×

우리는 LingQ를 개선하기 위해서 쿠키를 사용합니다. 사이트를 방문함으로써 당신은 동의합니다 쿠키 정책.

image

Youtube videos, Was wäre, wenn Deutsch Weltsprache geworden wäre?

Was wäre, wenn Deutsch Weltsprache geworden wäre?

Willkommen zur Lichtspieldarbietung

auf der Netzseite "Deine Röhre".

Freut mich, dass ihr als Gemeinschaft dabei seid

und es würde mich auch freuen,

wenn ihr am Ende ein "Mag ich" geben würdet.

Klingt seltsam, oder?

Aber so oder so ähnlich könnte es sich anhören,

wäre nicht Englisch, sondern Deutsch die dominierende Weltsprache.

Wie würde diese Welt dann aussehen und vor allem

wie wäre die Geschichte verlaufen?

Darum geht es jetzt, und ich kann schon mal sagen,

zumindest einer der beiden Weltkriege wäre uns evtl. erspart geblieben.

*Titelmusik*

Die Geschichte, mit der wir starten, kennen viele sicher schon.

Irgendwann Ende des 18. Jh. gab es in den

gerade neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika eine Abstimmung.

Und zwar darüber,

welche Sprache künftig offizielle Sprache des Landes werden sollte.

Zur Auswahl stand auch Deutsch.

Das Rennen ging los, das Repräsentantenhaus stimmte ab

und entschied sich letztendlich für Englisch.

Mit einer Stimme Mehrheit.

Diese eine Stimme kam ausgerechnet von einem Deutschen.

Nämlich von Frederick August Conrad Mühlenberg.

Dieser Deutsche hat gesagt, Englisch ist wichtiger

als Deutsch.

Und so wurde Englisch die Sprache der Vereinigten Staaten von Amerika

und letztlich auch zur Weltsprache.

Und ist bis heute die dominierende Sprache

überall auf der ganzen Welt.

Wenn ihr sie schon mal gehört und erzählt habt,

muss ich euch leider sagen, sie ist komplett falsch.

Wobei nicht ganz.

Eine Sache stimmt, der Name Frederick August Conrad Mühlenberg.

Den gab es tatsächlich.

Das war ein Deutscher, der als Politiker damals

in den USA ziemlich einflussreich war.

Aber die wahre Geschichte geht so:

Januar 1774.

Eine Gruppe deutscher Auswanderer oder Einwanderer, je nachdem,

legt im Repräsentantenhaus eine Petition vor, also eine Bitte.

In dieser Petition heißt es:

Künftig sollen alle Gesetze nicht nur auf Englisch,

schon damals vorherrschende Sprache,

sondern auch auf Deutsch erscheinen.

Das Repräsentantenhaus stimmt ab und das Ergebnis:

42 Stimmen sagen nein.

41 Stimmen sagen ja.

Und unter den 42 Nein-Stimmen ist auch die von

Frederick August Conrad Mühlenberg.

Er sagt, wer echter Amerikaner werden möchte,

der muss auch die Sprache lernen, die hier vorherrschende Sprache.

Denn das ist ganz interessant.

Bis heute gibt es keine offizielle Landes- bzw. Amtssprache in den USA.

Darüber wurde auch niemals abgestimmt.

Es ging damals eben nur um Gesetzestexte.

Die Frage ist aber,

warum hat sich die Geschichte dann so durchgesetzt und gehalten?

Warum erzählt man sie sich bis heute auch in Deutschland?

Dafür müssen wir noch mal 150 Jahre in die Zukunft springen.

Nämlich in die 1930er-Jahre.

Als in Deutschland die National- sozialisten an der Macht waren.

Und auch in den USA gab es v.a. Deutschstämmige, die gesagt haben:

Was die Nazis machen, ist gut. Das wollen wir auch in den USA haben.

Sie gründeten den Amerikadeutschen Bund.

Meistens einfach Bund genannt.

