Blutdruckmessung nach Riva-Rocci - Prüfung der Vitalzeichen - AMBOSS Video
Blutdruckmessung nach Riva-Rocci Zu den Routine-Untersuchungen im klinischen
Alltag gehört die regelmäßige Prüfung der Vitalzeichen,
die Aufschluss über körperliche und psychische Veränderungen des Patienten geben kann. Neben
der Untersuchung der Atmung, des Pulses und der
Körpertemperatur ist in diesem Zusammenhang auch die
Blutdruckmessung elementar.
Die Bestimmung des Blutdrucks nach Riva-Rocci sollte am entkleideten Oberarm des Patienten
nach einer 3-5 minütigen Ruhepause erfolgen.
Zunächst wird zwischen dem M. biceps und triceps brachii die A. brachials palpiert,
da hier die Blutdruckmessung erfolgt. Die luftleere Blutdruckmanschette wird dann etwa
zweieinhalb Zentimeter oberhalb der Ellenbeuge platziert, wobei der Pfeil mit der Beschriftung
"Arterie" auf das zuvor palpierte Gefäß Richtung Ellenbeuge zeigt. Die Manschette
sollte bei der Messung auf Herzhöhe liegen. Der Patientenarm sollte nun in eine entspannte,
im Ellenbogen leicht gebeugte Haltung gebracht. Anschließend wird der Radialispuls am distalen
Unterarm palpiert und die Blutdruckmanschette wird zügig so weit aufgepumpt, dass am Handgelenk
keine Pulswelle mehr spürbar ist. Jetzt sollte durch weiteres Aufpumpen ein zusätzlicher
Druck von etwa 30 Millimeter HG bzw. "Quecksilbersäule" aufgebaut werden, damit ein übersystolischer
Manschettendruck sichergestellt ist. Die Stethoskopmembran wird nun locker im Bereich der medialen Ellenbeuge
platziert, wo die A. brachialis auskultiert wird.
Am Stethoskop sollten keine Geräusche hörbar sein, da der übersystolisch hohe Manschettendruck
der Blutfluss im Gefäß sowohl während der Systole, als auch während der Diastole vollständig
sistieren lässt. Nun wird vorsichtig das Ventil am Manometer
geöffnet und der Manschettendruck wird langsam, um etwa 2-3 mmHg pro Sekunde, reduziert.
Sobald der Manschettendruck unter den systolischen Blutdruck sinkt, kann während der Systole
wieder Blut durch das Gefäß strömen. Aufgrund
der noch bestehenden Gefäßkompression während der Diastole strömt das Blut jedoch turbulent
und erzeugt dadurch die so genannten Korotkow-Geräusche. Sobald diese pulsynchronen, pochenden Strömungsgeräusche
am Stethoskop hörbar sind, kann am Manometer des Blutdruckmessgerätes der systolische
Druck abgelesen werden. Während der Manschettendruck weiter reduziert wird, nimmt die Kompression
des Gefäßes ab. Das Blut strömt dadurch immer weniger turbulent durch die Arterie,
bis auch während der gesamten Diastole das Gefäß vollständig geöffnet ist. Dadurch
entsteht wieder eine laminare Strömung so dass die Korotkov-Geräusche verschwinden.
An diesem Punkt kann der diastolische Blutdruck am Manometer abgelesen werden. Abschließend
sollte die Manschette durch das Öffnen des Ventils vollständig geleert und vom Oberarm
gelöst werden. Die Messung des Blutdrucks kann alternativ
auch im Liegen erfolgen. Der Oberarm sollte dabei auf Herzhöhe hochgelagert und im Ellenbogen
leicht angewinkelt werden. Das weitere Vorgehen erfolgt analog zur Blutdruckmessung im Sitzen.
Die hier gezeigte "Gelegenheits-" oder "Praxismessung" sollte an jedem Arm mindestens einmal wiederholt
werden, da eine Blutdruckdifferenz ein Hinweis auf Gefäßstenosen, z.B. bei einer pAVK oder
einer Aortenisthmusstenose sein kann. Bei Verdacht auf eine arterielle Hypertonie,
muss die Messung 3 mal an 2 verschiedenen Tagen erfolgen und ggf. um eine Blutdruckselbstmessung
oder eine 24-Stunden-Blutdruckmessung erweitert werden.