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2021 Tagesschau, tagesthemen 25.06.2021, 21:45 Uhr - Drei Tote bei Messerattacke in Würzburg

tagesthemen 25.06.2021, 21:45 Uhr - Drei Tote bei Messerattacke in Würzburg

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit den tagesthemen.

Diese Sendung wurde vom NDR live untertitelt (25.06.2021)

Heute im Studio: Ingo Zamperoni

Guten Abend.

Gegen 17 Uhr geht der erste Notruf bei der Polizei ein:

Messerangriff in der Innenstadt von Würzburg.

Drei Menschen sterben, es gibt mehrere Verletzte.

Der Angreifer soll ein 24-jähriger Somalier sein,

der in Würzburg lebt und offenbar in psychiatrischer Behandlung war.

Der Verdächtige war der Polizei vor der Tat bekannt,

so Würzburgs Oberbürgermeister.

Der Barbarossaplatz in Würzburgs Innenstadt:

Ein belebter Umsteigepunkt

der Straßenbahn und Buslinien nahe des Hauptbahnhofs.

Hier kam es gegen 17 Uhr zu dem Messerangriff.

Bayerns Innenminister Hermann traf in Würzburg ein,

um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Den Täter wurde mit einem Schuss in Oberschenkel gestoppt.

Ein Oberschenkeldurchschuss,

nach aktuellem Stand keine schlimmeren Verletzungen.

Er wurde festgenommen und ins Krankenhaus gebracht.

Dort wird er von der Polizei vernommen.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen Somalier (24),

der in Würzburg wohnt.

Der Täter sei in psychischer Behandlung gewesen.

Mittlerweile sei die Lage unter Kontrolle.

Nach unseren letzten Informationen

ist der Täter in letzten Monaten auffällig gewesen, bereit zu Gewalt.

Der Mann befindet sich außer Lebensgefahr

und ist in Polizeigewahrsam.

Zum Hintergrund der Tat gab die Polizei keine Informationen.

Weiterhin geht die Polizei von einem Einzeltäter aus.

Es gebe keine Hinweise auf andere Täter oder weitere Tatorte.

Wir sind mit starken Kräften in der Innenstadt präsent.

Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.

Bayerns Ministerpräsident Söder bezeichnete die Nachricht

von den Toten in Würzburg als schockierend.

Alexander von Ammon ist in Würzburg.

Gibt gibt es neue Erkenntnisse über das Motiv des Täters?

Wir stehen noch am Anfang.

Vor fünf Jahren gab es hier schon eine Attacke in einem Zug.

Dort hat es Wochen gedauert, um die Handy-Daten auszulesen.

Und zu erkennen, dass der damalige Täter

mit islamistischem Hintergrund gesteuert wurde.

Im Moment liegt der Täter, der heute die Menschen getötet hat,

im Krankenhaus.

Ein Augenzeuge will den Ruf "Allahu Akbar" gehört haben.

Zur Motivlage möchte ich nicht weiter spekulieren.

War es bedingt durch seine psychische Erkrankung?

Oder war es ein terroristischer Hintergrund?

Im Moment ist Ruhe in der Innenstadt.

Die Polizei hat alles im Griff.

Innenminister Herrmann will sich später ein Bild von Tatort machen.

Dann hoffen wir auf weitere Erkenntnisse.

Danke nach Würzburg.

Ihre Mission findet statt in einem Mehrfronten-Bürgerkriegsland

und gilt als der gefährlichste Auslandseinsatz der Bundeswehr.

Was sich heute auf verheerende Weise bestätigt hat:

Ein Selbstmordattentäter hat im westafrikanischen Mali

eine UN-Blauhelm-Patrouille angegriffen.

Dabei wurde auch ein Dutzend Bundeswehrsoldaten verletzt,

drei von ihnen schwer.

Seit 2013 beteiligen sich die Deutschen an der UN-Mission,

um Mali zu stabilisieren.

Der Großteil des Kontingents von etwa 900 Soldat*innen

ist im Nordosten stationiert: im Camp Castor in Gao.

Der Anschlag mit einer Autobombe ereignete sich am frühen Morgen

rund 180 Kilometer nordöstlich von Gao, in der Gemeinde Tarkint.

Ein unscheinbarer Tweet der UN-Mission Minusma

war der erste Hinweis:

"Attentat in Mali, 15 Blauhelmsoldaten verwundet."

Stunden später bestätigt die Verteidigungsministerin

schlimme Befürchtungen.

Zwölf Deutsche seien Opfer des Sprengstoffattentats geworden.

Zwei der Schwerverletzten sind in einem stabilen Zustand,

ein dritter wird noch operiert.

Ihm gelten unsere besonderen Gedanken.

Die militärischen Operation vor Ort sind noch nicht abgeschlossen.

Patrouille im Bürgerkriegsgebiet zwischen Rebellen und Islamisten:

Der Alltag der deutschen Mission.

Heute um 6.30 Uhr Ortszeit

explodierte anscheinend ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug.

Man habe noch Glück gehabt, sagt die Wehrbeauftragte.

Die Rettungskette hat funktioniert,

die verletzten Soldaten werden medizinische gut versorgt.

Es wird dafür gesorgt, dass sie zurück nach Deutschland

transportiert werden und gut behandelt werden.

Der Vormarsch des IS führt dazu,

dass die UN-Mission Mali als gefährlichste weltweit gilt.

Die Union hält den deutschen Einsatz für alternativlos.

Es geht darum, im Rahmen eines UN-Mandates

im Land Mali Stabilität zu halten als internationale Mission.

Damit Terroristen keinen Fuß fassen können in diesem Land,

um von dort aus auch Europa zu bedrohen.

Man müsse nicht nur das deutsche Lager in GAO schnell abbrechen,

fordert die Linke.

Zuallererst sind die Gedanken bei den Opfern.

Aber es muss Aufforderung an uns sein,

diese Einsätze neu zu überdenken, insbesondere den in Mali.

Man könne die UN und die Menschen in Mali nicht im Stich lassen,

meinen die Grünen.

Aber man müsse sich Gedanken machen um den deutschen Auftrag.

Man muss man diskutieren, wenn die Situation seit 2014 stagniert:

Was läuft bei diesem Einsatz falsch?

Aber man sollte es nicht

mit diesem diesem feigen Anschlag heute verquicken.

In Mali bemüht sich die Bundeswehr

um den Rücktransport der Verwundeten nach Gao.

Dann sollen die Soldaten schnell nach Deutschland verlegt werden.

Stephan Stuchlik ist in unserem ARD-Hauptstadtstudio.

Was ist denn das Grundproblem bei dieser UN-Mission?

Wenn man sich den Mandat-Text anguckt,

klingt der gemäßigt:

Zivile Zusammenarbeit, Beobachtung und Aufklärung.

Aber das Land versinkt seit 2012 im Bürgerkrieg.

Es gibt keine Zentralregierung

und man kann schnell in einem Mehr-Fronten-Krieg versinken.

Eine Patrouille gerät da schnell in die Nähe eines Kampfeinsatzes.

Das haben viele deutsche Politiker unterschätzt.

Das kann man ihnen aber nicht vorwerfen,

denn die meisten Opfer hatte bisher Frankreich zu tragen.

Die meisten Nachrichten aus Mali sind in französischer Sprache.

Auch die über die vielen Anschläge,

die dort wöchentlich stattfinden.

In drei Monaten ist Bundestagswahl.

