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2020-7 Imported from YouTube, Ist Religion eine Geisteskrankheit?

Ist Religion eine Geisteskrankheit?

Religion ist eine psychische Erkrankung, genauer gesagt eine neurologische Störung. Diese

stark umstrittene These vertreten einige bekannte Wissenschaftler darunter Richard Dawkins und

Sigmund Freud. Haben wir Religion bisher womöglich nur aufgrund ihrer großen Verbreitung verharmlost?

Oder brauchen wir den Glauben sogar, um gesund und glücklich zu sein?

„Leidet ein Mensch an einer Wahnvorstellung, so nennt man es Geisteskrankheit. Leiden viele

Menschen an einer Wahnvorstellung, dann nennt man es Religion.“ - Robert M. Pirsig

Die These ist natürlich sehr kontrovers, deshalb möchte ich sie so sachlich und objektiv

wie möglich behandeln. Dazu schauen wir uns unterschiedliche Positionen von Philosophen,

Psychologen und anderen Wissenschaftlern an. Damit ihr nicht nur eine Sicht auf die Thematik

habt, solltet ihr das Video unbedingt bis zum Ende anschauen, denn es gibt gute Argumente,

dass Religion sowohl krank als auch gesund macht. Dabei liegt es wie immer an euch zu

entscheiden, welche Argumente euch überzeugen. Religion als Krankheit

„Ich betrachte die Religion als Krankheit, als Quelle unnennbaren Elends für die menschliche

Rasse.“ - Bertrand Russell Die Idee Religion als Krankheit zu sehen,

ist nicht neu. Bereits der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud sah besonders

monotheistische Religionen, als eine Geisteskrankheit, genauer gesagt als „eine universelle Zwangsneurose“

an. Man muss hier erwähnen, dass die Begriffe Geisteskrankheit und Zwangsneurose in der

Psychologie nicht mehr gebräuchlich sind. Man spricht stattdessen von psychischen Störungen

und Zwangserkrankungen. Eine psychische Störung führt zu Veränderungen

der Wahrnehmung, des Denkens oder Fühlens und bringt in der Regel auch Probleme im täglichen

Leben mit sich. Eine Zwangsstörung ist eine spezielle psychische Erkrankung, die vorliegt,

wenn eine Person einen inneren Drang hat etwas zu denken oder zu tun. Dagegen können sich

Betroffene nicht selbstständig wehren und müssen die Beeinträchtigungen im Alltagsleben

in Kauf nehmen. Für Freud ist der Grund für eine solche Störung die „Verdrängung einer

Triebregung“. Der entscheidende Unterschied ist lediglich die Art der Triebe, die bei

einer Neurose sexueller und bei Religion egoistischer Herkunft ist. Doch warum sollte Religion eine

solche Zwangserkrankung sein? Seiner Auffassung nach unterdrückt ein religiöser

Mensch unbewusst innere Triebe aus Angst vor einer drohenden Bestrafung durch Gott. Diese

lassen sich auf unbewältigte Kindheitskonflikte zurückführen, die das Erwachsenwerden der

Menschen verhindern. Der Psychoanalytiker meint, dass religiöse Menschen wie Kinder

ihr Wunschdenken nutzen, um ihre Wirklichkeit zu bewältigen. Ihre Vorstellung von Gott

ist für Freud die Erfüllung des kindlichen Wunsches nach Schutz durch einen übermächtigen

Vater. Die Furcht vor dem Urteil Gottes löst dann die egoistischen Triebe im Menschen aus,

die sich in Selbstsorge und Selbstpflege zeigen. Zur Beruhigung des entstandenen Schuldbewusstseins

dient schließlich die neurotische Zwangshandlung, wie ein Gebet oder eine andere religiöse

Handlung. Auch der Evolutionsbiologe Richard Dawkins

sieht religiöse Handlungen und Überzeugungen als das Ergebnis einer kindlichen Indoktrination.

In seinem Bestseller „Der Gotteswahn“ vergleicht der Evolutionsbiologe Religion

mit einem Virus, der Gläubigen in der Kindheit eingepflanzt wurde und sie seitdem verfolgt.

In „das egoistische Gen“ schreibt er: „Glaube ist in der Lage, Menschen zu derart

gefährlichem Wahnsinn zu treiben, daß er sich in meinen Augen als eine Art Geisteskrankheit

qualifiziert.“ Die Psychologie zieht hier aber eine eindeutige Grenze zwischen religiösem

Glauben und religiösem Wahn. Während der Glauben eine einigermaßen realistische Selbsteinschätzung

ermöglicht, neigen Menschen mit religiösem Wahn zu einer überheblichen Selbsteinschätzung

und behaupten religiöse Überzeugungen zu Wissen und nicht zu Glauben. Religiöse Wahnsymptome

lassen sich bei vielen psychischen Störungen, wie Schizophrenie, Psychosen oder Depressionen

wiederfinden. Religiöser Wahn selbst ist also keine psychische Störung, sondern nur

das Symptom anderer Erkrankungen. Ist es also womöglich komplett falsch Religion

als eine psychische Erkrankung bzw. Zwangsneurose zu bezeichnen?

