sie, »ich darf dirs nicht sagen.« Er ließ ihr aber keine Ruhe, bis sie 51 ging und die Stube aufschloß, und ihm die zwölf mit Hobelspänen schon gefüllten Totenladen zeigte. Darauf sprach sie »mein liebster Benjamin, diese Särge hat dein Vater für dich und deine elf Brüder machen lassen, denn wenn ich ein Mädchen zur Welt bringe, so sollt ihr allesamt getötet und darin begraben werden.« Und als sie weinte, während sie das sprach, so tröstete sie der Sohn und sagte »weine nicht, liebe Mutter, wir wollen uns schon helfen und wollen fortgehen.« Sie aber sprach »geh mit deinen elf Brüdern hinaus in den Wald, und einer setze sich immer auf den höchsten Baum, der zu finden ist, und halte Wacht und schaue nach dem Turm hier im Schloß. Gebär ich ein Söhnlein, so will ich eine weiße Fahne aufstecken, und dann dürft ihr wiederkommen: gebär ich ein Töchterlein, so will ich eine rote Fahne aufstecken, und dann flieht fort, so schnell ihr könnt, und der liebe Gott behüte euch. Alle Nacht will ich aufstehen und für euch beten, im Winter, daß ihr an einem Feuer euch wärmen könnt, im Sommer, daß ihr nicht in der Hitze schmachtet.« Nachdem sie also ihre Söhne gesegnet hatte, gingen sie hinaus in den Wald. Einer hielt um den andern Wache, saß auf der höchsten Eiche und schaute nach dem Turm. Als elf Tage herum waren und die Reihe an Benjamin kam, da sah er, wie eine Fahne aufgesteckt wurde: es war aber nicht die weiße, sondern die rote Blutfahne, die verkündete, daß sie alle sterben sollten. Wie die Brüder das hörten, wurden sie zornig und sprachen »sollten wir um eines Mädchens willen den Tod leiden! wir schwören, daß wir uns rächen wollen: wo wir ein Mädchen finden, soll sein rotes Blut fließen.« Darauf gingen sie tiefer in den Wald hinein, und mitten drein, wo er am dunkelsten war, fanden sie ein kleines verwünschtes Häuschen, das leer stand. Da sprachen sie »hier wollen wir wohnen, und du, Benjamin, du bist der jüngste und schwächste, du sollst daheim bleiben und haushalten, wir andern wollen ausgehen und Essen holen.« Nun zogen sie in den Wald und schossen Hasen, wilde Rehe, Vögel und Täuberchen, und was zu essen stand: das brachten sie dem Benjamin, 52 der mußte es ihnen zurecht machen, damit sie ihren Hunger stillen konnten. In dem Häuschen lebten sie zehn Jahre zusammen, und die Zeit ward ihnen nicht lang. Das Töchterchen, das ihre Mutter, die Königin, geboren hatte, war nun herangewachsen, war gut von Herzen und schön von Angesicht und hatte einen goldenen Stern auf der Stirne. Einmal, als große Wäsche war, sah es darunter zwölf Mannshemden und fragte seine Mutter »wem gehören diese zwölf Hemden, für den Vater sind sie doch viel zu klein?« Da antwortete sie mit schwerem Herzen »liebes Kind, die gehören deinen zwölf Brüdern.« Sprach das Mädchen »wo sind meine zwölf Brüder, ich habe noch niemals von ihnen gehört.« Sie antwortete »das weiß Gott, wo sie sind: sie irren in der Welt herum.« Da nahm sie das Mädchen und schloß ihm das Zimmer auf, und zeigte ihm die zwölf Särge mit den Hobelspänen und den Totenkißchen. »Diese Särge,« sprach sie, »waren für deine Brüder bestimmt, aber sie sind heimlich fortgegangen, eh du geboren warst,« und erzählte ihm, wie sich alles zugetragen hatte. Da sagte das Mädchen »liebe Mutter, weine nicht, ich will gehen und meine Brüder suchen.