Wie sehr könnten die Auslandseinsätze

ein Wahlkampfthema werden?

Frankreich hatte angekündigt,

es wolle weniger in Mali machen.

Es könnte deshalb mehr Bundeswehr-Einsatz geben,

statt weniger.

Die CDU will einen robusteren Einsatz,

also einen Kampfeinsatz.

Die SPD hat schon Schwierigkeiten mit der Ausrüstung.

Man lehnt bewaffnete Drohnen ab.

Die Grünen haben mit dem Wort "robust" Probleme.

Die Linken lehnen Auslandseinsätze grundsätzlich ab.

Wenn man sich eine Regierungsbildung im Herbst vorstellt,

mit diesen unterschiedlichen Positionen:

Da könnte man sich vorstellen,

dass Auslandseinsätze zu einem Problem werden.

Danke nach Berlin.

Ein Abschiedsgeschenk wollten sie ihr wohl nicht machen.

Auf ihrem vielleicht letzten EU-Gipfel rang Kanzlerin Merkel

bis spät in die Nacht mit ihren Amtskolleg*innen um Kompromisse.

Aber selten stand sie in den 16 Jahren ihrer Kanzlerschaft

am Ende mit so leeren Händen da:

Kein grünes Licht für ihren deutsch-französischen Vorschlag

eines Gipfel-Dialogs mit Russlands Präsident Putin.

Kein gemeinsamer paneuropäischer Umgang mit Corona-Varianten.

Und kein Ergebnis im Streit mit Ministerpräsident Orban

um das neue homophobe Gesetz in Ungarn.

Eine ernüchternde Bilanz:

Brüssel hat gezeigt, wofür es stehen will:

Für Vielfalt und gegen Orban.

Der bezog Klassenkeile beim Gipfel, so Teilnehmer.

Die übliche Diplomatie spielte keine Rolle mehr.

Es geht um sein Gesetz, das Informationen für Jugendliche

über Homosexualität einschränkt.

Und mit Pädophilie, Gewaltdarstellungen

und Pornografie praktisch gleichsetzt.

Die Reaktionen zeigen eine Spaltung in der EU auf

wie schon lange nicht. Nicht

nur der niederländische Ministerpräsident geht Orban an.

Zieh dieses Gesetz zurück.

Und wenn die europäischen Werte nicht deine Werte sind:

Dann musst du dich fragen, ob du in der EU bleiben willst.

Vor sieben Jahren war ich mit meinem Mann bei Viktor Orban.

Ich erkenne ihn heute nicht wieder.

Das ist Ausschluss und Stigmatisierung in der Politik.

24 Länder gegen ihn.

Der Streit eskaliert um ein Gesetz über Jugendschutz

und Homosexualität.

Tatsächlich geht es ums Grundsätzliche:

Welche Werte vertritt die Europäische Union gemeinsam?

Nicht nur Ungarn will sich nicht hereinreden lassen.

Es will ein Europa der Nationalstaaten.

Wir haben damit ein ernstes Problem.

Das haben wir nicht nur mit Ungarn, sondern auch über die Frage,

was ist der Entwicklungspunkt der EU?

Es ist ein schrecklicher Rückschritt.

Es geht um den Rückschritt im Kopf, bei der Mentalität.

Das macht mir Sorgen.

Das ist ein Kulturkampf.

Auch bei einem anderen Thema kamen Merkel und Macron nicht weiter:

Neue harte Maßnahmen gegen Russland

kombinieren mit einem Gesprächsangebot an Putin.

Man konnte sich nicht darauf einigen,

dass wir uns auf Chef-Ebene sofort treffen.

Aber wichtig ist, dass der Dialog erhalten bleibt.

Ich hätte mir einen mutigeren Schritt gewünscht.

Die Diskussion war hart, aber wir haben das Ergebnis.

Damit sind wir zufrieden.

Merkels gemeinsamer Vorschlag mit Macron wurde gekippt.

Der amerikanische Präsident hat mit Russland gesprochen.

Aber die EU kann sich nicht einigen.

Die Kanzlerin verlässt betrübt ihren wohl letzten EU-Gipfel.

Kein Entgegenkommen der EU im Verhältnis zu Russland -

dazu hat Sabine Scholt vom WDR diese Meinung:

Ja, ich weiß um die Besetzung der Krim

und um die Rolle Russlands in der Ukraine.

Ich weiß um Cyberattacken, Menschenrechtsverletzungen,

den eiskalten Umgang Putins mit Nawalny.

Ich kenne das Argument,

das man mit so jemand nicht reden kann.

Dass einer wie Putin die Sprache des Dialogs nicht versteht.

Zuletzt wurde immer weniger geredet, Europa drohte zahnlos.

Alle Sanktionen, aller wirtschaftlicher Druck

bewirkten wenig.

Das europäisch-russische Verhältnis ist am Tiefpunkt.

Es wird höchste Zeit für einen Neubeginn.

In diesem Sinne verstehe ich den Vorstoß von Merkel und Macron.

Wenn US-Präsident Biden mit Putin spricht,

dann müssen die Europäer das auch tun.

Als eigenständiger Akteur und direkter Nachbar

muss die EU diesen Anspruch haben.

Umso fataler, dass die jüngste Initiative scheiterte.

An einigen wenigen osteuropäischen Staaten,

die Putin keinen Millimeter über den Weg trauen.

Die mit Russland sehr schlechte Erfahrungen machten.

Das ist das Desaster.

Durch Europa geht ein Riss.

Und Putin schaut zu,

wie die Mitgliedsstaaten immer ohnmächtiger werden.

Aber so leicht darf Europa es Russland nicht machen.

Die EU braucht einen gemeinsamen Nenner,

eine echte Russlandstrategie.

So schmerzhaft das auch wird, es lohnt sich sehr,

sich neu zu sortieren.

Und dann erst mit Putin in den Dialog zu gehen.

Klar, klug, entschlossen und selbstbewusst.

Das wäre ein echter Neubeginn.

Die Meinung von Sabine Scholt.

Am 26. September ist Bundestagswahl.

In Berlin fand heute die letzte reguläre Sitzung des Hohen Hauses

vor diesem Termin statt.

In den kommenden Wochen wollen wir mit unserer mittendrin-Serie

jedes Bundesland besuchen und herausfinden:

Welche Themen bewegen die Bürger und Bürgerinnen in den Regionen?

Zum Start sind wir mittendrin in der sächsischen Oberlausitz.

Zittau liegt im Dreiländereck zu Polen und Tschechien

und kennt alle Vorteile eines grenzoffenen Europa.

Aber nicht wenige dort sind trotzdem EU-skeptisch.

Es sind nur wenige Sekunden Fahrt über die Neiße.

Schon sind wir in Polen, kurz darauf in Tschechien:

Drei Länder in fünf Minuten - in der Oberlausitz geht das.

Leonie Liemich nimmt mich mit zu einem Meeting

nach Liberec in Tschechien.

An der Hochschule Zittau/Görlitz koordiniert sie

grenzübergreifende Forschungsprojekte.

Die Politikwissenschaftlerin

suchte sich diesen Job gezielt in der Oberlausitz.

Ich habe einen tschechischen Partner

und zehn Jahre in Prag gelebt.

Dort haben wir uns eine Familie aufgebaut

und dieses tschechische Flair genossen.

Dann entschieden wir uns, in eine Kleinstadt zu ziehen.

