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2023 ZDF Heute Sendung, 20230629 heute journal - ZDFmediathek

20230629 heute journal - ZDFmediathek

Und jetzt, das "heute journal", mit Heinz Wolf und Marietta Slomka.

Guten Abend.

Beim EU-Gipfel in Brüssel

sitzen die Staats- und Regierungschef jetzt beim Abendessen zusammen.

Da laufen die Gespräche weniger formell

und man würde gerne zuhören, wie da z.B. über Russland geredet wird.

Spekulationsstoff gibt es ja reichlich.

Etwa, ob es stimmt, dass Putin einen seiner ranghöchsten Generäle,

den Vize-Chef des Generalstabs,

wegen Verdacht auf Verrat hat festnehmen lassen.

Bestätigungen dafür gibt es nicht,

aber der Mann wurde seit der Wagner-Meuterei

nicht mehr öffentlich gesehen.

Die Europäer, bzw. alle EU-Staaten mit Ausnahme Ungarns,

wollen bei diesem Gipfel auch ein klares Signal an Putin senden:

die Unterstützung für die Ukraine werde weitergehen.

Isabelle Schäfers berichtet.

Europas Liberale sind schon einen Schritt weiter als die EU:

Selenskyjs Partei Diener des Volkes

ist schon jetzt Mitglied der Europäischen Liberalen Partei.

Beim Treffen vor dem EU-Gipfel in Brüssel heute Morgen

wirft der ukrainische Fraktionsvorsitzende

einem EU-Mitglied vor, auf der falschen Seite zu stehen.

Meiner Meinung nach ist Viktor Orban ein Agent in der EU,

um russische Werte zu verteidigen statt europäischer Werte.

Das ist offensichtlich.

Offensichtlich ist zumindest eins: Ungarn blockiert die EU,

u.a. weitere 500 Millionen Euro Militärhilfe für die Ukraine.

Alle anderen senden von diesem EU-Gipfel

aber erneut ein Signal der Geschlossenheit

an den zugeschalteten ukrainischen Präsidenten:

volle Unterstützung für die Ukraine.

Wir müssen uns darauf einstellen, dass das lange dauern kann.

Deshalb ist es auch bedeutend, dass wir hier uns unterhaken und sagen:

Wir sind bereit, das auch lange durchzuhalten,

was an finanzieller, humanitärer Unterstützung

für die Ukraine notwendig ist.

Aber auch, wenn es etwa um Waffen geht.

Auch Europa hat der weiterhin unerklärliche Aufstand

der Wagner-Gruppe in Russland in Alarmbereitschaft versetzt.

Satellitenaufnahmen aus Belarus, südöstlich von Minsk, zeigen

womöglich eine neue Militär-Anlage für Söldner der Wagner-Gruppe.

Die Situation macht den angrenzenden EU-Staaten Sorgen.

Die Bedrohung wäre wahrscheinlich keine frontale militärische.

Aber die Gefahr einer versuchten Infiltration nach Europa besteht.

Das bedeutet, dass wir unsere Aufmerksamkeit

für die Grenzen schärfen

und sicherstellen müssen, dass wir das kontrollieren können.

Zusammen mit Polen blockiert Ungarn noch mehr:

beide wollen den gerade geschlossenen Asyl-Kompromiss

nicht mittragen, keine Flüchtlinge aufnehmen, nicht zahlen.

Nein zu illegaler Migration.

Nein zu Finanzstrafen und Sanktionen.

Und ein Nein zu einer Entscheidung ohne Einstimmigkeit.

Aber beim Thema Migration haben auch andere noch Bedenken.

Trotz vereinbartem Kompromiss streitet Europa weiter.

Länder wie Deutschland wollen höhere Menschenrechts-Standards,

andere Europa abschotten.

Diese Uneinigkeit macht auch die Verhandlungen

mit dem Europaparlament nicht leichter.

Migration darf nicht instrumentalisiert werden.

Wir sind es unseren Bürgern schuldig,

eine Einigung noch vor der Europawahl zu finden.

Wir müssen gerechte und menschliche Lösungen finden.

Aber um genau diese Lösungen wird wohl noch lange gerungen werden.

Ulf Röller, guten Abend.

Könnten die anderen EU-Länder nicht sagen:

Gut, dann machen wir es ohne euch, ohne Polen und Ungarn?

Und gab es nicht auch die Idee,

dass einzelne Länder sich quasi freikaufen können?

