Ist Facebook bald tot?
Mal ganz ehrlich, wer von euch ist noch auf Facebook aktiv unterwegs? Stimmt mal ab hier oben auf dem I. Ohne das Ergebnis zu kennen, würde ich sagen, maximal 1/3 von euch sind das. Das ist auch ganz verständlich, schließlich wird der Feed dort ständig geändert, da gibt es Posts, die schon viele Tage alt sind, man bekommt ständig Werbung usw. Facebook wird immer unattraktiver, v.a. für jüngere Leute. Ereilt Facebook das gleiche Schicksal wie Myspace oder StudiVZ? Ist die Plattform bald tot? Genau darum geht es jetzt. Ich kann schon mal eine Sache verraten: Ganz so einfach, wie man denkt, ist die Antwort dann doch nicht. Falls ihr euch dort registriert habt, wisst ihr noch, wie das damals war, als ihr euch das erste Mal bei Facebook angemeldet habt? Ich weiß es noch ganz genau, es war 2010. Fast alle meine Freunde waren dort unterwegs und ich dachte, okay, jetzt muss ich auch dabei sein. Habe ich gemacht und was mich sehr erschreckt hat, direkt nach der Anmeldung wurden wir ganz viele Leute vorgeschlagen, "das hier könnten deine neuen Freunde sein". Zu fast 100 % waren das Leute, die ich kannte. Dabei hatte ich mich gerade neu angemeldet und hatte nur meinen Namen und meine Mailadresse angegeben. Schon damals war klar, Facebook ist viel mehr als ein Ort, an dem man so ein bisschen miteinander kommuniziert. Facebook ist etwas Großes. Facebook weiß jede Menge über uns schon, bevor wir uns registrieren. Vermutlich deshalb wurde Facebook innerhalb kürzester Zeit sehr erfolgreich. Gestartet als kleine Plattform an der Elite Universität Harvard in den USA, wurde aus Facebook ein Gigant. Ein Konzern, der die Online- Kommunikation weltweit beherrscht. Rund 2,7 Mrd aktive Nutzer hat Facebook weltweit. Nutzer, die mindestens einmal im Monat aktiv dort unterwegs sind. Zum Vergleich: auf der ganzen Welt leben 7,7 Mrd Menschen, d.h., jeder 3. Mensch ist theoretisch bei Facebook unterwegs. Damit hat Facebook mehr Anhänger als das Christentum und mehr Anhänger als der Islam. Das alles sind Zahlen, die man sich nur schwierig vorstellen kann. Genauso wie die Umsätze, die Facebook immer wieder einfährt. Dahinter steckt Mark Zuckerberg. Mit gerade einmal 35 Jahren ist er einer der reichsten Männer der Welt. Könnte das irgendwann ein Ende haben? Könnte es mit Facebook den Bach runter gehen? Nutzt irgendwann niemand mehr die Plattform? Könnte das schon ziemlich bald sein? Schauen wir zuerst einmal an, was dagegen spricht. Bei diesem Punkt bleiben wir noch einmal bei den Zahlen, die sprechen eine eindeutige Sprache und sagen nein, das wird so schnell nicht passieren. Hier seht ihr einen Überblick über das Wachstum von Facebook, zwischen dem ersten Quartal 2017 und im ersten Quartal 2019. Abgebildet ist die Zahl der Leute, die Facebook mindestens einmal pro Monat aktiv nutzen. Insgesamt hat Facebook rund 400 Mio Nutzer dazubekommen. Das ist ungefähr fünfmal die Bevölkerung Deutschlands. Ein besonders großes Wachstum gab es dabei in Afrika und Asien. Regionen, in die Facebook erst nach und nach vordringt. Dass es in den USA und Europa weniger Zuwachs gab, lag einfach daran, dass hier schon sehr viele Leute bei Facebook sind. In Deutschland weit mehr als 30 Mio. Insgesamt geht die Kurve immer weiter nach oben. Es sind zwar weniger jüngere Menschen, die sich bei Facebook anmelden, aber dafür umso mehr ältere. Unterm Strich bleibt ein Plus. Das sind