Depression: Verzweifelt ohne Therapie 💊| Auf Klo
ich glaube 40-50.
Zum heutigen Video eine Trigger-Warnung,
weil es um psychische Krankheiten und auch Depressionen geht
und von Anfang an klargestellt werden sollte,
dass wir und das Auf-Klo-Team keine Experten sind.
Wenn ihr Hilfe braucht, solltet ihr euch an ÄrztInnen wenden.
Ich bin Newroz, 33. Ich bin eine nicht-binäre Trans-Person.
Ich rede heute über Depressionen und Angststörungen.
Ich bin Veronika, 21 Jahre alt,
und ich lebe mit Depressionen und Dyskalkulie.
Hallo, ich bin Amelie, 19 Jahre alt und war letztes Jahr
ein halbes Jahr in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie.
* Er liest die Frage vor. *
Ich bin seit 2 Jahren in Therapie und war letztes Jahr
ein halbes Jahr in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Da habe ich als End-Diagnose u.a.
mittelschwere bis schwere depressive Episoden bekommen.
Ich wurde mit der Diagnose Depression erstmals mit 18-19 konfrontiert,
als ich von zu Hause abgehauen bin.
Jetzt bin ich 33.
Damals machte die Diagnose nicht super viel Sinn für mich,
trotzdem ist es auch gut gewesen, eine Art von Begriff dafür zu haben,
um auch selber, nicht nur in Therapie mit einer anderen Person,
in Selbsttherapie zu lesen und damit umgehen zu können.
Als ich mit der Diagnose konfrontiert wurde,
war ich ungefähr 13 Jahre alt, plus, minus.
Das lief beiläufig, neben der Diagnose zur Dyskalkulie.
Dyskalkulie erkläre ich immer so als Legasthenie in der Mathematik,
denn mir fehlt ein bisschen die Grundlage, um Zahlen, Räume,
Zahlenmengen, Zahlen-Umgang nachvollziehen zu können.
Uns geht es allen so, dass man sich wundert,
wenn am Ende des Monats das Konto ziemlich schnell leer ist.
Aber ich habe dafür gar kein Gefühl.
Auch im Raum sich zu orientieren, das sind so Beeinträchtigungen,
Zeitgefühl, es geht in ganz verschiedene Richtungen.
Auch für Trans-Menschen ist Diagnose noch mal was völlig anderes,
weil man, wenn man bestimmte Sachen machen möchte, Diagnosen braucht.
Z.B. Transsexualität gilt offiziell als psycho-sexuelle Störungen,
bis heute in Deutschland. Es ist ein bisschen aufgeweicht worden,
aber wenn man zu TherapeutInnen geht oder zu Psychiatern,
die einen auswerten sollen, genauso gehen die mit einem um.
Letztes Jahr, als ich aus der Klinik entlassen wurde,
hatte ich einen guten Plan, was ich machen wollte.
Ich habe ein FSJ im Kindergarten angefangen.
Nach 3-4 Wochen haben die gesagt:
Es kann nicht angehen, dass du zwischendurch so traurig rumsitzt.
Dann haben die auch sozusagen den Vertrag aufgelöst.
Das war für mich schon heftig,
weil man gleich in die Stigmatisierung kommt,
dass man sowas lieber für sich behält.
* Er liest die Frage vor. *
Ich hatte Angst davor, mir Therapie zu suchen,
weil ich das noch nicht so eingesehen hab, dass ich so krank bin.
Ich hatte Angst vor der Veränderung oder vor dem, was auf mich zukommt.
Geholfen hat mir dabei ein Freund von mir,
mit dem ich damals ziemlich gut in Kontakt stand,
weil der mich wirklich gezwungen hat, bei einer Therapeutin anzurufen.
Meine Erfahrung mit Medikamenten, Therapien, Zugängen zu Therapie
ist anders als die von anderen Leuten.
Es ist oft gar nicht so, dass man zur Therapie geht
und sozusagen über die Therapie sprechen kann,
sondern man muss erst mal eine Person finden,
die einigermaßen okay ist.
In meinem Fall muss das jemand sein,
der einigermaßen Transidentität auf dem Schirm hat.
Das ist super schwer zu finden.
Ich gehe nie als eine Trans-Person in eine Therapiesitzung.
Ich gehe als eine Trans-Personen, die Rassismus-Erfahrungen macht,
Sexismus-Erfahrungen gemacht hat,
die in einem anderen Körper war, anders aussah.
Ich hatte einen wunderbaren Arzt.
Wir haben zusammen ein Antidepressivum eingesetzt.
Klar hatte ich einerseits die Verbesserungen der Stimmungslage.
Ich war ein bisschen stabiler, konnte den Alltag leichter bewältigen,
aber ich war auch ziemlich müde und habe sehr viel geschlafen.
