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YouTube | Y-Kollektiv - kurze Videodokumentationen und Reportagen, Krank durch Stress: Wenn Zwangsstörung & Ängste das Leben im Griff haben | Y-Kollektiv

Krank durch Stress: Wenn Zwangsstörung & Ängste das Leben im Griff haben | Y-Kollektiv

Ne, ne. Ok.

Hier muss ich gucken, dass ich irgendwas finde, was keine Schattierungen hat.

Hä, ich sehe da gar keine. Ich aber. Da ist ja auch irgendwie so ein

Fleck. Hier ist gar nichts. Hier unten muss ich immer hierhin. Das sieht

ja aus wie so ein Pfeil. Und wenn ich den mal nicht sehe, dann gelange ich natürlich

auch ganz schnell in Panik. Da ist er wieder. So, fertig, jetzt bin ich wieder frei für

ein paar Minuten.

Willkommen in der Welt von Falko. Falkos Alltag wird von Zwängen diktiert.

Sein Leben ist kompliziert, aber er will es uns zeigen.

Antonia ist 17 Jahre alt. Zwänge fangen oft schon in der Kindheit oder

in der Jugend an. Zum Beispiel, wenn ich den Wasserhahn auf-

und zu mache die ganze Zeit, dann mache ich das wirklich eine halbe Stunde lang. Oder

länger. Etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung erkranken

im Laufe ihres Lebens an einer Zwangsstörung. Die Corona-Pandemie könnte dazu führen,

dass es mehr werden. Ich habe dann mir die Hände gewaschen, bevor

ich gekocht habe. Hab mir wieder die Hände gewaschen, wenn ich die Produkte angefasst

habe, die ich eingekauft habe, wieder die Hände gewaschen.

Am Anfang hatte er Angst, andere mit Corona anzustecken. Später wurde dann jeder Gang

durch die Innenstadt eine Quälerei. Mit Zwangsstörungen hatte ich bis jetzt noch

nichts zu tun, hab bisher nur davon gehört. Ob ich nach diesen Begegnungen nachvollziehen

kann, was in einem Menschen mit Zwangsstörung vorgeht? Wie meistert man das Leben mit Zwängen?

Auf das Thema Zwänge bin ich über Umwege gekommen.

Ich hab einen längeren Film über Angststörungen gemacht, für unsere Reihe Rabiat. Ihr findet

ihn in der ARD Mediathek. Jedenfalls hab ich dabei Falko kennengelernt.

37 Jahre alt, aus Duisburg.

Das ist unser Kamerateam. Hallo!

Falko leidet unter verschiedenen Angstkrankheiten, und zusätzlich einer schweren Zwangsstörung.

Er hat sich bei uns gemeldet, will mit seiner Geschichte bewusst an die Öffentlichkeit.

Und das versuche ich halt irgendwie ein bisschen bekannt zu geben, dass psychisch kranke Menschen

weder blöd noch zurückgeblieben noch irgendwie anders sind. Wir haben halt nur einfach ein Problem,

mehr nicht. Ein gravierendes Problem, dass man normalerweise

gut therapieren kann. Bei Falko hat bisher keine Therapie geholfen.

Er ist Hobbyfotograf. In seinem Arbeitszimmer fällt mir zum ersten Mal etwas auf.

Und die sind alle in eine Richtung. Ja. Nach links oben.

Genauso wie der Computer nach links oben, die Maus ein bisschen nach links oben.

Okay ja. Stimmt sogar der USB Stick. Genau, stimmt.

Und die SD-Karte auch Auch einen Tacken. Das hat bei mir alles eine

Bedeutung. Und das ist anstrengend für dich wahrscheinlich.

Ja, natürlich. Weil man geht damit schlafen. Schlafen, indem ich meine Schlappen nach links

oben, meine Brille, wenn ich die auf dem Nachttisch ablegen muss, nach links oben. Ich muss in

einem speziellen Winkel gucken, wenn ich das Licht ausmache. Und dann kann ich schlafen gehen.

