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GERMANIA, Hans Sarpei | GERMANIA

Hans Sarpei | GERMANIA

Wenn ich jetzt zu einem Termin pünktlich komme, dann sagen die,

der hat die deutsche Mentalität angenommen.

Pünktlich, ganz genau 5 Minuten vorher da.

Komme ich zu spät, typischer Afrikaner.

* Musik *

Ich bin Hans Adu Sarpei, bin 43 Jahre alt, bin in Ghana geboren,

mit drei Jahren nach Köln gekommen, seitdem ist Köln, Deutschland,

meine Heimat und ich bin Ex-Fußballprofi.

Ich bin in Köln Chorweiler aufgewachsen,

das New York von Deutschland.

Weil dort sehr viele Hochhäuser stehen, heute würde man sagen,

sozialer Brennpunkt, ich habe das damals so gesehen,

dass ich die Möglichkeit hatte, dort mit vielen Kindern zu spielen.

Es war mir als Jugendlicher auch bewusst, dass wir nicht

die finanziellen Mittel hatten, um als Familie oder einzeln

nach Ghana zu fliegen.

Mit 20 wurde ich eingeladen zur ghanaischen Nationalmannschaft,

das bedeutete also, das erste Mal nach Ghana zu reisen.

Nach 17 Jahren und das auch noch alleine, ohne meine Eltern.

Als wir endlich gelandet sind, habe ich sofort das Gefühl gehabt,

ich habe die richtige Entscheidung getroffen, für Ghana zu spielen.

Das Land war eins mit mir, es ist schwer zu beschreiben.

Deutschland hat mich schon komplett gemacht.

Ghana war für mich etwas Fremdes, das ich entdecken konnte, indem ich

sagen konnte, jetzt weiß ich, warum mich meine Eltern so erzogen haben,

woher das kommt.

Der Unterschied zwischen der deutschen Mentalität und ghanaischen

Mentalität zeigt sich ganz gut an den beiden Nationalmannschaften.

Deutsche Nationalmannschaft, man ist pünktlich, sehr fokussiert

aufs Training, aufs Spiel, jeder ist für sich alleine und

macht sein eigenes Ding außerhalb des Platzes, im Hotel.

Dann kommt die ghanaische Nationalmannschaft,

etwas unpünktlich, etwas laut, da ist immer Musik im Bus,

außerhalb des Busses.

Man macht vieles zusammen, man betet zusammen, es ist egal, ob der eine

Moslem oder Christ ist oder egal was, mann hat Spaß, man lacht, man ist

eigentlich immer in der Gruppe, man ist nie alleine.

Als ich so Anfang 20 war, bin ich zum ersten Mal mit Rassismus

in Berührung gekommen.

Da haben wir im Osten gespielt, bei Energie Cottbus im Stadion

der Freundschaft, das war megakrass, weil du kommst in das Stadion rein

und das ganze Stadion macht Affengeräusche, wirft Bananen und

ist gegen dich.

Du denkst, du fühlst dich irgendwie in eine andere Zeit gebeamt,

was ist hier los, was ist das für ein Hass, der gegen dich produziert wird

und nicht gegen die Mannschaft, sondern nur gegen dich?

Es war nie für mich ein Thema, ich will nicht spielen, bei mir

war es eher so, okay wir spielen hier, jetzt gewinnen wir hier,

dass ist deren Bestrafung, wenn ich hier gewinne und als Sieger

vom Platz gehe.

Damals in der Zeit hat man sowas, glaube ich, totgeschwiegen.

Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass die Mannschaft,

der Verein, der Trainer, viel geschlossener hinter mir gestanden

hätten und es auch gezeigt hätten.

Heutzutage geht man ja auch vom Platz geschlossen als Mannschaft,

um eine Reaktion zu zeigen.

Es gibt eine Debatte über Özil, wo er sagt, wenn er gut spielt,

ist er der Deutsche und wenn er schlecht spielt, ist er der Türke.

Ich kann das nachvollziehen, was er gesagt hat, weil die Leute müssen

einfach verstehen, dass die Spieler, die in der

deutschen Nationalmannschaften spielen, Boateng oder so, die noch

andere Wurzeln haben, die können die Wurzeln ja nicht abschneiden und

sagen, meine Eltern kommen aus der Türkei, meine Eltern kommen aus Ghana

und ich bin in Deutschland geboren, und die Wurzel schneide ich jetzt ab

und sage, mit den möchte ich gar nichts mehr zu tun haben.

Die ganzen Fans müssen verstehen,dass die Jungs einen Hintergrund haben,

die zweite Heimat, und diese zweite Heimat wollen sie natürlich auch

nicht verleugnen, aber sie sind trotzdem hundertprozentig stolz,

für diese deutsche Nationalmannschaft zu spielen.

* Musik *

Untertitel: ARD Text Im Auftrag des SWR.

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