Ja, diese Idee des Freikaufens, wenn man keine Flüchtlinge aufnimmt,

die gab es.

Die wurde für Polen und Ungarn erfunden.

Aber diese beiden Länder machten deutlich,

dass sie den kompletten Asylkompromiss ablehnen

und nicht vorhaben, sich freizukaufen.

Sie wollen den Asylkompromiss boykottieren.

Es gibt einen Beschluss der Regierungschefs,

Ungarn und Polen sagen, das interessiert uns nicht.

Man hat es zur Kenntnis genommen und gesagt, wir machen ohne sie weiter.

Man wird nun mit dem EU-Parlament verhandeln,

gucken, dass man einen Kompromiss hinbekommen.

Wenn man diesen Kompromiss hat, wird es irgendwann ein Gesetz geben.

Dieses Gesetz gilt.

Da haben Polen und Ungarn angedeutet,

dass sie das nicht interessiert.

Das könnte vor den Gerichten landen.

Da haben Polen und Ungarn angedeutet, wenn man sie zwingt,

den Asylkompromiss anzunehmen,

dann würden sie andere EU- Entscheidungen boykottieren.

Dieses Thema hat sehr viel Gift innerhalb der EU.

Beim Thema Ukraine schert Ungarn ja auch aus,

auf wirklich auffällige Weise.

Das stimmt.

Ungarn ist das Land, das sich sehr stark in Szene setzt

und immer wieder Schwierigkeiten macht.

Allerdings bei der Ukraine-Hilfe ist es eine andere Lage.

Es wird Hilfe geben, auch militärische. Das wurde klar.

Man hat auch noch einmal die Schlusserklärung deutlich gemacht,

dass man Ungarn weiter und so lange unterstützt, wie das nötig ist.

Dieser Krieg ist ein Werteduell, so hat man es auch aufgefasst.

Eigentlich sind die Diktaturen Putin und der chinesische Xi Jinping

davon ausgegangen, dass die Demokratien irgendwann müde werden.

Aber das Gegenteil ist passiert.

Europa steht sehr geschlossen dar und in Russland kriselt es.

Das wurde klar zum Ausdruck gebracht.

Das motiviert viele, auf dem Weg weiter zu machen.

Ein Zeichen Richtung Moskau: Die EU steht.

Ulf Röller, vielen Dank.

Den Ukrainer ist es wichtig, dass der Wiederaufbau nicht erst beginnt,

wenn der Krieg vorbei ist - wann immer das der Fall sein wird.

Für das wirtschaftliche Überleben des Landes

und schlicht auch für die Moral der Bevölkerung kommt es darauf an,

dass Infrastruktur schnell wieder repariert wird,

dass es Strom und Wasser gibt,

Kliniken, Schulen, Supermärkte und Wohnraum.

Ganz abgesehen davon, dass der Anblick zerbombter Häuser

immer wieder aufs Neue traumatisiert.

Doch vielerorts gelingt das nicht.

Es fehlt an allem, berichtet unserer Reporter Dara Hassanzadeh.

Er ist in der schwer umkämpften Region Saporischschja.

Der Blick ins Innere einer Wohnung.

Die Folgen eines russischen Raketenangriffs,

der dieses Wohnhaus in Saporischschja zerstört hat.

Es geschah im vergangenen Sommer

und es ist nur eines von mehr als 1100 Gebäuden,

die in Saporischschja getroffen wurden.

Es mangele nicht an Arbeitskräften, sagt der Bürgermeister,

es fehlt an Geld, um sie zu bezahlen.

Heute haben wir ein Loch in der Stadtkasse.

Aufgrund des Kriegs stehen die meisten der großen Fabriken still,

sie produzieren nicht.

Wir haben Steuerausfälle,

die wir nicht ausgleichen können mit unserem Budget.

Für den Wiederaufbau brauchen wir Hilfe, in erster Linie Geldmittel.

In der Ukraine sind mehr als 163.000 Gebäude

seit Kriegsbeginn durch russische Angriffe beschädigt

oder zerstört worden.

Das entspricht 8,6 % des Wohnungsbestandes.

Dazu kommt die Zerstörung von Infrastruktur,

wie des Kachowska-Staudamms.

Überschwemmte Ortschaften, verunreinigte Böden

sind genug der Herausforderung.

Der Wiederaufbau in der Ukraine beginnt mitten im Krieg.