« Nun nahm es die zwölf Hemden und ging fort und geradezu in den großen Wald hinein. Es ging den ganzen Tag, und am Abend kam es zu dem verwünschten Häuschen. Da trat es hinein und fand einen jungen Knaben, der fragte »wo kommst du her und wo willst du hin?« und erstaunte, daß sie so schön war, königliche Kleider trug und einen Stern auf der Stirne hatte. Da antwortete sie »ich bin eine Königstochter und suche meine zwölf Brüder und will gehen, so weit der Himmel blau ist, bis ich sie finde.« Sie zeigte ihm auch die zwölf Hemden, die ihnen gehörten. Da sah Benjamin, daß es seine Schwester war, und sprach »ich bin Benjamin, dein jüngster Bruder.« Und sie fing an zu weinen vor Freude, und Benjamin auch, und sie küßten und herzten einander vor großer Liebe. Hernach sprach er »liebe Schwester, es ist noch ein Vorbehalt da, wir hatten verabredet, daß ein jedes Mädchen, das uns begegnete, sterben sollte, weil wir um ein Mädchen unser Königreich verlassen mußten.« Da sagte sie »ich will gerne sterben, wenn ich damit meine zwölf Brüder erlösen kann.« »Nein,« antwortete er, »du sollst nicht sterben, setze dich unter diese Bütte, bis die elf Brüder kommen, dann will ich schon einig mit ihnen werden.« Also tat sie; und wie es Nacht ward, kamen die andern von der Jagd, und die Mahlzeit war bereit. Und als sie am Tische saßen und aßen, fragten sie »was gibts Neues?« Sprach Benjamin »wißt ihr nichts?« »Nein,« antworteten sie. Sprach er weiter »ihr seid im Walde gewesen, und ich bin daheim geblieben, und weiß doch mehr als ihr.« »So erzähle uns,« riefen sie. Antwortete er »versprecht ihr mir auch, daß das erste Mädchen, das uns begegnet, nicht soll getötet werden?« »Ja,« riefen alle, »das soll Gnade haben, erzähl uns nur.« Da sprach er »unsere Schwester ist da,« und hub die Bütte auf, und die Königstochter kam hervor in ihren königlichen Kleidern mit dem goldenen Stern auf der Stirne, und war so schön, zart und fein. Da freueten sie sich alle, fielen ihr um den Hals und küßten sie und hatten sie vom Herzen lieb. Nun blieb sie bei Benjamin zu Haus und half ihm in der Arbeit. Die elfe zogen in den Wald, fingen Gewild, Rehe, Vögel und Täuberchen, damit sie zu essen hatten, und die Schwester und Benjamin sorgten, daß es zubereitet wurde. Sie suchte das Holz zum Kochen und die Kräuter zum Gemüs, und stellte die Töpfe ans Feuer, also daß die Mahlzeit immer fertig war, wenn die elfe kamen. Sie hielt auch sonst Ordnung im Häuschen, und deckte die Bettlein hübsch weiß und rein, und die Brüder waren immer zufrieden und lebten in großer Einigkeit mit ihr. Auf eine Zeit hatten die beiden daheim eine schöne Kost zurechtgemacht, und wie sie nun alle beisammen waren, setzten sie sich, aßen und tranken und waren voller Freude. Es war aber ein kleines Gärtchen an dem verwünschten Häuschen, darin standen zwölf Lilienblumen, die man auch Studenten heißt: nun wollte sie ihren Brüdern ein Vergnügen machen, brach die zwölf Blumen ab und dachte jedem aufs Essen eine zu schenken. Wie sie aber die Blumen abgebrochen hatte, in demselben Augenblick waren die zwölf Brüder in 54 zwölf Raben verwandelt und flogen über den Wald hin fort, und das Haus mit dem Garten war auch verschwunden. Da war nun das arme Mädchen allein in dem wilden Wald, und wie es sich umsah, so stand eine alte Frau neben ihm, die sprach »mein Kind, was hast du angefangen? warum hast du die zwölf weißen Blumen nicht stehen lassen? das waren deine Brüder, die sind nun auf immer in Raben verwandelt.