Wir haben auf die Karte gelugt,

wo die Grenz-Regionen zwischen Deutschland und Tschechien liegen.

Gefunden haben Sie Zittau.

Zu drei Vierteln ist die Stadt von Polen und Tschechien umgeben.

Wo das eine Land endet und das andere Land beginnt:

Das kann ich vom Rathausdach aus

selbst mit Hilfe von Bürgermeister Thomas Zenker nur erahnen.

Grenzen schränken in Zittau niemanden ein.

Außer, wenn plötzlich eine Pandemie den Alltag beherrscht.

Zittau wird von vielen als in der Ecke bezeichnet.

Wir sehen das aber anders.

Bei offenen Grenzen ist der Umkreis da.

Aber wenn Sie zu sind,

haben Sie ungefähr ein Drittel des offenen Bereichs.

In der DDR, im Jahr 1980, wurde schon einmal die Grenze

zu Polen dichtgemacht wegen der Solidarnosc-Bewegung.

1989, kurz vor dem Mauerfall,

wollte die DDR die Ausreisewelle über Tschechien stoppen.

Sie schloss auch diese Grenze.

Bei einigen kamen während der Pandemie

die Erinnerungen daran hoch.

Für die Menschen hier ist es ein besonderes Erlebnis,

dass das wieder passieren kann - und in der Härte.

Da standen Soldaten mit MPs.

Das Bild kenne ich aus meiner Jugend 1989.

Geschlossene Grenzen will in Zittau niemand mehr.

Doch mit den offenen EU-Grenzen stieg die Sorge um Grenzkriminalität.

Auf alle Fälle Grenzkontrollen, wegen den Diebstählen.

Wenn Sie die Zeitung aufschlagen,

ist jeden Tag ein Fahrzeug geklaut worden.

Es tut nicht weh, den Ausweis zu zeigen.

Sehe ich nicht so.

Die Idee von einem offenen Europa finde ich sehr gut.

Die Kontrollen fand ich nicht schlecht.

Kontrollen wären gut, aber schließen braucht man nicht.

In der Oberlausitz gehört ein offenes Europa

für viele zum Alltag.

Hier wählten bei der letzten Bundestagswahl

über 30 Prozent die AfD.

Eine Partei, die den EU-Austritt Deutschlands fordert.

Die Antwort auf die Frage nach dem Warum ist nicht einfach.

Viele sind mit der Entwicklung nicht zufrieden.

Ob zurecht, sei dahingestellt.

Sie sind persönlich betroffen von wirtschaftlichen Gründen.

Und es gibt eine konservative Klientel,

die das Wort "konservativ" ein bisschen missinterpretiert.

Es ist nicht überraschend, dass mehr Menschen AfD wählen würden,

als vorher im konservativen bis rechtsextremen Spektrum wählten.

In Liberec in Tschechien trifft sich Leonie Liemich

mit einem Partner der Hochschule Zittau/Görlitz.

Forschung, findet sie, profitiert von grenzübergreifender Zusammenarbeit.

An die Bundespolitik hat sie einen klaren Wunsch.

Das Ja zu Europa.

Zittau und auch die Oberlausitz liegt im Herzen Europas.

Diese Lage ist nicht irgendwo im Osten Europas.

Ich würde mir wünschen,

dass das stärker in den Debatten zur Bundestagswahl eingebunden wird.

Dass man schaut, wie kann man

die trilateralen Beziehungen der Länder stärken?

Polen und Tschechien auf der einen, Deutschland auf der anderen Seite -

getrennt durch die Neiße.

Eine Grenze, die bei vielen nur auf der Karte existiert.

Und im Kopf längst in die Ferne gerückt ist.

In der Corona-Pandemie haben viele gelernt,

von zu Hause aus zu arbeiten.

War oft jahrelang ein Traum,

endlich Job und Familie unter einen Hut zu bringen.

Und ohne klimaschädliche Pendelei zum Arbeitsplatz.

Doch in den vergangenen Monaten

wurde das für nicht wenige eher zum Albtraum:

Zwischen gelangweilten Kindern,

zusammenbrechenden Videokonferenzen und erdrückender Monotonie.

Aber wer wollte, der konnte meist - dank der Homeoffice-Pflicht.

Diese Corona-Maßnahme gilt ab dem 1. Juli nicht mehr.

Während die einen aufatmen, wollen andere weitermachen.

Der Kaffee ist besser als in der Frankfurter Werbeagentur,

für die Frederic Schäfer arbeitet.

Vorteil: Homeoffice.

Seit 14 Monaten arbeitet er zu Hause,

wie 36 Prozent aller Beschäftigten in der Pandemie.

Ihm ist wichtig, Arbeitsrituale beizubehalten.

Morgens aufstehen, sich überlegen, was ziehe ich an.

Wie möchte ich wirken, das halte ich für wichtig.

Das es gibt auch eine gewisse Motivation.

Letzte Abstimmung für ein neues Projekt.

Die Kollegin aus seiner Agentur "Vier für Texas" sitzt im Allgäu.

Wie viele Beschäftigte findet sie,

das Homeoffice beiträgt zu einer besseren Work-Life-Balance.

Mit gutem Internet kann man von überall arbeiten,

wenn es der Arbeitgeber zulässt.

Ich bin "Texas" dankbar dafür, dass ich hier in den Bergen arbeiten

und ab und zu noch nach Frankfurt kommen kann.

Die meisten Beschäftigten wollen,

das Homeoffice auch nach der Pandemie behalten.

Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung.

Wir sehen, dass im Homeoffice Arbeitende zufriedener sind.

Aber nur, wenn sie innerhalb ihrer gesetzlichen Arbeitszeit arbeiten.

Nach getaner Arbeit noch abends E-Mails checken,

sich um Projekte kümmern:

Ob der Druck vom Vorgesetzten kommt oder man ihn sich selbst macht:

Das ist keine gute Idee.

Leere Büros auch in vielen Großkonzernen.

So wie bei der Alten Leipziger Versicherung.

Die meisten der 3000 Beschäftigten arbeiten zu Hause.

Das soll auch künftig möglich bleiben.

Wir arbeiten gerade zusammen mit unseren Betriebsräten

an einer flexiblen Arbeitswelt.

Die wird daraus bestehen, dass ich im Office sein kann -

zu Meetings und Projektarbeiten zum Beispiel.

Aber es wird es auch die Möglichkeit geben,

von zu Hause aus zu arbeiten.

Das liegt an den guten Erfahrungen,

die die Unternehmen mit dem Homeoffice gemacht haben.

Auch die Werbeagentur, für die Frederic Schäfer arbeitet.

Wir hätten nicht gedacht,

dass wir unsere Arbeitsweise digital so gut abbilden können.

Es macht zwar nicht alles genau so viel Spaß wie vorher,

aber es ist ähnlich produktiv.

Deshalb wird es auch in der Agentur flexibel zugehen -

mit Homeoffice und Präsenzzeiten.

So ein Modell wünschen sich bundesweit 61 % der Beschäftigten,

die in den vergangenen Monaten zu Hause gearbeitet haben.

Frederic Schäfer ist nicht restlos begeistert.

Zwar hat er zu Hause genügend Platz, aber er wieder öfter ins Büro kommen.

Ich mag diesen direkten Austausch im Büro.

Aber es ist ein Trend, den wir nicht aufhalten sollten.

Aber auf den Nachhauseweg im strömenden Regen

wird er künftig gern verzichten.

