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Zukker im leben, Das gebrochene Bein von Brigit und der verbrannte Fisch in der Pfanne

Das gebrochene Bein von Brigit und der verbrannte Fisch in der Pfanne

Heute bin ich extra früher nach Hause gegangen, weil ich mit Brigit zum Kaffee verabredet war. Wir wollen noch einmal das Hausfest besprechen. Es haben sich nämlich fast alle unsere Nachbarn angemeldet. Die Familie Huber im vierten Stock ist leider in den Ferien, aber sonst können alle kommen und freuen sich sehr. Obwohl ich viele Überstunden [1] habe, war mein Chef nicht begeistert, dass ich früher gehen wollte. Oh, ich habe Ihnen ja noch nicht erzählt, wo ich arbeite. Ich bin die persönliche Assistentin eines Anwalts. Ich habe überhaupt nichts mit diesem Beruf zu tun, aber das spielt keine Rolle für meine Arbeit. Zu meinen Aufgaben gehören ganz andere Dinge. Ich muss für meinen Chef Flüge buchen, seine Rechnungen bezahlenund ihn an seine Termine erinnern. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich seine Familienferien planen musste. Ich kenne jetzt alle kinderfreundlichen [2] Hotels in Italien. Jede Woche bestelle ich bei einem sehr edlen [3] Blumenladen dreissig rote Rosen für seine Frau. Ich klingle bei Brigit an der Türe, nachdem ich eine Stunde in meiner Küche auf sie gewartet habe. Sie öffnet nicht. Ich klingle zehn Mal, bis ich etwas aus der Wohnung höre. „Nora, ich kann nicht aufstehen!“, ruft Brigit mit hilfloser [4] Stimme. Um Himmels Willen [5], soll ich jetzt die Scheibe [6] der Wohnungstüre einschlagen? So wie im Film, wenn die Polizei eine Türe aufbricht [7]? Brigit ruft in meine Richtung: „Nora, ich bin vom Stuhl gefallen, als ich die Telefonbücher sortiert habe. Ich blute am Kopf und kann meine Beine nicht mehr bewegen!“. Um Himmels Willen!Hoffentlich ist sie nicht querschnittsgelähmt [8]. Ich bin überfordert [9] und ohne dass ich lange überlege, laufe ich zur Wohnung von Tom und klingle. Er ist zum Glück zu Hause. Zuerst versteht er überhaupt nicht, was ich sagen will, weil ich viel zu schnell spreche. Dann sagt Tom: „Ich komme sofort!“ und zieht sich seine Turnschuhe an und nimmt einen Boxhandschuh mit. Als wir vor Brigits Wohnung stehen, zieht Tom den Boxhandschuh an und schlägt in die Scheibe der Türe. Er ist total entspannt, als würde er das jeden Tag machen. Brigit liegt auf dem Boden. Ich sage zu Brigit: „Wir müssen ins Krankenhaus!“ Sie nickt. Dann schaue ich Tom an, der ganz bleich [10] ist. Er nimmt sein iPhone und ruft den Krankenwagen. Zwanzig Minuten später ist der Krankenwagen da und die Sanitäter [11] tragen Brigit aus der Wohnung in den Wagen.Tom schaut mich an und sagt dann: „Nora, ich kann nicht mitkommen, ich kann kein Blut sehen und ich habe Angst vor Krankenhäusern. Aberich werde etwas kochen und wenn Du zurückkommst, essen wir zusammen!“. Glück im Unglück [12]. Natürlich ist es schlimm, dass Brigit gestürzt ist, aber wer weiss, ob mich Tom sonst irgendwann zum Essen eingeladen hätte. Ich fahre mit Brigit ins Krankenhaus. Ihr Bein ist gebrochen. Sie muss operiert werden. Ich spreche mit den Ärzten und erkläre ihnen, dass Brigit sehr einsam sei und dass sie keine Familie habe. Die Ärzte schicken mich nach Hause und sagen mir, dass ich morgen wieder kommen soll.