Der Erfolg hängt v.a. von der Flugabwehr ab.

Dank der Waffenlieferungen unserer westlichen Partner,

insbesondere durch von Flugabwehrsysteme,

haben wir jetzt weniger Einschläge.

Die Menschen sehen das und kommen zurück.

Und wenn Menschen kommen, kommt auch das Geschäft zurück.

Zumindest in den Straßencafés hat die Rückkehr der Gäste begonnen.

Selbst dort, wo die Spuren des Kriegs noch sichtbar sind.

Die Druckwelle einer Raketenexplosion

hat Mykolas Café beschädigt.

Am Anfang war es hart, zur Arbeit zu gehen

und jeden Tag die Zerstörung zu sehen.

Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Nun, was heißt gewöhnt.

Im Inneren nagt es weiter an der Seele, aber wir müssen überleben.

Auch unter diesen Umständen.

Das ist unsere Realität.

Das wiedereröffnete Café ist ein Hoffnungsschimmer, mehr nicht.

Ohne Milliarden-Hilfe

wird der Wiederaufbau in der Ukraine nicht gelingen.

Viele Hintergründe zum Ukraine-Krieg und seinen Folgen

finden Sie auch online, auf zdf.heute.

Und nach unserer Sendung diskutiert Maybrit Illner mit ihren Gästen

über die Vorgänge in Russland und die Frage,

ob ein Machtkampf in Moskau Chance oder Gefahr ist.

Jetzt geht's aber erst mal mit den Nachrichten weiter,

und zwar zuerst mit dem Tarifstreit bei der Bahn, Heinz.

Im festgefahrenen Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn

und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG

sind weitere Warnstreiks vorerst vom Tisch.

Nachdem gestern die Bahn

Gespräche für eine Schlichtung vorgeschlagen hatte,

sprach sich dafür heute auch der EVG-Vorstand aus.

An der Urabstimmung werde aber festgehalten,

und damit auch an der Möglichkeit unbefristeter Arbeitskämpfe.

Bundesverkehrsminister Wissing hat zur Förderung der Elektro-Mobilität

zwei Programme mit insgesamt 900 Millionen Euro angekündigt.

Es geht um die Ladeinfrastruktur.

Im Bereich der Privathaushalte

sind ab Herbst 500 Millionen Euro vorgesehen,

für Ladestationen kombiniert mit Photovoltaik-Anlagen und Speichern.

Und 400 Millionen Euro für den gewerblichen Bereich

wie etwa Taxi Firmen, Lieferdienste oder Handwerker vorgesehen.

Der Chemiekonzern BASF hat in Schwarzheide in Brandenburg

die erste deutsche Großanlage eröffnet, in der Materialien

zum Bau von Lithium-Ionen-Batterien hergestellt

und alte Batterien recycelt werden sollen.

Bundeswirtschaftsminister Habeck

betonte die Wichtigkeit des Standortes in der Lausitz

für eine unabhängige Wertschöpfungskette in Europa.

In der Fabrik können künftig u.a.

Materialien für die Batterieproduktion

für etwa 400.000 E-Autos pro Jahr hergestellt werden.

In Deutschland ist Rassismus gegenüber Muslimen

in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet.

Das stellt laut Bundesinnenministerium

der Abschlussbericht unabhängiger Experten fest,

der heute nach dreijähriger Untersuchung vorgestellt wurde.

Demnach erlebten viele der 5,5 Millionen Musliminnen und Muslime

Ausgrenzung und Diskriminierung im Alltag, bis hin zu Hass und Gewalt.

Einen anti-semitischen Übergriff hat es nach Angaben der Stadtverwaltung

in Frankfurt am Main gegeben.

Eine Gruppe Jugendlicher habe an einer Erinnerungsstätte

jüdische Besucher zunächst mit Worten einzuschüchtern versucht.

Dann sei eine Flasche geworfen worden,

die nur knapp den Kopf einer der Besucherinnen verfehlt habe.

Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen.

Der Oberste Gerichtshof in den USA hat Aufnahmeverfahren

an Universitäten für verfassungswidrig erklärt,

mit denen Minderheiten wie Afroamerikaner oder Hispanics

gefördert werden sollen.

Die "Affirmative Action" verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz.

In den konkreten Fällen sahen die Kläger eine Benachteiligung

von asiatischstämmigen und weißen Bewerbern.