Ein verheerender Tornado sorgte gestern im Südosten von Tschechien

für verwüstete Dörfer.

Mindestens fünf Menschen sind umgekommen.

Über die Suche nach Verschütteten und das Aufräumen gleich mehr.

Weitere Nachrichten mit Constantin Schreiber:

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

für Grundschulkinder droht zu scheitern.

Die Länder haben einen Gesetzentwurf der Großen Koalition

aus Kostengründen abgelehnt.

Sie verlangen, dass sich der Bund stärker an den Kosten beteiligt.

Nun wird im Vermittlungsausschuss ein Kompromiss gesucht.

Es ist unklar, ob das Gesetz noch bis zum Ende der Legislaturperiode

verabschiedet werden kann.

Parlament und Mitgliedsstaaten der EU haben sich nach jahrelangem Ringen

auf eine Agrarreform geeinigt.

Milliardenschwere Subventionen für Landwirte

sollen stärker an Umweltauflagen gekoppelt werden.

Die Landwirtschaft soll so grüner und klimafreundlicher werden.

Umweltschützer kritisieren, diese Ziele würden nicht erreicht.

Im Fall des getöteten schwarzen US-Amerikaners George Floyd

muss der Ex-Polizist Derek Chauvin über 22 Jahre ins Gefängnis.

Der Richter in Minneapolis blieb mit dem Strafmaß

unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Die hatte 30 Jahre Haft verlangt.

Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

Der Fall hatte weltweit Proteste ausgelöst.

Und die Debatte über Rassismus und Polizeigewalt neu entfacht.

Im US-Bundesstaat Florida suchen Rettungskräfte nach dem Teileinsturz

eines zwölfstöckigen Hochhauses weiter nach Verschütteten.

Dazu müssen sie einen zehn Meter hohen Schuttberg abtragen.

Auch unterirdisch bahnen sich die Helfer einen Weg.

159 Menschen gelten als vermisst, mindestens vier kamen ums Leben.

Warum Teile des Hochhauses in der Nähe von Miami Beach

gestern eingestürzt waren, ist noch unklar.

Tornado heißt übersetzt "sich drehen" oder "umdrehen".

Hier wurde gestern tatsächlich alles umgedreht.

Im Südosten Tschechiens fegte ein Tornado übers Land.

Er zerstörte mehrere Dörfer,

wirbelte Autos umher und knickte Stromleitungen um.

Dramatische Bilder, die wir meist aus dem Mittleren Westen der USA

oder aus Katastrophenfilmen kennen.

Mindestens fünf Menschen überlebten den Wirbelsturm in Südmähren nicht,

etwa 200 wurden verletzt.

Noch immer wird mit Spürhunden nach Verschütteten gesucht.

Blechstücke stecken wie Geschosse

in der Fassade des Hauses von Familie Uhlelova.

Marketa war im Obergeschoss, als der Tornado das Haus traf.

Scherben und Trümmer flogen durch die Wohnung.

Die Mutter dreier Kinder und ihre älteste Tochter

erlitten tiefe Schnittwunden.

Aber die ganze Familie hat überlebt.

Alles hat gedröhnt, dann brachen die Fenster.

Wir hatten keinen Ort, um uns zu verstecken.

Wir lagen auf dem Boden und waren voller Glassplitter.

Am Morgen nach dem Sturm ist es still im Katastrophengebiet.

Menschen versuchen, die Erlebnisse zu verarbeiten.

Diese Ortschaft gehört zu den am stärksten betroffenen Gemeinden.

Dächer wurden abgedeckt, Hauswände eingedrückt,

Autos herumgeschleudert:

Etwas Vergleichbares habe es in der Gegend noch nie gegeben.

Es gab ein lautes Pfeifen, alles wirbelte im Kreis.

Meine Autos sind Schrott.

Das eine flog hierhin, dass andere dorthin.

Ganze Straßenzüge sind zerstört.

Selbst der Kirchturm konnte dem Tornado nicht standhalten.

Mit über 300 Stundenkilometern

wütete der Tornado durch sieben Ortschaften.

Stundenlang suchten die Hilfskräfte nach Verschütteten.

Der Direktor des Krankenhauses spricht von dramatischen Zuständen.

Uns wurden viele Verletzte gebracht, vom Rettungsdienst,

von der Feuerwehr und von Privatleuten.

Es gab viel Blut,

verschüttete Opfer und tragische Szenen.

Ein Krisenstab koordinierte die Versorgung der Patienten.

Die Leichtverletzten wurden vor Ort behandelt.

Etwa 80 Menschen kamen in Krankenhäuser.

Die meisten Verletzungen waren Knochenbrüche,

Prellungen und Schnittverletzungen.

Die Art der Verletzungen ist typisch für solche Katastrophen,

wenn Häuser einstürzen oder wenn Leute verschüttet werden.

Auch Österreich und die Slowakei

schickten Helfer ins Katastrophengebiet.

Am Abend traf Tschechiens Ministerpräsident

im Unglücksgebiet ein und informierte sich über die Lage.

Die Regierung hat schnelle Hilfe zugesichert.

Tornados in Europa sind nicht ungewöhnlich.

Aber von einen mit solcher Wucht berichten wir zum Glück selten.

Karsten, wie ist es dazu gekommen?

Wir hatten gestern dort ähnliche Bedingungen

wie sonst im Mittleren Westen der USA.

Es waren hohe Temperaturen und extrem hohe Luftfeuchtigkeit.

Die Windrichtung änderte sich mit der Höhe und nahm zu.

So entstehen Superzellen.

So nennen wir die riesigen Gewitterwolken.

Hier sehen wir, wie die sich explosionsartig ausdehnen.

Dieser Berg hier unter dieser Wolke, da hat sich der Tornado entwickelt.

Es war ein Typ-1-Tornado.

Die Luft wird angesaugt

und diese Drehbewegung verläuft zunächst horizontal.

Dann wird sie in die Gewitterwolke eingesaugt.

Dadurch entsteht der Tornado.

Die Windgeschwindigkeiten werden geschätzt

aufgrund der Schadensbilder.

Dieser hatte wohl geschätzt 300 Stundenkilometer.

Das ist 250 Kilometer entfernt von Deutschland geschehen.

Bedeutet das,

dass so ein schwerer Wirbelsturm auch in Deutschland möglich ist?

Das gab es auch schon.

Europaweit gab es 3800 Tornados in den letzten zehn Jahren.

An ein paar erinnern wir uns vielleicht.

Die Älteren erinnern sich noch an diesen in Pforzheim.

Auch bei uns müssen wir uns einstellen

auf solche verheerenden Tornados.

Wir blicken auf das Wochenendwetter, hoffentlich mit weniger Wirbel.

Es wird wieder hochsommerlich warm.

In der Nacht ist es meist trocken.

In den nächsten Stunden werden die letzten Gewitter und Schauer

zusammenfallen.

Morgen starten wir mit viel Sonne.

Im Osten gibt es ein paar Schauer.

Später auch im äußersten Nordwesten.

Die Temperaturen:

Noch wärmer wird es Sonntag und Montag.

Am Montag im Süden wieder Gewitter von der stärkeren Sorte.

Danke, Karsten.

Das waren die tagesthemen.

Es geht weiter mit einem "Polizeiruf 110" aus Rostock.

Wir sehen uns morgen wieder.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Samstag.

