×

우리는 LingQ를 개선하기 위해서 쿠키를 사용합니다. 사이트를 방문함으로써 당신은 동의합니다 쿠키 정책.

image

2022 Tagesschau, tagesthemen 05.03.2022, 23:30 Uhr - Krieg in Ukraine

tagesthemen 05.03.2022, 23:30 Uhr - Krieg in Ukraine

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit den tagesthemen.

Diese Sendung wurde vom NDR live untertitelt (05.03.2022)

Pro-ukrainische Demonstrationen gibt es derzeit viele.

Aber diese findet in Cherson statt.

In der von russischen Truppen eingenommen Stadt in der Südukraine

protestieren Menschen mutig gegen Putin und für Freiheit.

Willkommen zu den tagesthemen.

Über einen Krieg zu berichten ist sowieso eine Herausforderung.

Mit dem heute in Kraft getretenen Mediengesetz wird das in Russland

im Prinzip unmöglich.

Für die Verbreitung angeblicher Falschinformationen

über russische Streitkräfte drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Mehrere internationale Medien setzen ihre Berichterstattung

aus Russland vorübergehend aus, auch ARD und ZDF.

Währenddessen fliehen immer mehr Menschen vor den Gefechten.

Und es gab einen erneuten diplomatischen Vorstoß.

Diesmal durch den israelischen Ministerpräsidenten.

Bennett, der sich in Moskau mit Präsident Putin traf.

Anschließend flog Bennett nach Berlin, um sich zur Stunde

mit Kanzler Scholz auszutauschen.

Im westukrainischen Lviv

wollen sie nicht auf eine diplomatische Lösung warten.

Sie stehen geduldig an in Lviv.

Sie wollen nicht Lebensmittel kaufen, sondern Waffen.

Vorbereitet sein, wenn es auch im Westen der Ukraine losgeht.

Ich bin Studentin, 21 Jahre alt.

Das ist das legale Alter hier, um meine erste Waffe zu kaufen.

Es ist bedauerlich zu sehen, wie viele Studenten anstehen,

um Waffen zu kaufen anstatt in die Uni zu gehen.

Anderswo in der Stadt bauen sie Barrikaden,

um die russischen Panzer aufzuhalten.

Im normalen Leben haben diese Leute alle andere Jobs.

Ich bin Fotograf, sie sind Bäcker, Bildhauer, Konstrukteure oder Köche.

Andere wollen ihre Mitmenschen aufheitern.

"What a Wonderful World" spielt sie vor dem Bahnhof von Lviv.

So sieht es in Irpin nahe Kiew aus.

Die Stadt steht heftig unter russischem Beschuss.

Die Menschen fliehen,

um in die Hauptstadt und dann irgendwie weiterzukommen.

Am Morgen besucht der ukrainische Ex-Präsident Poroschenko das Gebiet,

um die ukrainischen Truppen zu unterstützen.

Sie sehen jetzt, warum wir eine Flugverbotszone brauchen.

Um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Wir brauchen sie dringend, wir brauchen sie jetzt.

Wir dürfen Putin nicht erlauben, die ganze Welt zu zerstören.

Auch in Mariupol gehen die Angriffe heute weiter,

nach einer kurzen Pause.

Die Bevölkerung hätte eigentlich

durch einen humanitären Korridor fliehen sollen.

Doch Kämpfe außerhalb der Stadt

machten dies aus ukrainischer Sicht unmöglich.

Putin gibt bei einem Treffen mit Angestellten der Fluggesellschaft

Aeroflot der Ukraine die Schuld an der Lage in Mariupol.

Wir haben die Kämpfe dort eingestellt.

Wir haben beobachtet, was passiert.

Niemand kam raus.

Sehen Sie, was die tun?

Die lassen niemanden raus,

sie benutzen sie als menschliche Schutzschilde.

Wer sind die? Neonazis natürlich.

Im Krankenhaus von Mariupol behandeln Ärzte und Pfleger Verletzte

rund um die Uhr.

Wir arbeiten weiter ohne Strom, Wasser oder Heizung.

Wir haben Probleme mit der Versorgung,

zum Beispiel bei Schmerzmitteln.

Die, die hier sind, haben Glück.

Andere sind gestorben, beim Versuch,

ihr Land, ihre Unabhängigkeit zu verteidigen.

Die Angriffe auf Mariupol und andere Orte gehen weiter.

Mit dem Stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Mariupol

konnte ich am Abend folgendes Gespräch führen.

Guten Abend, Herr Orlow.

Guten Abend.

Vorgesehen war, dass heute die Bürger Ihrer Stadt

sich in Sicherheit bringen können, doch die kehrten wieder um.

