002 - Mode, die Geißel der Generationen
Willkommen zu Gans am Boden ein Podcast von und mit Firefly.
Thema heute: Mode, die Geißel der Generationen?
Fragen wir doch mal. Wisst ihr noch? Damals – Anfang der Achtziger? In der Zeit von Bum-Bum-Becker und Steffi Adlernase Graf? Hmm. Tennis bis zum Abwinken. Selbst die fette Verkäuferin aus 'em ( umgspr: dem ) Laden an der Ecke lief nur noch mit Schweißbändern herum. Plötzlich kannte jeder den Nugatcreme fressenden Stammelboris und sein weibliches Pendant Steffi Pasta Graf. Schon beim Brötchen holen knallten einem Fifteen – Loves und Faults um die Ohren und jeder musste schnell nach Hause wenn es wieder mal irgend so 'en ( umgspr: ein ) Grand Open zum glotzen gab. Zwei wuschige Typen in weiß prügelten sich mit einem kleinen gelben fusseligen Ball und das auf einem roten oder grünen Platz. Na wie toll.
Frauentennis? Tja, das hörte sich zumeist an wie die 0190er Nummern. Stundenlanges rumstöhnen. Alles in allem – na ja – war's doch so. Das zwar keiner selber Tennis spielte, aber zugucken musste man ja schließlich doch schon, wollte man nicht am nächsten Tag in der Frühstückspause am Looser-Tisch sitzen und keine Ahnung haben. Damals gehörte es zum guten Ton mit Schweißbändern bepflastert durch die Stadt zu talfen ( regional, dial: betteln ). Selbst in den Musiksendungen für Jugendliche, so was wie Disco und Hitparade, musste man sich diese gummierten Frotteelappen ansehen.
Man denke da an Nena, die bei Dieter Thomas Heck und seiner Hitparade mit Schweißbändern über die Bühne wuselte und dabei ihr Playback versaute. Ach nun kommt schon – Nena. Diese Zaubermaus für Weichgespülte. Die Frau die mit „Nur geträumt“ wochenlang dieselben schmuddeligen Schweißbänder in die Kamera hielt. Die es sogar geschafft hat, das meine halbe Generation mit schwarz-weiß gestreiften hautengen Hosen rum lief. Teilweise haben wir da noch über die T-Shirts Netzunterhemden gezogen und wir glaubten, dass wir damit geil aussahen. Tja, damals war ja noch alles geil und stark. Weit und breit nix ( umgspr: nichts ) zu sehen von krass und fett. Da war man schon ein Revoluzzer, wenn man sich die Haare gefärbt hatte. Heute laufen dreifarbige Streifenhörnchen durch die Stadt. Teenies, die von allem und für alles Respekt haben wollen.
[Auslassung: Dieser Teil ist für mich nicht transkribierbar. Es erfolgt eine Imitation von Jugendlichen in Form einer Parodie.]
Wer so spricht, braucht meiner Meinung nach keinen Respekt, sondern einen Deutschkurs.
Aber zurück zur Mode. Da wir gerne mal über die Achtziger lächeln und über unsere Klamotten. Und was müssen unsere entzündeten Augen heute so ertragen? Hmm. Da läuft eine Horde Pisa-Flüchtlinge mit zu groß geratenen aber trotzdem offen gelassenen Turnschuhen daher. Ihre Beine in Schlaghosen, die selbst Anfang der Siebziger noch peinlich gewesen wären. Doch der Oberhammer kommt erst ab der Hüfte aufwärts. Ein rosa Kapuzenshirt. Mit aufgesetzter Kapuze. Hudeldidu ( Nonsenswort ). Darunter eine – na ja - zu groß eingestellte Baseball-Kappe. Die so aussieht als wenn man einen rosa Putzlappen über einen Kinderfahrradhelm gezogen hätte. Natürlich ist dieser Weichwurst das noch nicht peinlich genug. Nein, nein. Er hängt sich noch ein hüftlang eingestelltes Herrenhandtäschchen um. Und er setzt sich auch mitten in der Nacht noch 'ne ( umgspr: eine ) verspiegelte Sonnenbrille auf. Na. Da hat doch wohl einer Respekt vor. Oder.
Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass wohl jede Generation von der nächsten zu hören kriegt, wie peinlich doch damals ihre Mode war. Mich würde halt nur mal interessieren, mit welchen Modeausrutschern die Kids in dreißig oder vierzig Jahren unsere Augen strapazieren. Gibt es dann womöglich wieder beige Pullunder? Zu rosa Caprihosen und grünen Gummistiefeln? Hmm? Oder krempeln sich dann immer noch so 'en ( umgspr: ein ) paar weich geklopfte ein Hosenbein hoch. Hä. Das sieht doch ziemlich blöd aus. Wie so 'en Storch auf Extasy, oder? Ich bleibe auf jeden Fall weiterhin so verrückt oder normal wie bisher und werde auf Modestrapazen verzichten. Selbst wenn es mal schick wird einen Stahlhelm zu tragen. Das war ja mal Anfang Fünfziger ganz groß im Rennen, oder?
Transkription : Vera Ihrig für www.LingQ.com Erläuterung: Dialekt/Regional = Regional besondere Worte oder Aussprache. Werden nicht überall verstanden und sollten nicht so gesprochen werden. Umgspr = Umgangsprache. Wird nahezu in ganz Deutschland verwendet und ist überall verständlich.
Herzlichen Dank an Firefly für die freundliche Genehmigung, den Beitrag hier zu verwenden.