Tschüss - und bleiben Sie zuversichtlich.

Copyright Untertitel: NDR 2021


tagesthemen 25.06.2021, 21:45 Uhr - Drei Tote bei Messerattacke in Würzburg

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit den tagesthemen.

Diese Sendung wurde vom NDR live untertitelt (25.06.2021)

Heute im Studio: Ingo Zamperoni

Guten Abend.

Gegen 17 Uhr geht der erste Notruf bei der Polizei ein:

Messerangriff in der Innenstadt von Würzburg.

Drei Menschen sterben, es gibt mehrere Verletzte.

Der Angreifer soll ein 24-jähriger Somalier sein,

der in Würzburg lebt und offenbar in psychiatrischer Behandlung war.

Der Verdächtige war der Polizei vor der Tat bekannt,

so Würzburgs Oberbürgermeister.

Der Barbarossaplatz in Würzburgs Innenstadt:

Ein belebter Umsteigepunkt

der Straßenbahn und Buslinien nahe des Hauptbahnhofs.

Hier kam es gegen 17 Uhr zu dem Messerangriff.

Bayerns Innenminister Hermann traf in Würzburg ein,

um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Den Täter wurde mit einem Schuss in Oberschenkel gestoppt.

Ein Oberschenkeldurchschuss,

nach aktuellem Stand keine schlimmeren Verletzungen.

Er wurde festgenommen und ins Krankenhaus gebracht.

Dort wird er von der Polizei vernommen.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen Somalier (24),

der in Würzburg wohnt.

Der Täter sei in psychischer Behandlung gewesen.

Mittlerweile sei die Lage unter Kontrolle.

Nach unseren letzten Informationen

ist der Täter in letzten Monaten auffällig gewesen, bereit zu Gewalt.

Der Mann befindet sich außer Lebensgefahr

und ist in Polizeigewahrsam.

Zum Hintergrund der Tat gab die Polizei keine Informationen.

Weiterhin geht die Polizei von einem Einzeltäter aus.

Es gebe keine Hinweise auf andere Täter oder weitere Tatorte.

Wir sind mit starken Kräften in der Innenstadt präsent.

Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.

Bayerns Ministerpräsident Söder bezeichnete die Nachricht

von den Toten in Würzburg als schockierend.

Alexander von Ammon ist in Würzburg.

Gibt gibt es neue Erkenntnisse über das Motiv des Täters?

Wir stehen noch am Anfang.

Vor fünf Jahren gab es hier schon eine Attacke in einem Zug.

Dort hat es Wochen gedauert, um die Handy-Daten auszulesen.

Und zu erkennen, dass der damalige Täter

mit islamistischem Hintergrund gesteuert wurde.

Im Moment liegt der Täter, der heute die Menschen getötet hat,

im Krankenhaus.

Ein Augenzeuge will den Ruf "Allahu Akbar" gehört haben.

Zur Motivlage möchte ich nicht weiter spekulieren.

War es bedingt durch seine psychische Erkrankung?

Oder war es ein terroristischer Hintergrund?

Im Moment ist Ruhe in der Innenstadt.

Die Polizei hat alles im Griff.

Innenminister Herrmann will sich später ein Bild von Tatort machen.

Dann hoffen wir auf weitere Erkenntnisse.

Danke nach Würzburg.

Ihre Mission findet statt in einem Mehrfronten-Bürgerkriegsland

und gilt als der gefährlichste Auslandseinsatz der Bundeswehr.

Was sich heute auf verheerende Weise bestätigt hat:

Ein Selbstmordattentäter hat im westafrikanischen Mali

eine UN-Blauhelm-Patrouille angegriffen.

Dabei wurde auch ein Dutzend Bundeswehrsoldaten verletzt,

drei von ihnen schwer.

Seit 2013 beteiligen sich die Deutschen an der UN-Mission,

um Mali zu stabilisieren.

Der Großteil des Kontingents von etwa 900 Soldat*innen

ist im Nordosten stationiert: im Camp Castor in Gao.

Der Anschlag mit einer Autobombe ereignete sich am frühen Morgen

rund 180 Kilometer nordöstlich von Gao, in der Gemeinde Tarkint.

Ein unscheinbarer Tweet der UN-Mission Minusma

war der erste Hinweis:

"Attentat in Mali, 15 Blauhelmsoldaten verwundet."

Stunden später bestätigt die Verteidigungsministerin

schlimme Befürchtungen.

Zwölf Deutsche seien Opfer des Sprengstoffattentats geworden.

Zwei der Schwerverletzten sind in einem stabilen Zustand,

ein dritter wird noch operiert.

Ihm gelten unsere besonderen Gedanken.

Die militärischen Operation vor Ort sind noch nicht abgeschlossen.

Patrouille im Bürgerkriegsgebiet zwischen Rebellen und Islamisten:

Der Alltag der deutschen Mission.

Heute um 6.30 Uhr Ortszeit

explodierte anscheinend ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug.

Man habe noch Glück gehabt, sagt die Wehrbeauftragte.

Die Rettungskette hat funktioniert,

die verletzten Soldaten werden medizinische gut versorgt.

Es wird dafür gesorgt, dass sie zurück nach Deutschland

transportiert werden und gut behandelt werden.

Der Vormarsch des IS führt dazu,

dass die UN-Mission Mali als gefährlichste weltweit gilt.

Die Union hält den deutschen Einsatz für alternativlos.

Es geht darum, im Rahmen eines UN-Mandates

im Land Mali Stabilität zu halten als internationale Mission.

Damit Terroristen keinen Fuß fassen können in diesem Land,

um von dort aus auch Europa zu bedrohen.

Man müsse nicht nur das deutsche Lager in GAO schnell abbrechen,

fordert die Linke.

Zuallererst sind die Gedanken bei den Opfern.

Aber es muss Aufforderung an uns sein,

diese Einsätze neu zu überdenken, insbesondere den in Mali.

Man könne die UN und die Menschen in Mali nicht im Stich lassen,

meinen die Grünen.

Aber man müsse sich Gedanken machen um den deutschen Auftrag.

Man muss man diskutieren, wenn die Situation seit 2014 stagniert:

Was läuft bei diesem Einsatz falsch?

Aber man sollte es nicht

mit diesem diesem feigen Anschlag heute verquicken.

In Mali bemüht sich die Bundeswehr

um den Rücktransport der Verwundeten nach Gao.

Dann sollen die Soldaten schnell nach Deutschland verlegt werden.

Stephan Stuchlik ist in unserem ARD-Hauptstadtstudio.

Was ist denn das Grundproblem bei dieser UN-Mission?

Wenn man sich den Mandat-Text anguckt,

klingt der gemäßigt:

Zivile Zusammenarbeit, Beobachtung und Aufklärung.

Aber das Land versinkt seit 2012 im Bürgerkrieg.

Es gibt keine Zentralregierung

und man kann schnell in einem Mehr-Fronten-Krieg versinken.

Eine Patrouille gerät da schnell in die Nähe eines Kampfeinsatzes.

Das haben viele deutsche Politiker unterschätzt.

Das kann man ihnen aber nicht vorwerfen,

denn die meisten Opfer hatte bisher Frankreich zu tragen.

Die meisten Nachrichten aus Mali sind in französischer Sprache.

Auch die über die vielen Anschläge,

die dort wöchentlich stattfinden.

In drei Monaten ist Bundestagswahl.

Wie sehr könnten die Auslandseinsätze

ein Wahlkampfthema werden?

