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Neue Medien für neue Utopien | TEDx

Übersetzung: Sarah Braun Lektorat: Nadine Hennig

Ich möchte heute mit euch auf eine kleine Traumreise gehen.

Ich bitte euch darum, euch einmal vorzustellen,

wie eine ideale Stadt aussieht.

Eine Stadt, in der ihr das Auto nicht braucht,

in der ihr eure Nachbarn kennt,

in der das Obst, das Gemüse, Tee, alle möglichen Lebensmittel,

so nahe wie möglich produziert werden.

Eine Stadt, in der Platz ist für jeden,

egal welche Hautfarbe, welches Alter, was die Person verdient.

Und dann einfach überlegen:

Ist das möglich? Gibt es so eine Stadt?

Es gab immer mal wieder Zukunftsvisionen, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte,

und viele davon sind gescheitert.

Das ist das Ihme-Zentrum in Hannover.

Es ist in den 60er Jahren am Reißbrett entworfen worden.

Wir sehen hier unten, das ist der Einkaufsbereich,

darüber sind Büros und darüber sind Wohnungen.

Knapp 2400 Menschen wohnen dort drin -- 900 Wohnungen,

und der Gewerbebereich, das sind 300 000 m².

Das Ihme-Zentrum galt in den 60er Jahren als Vorbildprojekt.

Es ist die Stadt in der Stadt, also integrativ,

man fährt unten rein mit seinem Auto,

und braucht sich danach nicht mehr bewegen.

Man hat alles, alle Service- Dienstleistungen, alle Läden.

So sah es da vorher aus.

Das heißt, das ist eine der größten Transformationsimmobilien in Hannover

nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen.

Das hat ein bisschen was damit zu tun, weil es zu der Zeit anfing,

dass in den westlichen Ländern die Industrie abwanderte

und auf einmal entdeckten die Menschen ihre Städte wieder.

Daher kommt auch dieser Boom,

dass alle Leute wieder in Altbauten ziehen wollten.

Das wurde abgerissen und darauf wurde dann das Ihme-Zentrum gebaut.

Das Ihme-Zentrum war so beliebt am Anfang, dass es dreieinhalb Mal größer wurde,

als überhaupt genehmigt und geplant.

Es ist vor allem ein Prestige-Objekt gewesen.

Natürlich gab es dort auch Sozialwohnungen am Anfang,

aber es ist vor allem ein Prestige-Objekt,

weil diese Wohnungen sind modern geschnitten,

sie sind barrierefrei und man hat zum Beispiel Service-Dienstleistungen

wie Müllschlucker, einfach was, das sehr neu war,

und gleichzeitig zum Teil eine sehr luxuriöse Ausstattung,

weil die obersten Stockwerke liegen zum größten Teil direkt am Wasser,

mit Blick auf die Innenstadt von Hannover, beziehungsweise nach Süden, in die Sonne.

Ein großer Teil von denen sind sogar zweistöckig mit Dachgärten.

Es ist also hier sehr viel richtig gemacht worden, was das Wohnen angeht.

Der Gewerbebereich sieht seit zehn Jahren so aus.

Das hat verschiedene Gründe:

natürlich einerseits der Strukturwandel generell im Einzelhandel,

andererseits hat Anfang der 00er Jahre eine amerikanische Investment-Gesellschaft

den gesamten Gewerbebereich übernommen und wollte eine "Luxus-Mall" darauf bauen,

und dann kam die Finanzkrise.

Seitdem sieht das so aus.

Ihr müsst euch vorstellen, dort oben wohnen Menschen,

die jeden Tag durch so etwas gehen müssen.

Es ist mitten in Europa.

Wir haben hier also sozusagen eine Utopie, die gescheitert ist.

In Hannover gibt es wenige Themen sonst, die polarisieren wie das Ihme-Zentrum.

Ich wollte wissen, was an den ganzen Legenden dran ist.

Ich meine, sowas lädt zu Verschwörungstheorien ein,

dass hier viel Kriminalität stattfindet, viele Verbrechen und so was.

Also habe ich mir überlegt, ich analysiere einfach einmal:

Erstens, wie ist es dazu gekommen?

Und zweitens, wie können wir das ändern?

Im Grunde genommen bediene ich mich da der Nachhaltigkeitswissenschaften.

Ich mache eine Umweltanalyse, das kennt der ein oder andere von euch,

kommt zum Beispiel aus der Ökologie: Warum ist ein Fluss verdreckt?

Wie ist es dazu gekommen und was für Auswirkungen hat das eigentlich

auf den Menschen, auf die Wirtschaft, aber auch auf die Natur?

