Klimawandel 2 | War es der Mensch? (2019)
Im ersten Teil dieser Reihe haben wir uns mit natürlichen Ursachen für globalen Klimawandel
beschäftigt.
Heute prüfen wir, ob der Mensch der Verursacher des aktuellen Klimawandels ist.
Das wird im Regelfall mit Verweis auf die mehrheitliche Meinung der wissenschaftlichen
Gemeinschaft bejaht – fast täglich.
Allerdings gibt es auch entschiedene Gegner dieser Idee.
Sie sagen, dass es keinen wirklichen Klimawandel gäbe oder – häufiger – dass wir zwar
Klimawandel beobachten könnten, dieser aber keine anthropogenen, also vom Menschen verantwortete
Ursachen habe.
Wir wollen wirkliche Hintergründe bieten – also: Wandelt sich das Klima der Welt
und sind wir verantwortlich dafür?
Ich bin Ronny – willkommen bei Raumzeit.
Zunächst mal stellt sich die Frage nach der Entwicklung der Temperatur in den letzten
Jahrhunderten.
Woher bekommt man eigentlich entsprechende Daten für – sagen wir – die Durchschnittstemperatur
in der nördlichen Hemisphäre im 14.
Jahrhundert?
Dazu zieht man so genannte Klimaproxys heran – und zwar natürliche und indirekte.
Natürliche Klimaproxys sind überprüfbare geologische oder biologische Größen.
Dazu gehören zum Beispiel Baumringe, Korallenwachstum, Isotopvariationen in Eisbohrkernen, ozeanische
Sedimente, Fossilien, Gletscherverläufe und anderes.
Aus solchen Klimaproxys lassen sich Temperaturentwicklungen für die letzten 2000 Jahre ableiten.
Da die resultierenden Berechnungen aus verschiedenen Gründen nicht sehr präzise ausfallen, muss
man sie stets mit anderen Proxys vergleichen, bevor man Schlüsse über beispielsweise die
Regenmenge in einer bestimmten Epoche ziehen kann.
Indirekte Proxys wie etwa historische Aufzeichnungen helfen bei der Bestätigung der gewonnenen
Erkenntnisse.
Solche Aufzeichnungen geben häufig besonders gute oder schlechte Ernten an, genaue Daten
für die erste Blühte im Jahr oder die Geburt der Lämmer.
Sie geben Zeugnis von ungewöhnlich starken Schneefällen, Trockenheiten, Sturmfluten
und ähnlichem.
Sie unterstützen die Daten, die aus natürlichen Proxys gewonnen werden, deutlich.
Ein Beispiel.
Im Hochmittelalter lässt sich eine ausgeprägte Warmzeit zwischen 900 und 1200 unserer Zeit
ausmachen.
Also diese im 13.
Jahrhundert langsam endet, berichten die Chronisten häufig von Missernten, kühlen Wintern und
Hungersnöten – das Ende der Warmzeit bereitete so möglicherweise der Schwarzen Pest den
Weg, die 1347 aus Asien nach Europa kam.
Von etwa 1500 bis fast 1800 schließlich erlebte die Welt eine sehr kalte Epoche, die als kleine
Eiszeit bekannt wurde.
Die Erhebung und Auswertung historischer Klimadaten wurde von diversen Institutionen von Universitäten
über internationale Thinktanks bis hin zur NASA durchgeführt.
Übereinandergelegt erscheint ein Bild mit individuellen Abweichungen aber klaren Trends.
Die globalen Oberflächentemperaturen der letzten 25 Jahre – so lautet eine Erkenntnis,
sind die höchsten seit über 1000 Jahren.
Als Erklärungen hört man häufig Begriffe wie El Nino.
El Nino und La Nina sind extrem komplexe Phänomene, welche in den Meeresströmungen des südlichen
Pazifiks auftreten und nahezu globale Auswirkungen haben können.
Ein El Nino war zum Beispiel für den extrem kalten Winter 1941/42 in Europa verantwortlich.
El Ninos treten nicht zyklisch auf – etwa alle 2 – 8 Jahre kann es ein Ereignis geben,
die meisten sind zudem eher schwach ausgeprägt.
Der jüngste El Nino allerdings – der 2015/16 stattfand – gehörte zu den stärksten seit
über 50 Jahren und ist mitverantwortlich für einen Teil des Temperaturanstiegs 2016/17.
El Nino kann aber eines nicht – die globale Erwärmung seit dem 19.
Jahrhundert erklären.
Dafür nämlich ist das Phänomen viel zu kurzfristig.
Auch Vulkanausbrüche helfen uns nicht weiter – ihre atmosphärische Abkühlung ist auf
wenige Monate begrenzt, ihr Treibhausgaseintrag nur ein Bruchteil dessen, was die Menschen
erzeugen.
Über die solare Aktivität sprachen wir bereits im ersten Teil – sie hat sich kaum verändert.