« Das Mädchen sprach weinend »ist denn kein Mittel, sie zu erlösen?« »Nein,« sagte die Alte »es ist keins auf der ganzen Welt als eins, das ist aber so schwer, daß du sie damit nicht befreien wirst, denn du mußt sieben Jahre stumm sein, darfst nicht sprechen und nicht lachen, und sprichst du ein einziges Wort, und es fehlt nur eine Stunde an den sieben Jahren, so ist alles umsonst, und deine Brüder werden von dem einen Wort getötet.« Da sprach das Mädchen in seinem Herzen »ich weiß gewiß, daß ich meine Brüder erlöse,« und ging und suchte einen hohen Baum, setzte sich darauf und spann, und sprach nicht und lachte nicht. Nun trugs sich zu, daß ein König in dem Walde jagte, der hatte einen großen Windhund, der lief zu dem Baum, wo das Mädchen darauf saß, sprang herum, schrie und bellte hinauf. Da kam der König herbei und sah die schöne Königstochter mit dem goldenen Stern auf der Stirne, und war so entzückt über ihre Schönheit, daß er ihr zurief, ob sie seine Gemahlin werden wollte. Sie gab keine Antwort, nickte aber ein wenig mit dem Kopf. Da stieg er selbst auf den Baum, trug sie herab, setzte sie auf sein Pferd und führte sie heim. Da ward die Hochzeit mit großer Pracht und Freude gefeiert: aber die Braut sprach nicht und lachte nicht. Als sie ein paar Jahre miteinander vergnügt gelebt hatten, fing die Mutter des Königs, die eine böse Frau war, an, die junge Königin zu verleumden und sprach zum König »es ist ein gemeines Bettelmädchen, das du dir mitgebracht hast, wer weiß, was für gottlose Streiche sie heimlich treibt. Wenn sie stumm ist und nicht sprechen kann, so könnte sie doch einmal lachen, aber wer nicht lacht, der hat ein böses Gewissen.« Der König wollte 55 zuerst nicht daran glauben, aber die Alte trieb es so lange und beschuldigte sie so viel böser Dinge, daß der König sich endlich überreden ließ und sie zum Tod verurteilte. Nun ward im Hof ein großes Feuer angezündet, darin sollte sie verbrannt werden: und der König stand oben am Fenster und sah mit weinenden Augen zu, weil er sie noch immer so lieb hatte. Und als sie schon an den Pfahl festgebunden war, und das Feuer an ihren Kleidern mit roten Zungen leckte, da war eben der letzte Augenblick von den sieben Jahren verflossen. Da ließ sich in der Luft ein Geschwirr hören, und zwölf Raben kamen hergezogen und senkten sich nieder: und wie sie die Erde berührten, waren es ihre zwölf Brüder, die sie erlöst hatte. Sie rissen das Feuer auseinander, löschten die Flammen, machten ihre liebe Schwester frei, und küßten und herzten sie. Nun aber, da sie ihren Mund auftun und reden durfte, erzählte sie dem Könige, warum sie stumm gewesen wäre und niemals gelacht hätte. Der König freute sich, als er hörte, daß sie unschuldig war, und sie lebten nun alle zusammen in Einigkeit bis an ihren Tod. Die böse Stiefmutter ward vor Gericht gestellt und in ein Faß gesteckt, das mit siedendem Öl und giftigen Schlangen angefüllt war, und starb eines bösen Todes.



Want to learn a language?


Learn from this text and thousands like it on LingQ.

  • A vast library of audio lessons, all with matching text
  • Revolutionary learning tools
  • A global, interactive learning community.

