Warum Du nie mit dem zufrieden bist, was Du hast
Hast du schon mal einen Wunsch gehabt, dich auf ein Produkt gefreut oder ein Ziel verfolgt,
doch als sich der langersehnte Wunsch endlich erfüllt hat, hat sich nicht die erhoffte
Zufriedenheit eingestellt?
Du hast endlich das neuste iPhone, den besser bezahlten Job und die gewünschte Anerkennung,
doch schon nach ein paar Wochen gewöhnst du dich daran, bist nicht mehr so zufrieden
wie am Anfang und schon bald entstehen wieder neue Wünsche, die dir Hoffnung auf Zufriedenheit
geben, die sich nie einstellen wird.
Willkommen zurück bei Anthropos.
Mein Name ist Will und ich möchte heute mit euch gemeinsam herausfinden, warum wir nie
mit dem zufrieden sind, was wir haben.
Große Philosophen der Geschichte werden uns Wege zeigen, wie wir der Luxusfalle bzw. dem
Teufelskreis des Wollens entkommen und womöglich zu wahrer Glückseligkeit finden.
Schnappt euch ‘ne Mate oder gönnt euch ein Ticket und lehnt euch zurück.
Zum Einstieg möchte ich euch eine kurze Geschichte erzählen.
Es lebte einmal ein Fischer in einem Dorf am Meer.
Jeden Morgen fuhr er mit seinem Fischerboot zur See, um drei Fische zu fangen und schließlich
am Mittag zu seiner Familie zurückzukehren und die Fische zu grillen.
Eines Tages besuchte ein Unternehmer das Dorf des Fischers, um Urlaub zu machen.
Er beobachtete den Fischer ein paar Tage lang und ging schließlich auf ihn zu, um ihn etwas
zu fragen: „Warum fangen Sie eigentlich immer nur drei
Fische?
Gibt es hier denn nicht mehr?“
„Aber selbstverständlich gibt es hier mehr Fische.
Die drei Fische, die ich täglich fange, reichen aber für meine Familie und mich locker aus.“
„Sie könnten doch aber mehr Fische fangen und die restlichen dann weiterverkaufen?“
„Und was bringt mir das?“
„Sie könnten zusätzlich Geld verdienen und irgendwann sogar Mitarbeiter anstellen.“
„Und dann?“
„Na dann können Sie noch viel mehr verkaufen und irgendwann verdienen Sie so viel Geld,
dass Sie gar nicht mehr arbeiten müssen.
Wäre das nicht großartig?“
„Wenn ich nicht mehr arbeiten muss, kann ich doch jeden Tag machen, was ich will, oder?“
„Ja genau!“
„Also kann ich jeden Morgen mit meinem Boot aufs Meer fahren, drei Fische für meine Familie
fangen und den Rest des Tages mit meiner Frau und den Kindern am Strand verbringen?“
„Ja, all das könnten Sie tun.“
„Aber genau das mache ich doch jetzt schon jeden Tag.“
Diese Geschichte zeigt vielleicht ganz gut, wie sehr wir verzweifelt nach Geld, Macht
oder Anerkennung streben, in der Hoffnung, dass wir dadurch endlich glücklich werden.
Der Philosoph Arthur Schopenhauer hielt wahre Glückseligkeit für eine Illusion.
In seiner pessimistischen Lebenseinstellung war er der Ansicht, dass wir in unserem menschlichen
Wesen dazu verdammt sind, unglücklich zu sein.
Er schreibt dazu: „Die Basis alles Wollens aber ist Bedürftigkeit, Mangel, also Schmerz
[…]. Fehlt es ihm hingegen an Objekten des Wollens, indem die zu leichte Befriedigung
sie ihm sogleich wieder wegnimmt; so befällt ihn furchtbare Leere und Langeweile: d.h.
sein Wesen und sein Daseyn selbst wird ihm zur unerträglichen Last.“
Unser Leben schwingt also, gleich einem Pendel, hin und her, zwischen dem Schmerz und der
Langeweile.