Frankreich hatte angekündigt,

es wolle weniger in Mali machen.

Es könnte deshalb mehr Bundeswehr-Einsatz geben,

statt weniger.

Die CDU will einen robusteren Einsatz,

also einen Kampfeinsatz.

Die SPD hat schon Schwierigkeiten mit der Ausrüstung.

Man lehnt bewaffnete Drohnen ab.

Die Grünen haben mit dem Wort "robust" Probleme.

Die Linken lehnen Auslandseinsätze grundsätzlich ab.

Wenn man sich eine Regierungsbildung im Herbst vorstellt,

mit diesen unterschiedlichen Positionen:

Da könnte man sich vorstellen,

dass Auslandseinsätze zu einem Problem werden.

Danke nach Berlin.

Ein Abschiedsgeschenk wollten sie ihr wohl nicht machen.

Auf ihrem vielleicht letzten EU-Gipfel rang Kanzlerin Merkel

bis spät in die Nacht mit ihren Amtskolleg*innen um Kompromisse.

Aber selten stand sie in den 16 Jahren ihrer Kanzlerschaft

am Ende mit so leeren Händen da:

Kein grünes Licht für ihren deutsch-französischen Vorschlag

eines Gipfel-Dialogs mit Russlands Präsident Putin.

Kein gemeinsamer paneuropäischer Umgang mit Corona-Varianten.

Und kein Ergebnis im Streit mit Ministerpräsident Orban

um das neue homophobe Gesetz in Ungarn.

Eine ernüchternde Bilanz:

Brüssel hat gezeigt, wofür es stehen will:

Für Vielfalt und gegen Orban.

Der bezog Klassenkeile beim Gipfel, so Teilnehmer.

Die übliche Diplomatie spielte keine Rolle mehr.

Es geht um sein Gesetz, das Informationen für Jugendliche

über Homosexualität einschränkt.

Und mit Pädophilie, Gewaltdarstellungen

und Pornografie praktisch gleichsetzt.

Die Reaktionen zeigen eine Spaltung in der EU auf

wie schon lange nicht. Nicht

nur der niederländische Ministerpräsident geht Orban an.

Zieh dieses Gesetz zurück.

Und wenn die europäischen Werte nicht deine Werte sind:

Dann musst du dich fragen, ob du in der EU bleiben willst.

Vor sieben Jahren war ich mit meinem Mann bei Viktor Orban.

Ich erkenne ihn heute nicht wieder.

Das ist Ausschluss und Stigmatisierung in der Politik.

24 Länder gegen ihn.

Der Streit eskaliert um ein Gesetz über Jugendschutz

und Homosexualität.

Tatsächlich geht es ums Grundsätzliche:

Welche Werte vertritt die Europäische Union gemeinsam?

Nicht nur Ungarn will sich nicht hereinreden lassen.

Es will ein Europa der Nationalstaaten.

Wir haben damit ein ernstes Problem.

Das haben wir nicht nur mit Ungarn, sondern auch über die Frage,

was ist der Entwicklungspunkt der EU?

Es ist ein schrecklicher Rückschritt.

Es geht um den Rückschritt im Kopf, bei der Mentalität.

Das macht mir Sorgen.

Das ist ein Kulturkampf.

Auch bei einem anderen Thema kamen Merkel und Macron nicht weiter:

Neue harte Maßnahmen gegen Russland

kombinieren mit einem Gesprächsangebot an Putin.

Man konnte sich nicht darauf einigen,

dass wir uns auf Chef-Ebene sofort treffen.

Aber wichtig ist, dass der Dialog erhalten bleibt.

Ich hätte mir einen mutigeren Schritt gewünscht.

Die Diskussion war hart, aber wir haben das Ergebnis.

Damit sind wir zufrieden.

Merkels gemeinsamer Vorschlag mit Macron wurde gekippt.

Der amerikanische Präsident hat mit Russland gesprochen.

Aber die EU kann sich nicht einigen.

Die Kanzlerin verlässt betrübt ihren wohl letzten EU-Gipfel.

Kein Entgegenkommen der EU im Verhältnis zu Russland -

dazu hat Sabine Scholt vom WDR diese Meinung:

Ja, ich weiß um die Besetzung der Krim

und um die Rolle Russlands in der Ukraine.

Ich weiß um Cyberattacken, Menschenrechtsverletzungen,

den eiskalten Umgang Putins mit Nawalny.

Ich kenne das Argument,

das man mit so jemand nicht reden kann.

Dass einer wie Putin die Sprache des Dialogs nicht versteht.

Zuletzt wurde immer weniger geredet, Europa drohte zahnlos.

Alle Sanktionen, aller wirtschaftlicher Druck

bewirkten wenig.

Das europäisch-russische Verhältnis ist am Tiefpunkt.

Es wird höchste Zeit für einen Neubeginn.

In diesem Sinne verstehe ich den Vorstoß von Merkel und Macron.

Wenn US-Präsident Biden mit Putin spricht,

dann müssen die Europäer das auch tun.

Als eigenständiger Akteur und direkter Nachbar

muss die EU diesen Anspruch haben.

Umso fataler, dass die jüngste Initiative scheiterte.

An einigen wenigen osteuropäischen Staaten,

die Putin keinen Millimeter über den Weg trauen.

Die mit Russland sehr schlechte Erfahrungen machten.

Das ist das Desaster.

Durch Europa geht ein Riss.

Und Putin schaut zu,

wie die Mitgliedsstaaten immer ohnmächtiger werden.

Aber so leicht darf Europa es Russland nicht machen.

Die EU braucht einen gemeinsamen Nenner,

eine echte Russlandstrategie.

So schmerzhaft das auch wird, es lohnt sich sehr,

sich neu zu sortieren.

Und dann erst mit Putin in den Dialog zu gehen.

Klar, klug, entschlossen und selbstbewusst.

Das wäre ein echter Neubeginn.

Die Meinung von Sabine Scholt.

Am 26. September ist Bundestagswahl.

In Berlin fand heute die letzte reguläre Sitzung des Hohen Hauses

vor diesem Termin statt.

In den kommenden Wochen wollen wir mit unserer mittendrin-Serie

jedes Bundesland besuchen und herausfinden:

Welche Themen bewegen die Bürger und Bürgerinnen in den Regionen?

Zum Start sind wir mittendrin in der sächsischen Oberlausitz.

Zittau liegt im Dreiländereck zu Polen und Tschechien

und kennt alle Vorteile eines grenzoffenen Europa.

Aber nicht wenige dort sind trotzdem EU-skeptisch.

Es sind nur wenige Sekunden Fahrt über die Neiße.

Schon sind wir in Polen, kurz darauf in Tschechien:

Drei Länder in fünf Minuten - in der Oberlausitz geht das.

Leonie Liemich nimmt mich mit zu einem Meeting

nach Liberec in Tschechien.

An der Hochschule Zittau/Görlitz koordiniert sie

grenzübergreifende Forschungsprojekte.

Die Politikwissenschaftlerin

suchte sich diesen Job gezielt in der Oberlausitz.

Ich habe einen tschechischen Partner

und zehn Jahre in Prag gelebt.

Dort haben wir uns eine Familie aufgebaut

und dieses tschechische Flair genossen.

Dann entschieden wir uns, in eine Kleinstadt zu ziehen.

Wir haben auf die Karte gelugt,

wo die Grenz-Regionen zwischen Deutschland und Tschechien liegen.