2016 hatte das Gericht

entsprechende Regelungen noch als rechtens betrachtet.

Danach veränderte sich aber dessen Besetzung.

Nun sind es mehrheitlich konservative Richter.

Mehr Hintergründe und Reaktionen später im "heute journal up:date".

Ein Sanitäter in Nanterre schrie es voller Wut und Entsetzen heraus:

"Der Junge war erst 17

und ihr habt ihn wegen eines Verkehrsdelikts erschossen."

Das war vorgestern, unmittelbar nach den Geschehnissen.

Aber der Sanitäter prophezeite den umstehenden Polizisten auch schon,

was folgen würde: Aufstände in der Banlieue.

Es brennt in Frankreichs Vorstädten -

nicht mehr nur in Nanterre, dem Vorort von Paris.

Das weckt Erinnerungen an die Unruhen 2005,

als am Ende sogar der Notstand ausgerufen wurde.

Die große Frage ist, ob es der Regierung, ob es Macron, gelingt,

die Lage wieder zu beruhigen.

Anne Arend berichtet aus Frankreich.

Nanterre - Platz der Menschenrechte.

Mounia, die Mutter des getöteten Jugendlichen

hat zu einem Trauermarsch aufgerufen und Tausende sind ihr gefolgt.

Voller Wut auf die Polizei, und auf den Staat.

Wir trauern um Nahel.

Es ist schlimm, was ihm passiert ist.

Und er ist kein Einzelfall in Frankreich.

Wir wollen nicht, dass Ruhe einkehrt.

Wir machen weiter.

Gegen die Polizei, ihren Rassismus.

Gegen eine Polizei, die tötet.

Gegen die Gewalt des Staates.

Die Spannung entlädt sich heute schon am Nachmittag.

In den Vorstädten fühlen sie sich Beamten ausgeliefert,

die in jüngster Zeit immer wieder Grenzen überschritten haben.

Die wiederum klagen über Überlastung und mangelnden Respekt.

Deeskalation scheint beiden Seiten fremd.

Ich habe für diese Nacht 40.000 Polizisten zusammengerufen.

5000 für den Großraum Paris.

Und sie sind mit entsprechender Technik ausgestattet,

um die Ausschreitungen zu bekämpfen,

damit die Ordnung der Republik wieder hergestellt wird.

Die Sorge ist groß, dass sich solche Szenen

wie in der vergangenen Nacht wiederholen.

Autos und Mülltonnen brennen, Rathäuser werden zerstört.

Beim Krisentreffen verurteilt der Präsident die Krawalle.

Die vergangenen Stunden waren geprägt durch Gewaltakte

gegen eine Polizeiwache, Schulen, Rathäuser,

also gegen die Institutionen und die Republik.

Diese Handlungen sind durch nichts zu rechtfertigen.

Die Wut entfacht, hat dieses Video, das sich rasend schnell verbreitete.

Ein Polizist erschießt bei einer Verkehrskontrolle

einen polizeibekanntem 17-Jährigen.

Der Staatsanwalt ermittelt wegen Totschlags.

Dass es sich um Notwehr handelte, wird angezweifelt.

Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung,

dass die Waffe nicht rechtmäßig eingesetzt wurde.

Der Polizist befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft.

Es ist nicht das erste Mal,

dass in Frankreich eine Verkehrskontrolle tödlich endet.

Oft trifft es Bewohner der Banlieue.

Und so rührt der Fall an Wunden, die im Land immer wieder aufreißen.

Die Realität der Menschen hier bei uns

hat nichts mit der Realität der Hauptstadt zu tun.

Hier in den Hochhaussiedlungen ist die Polizei einfach überall.

Angespannt, aggressiv ist die Stimmung

auch an diesem Abend wieder.

In Nanterre und andernorts.

Für das Wochenende wurden lokale Ausgangssperren verhängt.

All das deutet darauf hin,

dass sich der Zorn im Land nicht so schnell wieder legt.

Was nutzt ein Krankenhausbett, wenn es kein Pflegepersonal gibt,

um die Patienten darin zu versorgen?

Das ist das große Dilemma in der deutschen Krankenhauslandschaft:

es gibt zwar viele Kliniken, aber zu wenig Personal.

Und zu wenig Geld.

Hinzu kommen teils erhebliche Qualitätsunterschiede.