Language learning online @ LingQ

Die zwölf Brüder The twelve brothers

Es war einmal ein König und eine Königin, die lebten in Frieden miteinander und hatten zwölf Kinder, das waren aber lauter Buben. Once upon a time there was a king and a queen who lived in peace with each other and had twelve children, but these were all boys. Nun sprach der König zu seiner Frau »wenn das dreizehnte Kind, was du zur Welt bringst, ein Mädchen ist, so sollen die zwölf Buben sterben, damit sein Reichtum groß wird und das Königreich ihm allein zufällt.« Er ließ auch zwölf Särge machen, die waren schon mit Hobelspänen gefüllt, und in jedem lag das Totenkißchen, und ließ sie in eine verschlossene Stube bringen, dann gab er der Königin den Schlüssel und gebot ihr, niemand etwas davon zu sagen. Now the king said to his wife, "If the thirteenth child you bring to the world is a girl, let the twelve boys die so that his wealth will be great and the kingdom fall to him alone." He also had twelve coffins made, they were already filled with wood shavings, and in each lay the death-snatch, and had them brought into a locked room, then he gave the key to the queen and told her not to say anything to any of them. Die Mutter aber saß nun den ganzen Tag und trauerte, so daß der kleinste Sohn, der immer bei ihr war, und den sie nach der Bibel Benjamin nannte, zu ihr sprach »liebe Mutter, warum bist du so traurig?« »Liebstes Kind,« antwortete sie, »ich darf dirs nicht sagen.« Er ließ ihr aber keine Ruhe, bis sie 51 ging und die Stube aufschloß, und ihm die zwölf mit Hobelspänen schon gefüllten Totenladen zeigte. But the mother sat all day long and mourned, so that the smallest son, who was always with her, and whom she called Benjamin after the Bible, said to her, "Dear mother, why are you so sad?" "Dearest child, "She replied," I can not tell you. "But he did not leave her any rest until she left and unlocked the room, and showed him the twelve shop of filing already filled with wood shavings. Darauf sprach sie »mein liebster Benjamin, diese Särge hat dein Vater für dich und deine elf Brüder machen lassen, denn wenn ich ein Mädchen zur Welt bringe, so sollt ihr allesamt getötet und darin begraben werden.« Und als sie weinte, während sie das sprach, so tröstete sie der Sohn und sagte »weine nicht, liebe Mutter, wir wollen uns schon helfen und wollen fortgehen.« Sie aber sprach »geh mit deinen elf Brüdern hinaus in den Wald, und einer setze sich immer auf den höchsten Baum, der zu finden ist, und halte Wacht und schaue nach dem Turm hier im Schloß. Then she said, "My dearest Benjamin, your father has made these coffins for you and your eleven brothers, for if I give birth to a girl, then you shall all be killed and buried in it." And when she cried, while she did said, the son consoled her and said, "Do not cry, dear mother, we will help ourselves already and will go away." But she said, "Go out with your eleven brothers into the forest, and one always sits down on the highest tree. which can be found, and keep watch and look for the tower here in the castle. Gebär ich ein Söhnlein, so will ich eine weiße Fahne aufstecken, und dann dürft ihr wiederkommen: gebär ich ein Töchterlein, so will ich eine rote Fahne aufstecken, und dann flieht fort, so schnell ihr könnt, und der liebe Gott behüte euch. If I give birth to a son, I will put on a white flag, and then you may come again: if I give birth to a little daughter, I will put on a red flag, and then flee as fast as you can, and God help you. Alle Nacht will ich aufstehen und für euch beten, im Winter, daß ihr an einem Feuer euch wärmen könnt, im Sommer, daß ihr nicht in der Hitze schmachtet.