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Zukker im leben, Meine neuen Nachbarn und der Kinoabend mit Luca

Meine neuen Nachbarn und der Kinoabend mit Luca

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Herzlich Willkommen zur Sendung „Zukker im Leben“ vom 2. März 2018.Seit zwei Tagen wohnen drei junge Studenten in der Wohnung unter mir.Das ist jetzt nicht gerade das, was ich mir gewünscht habe. Warum,erzähle ich Ihnen heute. Luca und ich waren im Kino. Das war eigentlich sehr schön, aber dann hat Luca etwas gemacht, was mich irritiert hat.Was genau los war, erfahren Sie ebenfalls heute! Viel Vergnügen!

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Es ist Samstagmorgen um halb neun und ich werde von einem lauten Knall geweckt. Gestern Abend war ich seit langer Zeit wieder einmal tanzen und bin erst um 3 Uhr in der Nacht nach Hause gekommen. Ja, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich hätte heute sehr gerne ausgeschlafen. Sie können sich vorstellen, wie sauer ich gerade bin, bis mir einfällt, dass heute die neuen Nachbarn in die Wohnung von Tom einziehen. Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ich stehe auf, gehe nach unten und beschwere [1] mich über den Lärm oder aber, ich versuche nochmals zu schlafen, trinke dann einen Kaffee und gehe erst dann runter. Ich bin ein impulsiver [2] Mensch, aber ich weiss, dass es wirklich besser ist, wenn ich später runter gehe. Schliesslich muss ich künftig mit diesen Menschen in einem Haus wohnen und da wäre es doch etwas ungünstig, wenn die erste Begegnung ein Streit ist. Aber ich kann es doch nicht lassen, krieche aus dem Bett, gehe aus der Wohnung und lehne mich über das Geländer im Treppenhaus. Eine junge Frau mit knallroten Haaren trägt zwei Kisten mit Schuhen in die Wohnung. Hinter ihr kommen zwei junge Männer die Treppe hoch, die einen Lattenrost [3] tragen und damit direkt in den Türrahmen knallen. Die junge Frau kreischt [4] und lacht dann ganz aufgeregt. Ich bekomme Kopfschmerzen von ihrem Lachen und gehe zurück in die Wohnung. Im Badezimmer habe ich Ohropax [5], die ich mir in die Ohren stecke und mich wieder ins Bett lege. Nach zehn Minuten vibriert [6] der Boden, und da nützen die Ohropax auch nicht mehr gegen die laute Musik. Ich ergebe [7] mich meinem Schicksal, stehe auf, trinke einen Kaffee, dusche kalt und ziehe mich an. Als ich die Treppe nach unten gehe, höre ich Brigit, die sagt: „Also so geht das hier nicht mit diesem Lärm! Es gibt eine Hausordnung und einen Waschplan. Ich muss jetzt wissen, wann ihr waschen wollt, weil da kann nicht jeder machen, wie er will!“. Die junge Frau sagt zu Brigit: „Chills [8] Brigit, chills! Wir sind Studenten und fast immer zu Hause. Du kannst uns einfach dann in den Waschplan eintragen, wann Du willst.“ Dass sie fast immer zu Hause sind, das ärgert mich jetzt schon. Ich mag mich eigentlich überhaupt nicht, wenn ich bereits schlecht über Menschen denke, mit denen ich noch kein Wort gewechselt [9] habe. Ich gehe nach unten, Brigit sagt zu mir:„Nora, gut, dass du kommst. Vielleicht kannst du der Jugend von heute erklären, dass sie die Musik leiser machen muss.“ Ich nicke Brigit zu, sie geht zurück in ihre Wohnung und knallt die Türe zu. Die junge Frau setzt sich auf den Boden im Treppenhaus und stellt ihre Schuhe, die sie nach Farben sortiert, auf das vierstöckige Regal. Ich sage zu ihr: „Ich bin Nora und wohne über euch. Herzlich Willkommen. Es wäre wirklich gut, wenn ihr die Musik leiser macht.“ Sie steht auf, hält mir die Hand hin und sagt: „Grüezi.“ Grüezi? Um Himmels Willen, Ich werde gesiezt [10]! Dann sagt sie: „Ich bin Vanessa!Tim und Kevin sind meine Kollegen und das ist unsere erste WG [11], wirsind alle erst seit Kurzem volljährig [12]. Heute Abend machen wir eine Einweihungsparty, wollen Sie auch vorbei kommen?“ Ich bedanke mich für die Einladung und sage, dass ich leider nicht kann, was aber gar nicht stimmt. Als ich wieder in meiner Wohnung bin, fühle ich mich alt und konservativ[13], weil ich mich plötzlich sehr aufrege, dass es wahrscheinlich in Zukunft sehr viel Action geben wird in unserem Haus. Vanessa hat vorher so getan, als hätte sie gar nicht gehört, was ich wegen der Musik gesagt habe. Als ich drei Stunden später einkaufen gehe, rieche ich im Treppenhaus Marihuana und hoffe sehr, dass Brigit erkältet ist und es nicht merkt.