Er machte große Veranstaltungen z.B. im Madison Square Garden in New York

mit mehr als 20.000 Menschen.

Er hatte eigene Zeitungen

und verbreitete immer wieder eine Theorie.

Nämlich die, dass das Deutsche über allem steht.

Und dass das Deutsche fast auch über den USA gestanden wäre,

hätte es da nicht diese eigene Stimme dagegen gegeben.

Und diese Legende von der Abstimmung über Deutsch als Sprache in den USA

wurde damals besonders verbreitet

und zwar so erfolgreich, dass wir sie uns bis heute erzählen

und dass bis heute viele glauben, ja, das war tatsächlich so.

Dabei ist das alles zum Großteil erfunden.

Heute, im 21. Jh., ist Deutsch, vorsichtig gesagt,

nicht so wirklich wichtig. Schauen wir uns mal die Zahlen an.

Unter den Top 15 der Sprachen weltweit

ist Deutschland auf Platz 13.

Hinter Telugu, das in Südindien gesprochen wird

und Javanisch aus Indonesien.

Rund 100 Mio. Menschen in 19 Ländern sprechen Deutsch.

Klingt erst mal viel, ist aber im Vergleich gar nichts.

Auf den ersten Plätzen liegt Chinesisch

als Sammelbegriff für die Familie chinesischer Sprachen

mit 1,3 Mrd. Menschen.

Dann kommt Hindi mit 550 Mio.,

Spanisch mit 449 Mio.

und Englisch mit knapp 400 Mio.

Die Zahlen führen etwas aufs Glatteis.

Englisch gilt zwar als Weltsprache Nr. 1

und ist Landessprache in 36 Ländern,

so viel wie nirgendwo sonst.

Allerdings liegt das mit einem weltweiten Anteil von 5,3 %

nur auf Platz 4.

Trotzdem gilt Englisch heute als die dominierende Sprache weltweit.

Egal ob in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik,

überall wird Englisch gesprochen.

Und das hat v.a. mit der Geschichte zu tun.

Und mit zwei Tatsachen.

Einmal damit, dass Großbritannien, das Vereinigte Königreich

Langezeit die dominierende Macht war.

Überall Kolonien hatte, Länder beeinflusst hat.

Und auch mit seiner Sprache andere Länder beeinflusst hat.

Und es hat mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun.

Nie waren die USA beliebter als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Auch in Deutschland.

Die USA galten als die Macht,

die den Westen wieder aufbaut, überall Geld reinpumpt,

dafür sorgt, dass es anderen Ländern wieder gutgeht.

Dementsprechend kam auch die Sprache gut an, hatte ein gutes Image.

Jeder wollte Englisch sprechen,

die amerikanische Kultur war die vorherrschende.

Daran haben sich alle orientiert.

Und das hat sich im Westen, aber auch im Rest der Welt

zu einem großen Teil bis heute nicht geändert.

Dazu muss man sagen, das war nicht immer so.

Vor 100 oder 150 Jahren sah es so aus,

als könnte auch eine andere Sprache diesen Status einnehmen.

Z.B. Deutsch.

In der Wissenschaft z.B. wurde v.a. Deutsch gesprochen.

Weil viele der einflussreichsten Wissenschaftler auf der Welt

in Deutschland lebten, auf Deutsch veröffentlichten,

und daran haben sich viele orientiert.

Dann gab es zwei Ereignisse, die das komplett geändert haben

und Deutsch ins "Jenseits" befördert haben.

Ihr könnt es euch denken. Der Erste und Zweite Weltkrieg.

Während des Ersten, v.a. aber des Zweiten Weltkriegs,

wurden Deutsche in den USA z.B. teilweise in Lager gesperrt.

Weil man befürchtete, sie wären Agenten, Spione.

Ihre Bücher wurden verbrannt, sie durften nicht deutsch sprechen usw.

Ein dunkles Kapitel, über das heute kaum noch gesprochen wird.

Ich hab euch dazu was in der Infobox verlinkt.