« Nachdem sie also ihre Söhne gesegnet hatte, gingen sie hinaus in den Wald. Every night I want to get up and pray for you, in winter, that you can warm yourself by a fire, in the summer, that you do not languish in the heat. "After blessing their sons, they went out into the forest. Einer hielt um den andern Wache, saß auf der höchsten Eiche und schaute nach dem Turm. One man stopped at the other, sat on the tallest oak, and looked for the tower. Als elf Tage herum waren und die Reihe an Benjamin kam, da sah er, wie eine Fahne aufgesteckt wurde: es war aber nicht die weiße, sondern die rote Blutfahne, die verkündete, daß sie alle sterben sollten. When eleven days had passed and Benjamin's turn came, he saw how a flag was put on: it was not the white but the red flag of blood that announced that they should all die. Wie die Brüder das hörten, wurden sie zornig und sprachen »sollten wir um eines Mädchens willen den Tod leiden! As the brothers heard it, they became angry and said, "If we should die for the sake of a girl! wir schwören, daß wir uns rächen wollen: wo wir ein Mädchen finden, soll sein rotes Blut fließen.« Darauf gingen sie tiefer in den Wald hinein, und mitten drein, wo er am dunkelsten war, fanden sie ein kleines verwünschtes Häuschen, das leer stand. We swear that we will avenge ourselves: where we find a girl, his red blood shall flow. "Then they went deeper into the forest, and in the middle of where he was darkest, they found a little cursed little house that was empty was standing. Da sprachen sie »hier wollen wir wohnen, und du, Benjamin, du bist der jüngste und schwächste, du sollst daheim bleiben und haushalten, wir andern wollen ausgehen und Essen holen.« Nun zogen sie in den Wald und schossen Hasen, wilde Rehe, Vögel und Täuberchen, und was zu essen stand: das brachten sie dem Benjamin, 52 der mußte es ihnen zurecht machen, damit sie ihren Hunger stillen konnten. Then they said, "Here we want to live, and you, Benjamin, you are the youngest and weakest, you should stay home and keep household, we others want to go out and fetch food." Now they went into the woods and shot rabbits, wild deer, Birds and little fellows, and what food was to eat: they brought that to Benjamin, 52 and he had to prepare them so that they could satisfy their hunger. In dem Häuschen lebten sie zehn Jahre zusammen, und die Zeit ward ihnen nicht lang. In the little house they lived together for ten years, and the time did not last long. Das Töchterchen, das ihre Mutter, die Königin, geboren hatte, war nun herangewachsen, war gut von Herzen und schön von Angesicht und hatte einen goldenen Stern auf der Stirne. The little daughter who had given birth to her mother, the queen, had now grown up, was good of heart and beautiful, and had a golden star on her forehead. Einmal, als große Wäsche war, sah es darunter zwölf Mannshemden und fragte seine Mutter »wem gehören diese zwölf Hemden, für den Vater sind sie doch viel zu klein?« Da antwortete sie mit schwerem Herzen »liebes Kind, die gehören deinen zwölf Brüdern.« Sprach das Mädchen »wo sind meine zwölf Brüder, ich habe noch niemals von ihnen gehört.« Sie antwortete »das weiß Gott, wo sie sind: sie irren in der Welt herum.« Da nahm sie das Mädchen und schloß ihm das Zimmer auf, und zeigte ihm die zwölf Särge mit den Hobelspänen und den Totenkißchen. Once, when there was a big wash, he saw twelve men's shirts und asked his mother, "Who owns these twelve shirts, for whom are they too small?" Then she answered with a heavy heart, "Dear child, your twelve brothers. "The girl said," where are my twelve brothers, I have never heard of them. "She answered," God knows where they are, they are wandering the world. "Then she took the girl and unlocked the room for him , and showed him the twelve coffins with the shavings and the deathknife. »Diese Särge,« sprach sie, »waren für deine Brüder bestimmt, aber sie sind heimlich fortgegangen, eh du geboren warst,« und erzählte ihm, wie sich alles zugetragen hatte. "These coffins," she said, "were meant for your brothers, but they secretly departed before you were born," and told him how it had happened. Da sagte das Mädchen »liebe Mutter, weine nicht, ich will gehen und meine Brüder suchen.