Die österreichische Sprachenlandschaft
In Österreich sprechen wir überwiegend bairische Dialekte.
Die Ausnahme bildet Vorarlberg, ganz im Westen. Das bairische Sprachgebiet erstreckt sich von Süddeutschland aus nach Osten und nach Süden über fast ganz Österreich und bis nach Südtirol hinein. Über das ganze Gebiet hinweg verstehen wir uns recht gut, wenn es auch unterschiedliche Ausdrücke und Akzente gibt.
So hören wir gleich, ob jemand aus Bayern, Tirol, Kärnten, der Steiermark, Oberösterreich oder Salzburg oder aus dem Burgenland kommt. Ich komme aus Niederösterreich, und weil Wien, die Hauptstadt von Österreich, innerhalb von Niederösterreich liegt, das heißt im östlichen Teil eigentlich, habe ich eine ähnliche Mundart wie die Wiener.
Heutzutage reden natürlich viele Leute nicht mehr in den alten Dialekten, aber die Dialekte sind noch immer sehr lebendig.
Die Großstädte haben einen großen Einfluss auf ihre Umgebung und die Umgebung wird natürlich immer größer. In Österreich sind diese Großstadtdialekte natürlich vor allem die von Wien, Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt; die anderen Landeshauptstädte sind kleiner und unterscheiden sich deshalb nicht so von der Umgebung. Mehr und mehr junge Leute sprechen eine Umgangssprache, die zwar vom Dialekt beeinflusst ist, aber auch von der Standardsprache.
In der Schule müssen sie die Standardsprache sprechen. Das ist anders, als in der Schweiz, wo in der Schule auch der Dialekt, nämlich das Schweizer Deutsch gesprochen wird. Aber auch in Vorarlberg oder Tirol und vielleicht auch in manchen anderen Regionen ist der Dialekt auch in der Schule zu hören. Der Unterschied zwischen Dialekt und Hochsprache ist teilweise regional und teilweise sozial bedingt.
Das heißt, dass die Leute, die in Dörfern oder in Kleinstädten leben noch mehr die Mundart sprechen oder eine Umgangssprache, die weiter von der Standardsprache entfernt ist, als in einer größeren Stadt, wo es höhere Schulen gibt, wo das Bildungsniveau höher ist und wo die Leute mehr herumkommen, sei es aus beruflichen Gründen oder zur Ausbildung. Das Alter kann auch eine Rolle spielen, aber die Grenzen zwischen Dialekt und Hochsprache sind fließend und die Leute können sich meistens auf mehreren Ebenen ausdrücken und sich je nach Gesprächspartner auf ein bestimmtes Niveau einstellen.
Das beginnt schon beim Grüßen.
Wenn ich wo bin, wo ich fremd bin, wo ich die Leute nicht kenne, werde ich zuerst einmal höflich grüßen und Guten Tag sagen oder Grüß Gott. Das heißt, eigentlich sage ich Gr'ß Gott. Da hört man schon, dass das nicht die Hochsprache ist. Alle Grußformen haben so eine Kurzform, die vom Akzent gefärbt ist und die vom Dialekt beeinflusst ist. Ich kann ganz kurz „Tag“ sagen, ich kann „S'Gott“ sagen. Andere Grußformen verwende ich nur, wenn ich die Leute kenne oder wenn ich in einer Umgebung bin, wo solche familiären Grußformen üblich sind, zum Beispiel beim Sport oder beim Wandern. Einen starken Einfluss hat natürlich das Deutsche aus den nördlicheren Gegenden. Das heißt, dass wir heute alle „Hallo“ sagen statt österreichisch zu grüßen: „Grüß‘ dich, Servus“… Hallo ist eben heute überall zu hören, wie wenn man sich mit Tschüss verabschiedet. Wenn ich mich ordentlich auf Österreichisch ausdrücken will, sage ich „Grüß‘ euch, grüß‘ dich, auf Wiederschaun“ oder „Servus“. Für die meisten Leute ist die Mundart oder der Dialekt das, was sie als Kind als erstes gelernt haben, und deswegen ist es auch das, womit sie sich am ungezwungensten ausdrücken können.
Da ist mehr Gefühl drinnen, als wenn ich das in der Standardsprache sage. Die Standardsprache haben die meisten Leute erst in der Schule gelernt. Das heißt, dass die meisten Österreicher eigentlich zweisprachig sind. Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass meine Sprache eigentlich eine andere ist, als die, die ich in der Schule rede oder die, die ich beim Lesen verstehe und die ich auch schreiben kann, aber das ist nicht wirklich meine Muttersprache. Meine Muttersprache ist eigentlich ein Dialekt und die anderen Österreicher, die auch Dialekt sprechen, empfinden wahrscheinlich das gleiche. Darum reden wir sehr bald im Dialekt, wenn man sich näher kennen lernt. Wenn ich noch kurz über das Wienerische etwas sagen soll, dann fallen mir als erstes die Wienerlieder ein und auch der Heurige.
Ich bin zwar kein besonderer Freund des Heurigen (der ostösterreichischen Weinschenke), aber es geht um die Tradition, die dort noch zu finden ist, wo man auch noch Volkslieder hört in der Mundart und wo es eine ganz bestimmte Wienermusik gibt, die Schrammelmusik. Es gibt eine ganze Reihe von bekannten und berühmten Sängern, die im Wiener Dialekt gesungen haben und da merkt man, dass das auch wirklich noch lebendig ist. Es gibt sogar Popmusik, es gibt wirklich moderne hypermoderne Musik, die im Dialekt gesungen ist, und wer kennt nicht den Falco, den österreichischen Weltstar, der 1998 gestorben ist, und den man als ersten weißen Rapper bezeichnet hat, zum Beispiel mit „Rock me Amadeus“ und der auch den Dialekt, den Wiener Dialekt als Kunstsprache verwendet hat. Und so gibt es viele andere, von denen ich auch noch erzählen könnte.