Die Folge war, dass Deutsch die Sprache des Bösen wurde,

die niemand sprechen durfte.

Dementsprechend verlor sie ihren Status.

Davon hat sie sich bis heute nicht erholt.

Auch wenn das Goethe-Institut herausgefunden hat,

dass Deutsch die viertbeliebteste Fremdsprache weltweit ist.

Aber den Status, den Deutsch vor 100, 120, 150 Jahren hatte,

wird es vermutlich nie wieder einnehmen können.

Aber was wäre, wenn die Geschichte anders verlaufen wäre?

Wenn Deutsch diesen Status bekommen hätte

und bis heute hätte?

Springen wir mal wieder zu der Geschichte vom Anfang.

Ende des 18. Jh.

Deutsche Auswanderer bringen eine Petition vor das Repräsentantenhaus,

in der sie darum bitten, darüber abstimmen zu lassen,

ob Deutsch offizielle Amtssprache

der Vereinigten Staaten werden könnte.

Und das Repräsentantenhaus entscheidet sich mehrheitlich dafür.

Auch der Präsident gibt seinen Segen.

Und ab dann ist klar: Deutsch wird die Sprache der USA.

Alle Amerikaner müssen Deutsch als ihre Sprache Nr. 1 behandeln,

und das machen sie auch.

100 Jahre später ist es selbstverständlich,

dass überall in den USA Deutsch gesprochen wird.

In den Schulen wird auf Deutsch unterrichtet.

An Universitäten, in Wissenschaft und Wirtschaft,

überall wird Deutsch gesprochen.

Das hat auch politische Auswirkungen.

Die schwierigen Beziehungen zwischen Großbritannien und den USA,

die man aus dem Unabhängigkeitskrieg kennt,

bleiben bestehen.

Die USA suchen sich einen neuen Verbündeten.

Nämlich das deutsche Kaiserreich.

Und Österreich-Ungarn, wo eben auch Deutsch gesprochen wird.

Es gibt eine enge Beziehung, engen Austausch.

Das wirkt sich auf andere Bereiche aus.

Z.B. auf die Wirtschaft.

Deutsch sein und die deutsche Sprache sind um 1900 herum

absolut angesagt.

Nicht nur in den USA, auch in anderen Ländern,

die sich daran orientieren und sagen: Das finden wir gut.

In den USA selbst bricht eine regelrechte Deutsch-Mania aus.

Man überlegt sogar, den Präsidenten in Kaiser umzubenennen.

Einfach, weil man das so toll findet.

In dieser Situation spitzt sich die weltpolitische Lage weiter zu.

Es kommt tatsächlich zu einem großen, weltweiten Krieg.

Allerdings sind die Seiten ganz anders verlagert,

als wir das in der Realität erlebt haben.

Auf der einen Seite sind England, Frankreich, Russland.

Auf der anderen Seite das deutsche Kaiserreich, Österreich-Ungarn

ein paar andere Mächte und die Vereinigten Staaten.

Durch die Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika

nimmt der Krieg einen ganz anderen Verlauf als in der Realität.

Er geht nur zwei Jahre bis 1916

und endet mit einem großen Sieg

des deutschen Kaiserreichs, Österreich-Ungarns und der USA.

Die schicken zuerst nur Waffen,

später Soldaten und letztendlich entscheiden sie den Krieg mit.

Danach ist nichts mehr so, wie es war.

Und es gibt eine völlig veränderte Weltlage.

Sie wird maßgeblich beeinflusst durch einen Vertrag,

der zum Ende des Krieges geschlossen wird.

Er vergrößert die Reiche Deutschlands und Österreich-Ungarns massiv.

Zulasten anderer Länder, z.B. Frankreichs oder Polens.

Einige Jahre später kommt es dann zu etwas,

was man immer wieder überlegt, aber verworfen hat.

Jetzt wird es umgesetzt.

Man vereinigt Deutschland und Österreich

zu einem Großdeutschen Reich.

Dieses Großdeutsche Reich dominiert fast ganz Europa.

