Grundlagen der Intonation im Deutschen
Hallo!
Wie geht es euch?
Hattet ihr einen schönen Tag?
Schön, euch wiederzusehen!
Hallo!
Ich begrüße euch bei fröhlich:-Deutsch!
Mein Name ist Michaela Fröhlich, ich bin Deutschlehrerin und heute beschäftigen wir
uns mit den Grundlagen der Intonation.
Wenn ihr möchtet, könnt ihr deutsche Untertitel aktivieren.
Warum ist die Intonation eigentlich so wichtig zu lernen?
Es ist tatsächlich das Erste, was wir von einer Sprache wahrnehmen.
Wir verstehen eigentlich noch nichts, wenn wir das erste Mal eine Fremdsprache hören,
aber was wir wahrnehmen können, sind verschiedene Tonhöhen, ist eine gewisse Melodie in der
Sprache.
Und auch, wenn einige meinen, das Deutsche sei ein wenig monoton, ist es das natürlich
nicht.
Auch wir haben eine ganz typische Sprachmelodie.
Oder rede ich so wie der Roboter am Anfang?
Nein, ich hoffe nicht.
Außerdem kann es wirklich schwierig sein, jemandem zu folgen oder jemanden überhaupt
zu verstehen, wenn die Intonation nicht stimmig ist, und deshalb ist es wirklich wichtig,
dass wir uns ein wenig mit diesen Grundlagen beschäftigen.
Und dazu werde ich euch gleich einige Beispiele zeigen.
Und ja, das Thema ist natürlich ziemlich groß, aber wir schauen uns erst mal an, was
ihr für den Anfang wissen müsst.
Wir beginnen mit einem einfachen Aussagesatz und ihr könnt zunächst einfach zuhören
und schauen, welche Melodie ihr dabei hört.
"Am Samstag gehe ich ins Kino."
"Am Samstag gehe ich ins Kino."
Ich summe es einmal mit, damit ihr euch nur auf die Melodie konzentrieren könnt.
"Am Samstag gehe ich ins Kino."
Wie ihr vielleicht gehört und auch gesehen habt, gibt es einen ganz bestimmten melodischen
Verlauf.
Wir beginnen zunächst einmal gleichbleibend in der Tonhöhe, dann steigt der Ton auf der
akzentuierten Silbe - damit beschäftigen wir uns in einem anderen Video - und am Ende
fällt die Stimme ziemlich weit ab.
Und das ist etwas, was ganz typisch ist für das Deutsche, dass wir sehr oft mit der Stimme
abfallen, also nach unten gehen am Ende einer Aussage, eben nicht nur in so einem einzelnen
Satz, sondern auch, wenn wir gedanklich mit unserer Aussage am Ende sind, so wie jetzt.
Während die Stimme also am Ende einer Aussage fällt, ist es anders in z.B.
Nebensätzen oder wenn wir noch eine Aufzählung haben oder Ähnliches, wie ihr das vielleicht
auch jetzt schon bei mir hört.
Aber ich gebe euch noch einmal ein Beispiel.
"Am Samstag habe ich keine Zeit, weil ich ins Kino gehe."
"Am Samstag habe ich keine Zeit, weil ich ins Kino gehe."
Wir hören, dort, wo wir im Schriftlichen den Satz mit einem Komma abtrennen, machen
wir oft so eine kleine Pause, die man vielleicht kaum hört, aber die Pausen sind eigentlich
da und bis dahin steigt die Stimme tendenziell oder wird zumindest an dem Ton oder an diesem
Punkt gehalten, um dann anschließend am Ende der Aussage wieder abzufallen.
Interessanter ist es eigentlich bei den Fragen, denn wie ihr wisst, gibt es dort verschiedene
Fragen, die wir stellen können.
Es gibt sogenannte W-Fragen, die beginnen mit Fragewörtern wie "Wer, was, wie, warum,
wozu" und so weiter, also alle mit W, und es gibt die geschlossenen Fragen oder auch
Ja-/Nein-Fragen oder Entscheidungsfragen, d.h., wir können mit "ja" oder "nein" antworten.
Es gibt auch noch Alternativfragen, die wir mit "oder" stellen, und wir werden uns jetzt
mit den Fragetypen beschäftigen, denn auch hier gibt es Unterschiede in der Intonation.
So, welchen Unterschied könnt ihr hören zwischen den folgenden beiden Fragen:
"Was möchtest du trinken?"
"Möchtest du einen Kaffee trinken?"
Ich wiederhole noch mal und blende euch den Verlauf ein: "Was möchtest du trinken?"
"Möchtest du einen Kaffee trinken?"
So, wir hören, die erste Frage war eine W-Frage mit "was" und die zweite Frage war eine geschlossene
Ja- oder Nein-Frage.