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Luca und ich haben uns nach dem Abend im italienischen Restaurant jeden Tag geschrieben. Es ist so unkompliziert, dass ich immer noch überlege, wo der Haken an der Sache [14] ist. Sie haben völlig recht, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn Sie jetzt denken: Nora sei doch froh, es wird noch genug schnell kompliziert. Also gut, das versuche ich mir jetzt auch zu sagen und vor allem, nicht zu viel darüber nachzudenken. Handeln, statt Denken. Natürlich nicht kopflos [15], aber entspannt bleiben würde ja schon reichen. Luca fragte mich, was wir bei unserem nächsten Treffen unternehmen möchten. Ich habe Kinound den Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ vorgeschlagen. Ein ganz grossartiger Film, den Sie sich, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer unbedingt anschauen sollten. Ich möchte Ihnen nicht zu viel verraten, nur so viel: Es geht um eine Mutter,die Gerechtigkeit will für ein Verbrechen, bei dem ihre Tochter umgebracht wurde. Das klingt dramatisch, aber es ist eine schwarze Komödie [16] und bleibt von Anfang bis Ende unglaublich spannend. So, was ich Ihnen jetzt aber erzählen will, ist ja, wie es mit Luca war. Als er ins Kino kommt, habe ich schon eine King Size Packung Popcorn gekauft. Wir wollen uns umarmen und Luca sagt: „Nora, immer wenn wir uns umarmen wollen, steht entweder ein Blumenstrauss oder Popcorn zwischen uns!“ Er lacht und ich sage dann: „Dann musst Du mich einfach wieder küssen!“ Das macht er gerne und ich bin überrascht, wie cool ich wirke, obwohl ich sehr aufgeregt bin. Während wir im dunkeln Kinosaal sitzen und den Film schauen, berühren sich unsere Hände jedes Mal, wenn wir gleichzeitig in die Popcorntüte greifen. Luca flüstert mir ins Ohr: „Ist das Schicksal?“ Ich muss laut lachen und flüstere zurück: „Nein, ich glaube wir hätten besser vorher noch was gegessen, dann wären wir jetzt nicht so gierig [17]“. Luca streicht mir über den Kopf und küsst mich auf die Wange [18]. Und plötzlich wirft die Frau im Film Molotowcocktails [19] in ein Gebäude. Ich erschrecke so sehr, dass mir die Popcorntüte runterfällt und ich Luca sehr fest in den Oberarm klemme. Wie peinlich, aber Luca bleibt entspannt. Wer nicht so entspannt ist, ist die Frau hinter uns. Sie beugt sich zu uns nach vorne und sagt: „Wenn Sie so schreckhaft[20] sind, schauen Sie sich doch eine Romanze an, das würde sowieso besser zu Ihnen beiden passen, so verliebt wie Sie sind.“ Als wir aus dem Kino kommen, sagt Luca: „Weisst du, wer das war? Die Ex-Frau von meinem Mandanten [21], den ich bei der Scheidung vertreten habe. Sie wollte viel Geld, das Haus und das Ferienhaus, was natürlich sehr utopisch [22] war.“ Wenn Luca mit Dingen, die er nicht weiter erzählen sollte, so umgeht, weiss ich nicht recht, was ich jetzt von ihm halten sollte. Ist das jetzt vielleicht eben doch der Haken?

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Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 16. März auf podclub.ch und in der App wieder aus meinem Leben erzählen darf. Wie ich vermutet habe,ist die Einweihungsparty in der Wohnung unter mir ausgeartet [23]. Was passiert ist, erzähle ich Ihnen dann gerne. Brigit und ich haben zusammen Kaffee getrunken und über die Abstimmungen diskutiert, ob wir die gleiche Meinung haben oder ob wir uns gestritten haben, erfahren Sie ebenfalls in der nächsten Sendung. Schauen Sie doch in der Zwischenzeit bei Instagram unter #PodClubNora und #zukkerimleben vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Auf Wiederhören! Glossar: Zukker im Leben (D) [1] sich beschweren: sich beklagen

[2] impulsiv: schnell handeln, ohne nachdenken

[3] der Lattenrost: Gitter unter dem Bett

[4] kreischen: laut schreien

[5] das Ohropax: der Gehörschutzstöpsel

[6] vibrieren: zittern

[7] sich ergeben: aufgeben, etwas akzeptieren, sich fügen

[8] chillen: locker bleiben

[9] mit jemandem ein paar Worte wechseln: sich kurz unterhalten

[10] jemanden siezen: mit Sie anreden

[11] die WG: die Wohngemeinschaft

[12] volljährig: mündig (ab dem 18. Lebensjahr)

[13] konservativ: an veralteten Wertvorstellungen festhalten

[14] der Haken an der Sache: etwas ist so gut, dass man glaubt, dass es einen versteckten Nachteil haben muss / der versteckter Nachteil einer guten Sache, den man aber nicht sofort sieht

[15] kopflos: ohne nachzudenken

[16] die schwarze Komödie: bitterböser, aber unterhaltsamer Film

[17] gierig: masslos

[18] die Wange: die Backe

[19] der Molotowcocktail: mit Benzin und Phosphor gefüllte Flasche

[20] schreckhaft: schnell Angst bekommen

[21] der Mandant: der Kunde

[22] utopisch: unrealistisch

[23] ausarten: ins Negative entwickeln

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