Weil es kann auch so aussehen.

Ich habe vor knapp einem Jahr damit angefangen,

mich damit zu beschäftigen.

Im ersten Aufschlag habe ich Wissenschaftler gefragt,

alle möglichen Fachrichtungen, von Architektur, Stadtentwicklung,

Designer, aber auch Elektrotechniker,

einfach was die Stoffkreisläufe innerhalb des Hauses angeht.

Ich habe nach und nach für mich selber entdeckt,

so ist es passiert, so ist es gekommen,

das und das wurde falsch geplant, und kann man das heutzutage anders machen?

Damit das Ganze auch eine ganz andere Wertigkeit bekommt,

und weil es mir nicht reicht, nur mit den Wissenschaftlern zu sprechen,

sondern auch, weil ich denke, dass Gefühle, Emotionen

einfach genau so wichtig sind bei so einer Analyse,

bin ich vor knapp einem Jahr auch reingezogen.

Einfach um zu gucken, was macht das mit mir selber?

Ich bin da mit ganz vielen Vorurteilen

und auch mit ein bisschen Angst reingegangen.

Ich habe euch den Bereich ja gezeigt, so unwirtlich sieht es aus,

und ich habe nach sehr, sehr kurzer Zeit erlebt,

dass diese ganzen negativen Gerüchte alles wirklich nur Gerüchte waren.

Weil das Leben da drin ist toll.

Für mich ist das Ganze auch nur ein Symbol.

Wir haben hier eine geplante Stadt,

die sich komplett im Privatbesitz befindet,

von bis zu 560 unterschiedlichen Parteien.

Der Wohnbereich funktioniert,

aber der Gewerbebereich funktioniert nicht.

Wir sehen hier, es wirkt natürlich sehr abschottend.

Das liegt auch ein bisschen an diesem Baustil,

das nennt sich "Brutalismus".

Das hat erstmal nichts mit Brutalität zu tun,

sondern kommt direkt aus dem Französischen,

heißt "béton brut", der rohe Beton.

Für mich ist es inzwischen so, dass ich nicht nur analysiere,

wie ist es dazu gekommen, was macht das mit den Menschen,

nein, das reicht mir nicht.

Sondern ich habe angefangen, einen Blog zu führen,

ich biete auch Rundgänge an, und ich bitte euch auch:

Schaut nicht, wie es aussieht, sondern stellt euch einfach vor,

dort wäre Platz, um alle eure Ideen,

um eine nachhaltige Stadt der Zukunft zu gestalten.

Was ist denn, wenn wir zum Beispiel oben Solarzellen

und vertikale Windkraftanlagen aufbauen?

Was ist denn, wenn wir zum Beispiel unten einen Zugang zum Wasser herstellen,

wenn wir Künstler bitten, die Fassade schön anzumalen,

wenn wir vertikale Gärten haben, wenn wir urbane Farmen reinbauen?

Platz genug ist da.

Wir brauchen einfach nur ein bisschen Mut, weil diese Probleme,

und das merke ich jetzt, nach knapp einem Jahr Analyse,

die Probleme, die dieser Komplex hat,

es ist immerhin das größte Betonfundament Europas,

die sind alle technologisch lösbar.

Das Einzige, was fehlt, ist einfach wirklich Mut.

Ihr müsst euch vorstellen, das steht mitten in der Stadt in Hannover,

und alle Leute, die daran vorbeigehen, haben sofort eine Meinung dazu,

und auch ganz viel Angst,

und ganz viele Leute sagen, wir sollten das einfach wegbomben.

Ich bin Nachhaltigkeitsagent, ich finde das schwachsinnig.

Erstens, diese rund 900 Wohnungen

gehören insgesamt rund 550 Menschen, unterschiedlichen Parteien.

Die wohnen da gerne.

Einfach wegen der Lebensqualität.

Zweitens, es ist auch, was den Stoffkreislauf,

oder was die finanzielle Aufwendung angeht,

völliger Schwachsinn, so ein Ding abzureißen.

Ich meine, in den 60er Jahren

wurde es mit anderen Vorstellungen der Zukunft gebaut,

und wir müssen es ausbaden, aber wir können es ja umbauen.

Das wird jeder Architekt sofort sagen:

Neu schaffen, neu bauen führt nicht unbedingt zum besten Ergebnis,

Bauen im Bestand ist einfach Zukunft und Nachhaltigkeit.

Meine Aktion sorgt in Hannover für viel Aufmerksamkeit.