Ich kann sagen: "Ja, ich möchte einen Kaffee trinken", oder: "Nein, ich möchte keinen Kaffee
trinken."
So, und der Unterschied im melodischen Verlauf dieser beiden unterschiedlichen Fragen ist,
dass in der Regel - Ausnahmen gibt es immer - aber in der Regel geht eine W-Frage am Ende
der Frage mit der Stimme nach unten und eine geschlossene Ja-/Nein-Frage geht mit der Stimme
nach oben.
"Was möchtest du trinken?"
"Möchtest du einen Kaffee trinken?"
Ja, bei den W-Fragen erlebe ich eigentlich die häufigsten Missverständnisse oder manchmal
erhalte ich sogar nicht einmal eine Reaktion, weil niemand eigentlich sich angesprochen
fühlt oder überhaupt merkt, dass es sich um eine Frage handelt.
Das erlebe ich eher allerdings auf A1-, vielleicht noch auf A2-Niveau, in höheren Niveaus in
der Regel nicht mehr.
Ja, aber auch, wenn es sehr einfache Fragen sind, einfach, weil man erwartet, dass man
mit der Stimme noch oben geht und nicht nach unten, wie es in der Regel bei W-Fragen der
Fall ist.
Hören wir uns jetzt das Beispiel an, wenn es um eine Frage mit einer Alternative geht:
"Möchtest du lieber Kaffee oder Tee?"
"Möchtest du lieber Kaffee oder Tee?"
Wir sehen, auch hier geht es nicht darum, mit "ja" oder "nein" zu antworten, es ist
aber auch keine wirklich offene Frage, da wir eigentlich nur zwei Antwortmöglichkeiten
haben, nämlich "Kaffee" oder "Tee".
Vielleicht noch "Nichts, danke." oder "Ich hätte lieber ein Wasser."
Aber eigentlich ist die Erwartung ja, dass wir uns zwischen zwei Alternativen entscheiden.
Und in diesem Fall geht es, sobald um die Alternative, einmal nach oben und am Ende
der Frage wieder nach unten.
Zu guter Letzt beschäftigen wir uns noch einmal mit einem kleinen besondereren Fall.
Wie ich ja vorhin gesagt habe, gibt es bei W-Fragen oder generell bei Fragen auch Ausnahmen.
Eine davon möchte ich euch jetzt gerne mal vorstellen.
Das ist immer dann der Fall, wenn wir nicht nur eine Frage im Prinzip stellen, sondern
mehrere Fragen hintereinander, oder wenn wir die Frage eigentlich wiederholen.
Stellt euch vor, wir hätten vielleicht mehr als einen Gast zu Hause und wir wollen jedem
etwas zu trinken anbieten.
In der Regel würden wir dann so was fragen wie: "Was möchtet ihr trinken?"
Aber stellen wir uns vor, wir fragen die Personen hintereinander.
Ich frage meinen ersten Gast: "Was möchtest du trinken?"
So, ich frage den zweiten Gast: "Und was möchtest du trinken?"
Also, hier hört ihr, dass der Verlauf in die ganz andere Richtung geht, nämlich am
Ende nach oben.
Das liegt daran, dass wir die Frage schon einmal gestellt haben und der Fokus nicht
mehr auf der Frage im Allgemeinen liegt, sondern in diesem Fall liegt der Fokus auf der Person,
nämlich auf der anderen Person.
Ich habe den einen Gast gefragt und jetzt möchte ich wissen, was du, der andere Gast
trinken möchte.
So, dann haben wir jetzt soweit das Wichtigste kennengelernt und um das zu überprüfen oder
noch einmal zu vertiefen und zu wiederholen, werde ich euch jetzt einen Beispieldialog
vorlesen und blende euch dazu den Text ein und auch wieder diesen melodischen Verlauf,
sodass ihr das besser nachvollziehen könnt.
So, natürlich sollt ihr das Ganze auch mal selbst ausprobieren.
Dafür werde ich euch jetzt wieder einen Dialog einblenden, immer eine kleine Pause lassen,
sodass ihr es ausprobieren könnt, und dann werde ich den Satz oder die Frage nachsprechen
und ihr könnt das damit vergleichen.
Und wenn es dann so ähnlich klingt, dann seid ihr auf einem guten
Weg.
Was mich jetzt noch interessieren würde, ist, wie eure eigene Muttersprache eigentlich
für euch klingt.
Würdet ihr sagen, das ist eine sehr melodische Sprache oder eher relativ monoton?
Was denkt ihr?
Und vor allen Dingen, was denkt ihr über die deutsche Sprache?
Ich hoffe, ich konnte euch zeigen, dass Deutsch nicht ganz so monoton ist, wie es oft den
Ruf hat, und vielleicht denkt ihr, es klingt sogar ein wenig schön und klangvoll.
So, ich schicke euch fröhliche Grüße und bis bald!