« Nun nahm es die zwölf Hemden und ging fort und geradezu in den großen Wald hinein. Then the girl said, "Dear mother, do not cry, I want to go and look for my brothers." Now she took the twelve shirts and went away, straight into the great forest. Es ging den ganzen Tag, und am Abend kam es zu dem verwünschten Häuschen. It went on all day, and in the evening it came to the cursed house. Da trat es hinein und fand einen jungen Knaben, der fragte »wo kommst du her und wo willst du hin?« und erstaunte, daß sie so schön war, königliche Kleider trug und einen Stern auf der Stirne hatte. Then he went in and found a young boy, who asked, "Where are you from and where do you want to go?" And was astonished that she was so beautiful, wearing royal clothes and having a star on her forehead. Da antwortete sie »ich bin eine Königstochter und suche meine zwölf Brüder und will gehen, so weit der Himmel blau ist, bis ich sie finde.« Sie zeigte ihm auch die zwölf Hemden, die ihnen gehörten. Then she answered, "I am a princess, and seek my twelve brothers, and I will go as far as the sky is blue until I find them." She also showed him the twelve shirts that belonged to them. Da sah Benjamin, daß es seine Schwester war, und sprach »ich bin Benjamin, dein jüngster Bruder.« Und sie fing an zu weinen vor Freude, und Benjamin auch, und sie küßten und herzten einander vor großer Liebe. Then Benjamin saw that it was his sister, and said, "I am Benjamin, your youngest brother." And she began to cry with joy, and Benjamin also, and they kissed and caressed each other with great love. Hernach sprach er »liebe Schwester, es ist noch ein Vorbehalt da, wir hatten verabredet, daß ein jedes Mädchen, das uns begegnete, sterben sollte, weil wir um ein Mädchen unser Königreich verlassen mußten.« Da sagte sie »ich will gerne sterben, wenn ich damit meine zwölf Brüder erlösen kann.« »Nein,« antwortete er, »du sollst nicht sterben, setze dich unter diese Bütte, bis die elf Brüder kommen, dann will ich schon einig mit ihnen werden.« Also tat sie; und wie es Nacht ward, kamen die andern von der Jagd, und die Mahlzeit war bereit. Afterwards he said, "Dear sister, there is still a reservation, we had arranged that every girl we met should die because we had to leave our kingdom for a girl." Then she said, "I want I'll gladly die if I can redeem my twelve brothers. "" No, "he replied," you must not die, sit down under this cabin until the eleven brothers come, and I'll be in agreement with them. "So they did you; and as night came the others came from the hunt, and the meal was ready. Und als sie am Tische saßen und aßen, fragten sie »was gibts Neues?« Sprach Benjamin »wißt ihr nichts?« »Nein,« antworteten sie. And when they sat at the table and ate, they asked, "What's new?" Did Benjamin say, "Do not you know anything?" "No," they answered. Sprach er weiter »ihr seid im Walde gewesen, und ich bin daheim geblieben, und weiß doch mehr als ihr.« »So erzähle uns,« riefen sie. He continued, "You have been in the forest, and I have stayed at home, and know more than you do." "Tell us," they cried. Antwortete er »versprecht ihr mir auch, daß das erste Mädchen, das uns begegnet, nicht soll getötet werden?« »Ja,« riefen alle, »das soll Gnade haben, erzähl uns nur.« Da sprach er »unsere Schwester ist da,« und hub die Bütte auf, und die Königstochter kam hervor in ihren königlichen Kleidern mit dem goldenen Stern auf der Stirne, und war so schön, zart und fein. Da freueten sie sich alle, fielen ihr um den Hals und küßten sie und hatten sie vom Herzen lieb. They all rejoiced, fell around their necks and kissed them, loving them from the heart. Nun blieb sie bei Benjamin zu Haus und half ihm in der Arbeit. Now she stayed with Benjamin at home and helped him at work. Die elfe zogen in den Wald, fingen Gewild, Rehe, Vögel und Täuberchen, damit sie zu essen hatten, und die Schwester und Benjamin sorgten, daß es zubereitet wurde. The elves moved into the forest, catching scree, deer, birds, and