In einem speziellen Winkel gucken?

Ja, ich muss eine spezielle Ecke angucken. Warum, weiß ich nicht. Ich muss es halt einfach.

Und wenn ich in diesem speziellen Winkel komische Schatten sehe, oder so was, muss ich das Licht

wieder anmachen, damit ich diesen Schatten nicht mehr sehe. Da muss ich gucken, dass

ich dann halt eine andere Stelle finde. Und dann das Licht wieder ausmache. So früher

hat das mal eine Stunde, zwei gedauert. Licht an, nicht aus. Da muss natürlich auch bescheuert

für die Nachbarn ausgesehen haben, wenn die rüber geguckt haben und eine Stunde geht

das Licht nur an und aus. Aber wie fühlst du dich, wenn du jetzt, sagen

wir mal, eine Stunde an diesem Lichtschalter stehst? Wie ist da dein Gefühl?

Stresslevel ist auf 100. Stress.

Weil, wenn es dann irgendwann mal geklappt hat, dass ich irgendwie neutralisiert das

Licht ausmachen konnte, war ich natürlich so viel Adrenalin und Wut in mir, dass ich

ja auch nicht schlafen gehen konnte. Bis ich diesen Rhythmus, oder diese Rituale abgearbeitet

habe, bin ich gar nicht mehr müde. Ja, also es ist beim Zähneputzen. Dann ist beim Gesicht

waschen, wie ich dann die Seife hinlege, wie ich die Zahnpasta, die Zahnbürste hinlege.

Das hat ja alles irgendwie eine Ordnung bei mir und die muss ich einhalten.

Du hast mir am Telefon schon gesagt, dass du selber weißt oder selber denkst, dass

das sinnlos ist, was du da grad machst. Ja, es hat eigentlich keinen Sinn, also es

beeinträchtigt ja nix. Ob ich jetzt was links stelle oder rechts stelle, ändert ja nichts

an nem Tagesablauf oder so. Aber es wird mich so unruhig machen, weil es vielleicht eine

kleine Chance gibt, die vielleicht doch was beeinflusst. Und dementsprechend sage ich

nein, ich gehe das Risiko gar nicht ein. Ich neutralisiere weiterhin, weil dann wird nichts

Schlimmes passieren. Was für eine unglaubliche Gedankenspirale,

in der Falko da festhängt. Und er fängt ja gerade erst an, uns in seine Welt mitzunehmen.

Was mir im Kopf bleibt: Falko weiß eigentlich, dass seine Zwangsrituale und - gedanken rational

betrachtet keinen Sinn ergeben. Wieso kommt er trotzdem nichts dagegen an?

Um Antworten auf diese grundsätzlichen Fragen zu bekommen, fahre ich in den Schwarzwald.

In der Oberbergklinik arbeitet Andreas Wahl-Kordon, ein Spezialist für Zwangsstörungen. Er sagt,

dass die meisten von uns Zwänge, zumindest in einer leichten Form, durchaus kennen.

Die Zwangs-Rituale finden wir auch oft in der kindlichen Entwicklung in bestimmten Lebensphasen,

dass man vielleicht erinnert sich da jeder selbst auch, als Kind, dann guckt man, okay,

ich muss immer zwei Treppenstufen nehmen und ich darf nicht auf bestimmte Ritzen in den

Platten treten. Das haben wir in einer bestimmten Entwicklungsphase und das haben wir später

auch. Ich mache gerne mit Ausbildungsteilnehmern in solchen Seminaren eine Übung gerne, dass

ich sie darauf vorbereite, sie sollen sich einen lieben Menschen ausdenken, und den auf

einen Zettel schreiben, und dann auf diesen Zettel schreiben, stellen Sie sich vor, dieser

Mensch verunglückt heute tödlich mit dem Auto. Das ist ein Satz, den wird niemand gerne

aufschreiben, weil er befürchtet, wenn ich das aufschreibe, könnte es passieren. Oder

was ist, wenn es passiert. Ich will das gar nicht alles, das ist alles normal usw. kennzeichnen.