*

Er ist verbrannt. Der Fisch in der Pfanne ist verbrannt. In der Küche ist alles voller Rauch.Tom stellt die Pfanne mit dem verkohlten [13] Fisch auf den Balkon und sagt zu mir: „Nora, das ist mir jetzt peinlich. Ich habe nur noch Spaghetti, die ich kochen könnte.“ Ich lache und sage, dass wir auch Pizza bestellen können, wenn er möchte. Tom findet es schön, dass ich so unkompliziert bin mit dem Essen und ruft beim Pizzakurier an. Ich sehe weder auf dem Tisch noch sonst irgendwo in der Küche eine Flasche Wein. Das ist mir sehr wichtig, ein Glas Rotwein.Gegen die Nervosität. „Ich hole kurz eine Flasche Wein bei mir oben“,sage ich zu Tom. Er lacht: „Sicher nicht!“ und nimmt aus dem Kühlschrank eine Flasche Champagner. Ich trinke schnell zwei Gläser hintereinander, bin sofort angetrunken [14], aber entspannt. Tom fragt, wie es Brigit gehe. Ich erzähle, was ich weiss, viel ist es nicht, aber dass das gebrochene Bein operiert werden muss. Ich werde morgen wieder zu ihr ins Krankenhaus gehen. Tom sagt nichts dazu. Er wechselt das Thema und fragt: „Was ist jetzt mit dem Hausfest? Das müssen wir absagen, oder?“ „Das habe ich völlig vergessen. Ja, wir müssen es absagen. Eigentlich wollte ich ja das Fest vor allem für Brigit machen, damit sie unter Menschen [15] kommt.“ Tom schenkt uns Champagner nach und fragt mich dann: „Arbeitest du mit alten oder kranken Menschen, also beruflich?“ Ich muss laut lachen, dabei ist das doch gar nicht lustig. Tom wird rot und schüchtern und sagt dann: „So wie du dich um Brigit kümmerst, dachte ich, dass du das beruflich machst.“ Ich erzähle ihm, dass ich für einen Anwalt arbeite, auch wenn ich mich mit dieser Arbeit nicht wirklich identifizieren [16] könne, würde ich es solange machen, bis ich einen neuen Job finde.Dann frage ich Tom, was er arbeite. „Ich bin Polizist“, erzählt er. Wow, denke ich. Er schützt Menschen und sorgt für Gerechtigkeit [17], das macht ihn noch viel attraktiver. Bevor ich etwas dazu sagen kann, kommt die Pizza. Während wir zusammen essen, schaue ich Tom ganz genau an und komme mir vor wie im „Tatort“. [18] Dann holt Tom seinen Laptop und schreibt einen Brief an alle Nachbarn, dass das Hausfest nicht stattfindet. Wir drucken den Brief aus, ziehen unsere Schuhe an und werfen in jeden Briefkasten einen Brief. Tom steht hinter mir. Als ich mich umdrehe, geht er keinen Schritt zurück. Wir schauen uns lange an. Meine Knie zittern. „Du hast wunderschöne blaue Augen“, sagt er. „Das hat noch nie einer zu mir gesagt!“, sage ich unsicher. Tom versteht mich nicht: „Das kann ich nicht verstehen, deine Augen sind so schön!“. Ich lache: „Ja, aber sie sind grün!“ Tom wird rot im Gesicht und meint: „Tut mir leid, ich kann keine Farben erkennen.“ Ich darf jetzt nicht lachen. Es ist verbreitet [19] bei Männern, dass sie Farben nicht unterscheiden können. Das iPhone von Tom klingelt. Er schaut mich an und sagt: „Ich muss gehen. Eine Schlägerei in einer Bar.“ Bevor ich etwas sagen kann, ist er weg. Jetzt hat sich wenigstens die peinliche Situation zwischen uns geklärt. Als ich im Bett liege denke ich, ein Polizist, der Farben nicht unterscheiden kann? Wie aufregend [20].

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Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 20. Oktober auf podclub.ch und in der App wieder von meinen Nachbarn erzählen darf. Brigit muss einige Tage im Krankenhaus bleiben. Ich werde sie bestimmt besuchen und Ihnen davon erzählen. Und ich werde Tom fragen, ob wir zusammen ins Kino gehen. Zuerst ins Kino und dann Sushi essen gehen, das ist mein Plan. Wer weiss, was dann passieren wird. Schauen Sie doch in der Zwischenzeit bei Instagram unter #PodClubNora und #zukkerimleben vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Auf Wiederhören! Glossar: Zukker im Leben (D) [1] die Überstunden: Bei einer Überschreitung der vertraglich festgelegten Normalarbeitszeit.

[2] kinderfreundlich: Kindern gegenüber positiv eingestellt

[3] edel: vornehm, gehoben, meist teuer

[4] hilflos: unbeholfen, ungeschickt, sich selber nicht helfen können

[5] um Himmels Willen! : Ausruf des Erschreckens, der Abwehr, der Bestürzung

[6] die Scheibe: eine Fensterscheibe, ein Sichtfenster, aus Glas

[7] etwas aufbrechen: mit Gewalt etwas verschlossenes aufmachen (Türe, Fenster)

[8] querschnittgelähmt sein: meist vom Rücken abwärts gelähmt sein, die Beine können nicht mehr bewegt werden

[9] überfordert sein: gestresst sein, der Aufgabe nicht gewachsen sein

[10] bleich: sehr blass, weisses Gesicht, farblose Gesichtsfarbe

[11] die Sanitäter: Jemand der in der Ersten Hilfe ausgebildet ist

[12] Glück im Unglück haben: trotz einer schlechten Situation doch noch Glück haben

[13] verkohlt: verbrannt, schwarz sein, nicht mehr geniessbar

[14] angetrunken: leicht betrunken, beschwipst

[15] unter Menschen kommen: nicht alleine sein, sozialen Kontakt suchen, zu einer Gemeinschaft gehören

[16] sich mit etwas identifizieren können: sich wiedererkennen, sich mit jemandem gleichsetzen

[17] die Gerechtigkeit: das Gerechtsein; Prinzip eines staatlichen oder gesellschaftlichen Verhaltens, das jedem gleichermassen sein Recht gewährt

[18] der Tatort: eine TV Serie, deutsche Krimisendung, Kultsendung, die jeden Sonntag bei ARD ausgestrahlt wird

[19] etwas ist verbreitet: bekannt sein, es kommt häufig bei gewissen Menschen vor

[20] aufregend: interessant, spannend, abenteuerlich

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