Muslimischer Feiertag in Deutschland?!
Könnten Sie auch mal wieder einen freien Tag gebrauchen?
Wie wäre es dann mit einem Feiertag präsentiert vom: # Christentum?
Das tut gut, oder?
Wie wäre es mit noch mehr Freizeit, mit einem weiteren Feiertag?
Präsentiert vom: # Islam?
(Titelmelodie)
Es ist soweit, der Untergang des Abendlandes steht mal wieder bevor.
Und diesmal wirklich!
Was viele verstanden haben:
Allahu Akbar! Allahu Akbar!
Neuer Feiertag?!? So weit kommt's noch!
Dass wir Deutschen durch die ganzen eingewanderten Muslime und Ausländer
auch noch mehr Freizeit bekommen, ja. Geht's noch?
Wir sind hier immer noch in Deutschland, ok?!
Und hier geht nichts über:
Aber bevor wir voreilige Schlüsse ziehen, schalten wir vielleicht
noch mal einen Gang zurück und gucken uns an,
was genau de Maizière gesagt hat: " Wo viele Katholiken sind, gibt es Allerheiligen. Wo es wenig gibt, gibt es kein Allerheiligen.Wo es viele Moslems gibt ß warum kann man nicht auch mal über einen muslimischen Feiertag nachdenken? Aber generell sind unsere Feiertage christlich geprägt. Und das soll auch so bleiben. " Bonusinfo: " Einen bundesweiten Feiertag für Muslime lehnte er aber ab. " De Maizière sprach also nicht
von einem muslimischen Feiertag für ganz Deutschland,
sondern von einer Unterscheidung in den einzelnen Gemeinden,
je nach Verbreitung der Konfession.
Also etwa so wie in Deutschland auch schon zwischen katholischen
und protestantischen Feiertagen unterschieden wird: " in katholischen Bundesländern sind spezifische Feiertage wie Allerheiligen und Fronleichnam zusätzliche Feiertage, in protestantischen der Reformationstag Ende Oktober und der Buß- und Bettag im November. " Das führt dazu, dass wir in Deutschland einen wilden Mix
aus Feiertagen haben, die überall unterschiedlich sind
und ich in Berlin nur 9 Feiertage habe,
während die Bayern 12 haben.
D.h. in Deutschland wird bereits unterschieden
bei religiösen Feiertagen.
Aber wie auch immer man es bei einem evtl. muslimischen Feiertag
auch anstellen würde, alles wäre in den Augen seiner Gegner verkehrt.
Entweder es gibt einen bundesweiten Feiertag, dann heißt es:
"Der Untergang des Abendlandes!"
Oder aber er wird nur regional eingeführt,
je nach Verbreitung des Glaubens, und alle hyperventilieren von:
"Parallelgesellschaft!"
An dieser Stelle vielleicht kurze Info zu mir:
Ich persönlich kann spirituell mit dem Islam nichts anfangen!
Also wirklich null!
Genauso wie mit der evangelischen oder katholischen Lehre,
mit dem Buddhismus, Hinduismus
oder was es nicht alles für tolle Sachen gibt religiös.
Also, jeder soll natürlich nach seiner Facon und seinem Glauben
glücklich und erfüllt werden. Tut euch keinen Zwang an, viel Spaß.
Aber Religion an sich ist einfach nicht meine Welt irgendwie.
Und Mainstream wie ich nun mal bin,
zähle ich mich tatsächlich zur größten religiösen Gruppe,
die wir in Deutschland haben, und zwar zu den Konfessionslosen.
D.h. ich gehöre zu den Leuten, die entspannt das Leben genießen,
aber wenn jemand ankommt:
"Wenn du nicht an Jesus glaubst, kommst du in die Hölle!
Deine Frau muss Burka tragen.
Und wenn nicht, werdet ihr als Kakerlaken wieder geboren!"
In dem Moment kann ich das einfach nicht mehr ernst nehmen.
Trotzdem habe ich nichts gegen einen muslimischen Feiertag!
Und zwar nicht nur regional begrenzt irgendwo,
sondern gerne auch deutschlandweit, für alle.
Ich als konfessionsloser Chiller bin es eh schon gewohnt,
die ganzen christlichen Feiertage mitzunehmen.
Den neuen muslimischen nehme ich dann auch gerne noch, kein Ding.
Und falls ihr euch jetzt empört: Warum sollen nur die Muslime einen Feiertag bekommen aber nicht die Juden oder Buddhisten?! Dann sage ich: Gerne! Feiertage für alle! Damit kann ich gut leben.
Und vor allen Dingen könnten wir in Deutschland
wirklich mal ein paar mehr Feiertage gebrauchen, denn: " Geht es nach dem gesetzlichen Urlaubsanspruch und Feiertagen, belegt Deutschland im internationalen Vergleich einen Platz im hinteren Mittelfeld. " Und wenn man durch neue Feiertage für unterschiedliche Religionen
diesen Rückstand aufholen kann und dabei gleichzeitig
eine Geste der Wertschätzung an andere Glaubensrichtungen sendet,
dann ist das nach meinem Verständnis eine Win-Win-Situation.
Nun bin ich mit dieser Meinung offenbar in der Minderheit: " Die Deutschen ... lehnen die Einführung islamischer Feiertage mit großer Mehrheit ab. Sieben von zehn Befragten sprächen sich dagegen aus, so eine Insa- Umfrage für die Bild - Zeitung " Stefan Mayer von der CSU geht sogar soweit zu behaupten: " Dass der Islam zu Deutschland gehört, lässt sich historisch durch nichts belegen und ist auch heute nirgendwo zu erkennen. " Nirgendwo?
Also, wir haben jetzt in Deutschland fast 5 Mio. Muslime mittlerweile.
Und ich glaube, abgesehen von Stefan Mayer
hat das auch so ziemlich jeder gemerkt.
Und: Ja, Muslime sind eine Minderheit.
Aber natürlich gehören sie mit zu diesem Land
und mit zu dieser Gesellschaft heutzutage.
Und sie haben übrigens ihren "eigenen Feiertag"
auch nicht selbst gefordert, sondern da kam Thomas de Maizière drauf.
Warum auch immer. Aber trotzdem heißt es jetzt wieder:
"Die Muslime fordern, fordern, fordern! Was erlauben die sich?!?"
Obwohl das Thema gar nicht von ihnen kam,
sondern vom Innenminister angestoßen wurde.
Und so verrückt sieht das Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen
in Deutschland heute aus:
Die Muslime werden für etwas kritisiert, was ein CDU-ler forderte.
Und die meisten Deutschen wollen so wenig mit ihnen zu tun haben,
aus Prinzip, dass sie nicht mal einen freien Tag von ihnen annehmen würden!
Was für Aussichten für die Zukunft.
Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2017)
(Titelmelodie)