Was jetzt auch nicht so überraschend ist:

natürlich gibt es an einer großen städtischen Universitätsklinik

mehr Spezialisten und neueste Technik.

Aber sollen kleinere Kliniken im ländlichen Raum

deshalb geschlossen werden?

Die geplante Krankenhausreform des Bundesgesundheitsministers

könnte das zur Folge haben,

seine Kollegen aus den Bundesländern laufen dagegen Sturm.

Ein Grundsatzstreit, bei dem beide Seiten

triftige Argumente anführen können.

Frank Buchwald berichtet.

Im Spremberg tickt die Uhr.

Zwei Jahre kann das kleine Krankenhaus in der Niederlausitz

wohl noch weitermachen.

Viele, die hier arbeiten,

haben deshalb auf einen Teil ihrer Gehälter verzichtet.

Was dann aber geschieht, weiß noch keiner.

Deutschlands Kliniken stecken tief in den roten Zahlen.

Fast 7,4 Milliarden Euro Defizit allein in diesem Jahr.

Pro Stunde machen die Krankenhäuser 572.000 Euro Miese.

Zahlen, die dem Gesundheitsminister nicht egal sein können.

Die Länder wollen mehr Geld vom Bund, Lauterbach aber hat es nicht.

Eine allgemeine Rettungsaktion für alle Krankenhäuser im System,

eine Gießkanne erschöpft sich über alle Krankenhäuser,

dafür fehlt dem Bund das Geld.

Es ist auch unklar, wozu das führen würde.

Der Minister setzt deshalb auf Spezialisierung:

Er will Krankenhäuser künftig in drei Versorgungsgrade einteilen,

Levels genannt.

Kleine Kliniken für die wohnortnahe Grundversorgung,

spezialisierte Krankenhäuser für Fachbehandlungen,

Maximalversorgung mit Spitzenmedizin in wenigen Uni-Klinken.

Für die Patienten bedeutet das zwar möglicherweise bessere Behandlung,

aber auch weitere Wege und weniger Besuch.

Das kommt nicht gut an,

die Länder-Minister können ein Lied davon singen.

Was wir nicht wollen ist, dass eine bloße Levelung suggeriert,

nur dieses Level ...

Jede Woche kommt eine Klinik, ein Kreistag zu mir:

Oh mein Krankenhaus, dem ich gerade 40 Millionen Euro gegeben hab

in Hohenlohe, in Öhringen, weiß gar nicht zu welchem Level es gehört.‘

Klaus Holetschek, Luchas CSU-Kollege aus Bayern,

klingt zwar nicht ganz so echauffiert,

stößt aber ins gleiche Horn.

Spezialisierung ja, aber nicht pauschal sagen,

es gibt hier wenig gute Qualität

und das hat alles nur mit Wirtschaftlichkeit zu tun.

Das trifft die Menschen, die draußen arbeiten, ganz massiv.

Noch ein Streitpunkt: die Transparenzrichtlinie.

Welche Qualitätsstandards

eine Klinik bei bestimmten Behandlungen erfüllt

und wo es möglicherweise Mängel gibt, sollen Patienten

ab Januar mit wenigen Klicks im Internet ermitteln können.

In die Bewertung will Lauterbach Daten wie die Behandlungszahlen

für den jeweiligen Eingriff in einer Klinik einfließen lassen,

dazu Komplikationsraten,

Facharzt-Dichte und Pflegepersonal-Ausstattung.

Die Krankenhäuser aber kontern:

Wir veröffentlichen alle unser Qualitätsberichte - mit allen Daten,

die Herr Lauterbach auch angesprochen hat.

Aber wir laufen Sturm gegen pseudowissenschaftliche Daten,

die er zuletzt veröffentlicht hat.

So wird Minister Lauterbach

noch eine Menge Überzeugungskraft brauchen.

Viele kleine Krankenhäuser aber wissen nicht, wie es weitergeht.

Im Spremberg haben sie zwei Jahre Zeit - immerhin.

Die Uhr aber tickt.

Und mit dem Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland

geht's bei Dir jetzt weiter, Heinz.

Die Inflation ist im Juni wieder leicht gestiegen.

Davor hatte sich die Teuerung seit Februar kontinuierlich abgeschwächt.

Nun ist allerdings für den Juni auch von Sondereffekten die Rede.

Frank Bethmann, wo stehen wir aktuell in Sachen Inflation?

FB: Auf dem Weg nach unten machen die Preise ein kleines Päuschen.