Gefunden haben Sie Zittau.

Zu drei Vierteln ist die Stadt von Polen und Tschechien umgeben.

Wo das eine Land endet und das andere Land beginnt:

Das kann ich vom Rathausdach aus

selbst mit Hilfe von Bürgermeister Thomas Zenker nur erahnen.

Grenzen schränken in Zittau niemanden ein.

Außer, wenn plötzlich eine Pandemie den Alltag beherrscht.

Zittau wird von vielen als in der Ecke bezeichnet.

Wir sehen das aber anders.

Bei offenen Grenzen ist der Umkreis da.

Aber wenn Sie zu sind,

haben Sie ungefähr ein Drittel des offenen Bereichs.

In der DDR, im Jahr 1980, wurde schon einmal die Grenze

zu Polen dichtgemacht wegen der Solidarnosc-Bewegung.

1989, kurz vor dem Mauerfall,

wollte die DDR die Ausreisewelle über Tschechien stoppen.

Sie schloss auch diese Grenze.

Bei einigen kamen während der Pandemie

die Erinnerungen daran hoch.

Für die Menschen hier ist es ein besonderes Erlebnis,

dass das wieder passieren kann - und in der Härte.

Da standen Soldaten mit MPs.

Das Bild kenne ich aus meiner Jugend 1989.

Geschlossene Grenzen will in Zittau niemand mehr.

Doch mit den offenen EU-Grenzen stieg die Sorge um Grenzkriminalität.

Auf alle Fälle Grenzkontrollen, wegen den Diebstählen.

Wenn Sie die Zeitung aufschlagen,

ist jeden Tag ein Fahrzeug geklaut worden.

Es tut nicht weh, den Ausweis zu zeigen.

Sehe ich nicht so.

Die Idee von einem offenen Europa finde ich sehr gut.

Die Kontrollen fand ich nicht schlecht.

Kontrollen wären gut, aber schließen braucht man nicht.

In der Oberlausitz gehört ein offenes Europa

für viele zum Alltag.

Hier wählten bei der letzten Bundestagswahl

über 30 Prozent die AfD.

Eine Partei, die den EU-Austritt Deutschlands fordert.

Die Antwort auf die Frage nach dem Warum ist nicht einfach.

Viele sind mit der Entwicklung nicht zufrieden.

Ob zurecht, sei dahingestellt.

Sie sind persönlich betroffen von wirtschaftlichen Gründen.

Und es gibt eine konservative Klientel,

die das Wort "konservativ" ein bisschen missinterpretiert.

Es ist nicht überraschend, dass mehr Menschen AfD wählen würden,

als vorher im konservativen bis rechtsextremen Spektrum wählten.

In Liberec in Tschechien trifft sich Leonie Liemich

mit einem Partner der Hochschule Zittau/Görlitz.

Forschung, findet sie, profitiert von grenzübergreifender Zusammenarbeit.

An die Bundespolitik hat sie einen klaren Wunsch.

Das Ja zu Europa.

Zittau und auch die Oberlausitz liegt im Herzen Europas.

Diese Lage ist nicht irgendwo im Osten Europas.

Ich würde mir wünschen,

dass das stärker in den Debatten zur Bundestagswahl eingebunden wird.

Dass man schaut, wie kann man

die trilateralen Beziehungen der Länder stärken?

Polen und Tschechien auf der einen, Deutschland auf der anderen Seite -

getrennt durch die Neiße.

Eine Grenze, die bei vielen nur auf der Karte existiert.

Und im Kopf längst in die Ferne gerückt ist.

In der Corona-Pandemie haben viele gelernt,

von zu Hause aus zu arbeiten.

War oft jahrelang ein Traum,

endlich Job und Familie unter einen Hut zu bringen.

Und ohne klimaschädliche Pendelei zum Arbeitsplatz.

Doch in den vergangenen Monaten

wurde das für nicht wenige eher zum Albtraum:

Zwischen gelangweilten Kindern,

zusammenbrechenden Videokonferenzen und erdrückender Monotonie.

Aber wer wollte, der konnte meist - dank der Homeoffice-Pflicht.

Diese Corona-Maßnahme gilt ab dem 1. Juli nicht mehr.

Während die einen aufatmen, wollen andere weitermachen.

Der Kaffee ist besser als in der Frankfurter Werbeagentur,

für die Frederic Schäfer arbeitet.

Vorteil: Homeoffice.

Seit 14 Monaten arbeitet er zu Hause,

wie 36 Prozent aller Beschäftigten in der Pandemie.

Ihm ist wichtig, Arbeitsrituale beizubehalten.

Morgens aufstehen, sich überlegen, was ziehe ich an.

Wie möchte ich wirken, das halte ich für wichtig.

Das es gibt auch eine gewisse Motivation.

Letzte Abstimmung für ein neues Projekt.

Die Kollegin aus seiner Agentur "Vier für Texas" sitzt im Allgäu.

Wie viele Beschäftigte findet sie,

das Homeoffice beiträgt zu einer besseren Work-Life-Balance.

Mit gutem Internet kann man von überall arbeiten,

wenn es der Arbeitgeber zulässt.

Ich bin "Texas" dankbar dafür, dass ich hier in den Bergen arbeiten

und ab und zu noch nach Frankfurt kommen kann.

Die meisten Beschäftigten wollen,

das Homeoffice auch nach der Pandemie behalten.

Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung.

Wir sehen, dass im Homeoffice Arbeitende zufriedener sind.

Aber nur, wenn sie innerhalb ihrer gesetzlichen Arbeitszeit arbeiten.

Nach getaner Arbeit noch abends E-Mails checken,

sich um Projekte kümmern:

Ob der Druck vom Vorgesetzten kommt oder man ihn sich selbst macht:

Das ist keine gute Idee.

Leere Büros auch in vielen Großkonzernen.

So wie bei der Alten Leipziger Versicherung.

Die meisten der 3000 Beschäftigten arbeiten zu Hause.

Das soll auch künftig möglich bleiben.

Wir arbeiten gerade zusammen mit unseren Betriebsräten

an einer flexiblen Arbeitswelt.

Die wird daraus bestehen, dass ich im Office sein kann -

zu Meetings und Projektarbeiten zum Beispiel.

Aber es wird es auch die Möglichkeit geben,

von zu Hause aus zu arbeiten.

Das liegt an den guten Erfahrungen,

die die Unternehmen mit dem Homeoffice gemacht haben.

Auch die Werbeagentur, für die Frederic Schäfer arbeitet.

Wir hätten nicht gedacht,

dass wir unsere Arbeitsweise digital so gut abbilden können.

Es macht zwar nicht alles genau so viel Spaß wie vorher,

aber es ist ähnlich produktiv.

Deshalb wird es auch in der Agentur flexibel zugehen -

mit Homeoffice und Präsenzzeiten.

So ein Modell wünschen sich bundesweit 61 % der Beschäftigten,

die in den vergangenen Monaten zu Hause gearbeitet haben.

Frederic Schäfer ist nicht restlos begeistert.

Zwar hat er zu Hause genügend Platz, aber er wieder öfter ins Büro kommen.

Ich mag diesen direkten Austausch im Büro.

Aber es ist ein Trend, den wir nicht aufhalten sollten.

Aber auf den Nachhauseweg im strömenden Regen

wird er künftig gern verzichten.