Es gibt schlicht keine natürlichen Phänomene, welche den ungewöhnlich rasanten, konstanten
und starken Temperaturanstieg der letzten 2 Jahrhunderte erklären können.
Und an dieser Stelle ist es dann erlaubt, zu fragen, welchen Anteil der Mensch am Global
Warming hat.
Die Frage nach der anthropogenen Erwärmung kann man beantworten, indem man sich die räumlichen
und zeitlichen Muster der Klimaänderung – quasi den Fingerabdruck der Erwärmungsursache – ansieht.
Räumlich erwarten wir eine Konzentration der Erwärmung in der Troposphäre, den unteren
10 km der Atmosphäre, weil sich die Treibhausgase hier sammeln.
Ebenso rechnen wir mit einer größeren Erwärmung auf der Nordhalbkugel aufgrund der größeren
Landmassen dort.
Tatsächlich beobachten wir eine deutliche Erwärmung der Troposphäre bei gleichzeitiger
Abkühlung der Stratosphäre, welche zusätzlich durch einen Verlust des stratosphärischen
Ozons verstärkt wird.
Zeitlich fällt vor allem ein Rückgang der Tag-Nacht-Differenz auf.
Der Unterschied zwischen Tag und Nachttemperaturen hat in den letzten 50 Jahren um etwa 0,4 Grad
Celsius im globalen Mittel abgenommen.
Ein typisches Resultat von Treibhausgasen, welche die nächtliche Ausstrahlung der Erde
verringern.
Ebenso lässt sich der so genannte Temperaturantrieb berechnen – seit etwa 1750, der Frühphase
der Industrialisierung, stieg der solare Antrieb um etwa 0,12 Watt pro Quadratmeter an.
Dagegen liegt der Antrieb durch anthropogene Treibhausgase bei 2,9 Watt pro Quadratmeter.
Weil wir allerdings auch munter Aerosole in die Atmosphäre jagen, muss deren abkühlende
Wirkung berücksichtigt werden.
Netto bleiben etwa 1,6 Watt pro Quadratmeter – 15 mal mehr als die von der Sonne ausgehende
Temperaturerhöhung.
Hier spielen natürlich noch viele weitere Faktoren eine Rolle – z.B. fielen mit dem
Niedergang des Ostblocks erhebliche Teile des weltweiten Aerosolausstoßes weg, so dass
wir in den Jahren von 1990 bis 2000 die Klimaerwärmung stärker spüren konnten. 1991 und 1992 waren
dann aber doch wieder recht kühl, was an der Eruption des Mt.
Pinatubo auf den Philippinen lag.
Doch egal welche kurzfristigen Phänomene und Ereignisse ich heranziehe.
Alle bereinigten Kurven zeigen stets das gleiche Bild – es gibt einen globalen Erwärmungstrend,
der sich ohne erkennbare natürliche Ursache seit Beginn der Industriellen Revolution fortsetzt
und beschleunigt.
Am eindrucksvollsten wird das Bild vielleicht, wenn man sich Modellsimulationen betrachtet,
die das Klima so modellieren, wie es sich OHNE den Menschen hätte entwickeln sollen.
Man geht dabei von einem Ausgangswert aus, etwa das Jahr 1900 und fügt dann bestimmte
Antriebe hinzu, etwa die tatsächliche Entwicklung des Energieausstoßes der Sonne, Vulkanausbrüche
und globale Klimaphänomene wie die El Nino Southern Oscillation – kurz ENSO.
Diese Simulationen ergeben die hier dargestellte gelbe Kurve.
Mit dieser lässt sich freilich kein global warming erklären – die Temperaturen bleiben
nicht nur weitgehend konstant – seit 1980 hätten wir sogar einen leichten Rückgang
der Temperaturen beobachten sollen.
Fügt man den Modellen als weiteren Antrieb die menschlichen Treibhausgasemissionen hinzu,
dann erhält man die rote Kurve – diese zeigt insbesondere seit den 1970ern einen
deutlichen Anstieg.
Was passiert, wenn man die tatsächliche Entwicklung der globalen Temperatur darüber legt?
Es kommt zur eher deprimierenden Erkenntnis, dass sich der globale Trend ganz ausgezeichnet
mit anthropogenen Ursachen erklären lässt.
Kurz gesagt: wir waren es.
Müssen wir deshalb den Planeten retten?
Hm, das ist vermutlich ein irriger Sprachgebrauch.
Die Erde und höchstwahrscheinlich auch das Leben auf ihr werden weiter existieren.
Das Szenario einer zweiten Venus scheint recht unwahrscheinlich.
Für den Menschen allerdings sieht das anders aus – große Teile der Welt können unbewohnbar
werden, Ernährung und die Versorgung mit sauberem Wasser wird zum existenziellen Problem
werden.
Und das ist möglicherweise Stoff für einen dritten Teil zum Thema.
Wir danken euch fürs Zuschauen – ganz besonders unseren galaktischen Overlords Rico Wittke,
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