Wir wollen etwas, weil wir es nicht haben.
Der Mangel führt zu Schmerz.
Wenn wir das, was wir wollen dann aber haben, stellt sich schon bald Langeweile ein.
Anstatt davon glücklich zu werden, gewöhnen wir uns nur an den Luxus.
Er wird zur Notwendigkeit und schafft neue Zwänge.
„Erst wollen wir nicht mehr ohne ihn leben, und irgendwann können wir es nicht mehr.“
– wie es Historiker und Philosoph Yuval Harari beschreibt.
Also suchen wir uns die nächsten Begierden, die wieder Schmerzen verursachen.
Der unlöschbare Durst nach Mehr treibt uns an, wird niemals endgültig befriedigt.
Harari veranschaulicht es an einem Beispiel: „Wie viele junge Menschen haben nicht nach
dem Studium eine Stelle in einem großen Unternehmen angenommen und sich geschworen, sie würden
ein paar Jahre ordentlich ranklotzen, Geld auf die hohe Kante legen und mit vierzig den
Job an den Nagel hängen, um ihren wahren Interessen nachzugehen?
Aber wenn der vierzigste Geburtstag naht, haben sie eine Hypothek und schulpflichtige
Kinder am Bein und meinen, ohne Mercedes und Bordeaux nicht mehr leben zu können.
Was sollen sie tun?
Wieder Wurzeln ausgraben?
Natürlich nicht.
Stattdessen kämpfen sie um eine Beförderung und strampeln sich weiter ab.“
Wir sind in einem Teufelskreis des Wollens gefangen.
Und das hat weitreichende Folgen auch für die gesamte Menschheit.
Waschmaschinen, Autos, Telefone, Computer und Smartphones.
Wir haben zahllose Maschinen erfunden, mit dem Versprechen, dass sie unser Leben verbessern.
Früher hat es viel Zeit gekostet, Briefe zu schreiben, sie zur Post zu bringen und
auf eine Antwort zu warten.
Heute können wir eine Nachricht innerhalb weniger Millisekunden kostenfrei auf die andere
Seite der Welt senden.
Haben wir dadurch mehr Zeit für uns selbst gewonnen?
Sind wir jetzt glücklicher?
Die Suche nach Glück ist so alt wie die Menschheit selbst.
Schon der griechische Philosoph Diogenes von Sinope sah im Streben nach überflüssigen
Bedürfnissen den Grund für ein unerfülltes Leben.
Nur wer sich frei macht von äußeren Zwängen, kann seiner Lehre nach richtig glücklich
werden.
Diese Bedürfnislosigkeit lebte er auch selbst ganz praktisch aus.
Diogenes soll freiwillig zusammen mit Hunden in einer Tonne gelebt haben.
Der Legende nach besuchte ihn eines Tages Alexander der Große und fragte ihn:
„Sei gegrüßt, wie kann ich dir dienen?“
„Geh mir nur ein wenig aus der Sonne!“
Diese Bedürfnislosigkeit selbst zu leben, wird den meisten Menschen vermutlich ziemlich
schwerfallen.
Und freiwillig in einer Tonne zu wohnen, ist wohl für niemanden eine Option.
Wenn wir aber etwas von Diogenes lernen können, dann ist es die Selbstgenügsamkeit, die er
lebt.
Er genügt sich selbst, um glücklich zu sein.
Gibt sich mit dem Zufrieden, was er hat bzw. nicht hat.
Der Glücksphilosoph Epikur meint, dass wir nicht auf alles verzichten müssen, um glücklich
zu werden.
Wir sollten lediglich unnatürliche Begierden, wie die nach Luxus und Überfluss reduzieren
und uns stattdessen auf die natürlichen und notwendigen Bedürfnisse konzentrieren.
Dazu zählen einerseits unsere körperliche Gesundheit und das Vermeiden von Schmerzen
und andererseits die Glückseligkeit selbst, die wir nach Epikur nur durch „Ataraxia“
– einen Zustand vollendeter Seelenruhe erreichen können.