Was ist passiert?

Heute Morgen bekamen wir die Information,

dass wir mit der Evakuierung unserer Bürger beginnen können.

Wir haben dann ein spezielles Vorgehen gestartet.

Das sollte uns ermöglichen,

3000 Bürger mit städtischen Bussen zu evakuieren.

Plus 2000 Personen mit eigenen Pkws.

Wir bekamen die Bestätigung,

dass um 9 Uhr morgens die Waffenruhe einsetzen sollte.

Und wir haben gesehen,

dass die Waffenruhe nur um die 30 Minuten gehalten hat.

Danach erhielten wir wieder Dauerbeschuss von russischen Waffen.

Es gab Artillerie-Beschuss, Raketen schlugen ein.

Die Menschen hatten natürlich Angst.

Es war nicht einmal sicher,

sich an bestimmten Stellen zu sammeln.

Erst recht nicht, sich über Korridore evakuieren zu lassen.

Die Leute gingen wieder in die Bunker und Häuser.

Da fühlten sie sich sicherer.

Aber wir wissen, dass dort, wo die Sammelplätze waren,

diese Stellen wurden mit Artillerie und Raketen beschossen.

Es gab keinen Waffenstillstand, keine Möglichkeit zur Evakuierung.

Wir hatten 50 große Busse, davon haben die Russen 20 zerstört.

Fast die Hälfte

unserer Möglichkeiten zur Evakuierung haben wir verloren.

Das ist ein aggressiver Akt.

Es besteht keine Chance,

dass unsere Bürger evakuiert werden können.

Russland sagt, ukrainische Truppen hätten die Feuerpause gebrochen.

Das stimmt einfach nicht.

Wir haben drei spezifische Orte angegeben

in der Region Mariupol und die wurden dauerhaft beschossen.

Genau wie der Rest der Stadt.

Bomben gingen genau dort nieder, wo sich die Leute sammeln wollten.

Nachdem die Leute dort weg waren,

waren unsere Busse von russischer Artillerie zerschossen.

Wie sollten das ukrainische Bürger selbst machen?

Aus welchem Grund?

Das ist eine Fehlinformation der russischen Fernsehsender.

Wie haben die Menschen darauf reagiert,

dass sich die Aussicht auf eine Flucht zerschlagen hat?

Die waren völlig verschreckt, übermüdet und durcheinander.

Die Situation in Mariupol ist so:

Wenn Sie heute fragen, wie sieht es morgen aus,

dann sage ich, wir haben wir eine humanitäre Krise.

Aber zur Zeit haben wir einen Genozid.

Ich sehe Kriegsverbrechen in Mariupol.

Die russische Armee begeht Kriegsverbrechen.

Das ist militärische Gewalt gegen Zivilisten.

Es sind einfach Kriegsverbrechen.

Das einzige Ziel besteht darin, Mariupol völlig zu zerstören

und so viele Ukrainer wie möglich zu töten.

Glauben Sie, es gibt noch eine Chance auf eine Feuerpause

und eine Evakuierung könnte noch stattfinden?

Natürlich hätte ich das gerne.

Die ukrainische Regierung tut zusammen mit der russischen etwas,

um eine Waffenruhe für morgen einzurichten.

Ich hoffe, dann wird es etwas.

Unser Stadtrat und das Team sind bereit,

die Menschen zu evakuieren.

Wir tun unser Bestes, um so viele Menschen wie möglich

aus Mariupol in Sicherheit zu bringen.

Jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde beschießen Putin

und die russische Armee die Bürger von Mariupol.

Und sie töten sie.

Wir wissen nicht, wie viele Menschen schon getötet wurden.

Wir können die Leichen nicht einmal einsammeln.

Warum dürfen unsere Leute nicht evakuiert werden?

Können Sie Ihre Bevölkerung überhaupt noch versorgen?

Wir tun unser Bestes,

um den Menschen das Nötigste zu geben.

Viele Menschen wollen raus aus Mariupol.

Wir gehen von 200.000 Bürgern aus, die evakuiert werden wollen.

Wir tun unser Bestes, um diese Möglichkeit zu schaffen.

Um humanitäre Hilfe anzubieten, damit sie überleben können.

Wie lange, glauben Sie, hält Ihre Stadt diese Lage noch aus?

Diese Frage muss man auf zwei Teile aufteilen:

Die militärische Seite.

Ich bin sicher, dass unsere tapfere ukrainische Armee

die Stadt verteidigen wird bis zur letzten Waffe.

Die Armee wird die Stadt verteidigen,

zur Not bis zum Tod der tapferen Armee.