Religion als Gesundheit „Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen:

eine, wenn's ihm gut geht und eine, wenn's ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion.“

– Kurt Tucholsky Einige religionspsychologischen Studien haben

ergeben, dass hochreligiöse Menschen Schmerzen und Leiden besser verarbeiten können. Kann

Religion überhaupt eine Krankheit sein, wenn sie uns helfen kann Krankheiten besser zu

überstehen? Der Sozialpsychologe Erich Fromm zählte den

Glauben zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Für ihn ist Religion das Gegenteil einer

Krankheit. Sie ist notwendig damit wir nicht krank werden. Fromm sieht das religiöse Bedürfnis

als ähnlich existenziell, wie Nahrung oder Sexualität. Diese gesundheitsfördernde Wirkung

tritt aber nur ein, wenn Religion nicht autoritär sondern „humanistisch“ wirkt. Hatte er

mit seiner Behauptung Recht? Was sagt die heutige Psychologie dazu?

Der Psychiater und Psychotherapeut Bonelli hat zahlreiche Studien ausgewertet und festgestellt,

dass Suchterkrankungen, Depressionen und Suizid bei religiösen Menschen seltener vorkommen

als bei Atheisten. Religion schafft also tatsächlich eine gewisse psychische Stabilität, man spricht

auch von Resilienz, und hat deshalb ziemlich wahrscheinlich eine positive Wirkung auf die

psychische Gesundheit. Auch Bonelli räumt ein, dass neurotische

bzw. extrinsische Religiosität den Einzelnen krank machen kann. Extrinsisch heißt so viel,

wie nach außen gerichtet. Der Grund für ihren Glauben kann zum Beispiel sein, dass

er nur zum Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen, zur Sicherung eines glücklichen Lebens oder

als moralische Instanz benutzt wird. Diese Art der Religiosität kann bis hin zum Fundamentalismus

oder Fanatismus führen und ist schädlich für das Wohlbefinden der Psyche. Wer hingegen

ein intrinsisch motiviertes Gottesbild hat, also aus inneren Überzeugungen an ihn glaubt,

dem kann seine Religiosität laut Bonelli tatsächlich zu besserer mentaler Gesundheit

verhelfen. Die genannten Statistiken zeigen natürlich

nur Korrelationen auf und keine Kausalitäten. Nur weil Du Atheist bist, musst Du nicht zwangsläufig

unglücklicher sein. Denn Psychische Gesundheit und Glück lassen sich, wie Bonelli meint,

häufig nicht auf den Glauben an Gott an sich zurückzuführen, sondern viel mehr auf die

sozialen Beziehungen, die bei religiösen Menschen meist stärker ausgeprägt sind,

als bei Atheisten. Auch Richard Dawkins ist sich dessen bewusst,

dass religiöse Menschen glücklicher sind und zitiert in seinem Bestseller „der Gotteswahn“

George Bernard Shaw: „die Tatsache, dass ein gläubiger Mensch glücklicher ist als

ein Skeptiker, trägt zur Sache nicht mehr bei als die Tatsache, dass ein betrunkener

Mensch glücklicher ist als ein nüchterner“. Der Biologe hat dahingehend Recht, dass das

individuelle Glück für den Wahrheitsgehalt der Religionen unbedeutend ist. Für unsere

psychologische Betrachtungen hingegen, ist das Glück sehr wohl relevant. Denn wenn psychische

Störungen zu Belastungen und Leid führen, Religionen aber glücklicher machen, kann

man sie dann überhaupt als psychische Erkrankung bezeichnen?

Fazit Ist Religion jetzt also eine psychische Erkrankung?

Zum Teil ja, zum Teil nein. Die heutige Psychologie sieht vor allem religiösen Wahn als ein Symptom

einer psychischen Störung an. Ein großes Problem in diesem Zusammenhang ist Fundamentalismus

und religiöse Erziehung. Wenn Menschen sich hingegen aus innerer Überzeugung für religiösen

Glauben entscheiden, kann Religiosität sogar einen positiven Einfluss auf die Psyche haben.

Doch jetzt seid ihr gefragt! Welche Meinung überzeugt euch? Lasst uns zusammen sachlich

in den Kommentaren diskutieren. Du interessierst dich für Psychologie und

Philosophie? Dann solltest Du diese Videos unbedingt anschauen!

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