„Ataraxia“ bedeutet so viel wie „Unerschütterlichkeit“ und beschreibt einen seelischen Zustand der
Gelassenheit.
Wir können äußere Einflüsse wie unseren finanziellen Erfolg, das Verhalten von anderen,
den Tod eines Mitmenschen oder politische Krisen kaum kontrollieren.
Doch anstatt dass wir unser Glück selbst in die Hand nehmen, lassen die meisten Menschen
ihr Glück von diesen äußeren Einflüssen bestimmen.
Doch warum sollten wir uns um Dinge sorgen, die wir sowieso nicht ändern können?
Wenn wir unser Schicksal hingegen gelassen akzeptieren, können wir selbst bei schweren
Schicksalsschlägen Schmerzen vermeiden und unser Glück bewahren.
Dazu müssen wir uns auch nicht wie Diogenes von allen Bedürfnissen befreien.
Epikur schreibt dazu: „Ich wüßte nicht, was ich mir überhaupt noch als ein Gut vorstellen
kann, […] wenn ich nicht mehr meine Freude haben soll an dem Anhören von Musik und dem
Anschauen schöner Kunstgestaltungen.“
Wir sollen uns nur von den Einflüssen befreien, die schädlich für unsere Seelenruhe sind.
Doch was bleibt übrig, wenn Geld, Macht und Anerkennung wegfallen?
Worin können wir unser Glück finden?
Epikurs Glücksphilosophie mündet in einer Philosophie des Augenblicks.
Er erfreut sich an den kleinen Dingen im Leben.
Und das ist weit mehr als ein Standardkalenderspruch.
In unserem Streben nach Mehr neigen wir dazu, die Welt wie durch ein Fernglas zu sehen.
Wir haben nur unsere Ziele im Blick und blenden die alltäglichen Dinge, die um uns herum
stattfinden, aus.
Wenn wir die Welt um uns aber bewusst wahrnehmen, offenbart sich uns ihre Schönheit und einzigartige
Struktur.
Und wir können lernen, Glück in den einfachsten Dingen zu finden.
Setz dich doch mal gelassen hin und achte bewusst auf das Zwitschern der Vögel.
Hör den absurden Gesprächen zwischen Kindern zu.
Sag deinen besten Freunden, was sie dir bedeuten.
Genieße dein Essen voller Achtsamkeit.
Lass Musik durch deinen Körper strömen.
Nimm ganz bewusst den Klang dieser Welt wahr.
Was kannst du hören?
Was macht Dich glücklich?
Es fällt schwer sich in unserer modernen, auf Fortschritt getrimmten Welt von äußeren
Einflüssen loszureißen.
Doch Epikur zeigt uns einen Weg, wie wir auch heute noch mit Gelassenheit dem Teufelskreis
des Wollens entkommen können und das Glück im Moment finden. (lächeln)
Ich möchte mich auf dem Weg nochmal bei Zeo und der großartigen Community bedanken.
Ihr seid einfach unglaublich.
Ich würde wirklich gerne regelmäßiger Videos produzieren, doch aktuell ist das einfach
nicht möglich.
Um Animationsvideos zu produzieren, muss ich viel Geld für Programme, Lizenzen und Equipment
bezahlen und Recherche, Schnitt und Animationen nehmen viele viele Stunden Arbeit in Anspruch.
Mit YouTube habe ich dabei noch keinen Cent verdient.
Um mir das alles leisten zu können, musste ich bisher neben meinem Studium noch zusätzlich
arbeiten.
Doch Du kannst dabei helfen, Philosophie zu meinem Nebenjob zu machen.
Weil ich besser auf YouTube aufgehoben bin als beim Taxifahren.
Wenn Du auch nur einen geringen Beitrag im Monat spendest, sicherst Du damit meine Zukunft
auf YouTube und sorgst dafür, dass ich häufiger Videos produzieren kann.
Als Dankeschön erhalten meine Patrons zusätzliche Inhalte und andere Vorteile.
Danke für deine Unterstützung und dass du bis zum Ende dran geblieben bist!