Können wir herausfinden, ob wir simuliert sind? (2019)
Es besteht eine solide Chance, dass wir nicht real – sondern Teil einer Simulation sind – so lautete das Fazit unseres ersten Teils
zur Simulationshypothese.
Wer diesen nicht gesehen hat – oben rechts gelangt ihr zum Vorgänger.
Versuchen wir heute mal aus der Simulation auszubrechen.
Gibt es eine Möglichkeit, sie zu entlarven?
Löst sie gar das Fermi-Paradoxon auf?
Ich bin Ronny, willkommen bei Raumzeit!
Eine kurze Warnung vorweg.
Das heutige Video mutet teils – und nicht zufällig – etwas surreal an.
Im Zweifel einfach nochmal schauen oder die oft sehr spannende Literatur dazu lesen.
Na dann mal los.
Fangen wir zunächst mit der entscheidenden Frage an: Können wir auf irgendeine Weise
herausfinden, ob wir in einer Simulation leben?
Natürlich nicht definitiv.
Es gibt allerdings sehr viele Gedanken zu diesem Thema (auch von Nick Bostrom selber).
Manche argumentieren, dass unser Universum selbst viele Hinweise bietet, dass es essentiell
wie eine Software arbeitet.
Sehen wir uns einige Beispiele an.
Immer wieder erklären Wissenschaftler, wie erstaunlich präzise unser Universum abgestimmt
sein muss, dass es überhaupt die Möglichkeit für Leben bietet.
Das beginnt bei den präzisen Werten der fundamentalen Kräfte und reicht bis zur Konstante der Lichtgeschwindigkeit.
Selbst kleinste Variationen hätten ein Universum bedeutet, in dem es nie Leben gegeben hätte.
Vertreter des anthropischen Prinzips sagen jetzt, dass das natürlich so sein muss, nur
in einem geeigneten Universum gibt es überhaupt Beobachter, die die Frage nach der Fein-Abstimmung
stellen können.
Ein Verfechter der Simulationshypothese hingegen sieht in dieser Feinabstimmung die notwendigen
Stellschrauben der Programmierer.
Es geht weiter.
Betrachten wir das makroskopische Universum – den Kosmos um uns herum, sehen wir alles
nur in sehr grober Auflösung – wir müssen gezielt einen Punkt beobachten, um mehr Informationen
zu erhalten.
Das ist einer Simulation durchaus ähnlich – ich berechne nur das, was auch benötigt
wird.
Auf der mikroskopischen und schließlich der Quantenebene gilt das Gleiche – mehr noch:
ich beobachte in den Quanten diskrete Pakete, wie schon Planck herausfand: etwas, dass wie
ein Übergang von einer scheinbar analogen Existenz hin zu einem fundamental digitalen
Aufbau der Welt wirkt.
Heisenbergs Unschärferelation kann man als Implementierung einer Entscheidungsfreiheit
deuten.
Der genetische Code aller Lebewesen ist essenziell digital.
Quasi alle Naturgesetze lassen sich in der einfachen Sprache der Mathematik abbilden
– der Moment des Urknalls aber nicht – der Anfang von Allem …
Wir könnten hier noch vieles mehr aufzählen – aber es bleibt natürlich spekulativ,
wenn es auch spannend ist, sich solche Parallelen klarzumachen.
Was ist mit direkten Hinweisen?
Fehlern, Glitches in der Matrix – wie sie z.B. im gleichnamigen Film als Deja Vu Erlebnisse
vorkommen.
Diese sind quasi auszuschließen, da wir als Teil der Simulation schließlich ausschließlich
nach den Gesetzen der Simulation funktionieren würden.
Auch Nick Bostrom hat sich dazu geäußert.
Er schrieb: Daran glaube ich nicht.
Wir müssen damit rechnen, gelegentlich entsprechende Berichte zu hören auch wenn wir nicht in
einer Simulation sind.
Selbst in einer Simulation wäre die plausibelste Erklärung für solche Berichte nicht, dass
sie das Ergebnis eines echten „glitches“ wären, sondern dass sie aus den ganz gewöhnlichen
Schwächen des menschlichen Geistes resultieren (Halluzinationen, psychische Probleme, visuelle
Illusionen, Selbst-Betrug, Betrug, und so weiter.)
Es scheint wahrscheinlich, dass die hypothetischen Erschaffer der Simulation, die offensichtlich
technologisch extrem weit fortgeschritten sein müssten, um Simulationen mit sich selbst
bewussten Teilnehmern zu erschaffen, auch die Fähigkeit haben würden, ihre simulierten
Kreaturen daran zu hindern, Anomalien in der Simulation zu bemerken.
Auch in der Wissenschaft, sowohl der Philosophie als auch der Naturwissenschaft, setzt man
sich mit Bostroms Argument auseinander.