little pups to eat, and the sister and Benjamin made sure it was prepared. Sie suchte das Holz zum Kochen und die Kräuter zum Gemüs, und stellte die Töpfe ans Feuer, also daß die Mahlzeit immer fertig war, wenn die elfe kamen. She sought the wood for cooking and the herbs for the vegetables, and put the pots to the fire, so that the meal was always ready when the elves came. Sie hielt auch sonst Ordnung im Häuschen, und deckte die Bettlein hübsch weiß und rein, und die Brüder waren immer zufrieden und lebten in großer Einigkeit mit ihr. She kept everything tidy in the little house, and covered the bedclothes pretty white and pure, and the brothers were always content and lived in great unity with her. Auf eine Zeit hatten die beiden daheim eine schöne Kost zurechtgemacht, und wie sie nun alle beisammen waren, setzten sie sich, aßen und tranken und waren voller Freude. At one time the two of them had made a nice meal at home, and as they were all together, they sat down, ate and drank, and were full of joy. Es war aber ein kleines Gärtchen an dem verwünschten Häuschen, darin standen zwölf Lilienblumen, die man auch Studenten heißt: nun wollte sie ihren Brüdern ein Vergnügen machen, brach die zwölf Blumen ab und dachte jedem aufs Essen eine zu schenken. But there was a little garden at the cursed little house, in which stood twelve lilies, which are also called students: now she wanted to make her brothers a pleasure, broke off the twelve flowers and thought of giving each one a meal. Wie sie aber die Blumen abgebrochen hatte, in demselben Augenblick waren die zwölf Brüder in 54 zwölf Raben verwandelt und flogen über den Wald hin fort, und das Haus mit dem Garten war auch verschwunden. But as she had broken the flowers, at that moment the twelve brothers were transformed into twelve twelve ravens, and flew across the forest, and the house with the garden was also gone. Da war nun das arme Mädchen allein in dem wilden Wald, und wie es sich umsah, so stand eine alte Frau neben ihm, die sprach »mein Kind, was hast du angefangen? There was the poor girl alone in the wild forest, and as it turned around, an old woman stood beside him, saying, "My child, what have you begun? warum hast du die zwölf weißen Blumen nicht stehen lassen? why did not you leave the twelve white flowers? das waren deine Brüder, die sind nun auf immer in Raben verwandelt.« Das Mädchen sprach weinend »ist denn kein Mittel, sie zu erlösen?« »Nein,« sagte die Alte »es ist keins auf der ganzen Welt als eins, das ist aber so schwer, daß du sie damit nicht befreien wirst, denn du mußt sieben Jahre stumm sein, darfst nicht sprechen und nicht lachen, und sprichst du ein einziges Wort, und es fehlt nur eine Stunde an den sieben Jahren, so ist alles umsonst, und deine Brüder werden von dem einen Wort getötet.« Da sprach das Mädchen in seinem Herzen »ich weiß gewiß, daß ich meine Brüder erlöse,« und ging und suchte einen hohen Baum, setzte sich darauf und spann, und sprach nicht und lachte nicht. those were your brothers, they are now forever changed into ravens. "The girl said, crying," is not there any way to redeem her? "" No, "said the old woman," there is not one in the whole world as one, but that is so difficult that you will not liberate them with it, for you must be silent for seven years, you must not speak and not laugh, and if you speak one word, and only one hour is missing at the seven years, that is all in vain, and your brethren are killed by the one word. "Then the girl in his heart said," I know for certain that I deliver my brethren, "and went and looked for a tall tree, sat down and spun, and spoke not and did not laugh. Nun trugs sich zu, daß ein König in dem Walde jagte, der hatte einen großen Windhund, der lief zu dem Baum, wo das Mädchen darauf saß, sprang herum, schrie und bellte hinauf. Now it happened that a king was hunting in the forest, he had a big greyhound who ran to the tree where the girl sat on