Aber es zeigt eben, dass wir das durchaus verstehen können, was betroffene Menschen

dann auch tatsächlich über viele, viele Jahre auch quält.

Die Angst, dass furchtbare Dinge passieren könnten, wenn er seine Zwänge nicht befolgt,

sitzt Falko ständig im Nacken.

Zahlen, die mich zum Beispiel beunruhigen. Zum Beispiel jetzt ist aktuell der Juli. Das

heißt der Juli hat die Zahl sieben. Wenn ich jetzt irgendwas mit einer Zahl 7 sehe,

denke ich, könnte irgendwas Schlimmes passieren. Angenommen, es fährt ein Auto vorbei, mit

nem Nummernschild wo ‘ne 7 davor ist, denke ich mir: Scheiße: Das könnte ein Zeichen

sein. Und im Anschluss muss ich halt ein Nummernschild suchen, wo ein O oder eine Null zu sehen ist.

Und mit dem kann ich dann wieder die vorherige 7 neutralisieren.

Aber auch ein Nummernschild?

Egal was, egal, es ist breit gefächert.

Neutralisieren - so nennt Falko den Mechanismus, mit dem er seine Zwangsgedanken und Ängste

für einen Moment wegdrücken kann. Er muss irgendwo in seiner Umgebung eine Null oder

ein O sehen, dann kann er sich kurz runterfahren.

Das heißt, dieses O ist jetzt momentan zum neutralisieren da.

Aber nur das funktioniert? Nur das funktioniert.

Und jetzt stehen hier weiße Bohnen. Jetzt hab ich gedacht, die stehen da so frontal,

weil da ja auch direkt ein O ist. Das ist aber tatsächlich nur ein blöder

Zufall. Für mich ist nur das wichtig. Weil es hier an der Ecke steht?

Weil es links oben steht. Und ich habe da noch mal zusätzlich das O, das heißt, das

neutralisiert tatsächlich doppelt, wenn ich den Kühlschrank wieder zumache. Das heißt

aber, ich muss immer wieder auf das O gucken. Wenn ich dich jetzt angucken würde, müsste

ich wieder aufmachen, das O fixieren und das zu machen.

Abgefahren, sage ich mal. Freakig, ‘ne?

Was soll ich sagen? Das ist eine spezielle Welt.

Was ist der Grund für Falkos Probleme? Um es kurz zu machen: Falko hat bis vor ein paar

Jahren ein ganz normales, aber durchaus stressiges Leben geführt. Irgendwann ist er zusammengebrochen.

Dann kamen die psychischen Störungen zum Vorschein. Warnsignale für seine Überlastung hat er ignoriert.

Viele merken das ja auch gar nicht, ich habe es ja auch davor nicht gemerkt, bis ich zusammengebrochen

war. Und ich denke, jeder Arzt hätte mir gesagt, sie haben ein psychisches Problem.

Ja, das ist nicht normal, wie sie den Tag überleben. Ich habe es ja damals auch nicht

wahrhaben wollen.

Warum manche Menschen eine Zwangsstörung entwickeln - darauf gibt es nicht die EINE

Antwort. Wie bei den meisten psychischen Krankheiten ist es ein Mix aus Veranlagung und Lebensumständen.

Es gibt meistens genetische Komponenten, die eine Rolle spielen, auch unterschiedlich ausgeprägt.

Dann gibt es ganz häufig auch psychologische Faktoren, also Belastungsituationen, manchmal

auch Traumatisierungen, die im Vorfeld stattgefunden haben. Es ist meistens ein ganzes Sammelsurium

an Faktoren, die dann letztendlich auch bei jedem individuell eine gewisse Rolle spielen

und unterschiedlich gelagert sind.

