Wie Online Dating unglücklich macht
Online-Dating – der Hoffnungsschimmer am Horizont heutiger Singles.
Im direkten Umfeld ist nur selten der Traumpartner dabei, aber das macht ja nichts: immerhin
bietet das Internet eine schier unendliche Auswahl an Dating-Portale und Apps, egal ob
Tinder, Lovoo, Parship und Co.
Und dort gibt es eine noch unendlichere Auswahl möglicher Beziehungs-Kandidaten.
Da sollte es doch ein Kinderspiel sein, den richtigen Partner finden, aber irgendwie…
ist das gar nicht mal so einfach.
Alle Kandidaten sind entweder zu langweilig, zu hochnäsig, zu dick, zu dünn, zu dumm,
zu monoton und haben noch dazu die völlig falschen Interessen… Und die, die mal passen
würden, schreiben nicht zurück.
Oder sehen in Wirklichkeit ganz anders aus als auf den Fotos.
Das sind die typischen Probleme, die vermutlich so ziemlich jeder mit Online Dating verbindet.
Aber in diesem Video wollen wir noch etwas tiefer gehen.
Du erfährst hier: Wie es sei kann, dass unter hunderten Kandidaten
irgendwie nie der Richtige dabei ist.
Warum dir deine Nase ein an sich vielversprechendes Date versauen kann
Und wie genau die bloße Existenz von Dating-Plattformen deine bestehende Beziehung gefährdet
Übrigens: falls du zu den Glücklichen gehörst, die Online ihren Traumpartner gefunden haben,
darfst du euch beiden gleich gratulieren, welche der folgenden Schwierigkeiten ihr gemeinsam
gemeistert habt.
Und falls nicht, gibts am Ende des Videos zwei alltagstaugliche Lösung, mit denen du
mehr Erfolg beim Daten hast.
Nehmen wir jetzt die Probleme vor dem ersten Date genauer unter die Lupe:
Die Versprechen diverser Partnervermittlungen und Dating-Apps sind ja teilweise recht groß:
dass sich niemand mit einer mittelmäßigen Beziehung zufrieden geben muss, dass jeder
den idealen Partner finden kann und dass dieser – je nach Plattform – ganz einfach per
Liebes-Algorithmus aus dem schier unüberschaubaren Angebot herausgefiltert wird.
In der Realität stoßen wir aber immer wieder auf das Online-Dating-Paradox: wir können
zwar aus unbegrenzt vielen kontaktwilligen Männern und Frauen auswählen, aber trotzdem
ist nie der Richtige dabei.
Komisch, oder?
Interessanterweise ist aber genau diese enorme Auswahl daran Schuld, weil sie uns vor die
sprichwörtliche Qual der Wahl stellt: Noch bevor überhaupt ein erstes Date zustande
kommen kann, ergeben sich daraus schon drei Probleme.
Nummer 1: Die Zeit.
Nach Insider-Schätzungen schauen sich Singles im Schnitt bei jedem Einloggen 200 Profile
an.
Keine große Überraschung also, dass sich die meisten Nutzer dann schnell überfordert
fühlen, alle diese Steckbriefe sorgfältig zu lesen und gegeneinander abzuwägen.
Der Durchschnittsnutzer ist pro Woche zwölf Stunden damit beschäftigt, sich auf Singlebörsen
Profile anzuschauen oder Nachrichten zu lesen, zu schreiben und zu beantworten.
Die ganze Arbeit bringt ihm dann gemittelt nicht mal 2 Stunden an Verabredungen ein.
Ein kurzes Date im Tausch gegen einen vollen Arbeitstag mit Suchen und Kontaktieren; das
ist schon ein ziemlich mageres Ergebnis.
Aber bei so vielen potentiellen Partner muss man ja irgendwie aussieben und das führt
zum zweiten Problem.
Um sich die Entscheidung zu erleichtern, wählen viele Menschen nach oberflächlichen Kriterien
aus.
Männer achten vor allem auf das Alter der Frau; alles um die 20 ist gut.
Frauen bevorzugen eher gleichaltrige Männer, aber legen dafür tendenziell mehr Wert auf
Körpergröße und den sozioökonomische Status des Mannes – sprich Bildung, Beruf, Besitz
und Banknoten.
Unabhängig vom Geschlecht treffen übrigens alle Nutzer ihre Dating-Entscheidung selten
danach, wie gelungen ein Profiltext formuliert ist, sondern insbesondere nach der Attraktivität
der abgebildeten Person.
Das liegt an einem psychologischen Phänomen, das tief in uns verankert ist: dem Halo-Effekt.
Dieser besagt, dass wir von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften
schließen.
Wenn ein Mensch zum Beispiel attraktiv wirkt, nehmen wir unbewusst an, dass er auch klug,
kompetent und vertrauenswürdig ist.