Ein Antidepressivum ist keine Happy-Pill,
die nehme ich, renne dann fröhlich durch den Tag
und lege mich abends schlafen.
Ich finde auch wichtig zu wissen bei Antidepressiva ist,
dass es nichts ist, was man nimmt, dann sind die Probleme weg.
Man muss trotzdem weiter an sich arbeiten.
Es ist einfach was, was dich an die Hand nimmt
und dir erst mal aus dem Gröbsten raushilft.
Oh mein Gott, mit wie vielen TherapeutInnen habe ich geredet,
ich glaube 40-50, bis ich letztes Jahr erstmals meine Therapeutin,
die ich über alles liebe, gefunden habe,
die tatsächlich zwar eine weiße Frau ist, aber schon lange dabei ist,
Kontakt hat zu Leuten, einfach in Ordnung ist,
mich so nimmt, wie ich bin in meiner nicht-binären Identität
und wie mein Kopf funktioniert akzeptiert und mit mir arbeitet.
Ich war letztes Jahr von Juni-Oktober
in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie,
weil ich einfach von zu Hause aus
nicht aus diesem Loch herausgekommen bin.
Das hat mir sehr die Augen geöffnet, da auch die Hilfe annehmen zu können.
Ich habe in der Psychiatrie Freunde kennengelernt,
mit denen ich auch noch in Kontakt stehe.
Das tut auch gut zu sehen, dass es auch mehr Leute gibt,
die in derselben Situation sind.
Weil man fühlt sich relativ alleine in seiner eigenen Blase.
Ich sah gestern ein Meme,
wo 2 Personen sich gegenübersitzen und Therapie machen.
Die eine Person hat so ein Wollknäuel,
was total verwirrt ist im Kopf sozusagen.
Dann siehst du eine Sprechblase bei der Therapeutin.
Bei der wird das geordnet.
So ein Gefühl habe ich auch bei meiner Therapeutin.
Ich gehe mit 'nem Durcheinander-Kopf hin.
Sie sortiert meinen Kopf, rückt den gerade.
Dann fühle ich mich 1 Woche super. Dann geht das Spiel wieder los.
* Er liest die Frage vor. *
Fast schon ein Klassiker bei mir ist,
dass ich mir das nur einbilde, krank zu sein.
Weil man kann es ja nicht sehen, also ist es auch nicht echt.
Viele sagen mir diese Sprüche wie:
Lächle doch mal mehr oder schlaf ein bisschen mehr.
Junge Leute haben so Sachen gesagt wie:
Die Person ist total verrückt, geht deswegen zur Therapie.
Das ging mir immer sehr nahe, weil ich gedacht habe:
Sie haben recht, etwas stimmt mit mir nicht.
Bis ich festgestellt habe: totaler Bullshit.
Ich glaube, dass es allen Leuten helfen würde,
wenn sie zur Therapie gehen, alle davon profitieren.
Ich leide darunter und habe damit Probleme.
Ich frage mich immer, in welcher Position steht der andere,
um mir das abzusprechen?
Es wird krampfhaft versucht, einen Zusammenhang
zwischen Trans-sein und Mental Health herzustellen,
die aber eigentlich gar nicht existiert.
Es gibt ja auch AllgemeinärztInnen,
die sozusagen bei mir, egal, was ich habe,
das alles auf die Hormone zurückführen.
Wenn ich sage, mir tut mein Finger weh, sagen sie:
Es liegt am Testosteron.
Oder ich habe Fieber, "das liegt am Testosteron".
Es ist total absurd, hat nichts damit zu tun.
Von der Umgebung wünsche ich mir, dass man versucht nicht zu urteilen.
Wenn ich jemandem sage:
Hey, ich habe Depressionen oder ich kämpfe mit schweren Gedanken,
möchte ich vielleicht einfach, dass das erst mal hingenommen wird.
Ich brauche keinen großen Rat, brauch auch keinen großen Cheerleader,
der den ganzen Tag um mich rumtanzt,
sondern einfach nur ein Ohr, was mir vielleicht mal geliehen wird.
Ich würde mir wünschen, dass Leute aufhören würden,
so ein "Oh, jemand macht Therapie!" daraus zu machen, oder:
"Oh, jemand ist verrückt".
Ja, dann ist die Person vielleicht auch verrückt,
aber wenn jemand sich ein Bein bricht,
regt man sich auch nicht krass drüber auf oder geht anders damit um,
als wenn jemand mit Mental-Health-Geschichten kommt.
Viele trauen sich da noch nicht so dran.
Im Endeffekt sollte das ganz normal werden, darüber zu reden.
Ich hoffe, dass Video konnte euch helfen.
Hier oben ist noch eine Playlist über Mental Health verlinkt.
Ich bin jetzt weg und muss das mitnehmen. - Tschüss.
Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)