Statistisch gesehen treten Zwangsstörungen in manchen Familien häufiger auf.

Und auch bei Kindern und Jugendlichen können Zwänge schon krankhaft sein.

Ich fahre nach Bad Arolsen in Hessen.

Hier treffe ich Antonia, sie ist 17 Jahre alt. Auch sie kämpft, wie Falko, zusätzlich

zu den Zwängen noch mit anderen Problemen.

Generell, meine Psyche, das ist schon sehr lange so, dass ich da Probleme habe, das hat

schon in der Schulzeit angefangen, in der Grundschule und ja.

Inwiefern in der Grundschule? Also, dass ich mich nicht getraut habe, mit

anderen zu sprechen. Schwierig war es für mich auch immer auf Leute zuzugehen, mit denen

in Kontakt zu kommen, mit denen zu reden.

Antonia hat eine soziale Phobie. Vor allem in Gruppen fühlt sie sich unwohl, erzählt

sie. Im Unterricht hat sie keinen Ton rausbekommen, ist deshalb auch sitzengeblieben.

Kannst du so einen Punkt festmachen, wo dir klar wurde: Ich habe irgendwas, was man behandeln

muss? Ich bin in so eine depressive Phase gekommen,

in der Oberschule und es wurde immer schlimmer. Es kam dann irgendwann die Zwänge dazu, die

Angststörung und dann war mir klar, mit 14, dass ich das behandeln lassen muss.

Die Zwänge, die ich ausführe, sind einfach Wiederholungszwänge. Das heißt, ich wiederhole,

wenn ich wirklich unter Stress bin… Also es ist einfach zu viel Stress, dadurch wird halt, werden

dann meine Zwänge ausgelöst. Und die zeigen sich dann zum Beispiel, wenn ich den Wasserhahn

auf- und zu mache die ganze Zeit mache ich das wirklich, also eine halbe Stunde lang

oder länger. Aber nicht nur das. Dann kommen die Schnürsenkel, die binde ich mir 1000

mal und das ist halt echt anstrengend. Ich bin dann auch immer zu spät zur Schule gekommen

und ich glaube, es lag auch daran: Ich habe heute für eine Zeit lang in einer WG gelebt,

also in der Wohngemeinschaft, weil ich zu viel Stress zu Hause hatte, und da haben sich

dann auch meine Zwänge entwickelt. Die wurden dann auch immer schlimmer.

Seit ein paar Wochen ist Antonia jetzt in der Klinik. Wegen ihrer sozialen Phobie macht

sie Übungen, die sie Überwindung kosten - zum Beispiel in Geschäften nach der Toilette

fragen, oder eingekaufte Sachen umtauschen. Aber sie nimmt auch Psychopharmaka ein.

Abends nehme ich auch eine Tablette gegen die Zwänge. Ja, deswegen habe ich auch wahrscheinlich

momentan keine Zwänge. Ja, ist halt wirklich so, dass die Tabletten eine sehr krasse Wirkung

haben. Verrückt, oder? Dass man den Kopf so manipulieren

mit Stoffen. Ja, also ich habe mich auch viel abgelenkt,

aber auf jeden Fall denke ich auch, dass die Medikamente mir eine Sicherheit geben.

Pillen schlucken gegen den Zwang? Ja, Medikamente werden bei Zwangsstörungen häufig eingesetzt.

Und ihre Wirksamkeit ist durch Studien auch gut belegt.

Und auf geht's!

Zurück bei Falko. Wir wollen vor die Tür. Im Rabiat-Film haben wir diese Szene auf 10

Sekunden gekürzt. Hier kann ich euch jetzt zeigen, wie lange es wirklich gedauert hat.

Weil ich jetzt nämlich jetzt gleich hier gucken muss, dass ich hier eine ohne diese

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