Ein verheerender Tornado sorgte gestern im Südosten von Tschechien

für verwüstete Dörfer.

Mindestens fünf Menschen sind umgekommen.

Über die Suche nach Verschütteten und das Aufräumen gleich mehr.

Weitere Nachrichten mit Constantin Schreiber:

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

für Grundschulkinder droht zu scheitern.

Die Länder haben einen Gesetzentwurf der Großen Koalition

aus Kostengründen abgelehnt.

Sie verlangen, dass sich der Bund stärker an den Kosten beteiligt.

Nun wird im Vermittlungsausschuss ein Kompromiss gesucht.

Es ist unklar, ob das Gesetz noch bis zum Ende der Legislaturperiode

verabschiedet werden kann.

Parlament und Mitgliedsstaaten der EU haben sich nach jahrelangem Ringen

auf eine Agrarreform geeinigt.

Milliardenschwere Subventionen für Landwirte

sollen stärker an Umweltauflagen gekoppelt werden.

Die Landwirtschaft soll so grüner und klimafreundlicher werden.

Umweltschützer kritisieren, diese Ziele würden nicht erreicht.

Im Fall des getöteten schwarzen US-Amerikaners George Floyd

muss der Ex-Polizist Derek Chauvin über 22 Jahre ins Gefängnis.

Der Richter in Minneapolis blieb mit dem Strafmaß

unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Die hatte 30 Jahre Haft verlangt.

Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

Der Fall hatte weltweit Proteste ausgelöst.

Und die Debatte über Rassismus und Polizeigewalt neu entfacht.

Im US-Bundesstaat Florida suchen Rettungskräfte nach dem Teileinsturz

eines zwölfstöckigen Hochhauses weiter nach Verschütteten.

Dazu müssen sie einen zehn Meter hohen Schuttberg abtragen.

Auch unterirdisch bahnen sich die Helfer einen Weg.

159 Menschen gelten als vermisst, mindestens vier kamen ums Leben.

Warum Teile des Hochhauses in der Nähe von Miami Beach

gestern eingestürzt waren, ist noch unklar.

Tornado heißt übersetzt "sich drehen" oder "umdrehen".

Hier wurde gestern tatsächlich alles umgedreht.

Im Südosten Tschechiens fegte ein Tornado übers Land.

Er zerstörte mehrere Dörfer,

wirbelte Autos umher und knickte Stromleitungen um.

Dramatische Bilder, die wir meist aus dem Mittleren Westen der USA

oder aus Katastrophenfilmen kennen.

Mindestens fünf Menschen überlebten den Wirbelsturm in Südmähren nicht,

etwa 200 wurden verletzt.

Noch immer wird mit Spürhunden nach Verschütteten gesucht.

Blechstücke stecken wie Geschosse

in der Fassade des Hauses von Familie Uhlelova.

Marketa war im Obergeschoss, als der Tornado das Haus traf.

Scherben und Trümmer flogen durch die Wohnung.

Die Mutter dreier Kinder und ihre älteste Tochter

erlitten tiefe Schnittwunden.

Aber die ganze Familie hat überlebt.

Alles hat gedröhnt, dann brachen die Fenster.

Wir hatten keinen Ort, um uns zu verstecken.

Wir lagen auf dem Boden und waren voller Glassplitter.

Am Morgen nach dem Sturm ist es still im Katastrophengebiet.

Menschen versuchen, die Erlebnisse zu verarbeiten.

Diese Ortschaft gehört zu den am stärksten betroffenen Gemeinden.

Dächer wurden abgedeckt, Hauswände eingedrückt,

Autos herumgeschleudert:

Etwas Vergleichbares habe es in der Gegend noch nie gegeben.

Es gab ein lautes Pfeifen, alles wirbelte im Kreis.

Meine Autos sind Schrott.

Das eine flog hierhin, dass andere dorthin.

Ganze Straßenzüge sind zerstört.

Selbst der Kirchturm konnte dem Tornado nicht standhalten.

Mit über 300 Stundenkilometern

wütete der Tornado durch sieben Ortschaften.

Stundenlang suchten die Hilfskräfte nach Verschütteten.

Der Direktor des Krankenhauses spricht von dramatischen Zuständen.

Uns wurden viele Verletzte gebracht, vom Rettungsdienst,

von der Feuerwehr und von Privatleuten.

Es gab viel Blut,

verschüttete Opfer und tragische Szenen.

Ein Krisenstab koordinierte die Versorgung der Patienten.

Die Leichtverletzten wurden vor Ort behandelt.

Etwa 80 Menschen kamen in Krankenhäuser.

Die meisten Verletzungen waren Knochenbrüche,

Prellungen und Schnittverletzungen.

Die Art der Verletzungen ist typisch für solche Katastrophen,

wenn Häuser einstürzen oder wenn Leute verschüttet werden.

Auch Österreich und die Slowakei

schickten Helfer ins Katastrophengebiet.

Am Abend traf Tschechiens Ministerpräsident

im Unglücksgebiet ein und informierte sich über die Lage.

Die Regierung hat schnelle Hilfe zugesichert.

Tornados in Europa sind nicht ungewöhnlich.

Aber von einen mit solcher Wucht berichten wir zum Glück selten.

Karsten, wie ist es dazu gekommen?

Wir hatten gestern dort ähnliche Bedingungen

wie sonst im Mittleren Westen der USA.

Es waren hohe Temperaturen und extrem hohe Luftfeuchtigkeit.

Die Windrichtung änderte sich mit der Höhe und nahm zu.

So entstehen Superzellen.

So nennen wir die riesigen Gewitterwolken.

Hier sehen wir, wie die sich explosionsartig ausdehnen.

Dieser Berg hier unter dieser Wolke, da hat sich der Tornado entwickelt.

Es war ein Typ-1-Tornado.

Die Luft wird angesaugt

und diese Drehbewegung verläuft zunächst horizontal.

Dann wird sie in die Gewitterwolke eingesaugt.

Dadurch entsteht der Tornado.

Die Windgeschwindigkeiten werden geschätzt

aufgrund der Schadensbilder.

Dieser hatte wohl geschätzt 300 Stundenkilometer.

Das ist 250 Kilometer entfernt von Deutschland geschehen.

Bedeutet das,

dass so ein schwerer Wirbelsturm auch in Deutschland möglich ist?

Das gab es auch schon.

Europaweit gab es 3800 Tornados in den letzten zehn Jahren.

An ein paar erinnern wir uns vielleicht.

Die Älteren erinnern sich noch an diesen in Pforzheim.

Auch bei uns müssen wir uns einstellen

auf solche verheerenden Tornados.

Wir blicken auf das Wochenendwetter, hoffentlich mit weniger Wirbel.

Es wird wieder hochsommerlich warm.

In der Nacht ist es meist trocken.

In den nächsten Stunden werden die letzten Gewitter und Schauer

zusammenfallen.

Morgen starten wir mit viel Sonne.

Im Osten gibt es ein paar Schauer.

Später auch im äußersten Nordwesten.

Die Temperaturen:

Noch wärmer wird es Sonntag und Montag.

Am Montag im Süden wieder Gewitter von der stärkeren Sorte.

Danke, Karsten.

Das waren die tagesthemen.

Es geht weiter mit einem "Polizeiruf 110" aus Rostock.

Wir sehen uns morgen wieder.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Samstag.

Tschüss - und bleiben Sie zuversichtlich.

Copyright Untertitel: NDR 2021