zwar Zahlen, die von Facebook direkt kommen, unabhängige Experten sagen, ja, das ist durchaus plausibel, was Facebook da meldet. Ganz klar ist, auch wenn das Wachstum nicht mehr das Ausmaß der ersten Jahre annimmt, kann von einem Rückgang der Nutzerzahlen nicht die Rede sein. Das gleiche gilt für die finanzielle Seite. Im letzten Quartal 2018 konnte Facebook einen Rekordgewinn einfahren. Also nicht Umsatz, sondern einen Gewinn von 6,8 Mrd $. Innerhalb eines Quartals. Im 1. Quartal 2019 war es dann zwar deutlich weniger, aber das ist normal zu Beginn eines Jahres. Also auch da läuft es. Der größte Umsatzbringer bei Facebook ist Online-Werbung. Hier ist Facebook mit Google absolut auf Platz 1 an der Weltspitze. Finanziell gesehen läuft es für Facebook gerade richtig gut. Es gibt noch einen Punkt, an dem man erkennen kann, ob es für eine Plattform gerade ganz ordentlich aussieht, nämlich die Mitarbeiterzahl. Die ist bei Facebook inzwischen auf 36.000 angewachsen. Das ist fast eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres. Eine unglaublich große Zahl, die da inzwischen dazugekommen ist. Für Facebook läuft es also. Könnte man meinen. Wäre da nicht das eine oder andere, das dagegen spricht. Genau das schauen wir uns jetzt an. Auch hier spielen Zahlen wieder eine entscheidende Rolle, die für Facebook gar nicht erfreulich sein dürften. Zum Beispiel gab es vor Kurzem eine Umfrage des Londoner Jugend-Marketing-Unternehmens ZAK. Das hat die unter 30-Jährigen gefragt, wer sind denn eure Top Marken? Facebook ist nicht unter den Top 10 gelandet. Auch nicht unter die Top 40, sondern war weit, weit hinten. Auf den ersten Plätzen Netflix, Amazon und YouTube. Auch andere Umfragen bestätigen dieses Bild. Zum Beispiel gibt es eine Untersuchung von Business Insider, das ist ein Onlinenachrichtenportal, die haben in den USA die 13 bis 21-Jährigen gefragt, "Welche sozialer Netzwerke habt ihr früher mal benutzt, benutzt ihr aber heute nicht mehr?". Was war auf Platz 1? Facebook. In Deutschland gibt es ein ganz ähnliches Bild. U.a. zeigt die Jugendstudie JIM, dass immer weniger junge Menschen Facebook nutzen, dass da massiv Nutzer verlorengehen. Der Trend ist ganz klar: Während Facebook nach wie vor bei den Älteren, das sind die über 40-Jährigen, gewinnt, ist es bei den Jüngeren genau umgekehrt. Da verliert die Plattform Nutzer. Momentan noch kein großes Problem, unterm Strich bleibt ein Plus, aber das könnte sich schnell ändern. Junge Menschen gelten als Trendsetter, was Social-Media-Plattformen angeht. Die Plattform, die sie nutzen, das sind auch die, die längerfristig funktionieren. Das war schon immer so: ICQ, Myspace, StudiVZ. Alles nach und nach verschwunden, als die jungen Nutzer dort keine Lust mehr hatten. Dieses Schicksal könnte auf Facebook ereilen. Irgendwann könnte die Plattform ein digitales Altenheim sein, auf der nur noch ältere Menschen unterwegs sind, die nach und nach sterben. Klingt makaber, aber das wird unterstrichen von einer Studie der Oxford University. Die Forscher haben herausgefunden, dass in etwa 45 Jahren mehr Tote als lebendige Nutzer unterwegs sein könnten. Sie haben einfach geguckt, wie alt sind die Leute, wie viele junge und ältere kommen dazu usw. Sie sind dann zu diesem Ergebnis gekommen. Mehr dazu erfahrt ihr unten beim Link in der Infobox Man könnte deshalb sagen, kurzfristig sieht es ganz gut aus für Facebook, aber längerfristig