Ein offensichtlich dämlich Trugschluss, der natürlich auch beim traditionellen Dating
stört.
Aber bei einem echten Treffen können wir natürlich viel einfacher von unseren Qualitäten
überzeugen als durch ein bloßes Bild von unserem Gesicht.
Das bringt uns übrigens direkt zu Problem Nummer 3: dass unsere Ansprüche immer größer
werden.
Nicht selten entwickeln Nutzer eine regelrechte Shoppingmentalität; wollen also nur noch
das Beste aus dem umfangreichen Sortiment.
Und das hat teilweise kuriose Konsequenzen: Männer – egal ob 20, 40 oder 60 Jahre alt
– überfluten junge hübsche Frauen mit Kontaktanfragen, aber lassen die weiblichen
Singles jenseits der 30 häufig links liegen.
Die Damen entwickeln dafür ein übertrieben kritisches Auge: Nach Statistiken der Kontaktbörse
OkCupid beurteilten die Nutzerinnen über 80% der dort vertretenen Männer als ausgesprochen
unattraktiv.
Absolut bemerkenswert, weil per Definition höchstens jeder zweite Mann unterdurschnittlich
aussehen kann.
Falls du bisher den Eindruck gewonnen hast, dass das alles sehr negativ klingt… das
können wir noch überbieten!
Wer meint, dass nach dem sorgfältigem Online-Filtervorgang nur noch die perfekten Partner übrig bleiben,
der hat sich geschnitten!
Wenn es dann doch mal zu einem ersten Date in der wirklichen Welt kommt, stoßen wir
auf zwei neue Probleme.
Problem 1 - Diskrepanz zwischen Online und Offline-Person
Und am ersten hat jeder von uns mit Schuld!
Hand aufs Herz: lädst du irgendwo Bilder von dir hoch – ganz egal ob auf Instagram,
Facebook oder eben eine Dating Seite – auf denen du dich ehrlich präsentiert?
Auf denen du deine Seite zeigst, die morgens den Kampf gegen die schlecht sitzende
Frisur ohne 2 Kannen Kaffee nicht gewinnen kann
die, statt Samstagabend mal das Haus zu verlassen, lieber im Pyjama auf dem Sofa liegt und mit
einer XXL-Chips-Tüte Game of Thrones durchsuchtet oder die den seit Monaten überfälligen Besuch
im Fitnessstudio immer wieder dank fadenscheiniger Ausreden aufschiebt?
Natürlich nicht!
Keiner macht das!
Wir zeigen uns alle nur auf Hochglanz poliert von unserer Schokoladenseite.
Und insbesondere beim Online-Dating wird natürlich besonders gerne nachgeholfen.
Wie soll man den sonst ein Date bekommen?
Deshalb wird nicht nur bei den Fotos geschummelt, sondern auch im Bezug
auf körperliche Merkmale wie Alter, Größe und Gewicht
auf romantische Absichten, also ob Interesse an einer Beziehung oder nur Sex besteht,
auf den sozioökonomischen Status, sprich Beruf und Gehalt
oder auf Freizeitgestaltung und Hobbys
Tatsächlich ist der Durchschnitt der Online-Datenden überdurchschnittlich sportlich, beruflich
erfolgreich und gutverdienend.
Aber eben nur online.
Bei einem echten Treffen kommt die Wahrheit ans Licht und die Enttäuschung ist natürlich
vorprogrammiert.
Aber selbst wenn nicht, falls dir beim Date dein zu 100% ehrlicher Traumpartner gegenüber
sitzt, kann es passieren, dass die Chemie irgendwie nicht stimmen will.
Woran kann denn das schon wieder liegen?
Nun, ob es zwischen zwei Menschen funkt, wird erstmal nicht durch Faktoren wie Körpergröße,
Beruf, Lieblingsfarbe, politische Einstellung, oder musikalischen Vorlieben beeinflusst.
Dafür sind insbesondere die unbewusste Faktoren wie etwa der Klang der Stimme und vor allem
der Geruch ausschlaggebend.
Über chemische Botenstoffe, die sogenannten Pheromone, überprüfen wir nämlich unwillkürlich,
ob das Immunsystem unseres Gegenübers zu unserem passt.
Nur wenn das der Fall ist, gibt unser Körper das OK und es stellt sich ein Gefühl der
perfekten Chemie ein.
Also, selbst wenn dein Traumpartner auf dem Papier super aussieht, kann dir deine Nase
tatsächlich dein Traumdate verpatzen.
Aber gut, mal angenommen, du hast – allen Herausforderungen zum Trotz – den perfekten
Partner gefunden.