Aber die humanitäre Situation ist anders.

Das ist ein Genozid.

Ich weiß nicht,

wie viele Tage unsere Bürger ohne Grundversorgung leben können.

Wir haben in der Stadt keinen Strom, keine Wasserversorgung,

das Sanitär- und Heizungssystem sind zusammengebrochen.

Die Systeme sind von russischen Truppen

durch Dauerbeschuss zerstört worden.

Das humanitäre Problem muss in allernächster Zeit gelöst werden.

Herr Orlow, vielen Dank. Vielen Dank.

Die Hilfsbereitschaft für die Opfer dieses Angriffskriegs

ist hierzulande gigantisch.

Auch weil angesichts der Bilder aus der Ukraine

und den Grenzgebieten das Hilfsbedürfnis groß ist.

Um nicht tatenlos zusehen zu müssen, engagieren sich unzählige Menschen.

Private Initiativen bringen Hilfsgüter

an die ukrainische Grenze und nehmen Geflüchtete auf.

Doch der Grat zwischen "gut gemeint" und "gut gemacht"

ist hierbei oft ein schmaler.

Wie die Hilfe am besten ankommt und wie eher weniger,

hat sich Christian Kretschmer angeschaut.

Lkw voller Hilfsgüter, an der Grenze zwischen Polen und der Ukraine -

organisiert von freiwilligen Helfern aus Deutschland.

Viele private Konvois bringen Sachspenden ins Grenzgebiet.

So auch diese Busse eines Reiseveranstalters

aus dem Westerwald.

Sie haben sich gut vorbereitet.

Sie liefern an Kontaktpersonen aus Polen und der Ukraine

und zwar das, was dort benötigt wird:

Zum Beispiel Hygieneartikel für ein Kinderkrankenhaus.

Die Lage an der Grenze, zwischen Hilfs- und Flüchtlingskonvois,

ist unübersichtlich.

Hier ist alles ein Chaos.

Hier tritt einer dem anderen auf die Füße, keiner weiß was.

Ist auch für die Leute schwer, weil die zum ersten Mal

in so einer Situation sind, wo sie überrannt werden.

Darum raten Hilfsorganisationen davon ab,

ohne Absprachen auf eigene Faust anzureisen.

Unsere Schwestergesellschaften haben uns deutlich gesagt,

dass es große Stauungen in den Grenzregionen gab.

Zusätzliche Menschen,

die die überlastete Infrastruktur herausfordern.

Manche Hilfe ist zwar gut gemeint, führt aber nicht zum Ziel.

Diese Bilder in sozialen Medien

sollen Kleiderberge an der ukrainischen Grenze zeigen.

Helfer vor Ort warnen:

Manche herzerwärmenden Initiativen enden richtig schlecht.

Das sehen auch Experten so.

Wir müssen Berichte beobachten,

dass solche eigeninitiativen Fahrten ratlos enden im Grenzgebiet.

Dass diese Sachspenden nicht übergeben werden können.

Und die Gefahr ist groß,

dass diese Güter dort einfach auf dem Müll landen.

Wie lässt sich den Ukrainern am besten helfen?

Der ukrainische Botschafter in Deutschland

hat konkrete Vorstellungen.

Worum wir am meisten bitten sind vor allem Geldspenden,

denn das Geld wird ankommen.

Über Organisationen oder Konten, zum Beispiel für die Armee

oder für Menschen in Not, für die Zivilisten.

Das würde ich empfehlen.

Sicher ist:

Gezielte Hilfe bleibt weiterhin bitter nötig.

Und eines wollen die privaten Helfer in jedem Fall nicht:

Die Menschen in der Ukraine ihrem Schicksal überlassen.

Wenn Sie den Menschen in der Ukraine und Geflüchteten helfen möchten,

können Sie spenden:

Nicht ganz unwichtig für den weiteren Verlauf

des Ukraine-Krieges dürfte die Rolle Chinas sein.

Das Land hielt sich bislang zurück mit deutlichen Positionen.

Auch beim Volkskongress heute in Peking kein Wort dazu.

Dabei ist das so etwas wie ein Parlament.

Der Volkskongress nimmt formal den Haushalt an und billigt Gesetze.

Doch letztlich ist er, wegen der Einparteienherrschaft,

nur ein Absegnungsorgan.

Für die kommunistische Führung ist wohl zentraler,

dass sie das geringste Wachstumsziel seit 30 Jahren vorlegen musste.

Daniel Satra hat sich die wirtschaftliche Lage angesehen

und dafür den Wanderarbeiter Qu Zhankhua getroffen.

Sie alle sind auf Jobsuche.

