Die Russische Revolution
Im Ersten Weltkrieg erlitt Russland massive Bevölkerungs-
und Gebietsverluste und seine Wirtschaftslage verschlechterte sich.
Zar Nikolaus II. verlor seine Autorität. Am 8. März 1917 brachen in Petrograd,
zuvor St. Petersburg, Unruhen aus. Arbeiter gingen auf die Straße, verlangten
höhere Löhne und protestierten gegen den Zaren.
Man hoffte, die Armee könne die Unruhen kontrollieren aber viele Soldaten
verweigerten die Befehle des Zaren. Unter diesen Umständen trat der Zar am 15. März
auf dem Bahnhof von Pskov zurück. Er überließ die Entscheidung über die
Zukunft Russlands seinem Bruder Michail Alexandrowitsch, der die Krone
jedoch ablehnte. So endete das zarische Russland unter der Dynastie Romanow. In
den folgenden Tagen bildete die Duma eine provisorische Regierung.
Beinahe zeitgleich wurde eine Organisation, die sich Petrograder Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeportierten
nannte, gegründet. Somit gab es zwei sich
bekämpfende Machtzentren, die den Staat lahmlegten und zu Anarchie führten.
Die provisorische Regierung führte lang erwartete Reformen ein, stellte die
Militäroperationen aber nicht ein. In der Folge sank ihre Popularität.
Die Moral der Soldaten an der Front war sehr niedrig. In dieser Situation
kehrten die integrierten bolschewistischen Führer, Wladimir Lenin und Leo Trotzki, im Spätfrühjahr 1917
nach Russland zurück. Sie vertraten offen
die Meinung, dass eine Kriegsniederlage Russlands der Revolution nütze. In der
Tat war Lenins Rückkehr durch die deutsche Regierung ermöglicht worden.
Diese hatte seinen Zug bei der Fahrt durch deutsches Territorium passieren lassen
und seine Antikriegs-Aktivitäten teilweise finanziert. Die Einschätzung,
die Rückkehr der Bolschewiki könne ein politisches und militärisches Chaos
in Russland verursachen erwies sich als realistisch. Lenin formulierte die Art
und Weise der Machtübernahme in seinen "April-Thesen". Darin rechtfertigte er die
Notwendigkeit einer nächsten revolutionären Phase.
Die Militäroffensive der provisorischen Regierung scheiterte im Juni 1917.
Dadurch gestärkt, versprachen die Bolschewiki Frieden zu schaffen.
Sie verließen die Entente und unterzeichneten den Frieden von Brest-Litowsk mit dem Deutschen Reich.
Die Oktoberrevolution in Petrograd
begann in der Nacht des 6./7. Novembers 1917, 24./25. Oktober nach dem
julianischen Kalender.
Die Bolschewiki übernahmen die Macht durch einen militärischen Staatsstreich
und verhafteten die Minister der provisorischen Regierung.
Diese Revolutionen wirkte sich nachhaltig auf die Geschichte des
zwanzigsten Jahrhunderts aus.Während fast alle Regierungen mit Irritation und
Befürchtungen reagierten, weckte sich bei der proletarischen Linken Hoffnungen.
Lenin kontrollierte die neue Revolutionsregierung. Diese erließ zwei
entscheidende Dekreter über "den Frieden" und "Grund und Boden" und
verabschiedete die "Deklaration der Rechte der Völker Russlands" (der in das russische Imperium inkorporierten Nationen).
Letztere bekräftigte das
Selbstbestimmungsrecht jeder Nation. Nach 1917 veränderte sich das Slebstverständnis der
Bolschewiki: Selbstbestimmung bedeutete nun das Recht auf Autonomie innerhalb
einer einzigen revolutionären Sowjetrepublik (Arbeiterräte).
Nach der gewaltsamen Machtergreifung war es für die Bolschewiki entscheidend,
die Macht dauerhaft auszuüben. Dazu gründeten sie im Dezember 1917
die politische Polizei "Tscheka" unter Felix Dserschinski und führten die Zensur ein.
Die Errichtung der "Diktatur des Proletariats" unter der Aufsicht der
Parteiführung führte zum Bürgerkrieg, der sich Mitte 1918 verschärfte.
Von der Entente unterstützte weiße Armeen kämpften gegen die neue Macht, allerdings erfolglos.
Nach ihrer Wahlniederlage 1918 beschlossen die Bolschewiki alle anderen
politischen Parteien aufzulösen. Sowjetrussland führte das ein-Parteien-System ein
und Personen unerwünschter sozialer Herkunft (lishentsy) wurden
politisch entrechtet. Zudem erließen sie eine Verordnung, die die orthodoxe Kirche
enteignete und entrechtete. Im Juli 1918 ermordeten die Bolschewiki die gesamte
Zarenfamilie und verkündeten im September nach einem gescheiterten Attentat auf Lenin,
den roten Terror.