könnte sich das umkehren. Auch, weil aimmer wieder Veränderungen vorgenommen wurden, die nicht so gut ankamen. Z.B. Veränderungen im Feed. Oder ein zu langes Festhalten an Online-Spielen, die bei Facebook einfach nicht mehr funktioniert haben. Dann natürlich die Sache mit den Daten. Cambridge Analytica wäre da zu nennen. Dazu habe ich unten in der Infobox was verlinkt. Ein großer Datenskandal, kurz zusammengefasst: Facebook hat sensible Daten weiterverkauft, damit damit Wahlkampf gemacht werden kann. Das kann nicht gut an. Viele Nutzer sind verschwunden, die werden vermutlich auch nicht mehr zurückkehren. Schlecht für das Image. Schlecht ist auch, dass immer mehr Dienste gibt, die das anbieten, was Facebook anbietet. Allerdings nicht komplett, sondern nur in Teilen. Da gibt es einen Trend, dass man nicht nur eine App hat, sondern vier oder fünf. Es gibt z.B. Nextdoor. Ein Angebot für Leute, die mit der Nachbarschaft in Kontakt treten wollen. Es gibt auch Human Connection. Ein Netzwerk, das von Usern finanziert wird, das demnächst starten und Facebook Konkurrenz machen soll. Es differenziert sich immer mehr aus. Die Leute haben keine Lust mehr auf große öffentliche Kommunikation, sondern wollen verschiedene Teilbereiche. Genau von dieser Ausdifferenzierung könnte Facebook auf lange Sicht profitieren. Da sind wir bei einem kleinen Fazit und einer wichtigen Sache. Man muss unterscheiden zwischen dem sozialen Netzwerk Facebook und dem Konzern Facebook. Während es bei dem sozialen Netzwerk mal den Bach runter gehen könnte, sieht es für den Konzern insgesamt sehr gut aus. Das hängt vor allem mit einer Einkaufstour zusammen, die Mark Zuckerberg im Jahr 2012 und 2014 gemacht hat. 2012 hat Facebook Instagram gekauft. 2014 WhatsApp. Das sind genau die Dienste, die bei jungen Leuten besonders gut ankommen und die potentielle Geld bringen. Instagram hat inzwischen einen Anteil vom 15 % am gesamten Werbeumsatz von Facebook. Bei WhatsApp soll im kommenden Jahr auch Werbung am Start sein. Auch das bringt neues Geld in die Kassen von Facebook. Man ist nach wie vor hipp bei jungen Leuten, zwar nicht mehr mit der Hauptplattform Facebook, aber mit den anderen Angeboten und man verdient nach wie vor viel Geld. Tot ist Facebook noch lange nicht. Weder das soziale Netzwerk, noch der Konzern. Der Konzern könnte sogar noch mächtiger werden. Es gibt nur einen einzigen Gegenspieler, der da im Weg stehen könnte: Das sind nationale und internationale Regulierungsbehörden. Die haben in der Vergangenheit immer wieder versucht, die Macht von Facebook einzudämmen, es aber bisher nicht so wirklich gelungen. Mich würde interessieren, glaubt ihr das, oder sagt ihr nein, die besten Zeiten sind vorbei und jetzt geht es den Bach runter, ich nutze das Netzwerk nicht mehr usw. Schreibt es gern unten in die Kommentare und lasst uns ein bisschen darüber diskutieren. Es würde mich sehr interessieren, was ihr darüber denkt. mrwissen2go gibt es auch bei Facebook, hier ist der Link. Müsst ihr natürlich nicht, falls ihr überhaupt noch bei Facebook seid. Hier geht es zu einem Video der Kollegen von STRGF, zum Thema Instagram, wie man da ausspioniert wird. Direkt darunter ein Video von mir über das Darknet. Auch dort ist Facebook vorhanden. Vor allem für Menschen in ganz bestimmten Ländern. Warum, das erfahrt ihr in diesem Video. Danke fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.