Tagelöhner, die jeden Morgen herkommen und auf Arbeit hoffen.

Hier treffen wir Qu Zhanghua.

Auch er wartet darauf, dass er abgeholt wird,

für einige Tage in einer Fabrik oder auf einer Baustelle:

Hier ist viel Konkurrenz, sagt Qu, alle laufen sofort los.

Wenn ein Auto kommt, herrscht Wettbewerb um jeden Job.

Wenn einer aus der Fabrik kommt, will das keiner verpassen -

auf jeden Fall Konkurrenz.

Dann kommt ein Auto.

Ein Unternehmen sucht zwei Arbeiter für heute -

Elektro-Geräte zusammenschrauben.

Handarbeit, bezahlt wird pro Stück.

Qu Zhanghua ist zu spät, die Jobs schon vergeben.

15, vielleicht 20 Euro hätte er verdienen können.

Nun zeigt er uns seine Bleibe, das Bett ohne Matratze,

auch beim Essen spart Qu, kocht nur das Nötigste.

Was er in Yiwu, südlich von Shanghai, verdient,

muss auch für seine Frau und seine Tochter reichen.

Sie leben bei seiner Schwiegermutter 100 Kilometer entfernt.

Seit der Pandemie sind die Löhne schlecht.

Die Auftragslage bei den Unternehmen scheint auch nicht so gut,

sie haben weniger Arbeit und brauchen weniger Arbeiter.

Die Aussichten sind nicht gut.

Was Qu in der Stadt Yiwu erlebt,

beobachten Wirtschaftsexperten überall in China.

Viele der 280 Mio. Wanderarbeiter

verdienen weniger als vor der Pandemie:

Gerade geringqualifizierte Wanderarbeiter haben es schwer.

Entweder Betriebe stellen auf Maschinen um,

oder die Konkurrenz vor Ort ist groß und andere übernehmen die Jobs:

Lokale Arbeitskräfte oder Uni-Absolventen,

die jeden Job annehmen würden, weil sie so besorgt sind.

2022 werden 11 Mio. Studierende in China ihren Abschluss machen.

Ein Rekord und ein Problem.

Zhao Lu gibt online Trainings für Absolventen.

Er schult sie für Bewerbungsgespräche,

damit sie hervorstechen und auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben:

Durch die weltweite Wirtschaftslage

läuft es in der Wirtschaft hier nicht ideal.

Unternehmen sind anspruchsvoller bei Bewerbern,

bei Absolventen aus China, sogar bei Absolventen aus dem Ausland.

Ding Lianxin hat in Australien Management studiert.

Jetzt ist die 21-Jährige zurück in Peking

und zahlt fürs Training 700 Euro.

Sie will bei einer guten Firma einen Job kriegen.

Es gibt zu viele Mitbewerber.

Jeder gibt schon beim Studium alles, will bestmöglich vorbereitet sein.

Und weil das Angebot an Bewerbern die Nachfrage übersteigt,

ist es richtig ernst.

Hochqualifizierte Akademikerin oder Wanderarbeiter wie Qu Zhanghua –

sie alle eint die Sorge vor einer unsicheren Zukunft

auf dem chinesischen Arbeitsmarkt.

Zum Schluss gehen wir kurz ins Theater.

Im Berliner Ensemble hängt wieder der Originalvorhang aus den 50ern,

mit der berühmten Friedenstaube von Pablo Picasso.

Bertolt Brecht hatte ihn damals als Mahnung gegen den Krieg

anbringen lassen.

Nun mahnt er wieder das Ende eines Krieges an

und Solidarität mit der Ukraine.

Kommen wir zum Schluss zum Wetter.

Sven, wie sind die Aussichten?

Wir schauen drauf:

Im Westen gibt es keine Wolken.

Nach Osten sieht man viele Wolken.

Morgen ist es überall so wie heute in der Osthälfte.

Die Sonne hat weniger Platz.

Die nächsten Nächte werden frostig.

Frühling ist noch nicht da.

In der Nacht werden die Wolken zahlreicher.

Von Norden kommt eine Front nach.

Die bringt vereinzelt Schneegriesel.

Morgen wird es kalt.

Montag ziehen sich die Wolken langsam zurück.

Danke, Sven Plöger.

Das war's von uns.

Hier geht es weiter mit dem Wort zum Sonntag.

Neueste Nachrichten finden Sie auf tagesschau.de.

Wir sind morgen Abend wieder für Sie da.

Tschüss - und bleiben Sie zuversichtlich.

Copyright Untertitel: NDR 2022

Learn languages from TV shows, movies, news, articles and more! Try LingQ for FREE