Dann kann dir Online Dating mit allen seinen Schwierigkeiten doch sonst wo vorbeigehen,
oder?
Das könnte man zwar annehmen, würde damit allerdings falsch liegen.
Hast du schonmal von dem Investitionsmodell von Rusbult gehört?
Ob wir eine Beziehung fortführen oder doch lieber beenden wollen, hängt dem Modell zufolge
im wesentlichen von 3 Faktoren ab.
Erstens Zufriedenheit: Wie sehr kümmert sich dein Partner um deine Bedürfnisse?
Zweitens Investition: Wie viele Ressourcen wurden in die Beziehung gesteckt und was verlierst
du, wenn deine Beziehung endet.
Zum Beispiel Freunde, das Haustier, oder das ganze Haus?
Drittens Alternativen: Wie erstrebenswert ist deine beste Alternative zu dieser Beziehung?
Und gerade der letzte Punkt ist ein großes Problem: Wir evaluieren ständig die Qualität
verfügbarer Partner in unserem Umfeld und schauen ob jemand Passendes dabei ist.
Aber das Internet weitet die Anzahl der verfügbaren Alternativen bis ins Unendliche auf.
Wenn dann in deiner Beziehung Konflikte auftauchen – und das passiert in jeder Beziehung – dann
kann es schon mal verlockend sein, statt die Probleme zu lösen, einfach den Partner auszutauschen.
Scheinbar vielversprechender Ersatz ist immerhin nur ein paar Klicks entfernt und das wirkt
sich nach dem Investitionsmodell nicht sehr positiv auf die Beziehungsdauer aus.
Klar, dieser Punkt trifft natürlich auch auf die traditionell offline entstandenen
Beziehungen zu, aber jemand der Online bereits einmal sein Glück gefunden hat, versucht
es in Zukunft vielleicht eher wieder.
Aufgrund all dieser Probleme ist es keine große Überraschung, dass in unserer eigenen
Umfrage im Community-Tab von den 1400 Menschen, die Online-Dating ausprobiert haben, gerade
mal jeder 10 zufrieden war. 30% hatten eher durchmischte Erfahrungen und über 60% waren
unterm Strich enttäuscht davon.
Zum Glück gibt es aber zwei Lösung, wobei die zweite mein persönlicher Favorit ist.
Erstens: Online Dating sinnvoller nutzen.
Und zwar als Katalysator, um möglichst schnell mit neuen Kontakten ein echtes Treffen auszumachen,
statt dutzende Matches anzuhäufen, mit denen du entweder viel zu viel, oder vielleicht
auch gar nichts schreibst.
Über einen Chat ist es nämlich annähernd unmöglich zu beurteilen, ob ihr im echten
Leben wirklich zusammenpassen werdet.
Falls du allerdings kaum Kontakte bekommst, kannst du vor allem zwei Dinge tun:
Deine Standards im Bezug auf Alter oder Optik etwas senken und es einfach mal auf ein Treffen
ankommen lassen.
Und deine Bilder optimieren, sprich hochqualitative Fotos, auf denen du eindeutig zu erkennen
bist.
Und vor allem, mit denen du ausdrückst, dass du unterhaltsam bist und Freunde, spannende
Hobbys und allgemein ein Leben hast.
Verschwommene, schlecht ausgeleuchtete Selfies aus dem Badezimmer sind keine gute Idee.
Das ist zumindest die stark gekürzte Fassung.
Bei Interesse kann ich dazu ein komplettes Video machen.
Und jetzt zu meinem Favoriten für bessere Dates – Lösung Nummer zwei: Offline Leute
kennenlernen, einfach auf der Straße oder in einer Bar ansprechen.
Klar, das traut sich natürlich kaum einer von uns, weil wir hier riskieren müssen,
öffentlich abgelehnt zu werden.
Und das fühlt sich in etwa so gut an wie ein Fausthieb auf die Nase.
Der Trick dabei ist deshalb, andere so anzusprechen, dass eine Zurückweisung entweder nicht mehr
wehtut, oder quasi nie vorkommt.
Und das geht tatsächlich!
Um das herauszufinden, bin ich durch die Stadt gezogen und habe etliche Menschen dazu befragt.
Die Ergebnisse und Tipps gibt es in einem weiteren YouTube-Video, dass ich dir in der
Infokarte oben rechts verlinke.
Falls es aktuell noch nicht online ist, kannst du den Kanal abonnieren, damit du direkt darüber
benachrichtigt wirst, sobald es fertig ist.
Aber um dir die eventuelle Wartezeit zu versüßen habe ich zu dem Thema noch einige weitere
spannende YouTube-Videos für dich rausgesucht.
Sind allesamt sehr empfehlenswert und in der Infobox unter diesem Video verlinkt.
Viel Spaß damit :)