Raumfahrt der Zukunft | Können wir das Sonnensystem erobern (2019)
Als Menschen 1969 den Mond betraten, schien alles möglich.
Man war davon überzeugt, noch vor der Jahrtausendwende auf dem Mars herumzulaufen und spätestens im 21.
Jahrhundert wollte man die Sterne erobern.
50 Jahre später sind wir ein wenig ernüchtert.
Die Menschen hörten nach wenigen Jahren auf, zum Mond zu reisen.
Die Saturn-V Rakete wurde nie wieder gebaut.
Es gibt immer wieder interessante Meldungen – immer wieder eine Landung auf dem Mars,
ein Vorbeiflug am Pluto, eine noch engere Annäherung an die Sonne.
Aber so richtig verändert hat sich die Situation nicht – Raumfahrt bleibt schwierig, gefährlich
und vor allem: teuer.
Ist das also schon unser Filter?
Sind wir zu einer Existenz auf der Erde verdammt, obwohl die Sterne greifbar nahe scheinen?
Hier bei Raumzeit reden wir immer wieder von raumfahrenden Spezies, von Megastrukturen
im All, mächtigen Dysonsphären, Milliarden Tonnen schweren O'Neill-Zylindern.
Und die Frage, ob das alles nur Fantasie ist oder glaubwürdige Zukunftsvision drängt
sich auf.
Stellen wir sie doch einfach – schauen wir uns mal an, was für und was gegen eine Raumfahrt
spricht, die sich von der Erde lösen kann – und sei es nur zur Eroberung unseres Sonnensystems.
Es gibt tatsächlich gewichtige Argumente, die gegen eine Raumfahrt 2.0 sprechen.
Da sind zunächst die Kosten, die sich primär aus der Tatsache ergeben, dass wir mit chemischen
Antrieben von der Erde starten.
Jedes Kilogramm Nutzlast kostete vor Kurzem noch fünfstellige Beträge.
Die Falcon 9 und die Falcon Heavy von Space X können diese Kosten zwar drastisch senken,
aber auch mit etwa 2000 Euro pro Kilogramm ist Raumfahrt unsäglich teuer.
Die Zahlen gelten übrigens für einen Low-Earth-Orbit – will ich ein Kilogramm zum Mars bringen,
vervierfachen sich die Kosten.
Ein Rechenbeispiel.
Um 5000 Tonnen Material zum Mars zu bringen und eine erste Kolonie zu errichten, sind
300 Flüge mit einer Falcon Heavy notwendig – zu einem Gesamtpreis von etwa 50 Milliarden
Dollar.
Da stellt sich automatisch die Frage nach dem Warum.
Weil wir es können?
Das dürfte in jenen finanziellen Regionen kaum mehr als Antwort genügen.
Weitere Probleme bestehen in den meist langen Flugdauern, der Problematik einer menschlichen
Besatzung und der Notwendigkeit, diese vor einer ganzen Reihe von tödlichen Gefahren
zu schützen – angefangen vom Vakuum des Raums bis hin zur kosmischen Strahlung.
Raumfahrt ist tatsächlich teuer, gefährlich und langwierig und – was Großprojekte angeht
– von zweifelhafter Motivation.
Sie scheint auch auf der Stelle zu treten und vielen daher unrealistisch – uns wurde
erst vor wenigen Wochen „Volksverdummung“ vorgeworfen, weil wir über die Möglichkeiten
des Asteroidenbergbaus spekulierten.
Aber betrachten wir die Argumente, die für eine nächste Stufe der Raumfahrt sprechen.
Wir müssen dafür nicht die Gesetze der Physik verletzen – alles, was komplexe und großangelegte
Raummissionen ausmacht, haben wir in der einen oder anderen Form schon erfolgreich durchgeführt.
Wir können in den Orbit und darüber hinaus gelangen.
Unsere Sonden erkundeten alle Planeten des Sonnensystems – auf dem Mars fahren Rover.
Erst vor zwei Jahren passiert New Horizons Pluto und Voyager I und II haben längst den
interstellaren Raum erreicht.
Die eine, alles entscheidende Hürde bleibt die Gravitation der Erde.
Folglich muss der Schluss lauten, dass Raumfahrt eine völlig neue Gestalt annehmen kann, sobald
dieses Problem eliminiert ist.
Rohstoffgewinnung, Verarbeitung und Konstruktion im Raum – das ist die notwendige nächste
Stufe.
Und diese ist eben nicht unrealistisch.
Alle notwendigen Komponenten einer unbemannten, vollautomatischen und produktiven Erschließung
des Sonnensystems sind verfügbar oder in Entwicklung.
Besitzen wir Launchsysteme?
Ja.
Können wir Prozesse automatisieren und wird diese Automatisierung weiter entwickelt?
Natürlich.
Haben wir künstliche Intelligenzen, welche Prozesse steuern und Entscheidungen treffen?
Sehr wohl.
Alle notwendigen Komponenten sind da und entwickeln sich rasant weiter.
Wenn wir die Metalle, das Wasser, den Sauerstoff, die Treibstoffe direkt im All gewinnen können,
sie dort verarbeiten und mit ihnen konstruieren, dann verschieben wir auch die Grenzen unseres
Könnens.
Energie und Material – die beiden notwendigen Komponenten, sind im Sonnensystem in nahezu
unerschöpflicher Menge verfügbar.
Die Frage besteht lediglich darin, wann wir sie nutzen.
Und das wir sie nutzen werden – früher schon als angenommen – das steht quasi außer
Zweifel.
Wir sind aktuell Zeugen eines sich anbahnenden Wettkampfs um das Weltall, geführt von Staaten
wie China, Indien und Japan, Europa und den USA – aber auch zunehmend von privaten Anbietern
wie SpaceX.
Sie alle wissen um die Potenziale und sie alle arbeiten fieberhaft an Fortschritten.
Letztlich dürfen wir nicht vergessen, dass wir uns nur scheinbar am Ende einer Fortschrittswelle
befinden – was heute unmöglich scheint, ist in wenigen Jahren vielleicht schon im
Alltagsgebrauch.
Vor 150 Jahren galt Fliegen noch als unmöglich – vor 100 Jahren war Computer noch eine
Berufsbezeichnung – vor 30 Jahren kannte quasi niemand den Begriff Internet.
Was wird in 50, 100, 150 Jahren passieren?
Wir bei Raumzeit sind überzeugt, dass das Sonnensystem auf uns wartet und die Erde nicht
das Alpha und Omega unserer Existenz ist.
Und wer weiß, vielleicht brechen wir (unbemannt, natürlich) noch in diesem Jahrhundert zu
den ersten interstellaren Missionen auf … ein bisschen Optimismus ist manchmal nämlich
gar nicht schlecht.
Interstellare Raumfahrt ist übrigens eine Grundvoraussetzung für die Existenz von Kardashow-III
Zivilisationen, die wir im Dezember vorstellten.
Wie man diese galaxieumspannenden Imperien entdecken kann, zeigt euch heute der Kanal
Neugierzone.
Hier gibt es immer wieder spannende Themen - die vor allem auch überraschen können
und detailliert besprochen werden.
Von uns eine klare Empfehlung – schaut unbedingt mal rein und lasst ein Abo da.
Wir danken wie immer unseren galaktischen Overlords Rico, Dimitar und Tobias – nach
denen wir schon bald Galaxien benennen werden.
Wir sehen uns wieder am Sonntag, wenn es um Generationenschiffe gehen wird – in diesem
Sinne 42!