So jedenfalls sehen es die meisten Experten.

Und wären da nicht eben jene Sonder- effekte im letzten Sommer gewesen,

die Inflation wäre wohl jetzt auch im Juni weiter zurückgegangen.

So aber haben die Einführung des Neun-Euro-Tickets und des Tankrabatts

die Preise im letzten Jahr vorübergehend künstlich gedrückt

und dafür gesorgt, wenn man die gedrückten

mit den aktuellen Preisen vergleicht,

dass diese auf Jahressicht wieder deutlicher,

geschätzt um 6,4 % gestiegen sind.

Zuvor verringerte sich die Teuerung in Deutschland

mehrere Monate in Folge.

Für die zweite Jahreshälfte rechnen viele im Übrigen damit,

dass sich der Trend, diese Ent- spannung bei den Preisen fortsetzt.

HW: Trotzdem ist die Rede davon, die Inflation sei hartnäckig,

die Teuerung noch lange ein Problem.

Widerspricht sich das nicht?

FB: Die Europäische Zentralbank,

die schaut sich natürlich auch noch andere Zahlen an.

Besondere Sorge bereitet ihr da die Kerninflation.

Dabei sagt man,

wir lassen mal die Energie- und die Lebensmittelpreise weg

und schauen nur, was die anderen Preise machen.

Also die Preise für Kleidung, für Essen gehen, für Urlaub machen.

Und da stellen die Währungshüter fest: keine wesentliche Entspannung.

Die Kerninflation ist hierzulande seit Jahresanfang hartnäckig.

Das ist kein gutes Zeichen,

HW: Frank Bethmann, vielen Dank.

Bei Audi wird Gernot Döllner neuer Vorstandsvorsitzender.

Er folgt, wie heute bekannt gegeben wurde,

zum 1. September auf Markus Duesmann.

Döllner leitet seit 2021 die Produkt- und Konzernstrategie

und das Generalsekretariat im Volkswagen-Konzern.

Eine Meldung vom Tennis:

Beim Rasenturnier auf Mallorca hat Yannick Hanfmann -

nach seinem überraschenden Erfolg gegen den Weltranglisten-Fünften

Stefanos Tsitsipas gestern – auch heute seine gute Form bestätigt.

Hanfmann gewann gegen den Spanier Feliciano Lopez in zwei Sätzen

und steht damit im Halbfinale des ATP-Turniers.

In einer Woche beginnen die "Finals",

die Tage der Deutschen Meisterschaften.

Bei der vierten Ausgabe des Multi-Sport-Events

werden 159 Deutsche Meistertitel in 18 Sportarten vergeben.

Hauptaustragungsorte werden Duisburg und Düsseldorf sein.

ARD und ZDF übertragen von Donnerstag bis Sonntag

mehr als 25 Stunden live im Fernsehen

und 70 Stunden im Stream ihrer Mediatheken.

Secessionen nannten sie ihre Bewegung.

Franz von Stuck begann damit in München,

es folgten Max Liebermann in Berlin und Gustav Klimmt in Wien.

Hier auf einem Foto von 1902 mit anderen Secessionsmitgliedern.

Klimmt ist der hinten links im beklecksten Malerkittel

auf dem Sessel sitzend.

Ende des 19. Jahrhunderts vernetzten sich Künstler,

die den Aufbruch suchten, das Neue, das Andere.

Die sich austauschten, gegenseitig inspirierten

und stärkten in ihrer Revolution des Kunstbetriebs.

In Erinnerung an diese Zeit und ihre Künstler

und auch Künstlerinnen gibt es eine neue Ausstellung in Berlin,

die insbesondere Klimmt-Fans begeistern wird.

Stefan Merseburger hat sie sich angesehen.

Geradezu magnetisch zieht er einen an, dieser Blick:

Verführerisch, unwiderstehlich und gefährlich.

Judith ist eine moderne Femme fatale.

Ein Meisterwerk des Wiener Jugendstil-Stars Gustav Klimt.

Einmal erst war diese Kostbarkeit in Berlin zu sehen.

1905 war die Judith von Klimt

hier in Berlin auf einer Secession-Ausstellung zu sehen.

Das war tatsächlich das letzte Mal,

dass wie sie hier in Berlin zu Gast hatten.

Umso größer ist die Freude jetzt,

dass wir sie wieder hier haben können.

