Weltwirtschaftskrise
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Marktwirtschaft angekurbelt.
Kriegsschäden wurden repariert, die Wirtschaft erholte sich wieder und der
Handel entwickelte sich. Unternehmer schauten voller Zuversicht in die
Zukunft. Viele angesehene Ökonomen glaubten,
dass eine längere Wohlstandsperiode in Sicht sei. In einigen wichtigen
Volkswirtschaften blieb jedoch das Einkommen von Millionen Menschen immer weiter
hinter dem Produktions- und Produktivitätswachstum. Es gab klare
Anzeichen der Überproduktion. Immer mehr Leute benutzten geliehenes Geld
um Konsumgüter zu kaufen oder um an der Börse zu spekulieren.
Viele Länder hatten hohe Auslandsschulden. Aktienkurse stürzten ab.
Die Besitzer wollten sie möglichst schnell loswerden. Ausländische Kredite
wurden zurückgezogen, was die krise noch verschärfte und sie zu einem
internationalen Problem machte. Der 24. Oktober 1929 ist in die Geschichte als
"Schwarzer Donnerstag" eingegangen. Das war der Tag des Crash an der
New Yorker Börse. Was folgt ist eine Pleitewelle.
Die Wirtschaft antwortete durch Produktions- und Beschäftigungseinschränkung
und Kostensenkung. Die amerikanische Industrieproduktion ist bis 1933 um
die Hälfte gesunken. Die Verbrauchernachfrage ging zurück,
Investitionsprojekte wurden gestoppt und die Arbeitslosigkeit stieg. Die Krise wurde
zu einem Teufelskreis. Kleine Hersteller mussten ihre Preise senken.
Sie konnten die Verluste aber nicht durch Verkauf von mehr Produkten kompensieren.
Große Gesellschaften entließen ihre Angestellten und senkten somit Kosten.
Das hatte noch niedrigere Löhne und geringere Nachfrage zufolge. Auch in der
Landwirtschaft gab es eine starke Überproduktion.
Die Preise sanken dort noch stärker als in der Industrie.
Das führte zu einer massiven Bauernverarmung. Alle Länder ergriffen
Maßnahmen um ihre Einfuhr zu senken und Ausfuhr zu steigern, was sie durch niedrigere Preise
ihrer Produkte erreichen wollten. Das Ergebnis war jedoch Rückgang der
ausländischen Nachfrage. Der Wirtschaftsabschwung verschärfte die
Demokratie-Krise. Radikale politische Lösungen fanden immer mehr Unterstützung.
Am Anfang hofften die Politiker, dass der Marktmechanismus die Krise bewältigen werde
und zwar so, dass niedrige Preise mehr Kunden anzögen und niedrigere Löhne
zu einer verstärkten Nachfrage nach Arbeitskräften führten.
Dies war aber nicht der Fall und in der Weltwirtschaft fing die Periode der
staatlichen Intervention an. Der britische Ökonom John Maynard Keynes war
der Autor der ersten ausführlichen Theorie des Interventionismus.
Die staatliche Intervention in die Wirtschaft kann verschiedene Formen haben.
Die Regierung kann beispielsweise Wechselkurse ändern, Steuern erhöhen oder senken
und Zinssätze beeinflussen. Sie kann aber auch gegen das größte
Problem der Krise, Arbeitslosigkeit, durch Arbeitslosengeld, öffentliche Arbeiten,
staatliche Darlehen und öffentliche Beschaffung kämpfen.
Solche Maßnahmen führten jedoch zu Haushaltsdefiziten, die unter Politikern
in den 30er Jahren nicht beliebt waren. Die extremste Form der staatlichen
Intervention ist, wenn der Staat selbst ein Unternehmer wird oder sogar die
ganze Wirtschaft verwaltet, wie es in einigen sozialistischen oder
kommunistischen Staaten ist. In den USA hat der Staat angefangen in die
Wirtschaft direkt einzugreifen und sie in bisher nicht gekannter Weise zu regulieren.
Im März 1933 hat die Regierung von Franklin D. Roosevelt
ein Programm aufgesetzt, das die Krise bekämpfen sollte und ein Jahr
vorher unter dem Namen "New Deal" angekündigt wurde.
Roosevelt war stark beeinflusst von einer Beratergruppe, die als "Brain Trust"
bekannt war. Seine oft improvisierte Politik zielte
vor allem auf Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen und Reformen ab.
Ihre Auswirkungen werden immer noch diskutiert.
Sie hat aber bestimmt einen Wirtschaftsaufschwung ermöglicht.
Obwohl Roosevelts Politik auch ihre Gegner hatte und nicht immer konsistent war,
erfreute sie sich einer immer mehr wachsenden Beliebtheit.
Die Produktion erholte sich aber die Arbeitslosigkeit sank erst beträchtlich
während des Zweiten Weltkriegs. Die Lage in Deutschland war anders.
Die Weltwirtschaftskrise trug zur Beliebtheit deutscher Nazis bei. 1933 kam Hitler an die Macht.
Die deutschen Nazis kuppelten die
Nachfrage und Beschäftigung durch Staatsausgaben an, vor allem in der
Rüstungsindustrie. Privatwirtschaft war nicht verboten aber die Interessen
einzelner Wirtschaftssektoren waren den Interessen des Staates untergeordnet.
Die umfassende staatliche Intervention half die Krise zu bewältigen.
Seit 1933 klingt die Krise allmählich ab
und in den Jahren 1935 und 1937 erreicht die Produktion in den meisten entwickelten Ländern
das Niveau von vor dem Ausbruch der Krise. Staatliche Intervention wurde zu
einem wichtigen Aspekt der kapitalistischen Marktwirtschaft.