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BibelProjekt: Wie man die Bibel liest?, Teil 5: Handlung in biblischer Erzählung - YouTube

Teil 5: Handlung in biblischer Erzählung - YouTube

Wir lernen, wie man verschiedene Arten von Literatur in der Bibel liest.

Und wir beginnen mit biblischen Erzählungen.

In ihrer grundlegendsten Form haben Erzählungen Charaktere, die an einem Schauplatz eine Reihe

von Ereignissen durchlaufen.

Und wie diese Ereignisse vom Autor ausgesucht und dann angeordnet sind, das nennt man Handlung.

Die grundlegende Handlung beginnt mit einer Figur in ihrem Umfeld.

Aber dann passiert etwas Neues oder Unerwartetes, das Probleme bringt und zu einem ultimativen

Konflikt führt.

Der wird dann gelöst.

Die Figur ist verändert und lebt nach neuen Regeln.

Beim Lesen von Erzählungen ist es wichtig, jede Szene im Zusammenhang mit ihrem größeren

Handlungsstrang zu verstehen.

Du kannst der gleichen Geschichte eine völlig andere Aussage geben, wenn du ihren Zusammenhang

mit der Handlung ignorierst.

Das passiert ständig, wenn Menschen die Bibel lesen.

Wirklich?

Ja.

Schau dir zum Beispiel die Geschichte von Gideon an.

Es gibt da diese bekannte Szene, in der Gideon versucht herauszufinden, ob Gott ihm hilft,

einen Kampf zu gewinnen.

Und er fordert ein Zeichen von Gott.

Ja, Gideon legt ein Wollvlies auf den Boden und bittet darum, dass das Vlies morgens zwar

taufeucht, der Boden aber völlig trocken ist.

Und Gott tut es.

Wenn man sich die Szene allein anschaut, was ist dann der Konflikt?

Wie kann Gideon wissen, ob er Erfolg haben wird?

Und die Auflösung?

Prüfe Gott, bitte um ein Zeichen und finde es heraus.

Ja.

Und tatsächlich lesen viele diese Geschichte genau so.

Das geht aber völlig am Thema vorbei, weil es den größeren Handlungsstrang außer Acht

lässt.

Wirklich?

Ja.

Fangen wir also von vorne an - Du wirst den Zusammenhang verstehen.

Die Geschichte beginnt damit, dass Gideon und die Israeliten in Angst leben, weil sie

von einem eindringenden Volk, den Midianitern, unterdrückt werden.

Verstanden!

Dann kommt der Aufruf zum Handeln.

Gott beauftragt Gideon, die Midianiter zu besiegen und Israel zu retten.

(Ja,) das entwickelt sich zu einer guten Geschichte.

Aber dann zögert Gideon.

Also bittet er Gott um diesen Zaubertrick, ein Zeichen:

„Damit ich weiß, dass du es wirklich bist, der zu mir spricht“.

Und Gott lässt sich auf sein Niveau herab.

Er gibt ihm ein Zeichen, indem er ein Feuer auf einem Altar anzündet.

Also hat Gideon schon vorher um ein Zeichen gebeten.

Und das ist nicht alles.

In der nächsten Szene sagt Gott zu Gideon, er solle einen Altar für einen anderen Gott

niederreißen.

Aber Gideon hat so viel Angst, dass er das nachts tut.

Gideon ist also skeptisch und auch ein bisschen feige.

Dann kommen wir zu dem Moment, in dem Gideon vor der Konfrontation mit den Midianitern

steht.

Und er ist noch immer verunsichert.

Also bittet er um ein weiteres Zeichen: das Vlies.

Er sagt: „Ich will wissen, ob du Israel durch meine Hand retten wirst.“

Und Gott gibt ihm dieses Zeichen.

Und er ist immer noch unsicher, also bittet er um ein weiteres Zeichen, das nur eine Abwandlung

des vorherigen Zeichens ist.

Okay - Gideon bittet also um viel zu viele Zeichen.

Genau.

Im größeren Zusammenhang ist deutlich, dass sich der Handlungskonflikt nicht um die Frage

dreht: Wie kann Gideon den geheimnisvollen Willen von Gott erkennen?

Der eigentliche Konflikt ist: Wann wird dieser Typ die Kurve kriegen und anfangen, Gott zu

vertrauen?

Okay.

Was ist dann die Auflösung?

Wir müssen weiterlesen.

Gideon versammelt also diese riesige Armee, 30.000 Soldaten, um gegen die Midianiter zu

kämpfen, und Gott sagt: „Nein, viel zu viele Männer“.

Er reduziert die Armee auf 300.

Warum macht er das?

Nun, Gideon hat Gott auf die Probe gestellt, also dreht Gott den Spieß jetzt um.

Er sagt Gideon, er solle diese 300 Soldaten mit Trompeten und Fackeln bewaffnen und dann

nachts die Midianiter umzingeln und von den Hügeln aus Lärm machen.

Klingt lächerlich, aber Gideon tut es.

Und der Lärm erschreckt die Midianiter und treibt sie in den Wahnsinn.

Sie fangen an, sich im Dunkeln gegenseitig zu vernichten, während Gideon von den Hügeln

aus sicher zuschaut.

Diese Geschichte bietet dem Leser also keine Tipps, um Gottes Willen zu erkennen?

Nein, es geht um Gottes Zusage, schwache Menschen mit tiefliegenden Fehlern einzusetzen, um

mehr zu tun, als sie sich vorstellen können.

Okay: Also werden kurze Szenen wie Gideon und das Vlies mit anderen Szenen kombiniert,

um einen größeren Handlungsstrang zu bilden.

Und wenn man den Konflikt und die Auflösung durch die Handlung nachzeichnet, kann man

die Botschaft erkennen, die der Autor zu vermitteln versucht.

Nun, Gideons Geschichte wurde neben vielen anderen Geschichten angesiedelt, in denen

es ebenfalls um diese fehlerhaften, oft fragwürdigen Anführer geht, die Richter genannt werden.

Und jede davon hat ihren eigenen Handlungsstrang.

Aber alle zusammen bilden eine ganze Reihe in der biblischen Geschichte: die Zeit der

Richter.

Und die hat ihren eigenen, einheitlichen Handlungsstrang.

Und es gibt viele Buchreihen innerhalb der biblischen Geschichte?

Genau!

Und all die kleineren Geschichten, Hunderte von ihnen, passen in den Zusammenhang ihrer

eigenen Buchreihen.

Und diese Reihen bilden zusammen die Bausteine der großen Handlung der ganzen biblischen

Geschichte.

Egal, wo ich in der Bibel lese, ich muss also auf diese verschiedenen Schichten von Handlungen

achten, damit ich jede Geschichte im Zusammenhang lesen kann?

Genau.

Die Bibel ist ein so anspruchsvolles literarisches Werk.

Und so überschneiden sich all diese kleineren Handlungsstränge immer wieder und bauen die

Spannung auf.

Und wenn du rauszoomst, siehst du, wie sie alle zu der einheitlichen Geschichte verwoben

sind, die zu Jesus führt.

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