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2020-7 Imported from YouTube, Das Jahr 1968

Das Jahr 1968

In den sechzigern führte wachsender Wohlstand im Westen zu einem

tiefgreifenden sozialen Wandel. Immer mehr junge Menschen gingen auf Universitäten.

Oft arbeiten sie während des Studiums und wurden so von ihren Eltern

unabhängig. Die wachsende Rolle der visuellen Medien, insbesondere des

Fernsehens beschleunigte das Tempo der Veränderungen. Kleidung und Lebensstil

veränderten sich. Die Antibabypille bewirkte eine sexuelle Revolution. Zur

gleichen Zeit verstärken sich in den USA Proteste gegen die Diskriminierung von

Afroamerikanern. Friedliche Demonstrationen mündeten im Mai 1963 in

einem Blutvergießen. Um eine "schwarze Revolution" zu verhindern

reichte Präsident John F. Kennedy ein Bürgerrechtsgesetz im Kongress ein.

Dieser Schritt wurde am 28. August 1963 durch den Marsch nach Washington

unterstützt, wo der Baptistenpastor Martin Luther King seine berühmte Rede

über die Gleichberechtigung aller US- Bürger hielt. Nach der Ermordung Kennedys

im November 1963 in Dallas wurden Reformpläne stark gekürzt. Kennedys

Nachfolger Lyndon B. Johnson setzte wenig später ein

Bürgerrechtsgesetz im Kongress durch, das allen Bürgern gleichen Zugang zu

öffentlichen Institutionen garantierte. Es verbot die Diskriminierung von Angestellten

aufgrund ihrer Hautfarbe. Die rassistische Gewalt ging weiter und

gipfelte in der Ermordung von Martin Luther King im April 1968. Das

militärische Engagement der USA in Vietnam stieß in der Öffentlichkeit auf immer

stärkeren Widerstand. Im Mai 1970 wurden die USA durch die Ereignisse an der Kent State University erschüttert.

Dort hatte die Nationalgarde das Feuer auf

protestierende Studierende eröffnet. Vier von ihnen starben.

Die "Revolution der Hippies" war ein markanter Ausdruck des Protests. Seit

Mitte der 1960er hatten Tausende junge Menschen die Schulen verlassen und sich

den "Blumenkindern" angeschlossen, deren Slogan "Macht Liebe nicht Krieg"

war. Schriftsteller und Sänger von Protestliedern wie Angela Davies, bob Dylan und Joan Baez

wurden zu Helden dieser Generation. Auch Westeuropa erlebte Jugendaktivismus.

Proteste in Frankreich und Westdeutschland, begleitet von Anti- Kriegs

und linken Slogans forderten - stärker als in den USA -

demokratischer Verhältnisse an den Universitäten und

Vergangenheitsbewältigung ein. Diese war in Westdeutschland von

besonderer Bedeutung, da dort viele Eltern der Achtundsechziger in den

Nationalsozialismus verstrickt gewesen waren.

Die Spannungen im Sowjetblock hatten einen ganz anderen Charakter.

In Polen kam es nach dem Bühnenverbot des Stücks "Dziady" von Adam Mickiewicz zu den

sogenannten Märzereignissen. Diese lösten eine Protestwelle zur

Verteidigung der Redefreiheit aus. Die Demonstrationen von Studierenden,

Intellektuellen und jungen Arbeitern wurden brutal niedergeschlagen.

Die kommunistischen Behörden nutzten sie als Vorwand um eine antisemitische

Kampagne einzuleiten. Während in der UdSSR und den meisten

Ostblockstaaten relative Stabilität herrschte, liefen die Ereignisse in der

Tschechoslowakei auf einen ernsten Konflikt hinaus. Anfang 1968 wurde

Alexander Dubcek Chef der dortigen kommunistischen Partei und versprach

"Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Der Kreml reagierte nervös und

veranlasste am 21. August 1968 unter dem Vorwand der Verteidigung

des Sozialismus die Intervention von Truppen des Warschauer Pakts. Der zivile Widerstand gegen die

Besatzer hielt an. Im Januar 1969 verbrannte sich der

Student Jan Palach in Prag in einem Akt des Protests. Im April 1969 kam es in

Prag nach einem Eishockeyspiel zwischen der Slowakei und der UdSSR zu

Auseinandersetzungen und letztlich zum Sturz von Dubcek. Sein Nachfolger Gustáv Husák

trieb die "Normalisierung" des Landes voran.

Es begannen Säuberungen, die Zensur wurde eingeführt, die Reformer wurden aus

Leitungspositionen entfernt. Die Unterdrückung des Prager Frühlings

markierte einen Wendepunkt bei der Verbreitung des Kommunismus sowjetischer Prägung.

Im Westen ging die Unterstützung für

diese Ideologie stark zurück. Ihre Anhänger stellten fest, dass der Glaube

an die humanistischen Werte des bestehenden Systems zur Illusion wurde.

Ein sozialismus mit menschlichem Antlitz erwies sich als irreal.

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