Erst letztes Jahr verkündete ein Team theoretischer Physiker aus Oxford, es sei quasi unmöglich,
dass unser Universum eine Simulation einer hochentwickelten Spezies sein könne – egal
ob Menschen der Zukunft oder eine außerirdische Kultur.
Ihre Aussage beruht auf der Entdeckung eines besonderen Zusammenhangs zwischen Gravitationsanomalien
und Berechnungskomplexität.
Sie zeigten in einem Aufsatz in der Zeitschrift Science Advances auf, dass es unmöglich sei,
eine Computersimulation eines bestimmten Quantenphänomens zu konstruieren, welches in Metallen auftritt.
Dies sei nicht nur praktisch unmöglich, sondern prinzipiell ausgeschlossen.
Beim Versuch, den so genannten Quanten Hall Effekt im Computer zu simulieren, stellten
sie nämlich fest, dass die benötigte Rechenleistung mit der Anzahl der simulierten Partikel exponentiell
steigt.
Einfacher ausgedrückt: schon bei einer überschaubaren Zahl von Partikeln explodiert die nötige
Rechenleistung.
Um nur die Informationen einiger hundert Elektronen zu speichern, würde man einen Speicher benötigen,
der aus mehr Atomen aufgebaut sein müsste als im gesamten Universum existieren.
Philosophisch gesehen allerdings unterliegt die Argumentation des Oxford-Teams einem Fehlschluss,
den sie selbst gegen Ende des Papers einräumen.
Sie gehen davon aus, dass die Naturgesetze, die wir beobachten, auch außerhalb einer
Simulation gelten.
Dies ist aber nicht zwingend der Fall – und somit haben wir natürlich keinerlei Möglichkeit,
die Fähigkeiten der Programmierer, ihrer Computer und ihres Universums zu ergründen.
Die Argumente verbleiben zirkulär – am Ende müssen wir feststellen, dass es bei
Bostroms nüchternem Schluss bleibt, dass wir alle, wenn Szenario 1 und 2 nicht zutreffen,
simulierte Entitäten sind.
Simulation oder nicht?
Was ist real?
Bin ich, weil ich denke?
Gibt es einen Gott und ist dieser letztlich nichts anderes als ein Programmierer?
Alle diese Fragen müssen notwendig metaphysisch bleiben – wir können sie schlicht nicht
beantworten, nur spekulieren.
Wir können aber natürlich fragen, was die Beziehung zwischen Simulationsargument und
Fermi-Paradoxon ist.
Die Simulationshypothese wird regelmäßig als mögliche Auflösung des Paradoxons genannt
– aber ist sie das?
Die kurze Antwort lautet nein.
Wenn wir simuliert sind, dann haben wir quasi keine Kenntnisse über das Universum, in dem
die Simulation programmiert wurde.
Wir wissen lediglich, dass dieses Universum Simulationen ermöglicht und mindestens eine
von ihnen läuft.
Ob unserer Erschaffer die Nachfahren von Menschen sind, eine KI oder eine fortgeschrittene Alien-Zivilisation,
das würde sich für immer unserer Erkenntnis entziehen.
Damit wäre das Fermi-Paradoxon nicht aufgelöst, sondern vernichtet – es gäbe kein Paradoxon,
weil es eine Motivation gibt, die wir nie hinterfragen können, da sie außerhalb unserer
Realität steht.
Natürlich können wir uns die Frage stellen, warum wir denn in einem simulierten Universum
leben, in welchem ein Fermi-Paradoxon als integraler Teil der Simulation existiert.
Leben wir in einem Universum, dass jenseits unseres Sonnensystems nicht mehr ist als ein
simulierter Hintergrund für unser Dasein?
Ist das Universum so leer, weil es Ziel der Simulation ist, dass sich die Menschheit dereinst
in ihm ausbreitet?
Sind wir in einem gigantischen Multiplayer-Spiel eine Startzivilisation, die noch dabei ist,
ihre WBFs zu konstruieren, während in der Nähe von Tau Ceti gerade die ersten Zerg-Schwärme
brüten?
Diese Fragen sind spannend aber wenig erkenntnisreich, da wir ja – wie eben gezeigt – keine Aussagen
über die Motivationen von extrarealen Wesen treffen können.
Das Fermi-Paradoxon bleibt also bestehen, wenn wir nicht in einer Simulation leben – mehr
noch: die Annahme eines großen Filters in der Zukunft wird dann bestärkt – so viel
zumindest also lässt sich aus dem Simulationsargument gewinnen.
Ich hoffe, auch unser zweiwöchiger Ausflug in die Philosophie hat euch gefallen.
Wir freuen uns wie immer über ein Like, eure Kommentare und einen Klick oder Tap auf den
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Ein Gruß geht an unsere galaktischen Overlords Rico, Tobias und Dimitar und alle unsere Unterstützer
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