Wie schon gesagt, das Ihme-Zentrum ist eines der Gebäude,

oder der Themen Hannovers, die polarisieren,

und auf einmal war ich,

ich mache da in meinem Freundeskreis immer einen Witz drüber,

der Hipster, der reinzieht und die Gentrifizierung auslöst;

es sorgte für Aufmerksamkeit.

Hier sehen wir zum Beispiel:

Ich biete Rundgänge mehrfach im Monat an, ich nehme dafür kein Geld,

ich sage einfach: "Kommt, ich erkläre euch,

wie es wirklich passiert ist", und vor allem, ganz wichtig:

Ich erkläre euch, es ist kein Slum.

Hier wohnen Menschen, es ist die Heimat für 2 400 Menschen, die wohnen hier gerne.

Das löst bei Leuten was aus.

Wenn ich die Geschichte erzähle, wie es dazu gekommen ist;

Menschen verbinden das sofort mit dem, was sie kennen,

und schauen dann in ihrer Nachbarschaft auch nach:

Was ist denn zum Beispiel bei mir schief gelaufen,

was die städtische Planung angeht oder auch, was die private Planung angeht.

Wie schon gesagt, wir haben in diesem Bereich der Stadtentwicklung

immer mehr Stadtviertel in allen Großstädten,

die in einer Transformation stecken.

Das sind ehemalige Industriebereiche, das sind Häfen,

das sind aber auch diese Großkomplexe aus den 60er Jahren, oder auch Kasernen.

Ich meine, wir befinden uns hier auf einer ehemaligen Kaserne.

Mein Ansatz ist, zu sagen: Wir nehmen diese Transformationsmobilien,

wie sie genannt werden, und stellen uns einfach vor,

wie wir selber darauf leben wollen.

Ob das dann alles realisiert wird, das ist die Frage, aber es geht darum,

einfach mal einen anderen Blick darauf zu bekommen,

außer zu sagen: "Das gefällt mir ästhetisch nicht, das muss weg."

Das funktioniert einfach nicht.

Als Teil dieser Analyse,

dass ich mit Menschen spreche, die sich damit beschäftigen,

die auch Leidenschaft für ihr Fach haben, frage ich die Menschen auch immer:

"Was habt ihr für eine Vision?"

Es ist unfassbar, was für Ideen ich bekomme.

Ich kriege täglich E-Mails, oder auch teilweise Briefe,

worin Leute sagen: "Ich kann mir vorstellen,

dort oben einen Campus einzubauen."

Wer Hannover kennt,

die Hochschule Hannover muss an einem Expo-Gelände sein,

das ist eine Dreiviertelstunde aus der Innenstadt entfernt,

das ist eine unwirtliche Gegend.

Seit der Expo ist das genau so verfallen wie viele andere Bereiche auch.

Warum holen wir nicht alle Studenten, die sowieso in diesem Viertel wohnen,

das ist das angesagteste Viertel der Stadt,

holen wir sie her und bauen einen Campus?

Oder wir begrünen das Ganze, oder wir schaffen einfach Fläche,

teilweise auch für Zwischennutzung, ob es kulturell ist,

oder für Mehrgenerationen-Projekte,

oder einfach indem wir Flüchtlinge mit einbinden.

Die Ideen sind da.

Ich kriege täglich Ideen.

Das ist das, was ich mit dem ganzen Projekt auch machen möchte.

Ich weiß nicht, wer von euch den Bilbao-Effekt kennt?

Das ist eine Stadt in Nordspanien, eine alte Arbeiterstadt,

sehr dreckige Bergarbeiterstadt.

Die haben vor 20, 30 Jahren ein Museum für moderne Kunst bekommen.

Auf einmal wurden sie ganz anders wahrgenommen in der Welt.

Auf einmal wurden sie zum touristischen Hotspot.

Das hat die ganze Stadt geändert.

Das hat dazu geführt,

dass jede Großstadt inzwischen so ein Leuchtturmprojekt haben will,

meinetwegen die Elbphilharmonie, oder das Space Centre in Bremen.

Jede Stadt will ein Leuchtturmprojekt, was Aufmerksamkeit schafft.

Mein Ansatz ist, zu sagen, wir machen den "Hannover-Effekt":

Wir bauen nicht neu, sondern wir bauen im Bestand,

und wir machen aus dem Ihme-Zentrum, einer vermeintlichen Bauruine,

die nachhaltige Stadt der Zukunft.

Wenn Ihr Lust habt, zeig ich euch das, wie das funktioniert.

Vielen Dank.

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