it, jumped around, screamed and barked up. Da kam der König herbei und sah die schöne Königstochter mit dem goldenen Stern auf der Stirne, und war so entzückt über ihre Schönheit, daß er ihr zurief, ob sie seine Gemahlin werden wollte. Then the king came up and saw the beautiful princess with the golden star on his forehead, and was so delighted with her beauty that he called to her if she wished to become his wife. Sie gab keine Antwort, nickte aber ein wenig mit dem Kopf. She did not answer, but nodded her head slightly. Da stieg er selbst auf den Baum, trug sie herab, setzte sie auf sein Pferd und führte sie heim. Then he himself climbed the tree, carried it down, put it on his horse, and brought her home. Da ward die Hochzeit mit großer Pracht und Freude gefeiert: aber die Braut sprach nicht und lachte nicht. There the wedding was celebrated with great splendor and joy: but the bride did not speak and did not laugh. Als sie ein paar Jahre miteinander vergnügt gelebt hatten, fing die Mutter des Königs, die eine böse Frau war, an, die junge Königin zu verleumden und sprach zum König »es ist ein gemeines Bettelmädchen, das du dir mitgebracht hast, wer weiß, was für gottlose Streiche sie heimlich treibt. When they had lived happily together for a few years, the mother of the king, who was a wicked woman, began slandering the young queen and said to the king, "It's a mean mendicant girl you brought, who knows what for impious pranks she secretly drives. Wenn sie stumm ist und nicht sprechen kann, so könnte sie doch einmal lachen, aber wer nicht lacht, der hat ein böses Gewissen.« Der König wollte 55 zuerst nicht daran glauben, aber die Alte trieb es so lange und beschuldigte sie so viel böser Dinge, daß der König sich endlich überreden ließ und sie zum Tod verurteilte. If she is dumb and can not speak, she might laugh, but he who does not laugh has a guilty conscience. "The king did not want to believe it at first, but the old woman did it for so long, accusing her so much more wickedly Things that the king finally persuaded and condemned them to death. Nun ward im Hof ein großes Feuer angezündet, darin sollte sie verbrannt werden: und der König stand oben am Fenster und sah mit weinenden Augen zu, weil er sie noch immer so lieb hatte. Now a great fire was lit in the yard, and it was to be burned in it; and the king stood at the top of the window, and watched with weeping eyes, because he still loved her so much. Und als sie schon an den Pfahl festgebunden war, und das Feuer an ihren Kleidern mit roten Zungen leckte, da war eben der letzte Augenblick von den sieben Jahren verflossen. And when she was already tied to the stake, and the fire licked her clothes with red tongues, the last moment of the seven years had passed. Da ließ sich in der Luft ein Geschwirr hören, und zwölf Raben kamen hergezogen und senkten sich nieder: und wie sie die Erde berührten, waren es ihre zwölf Brüder, die sie erlöst hatte. There was a banging in the air, and twelve ravens came and bowed down, and as they touched the earth, it was their twelve brothers that had redeemed them. Sie rissen das Feuer auseinander, löschten die Flammen, machten ihre liebe Schwester frei, und küßten und herzten sie. They tore the fire apart, extinguished the flames, released their dear sister, and kissed and caressed her. Nun aber, da sie ihren Mund auftun und reden durfte, erzählte sie dem Könige, warum sie stumm gewesen wäre und niemals gelacht hätte. But now that she was allowed to open her mouth and speak, she told the king why she had been dumb and had never laughed. Der König freute sich, als er hörte, daß sie unschuldig war, und sie lebten nun alle zusammen in Einigkeit bis an ihren Tod. Die böse Stiefmutter ward vor Gericht gestellt und in ein Faß gesteckt, das mit siedendem Öl und giftigen Schlangen angefüllt war, und starb eines bösen Todes.

×

We use cookies to help make LingQ better. By visiting the site, you agree to our cookie policy.