Doch damit nicht genug: Auch Emilie Flöge, Klimts Lebensgefährtin,

wurde aus Wien nach Berlin geschickt.

Serena Pulitzer Lederer ist eine Leihgabe aus New York.

So viel Klimt war noch nie in Berlin.

Die Ausstellung in der Alten Nationalgalerie ist hochkarätig.

Die Secession, die Abspaltungen

vom traditionellen Kunstbetrieb in München, Wien und Berlin

Ende des 19. Jahrhunderts wollten den Umbruch.

Im Vergleich wird deutlich, was sie für gemeinsame Ziele hatten.

Sie wollten Anschluss an die westlichen Avantgarden,

an die künstlerischen Neuheiten - egal, welcher Stil,

Impressionismus, Jugendstil oder auch Symbolismus.

Und sie wollten sich vernetzen

und eine neue Forme des Ausstellens von zeitgenössischer Kunst.

Die erste Secession-Ausstellung findet in 1892 München statt.

Der Symbolist Franz von Stuck wählt Pallas Athene,

die Göttin der Kampfkunst und Weisheit,

als Schutzpatronin für die Ausstellung.

Fünf Jähre später zieht Gustav Klimt nach.

Auch er malt Pallas Athene

als Schutzgöttin der ersten Wiener Secession.

Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass,

wenn es die Münchner Secession nicht schon gegeben hätte ...

Ich bin nicht sicher,

ob die Wiener das allein von sich aus gewagt hätten,

eben eine Secession in Angriff zu nehmen.

Der Impressionist Max Liebermann

ist die Lichtgestalt der Berliner Secession, die sich 1899 gründete.

Käthe Kollwitz war Mitglied,

nur in Berlin konnten Frauen der Vereinigung beitreten.

In Wien und München durften sie lediglich ausstellen.

Und gleichberechtigt waren Frauen damals nirgends.

Sie durften nicht auf die Akademien, sie durften nicht Aktzeichnen.

Sie haben allenfalls irgend- welchen Privatunterricht genommen.

Selbstbildnis von Anna Hillermann im Atelier, einen Akt malend.

Ein Akt des Protestes.

Es gibt großartige Malerinnen zu entdecken.

Secessionen, Brüche mit Gebräuchen.

Was einst schockierte, ist heute einfach nur schön.

Das wars von uns, gleich geht's, wie schon angekündigt,

bei "Maybrit Illner" weiter.

HW: Um 00:30 Uhr gibt es dann unser "heute journal up:date"

mit Nazan Gökdemir.

Und uns morgen wieder!

Schönen guten Abend und herzlich willkommen zum Wetter.

Der Juni war eigentlich viel zu trocken,

nur 60 % der üblichen Regenmenge ist heruntergekommen,

und das war auch noch sehr unterschiedlich verteilt.

Was wir hier sehen: Durchaus große Regenmengen,

über 200 % kamen tatsächlich in der Mitte runter.

Das ist auf das Unwettertief Lambert zurückzuführen.

Wenn wir nach Norden schauen, da kam kaum Regen dazu.

Und der Juni war der 14. Juni in Folge, der zu warm war.

So viel zur Statistik, denn es kommt beim Wetter neuer Regen dazu.

Hier diese Kaltfront.

Die erreicht uns und verlagert sich südostwärts.

Dann gibt es im Osten kräftigen Regen oder auch im Süden.

Örtlich kann es auch zu Unwettern kommen.

In der Nacht also gibt es schon Regen,

der sich südostwärts verlagert, durchsetzt mit Gewittern

bei tiefsten Temperaturen von zwölf Grad an den Alpen

und 18 Grad im Südwesten.

Das ist die Temperaturspanne.

Häufig ist es aber doch eine recht milde Nacht.

Und Morgen am Nachmittag sieht es etwa so aus.

Im Osten kräftige Gewitter und auch im Süden.

Unwetter sind auch möglich.

Ganz im Westen lockert es bereits schon wieder auf

hinter der Kaltfront.

Temperaturen erreichen Höchstwerte von 27 Grad im Osten und 19 Grad,

am Alpenrand auch.

Die nächsten Tage gibt es noch Schauer und Gewitter.

Aber die sind nicht mehr ganz so heftig.

19 bis 26 Grad am Samstag,

und Sonntag gibt es schon deutlich mehr Wolkenlücken.

Und damit einen schönen Abend.

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