Entweder direkt oder indirekt.

Und dann hat dieses Reich eben noch einen mächtigen Verbündeten.

Nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika.

Wäre das wirklich so gut gewesen?

Das ist schwer zu sagen, und wir sind eh stark

im Bereich des Spekulativen unterwegs.

Überlegen wir weiter. Wir haben das große Blockbündnis im Westen.

Was haben wir im Osten?

Da haben wir Russland bzw. die Sowjetunion.

Die hätte es ja auch gegeben.

Die hätte sich auch immer weiter vergrößert.

Es wäre also vermutlich zu einem kalten Krieg der Mächte gekommen.

Der hätte schon viel früher begonnen, vielleicht mit einem Wettrüsten.

Oder mit einem Atomkrieg, der die Welt an den Abgrund gebracht hätte.

Man weiß es nicht.

Und noch etwas hätte schädlich sein können für dieses Großdeutsche Reich.

Zum einen hätte es viele Minderheiten gegeben,

die eigene Sprachen gehabt hätten.

Die hätten irgendwann zur Rebellion aufgerufen.

Zur Rebellion hätte es auch kommen können,

weil es den Kaiser gegeben hätte.

Deutschland wäre keine Demokratie gewesen.

Das hätte auf Dauer vielen vermutlich nicht gepasst.

Weil man in Amerika gesehen hätte, dass es da ganz anders läuft.

Das Großdeutsche Reich hätte an seiner Größe zerbrechen können,

wie viele andere Reiche vor ihm auch schon,

z.B. das Römische Reich oder auch das Persische Reich.

Möglich wäre das gewesen, aber man weiß es natürlich nicht.

Aber sagen wir mal, alles wäre optimal verlaufen.

Deutschland wäre zur Demokratie geworden,

die Mächte hätten sich geeinigt.

Es hätte keinen großen Krieg gegeben usw.

Wie wäre die Situation heute?

Deutsch wäre vermutlich die Sprache,

die die meisten Menschen auf der Welt sprechen würden.

Egal, wo wir hinreisen, wir können davon ausgehen, man versteht uns.

Das Internet wäre auf Deutsch.

Begriffe wie Post, Link, Community würde es so nicht geben.

Die gebe es, aber die würde keiner benutzen,

es gebe deutsche Wörter.

Facebook, YouTube, alles würde anders heißen.

Aus heutiger Sicht klingt es komisch, aber vermutlich wäre es so gewesen.

Die amerikanische Kultur wäre nicht vorherrschend,

sondern die deutsche.

Hollywood, Silicon Valley usw.

Das gäbe es sicherlich, aber in einer anderen Prägung.

Ob man das gut findet oder nicht, muss jeder für sich entscheiden.

Was bedeutet das unterm Strich?

Zuerst mal muss ich sagen, das ist natürlich meine Interpretation.

Es hätte auch ganz anders laufen können.

So genau weiß das niemand. Alles Spekulation.

Habt ihr noch Ideen? Schreibt's gerne in die Kommentare.

Klar ist aber, das Deutsche, die Sprache und auch die Kultur,

hätten heute einen anderen Status.

Vielleicht auch deutsches Essen. Ob das gut wäre, sei dahingestellt.

Apropos Geschichte, ich hab noch eine Empfehlung.

Hier oben auf dem I kommt ihr zum Kanal "MrWissen2go Geschichte".

Ein Extrakanal für Geschichtsthemen.

Vielleicht kennt ihr ihn, den kann ich empfehlen.

Und empfehlen kann ich auch dieses Video.

Was wäre, wenn Hitler den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte?

Eines der meistgewünschten Themen der letzten Jahre von euch.

Würde mich freuen, wenn ihr in das Video reinschaut.

Wie gesagt, auch das höchst spekulativ.

Danke für eure Meinungen und fürs Zuschauen.

Bis zum nächsten Mal.

Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)

Learn languages from TV shows, movies, news, articles and more! Try LingQ for FREE