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Zukker im leben, Das blaue Auge von Tom und der Single-Tisch auf der Hochzeit

Das blaue Auge von Tom und der Single-Tisch auf der Hochzeit

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Herzlich willkommen zur Sendung „Zukker im Leben“ vom 17. November 2017. Es freut mich sehr, sind Sie wieder mit dabei. Ich habe Tom in der Waschküche getroffen. Er hatte einen spannenden Polizeieinsatz [1], davon will ich Ihnen unbedingt erzählen. Und ich war auf eine Hochzeit eingeladen. Dort gab es einen Tisch, wo alle Singles sitzen sollten. Das war sehr lustig. Wie das für mich war, erfahren Sie ebenfalls heute. Viel Vergnügen!

*

Jeden Mittwochabend bin ich im Waschplan eingetragen. Weil die anderen Nachbarn im Haus sich immer schon für den ganzen Monat einschreiben, musste ich mich erst einmal daran gewöhnen, dass ich auch planen sollte, damit ich nicht plötzlich keine sauberen Socken mehr habe. Gestern habe ich gleich eine 40-Grad-Wäsche mit Kleidern und Unterwäsche gemacht und eine 60-Grad-Wäsche mit der Bettwäsche und den Handtüchern. Während die Wäsche in der Maschine ist, schaue ich immer einen Film, das ist mein Ritual [2], wenn ich Waschtag habe. Vielleicht können Sie mir, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, spannende Filme empfehlen? Ich brauche nämlich dringend Nachschub [3]. Als ich gestern also in der Waschküche war und die 40-Grad-Wäsche heraus genommen habe,stand Tom zwischen den Wäscheleinen [4] im Raum nebenan und hängte seine Jeans auf.Er hat sieben Jeans. Es sind Bluejeans und alle sehen genau gleich aus.Tom sagt: „Wenn mir eine Jeans passt, kaufe ich gleich mehrere davon. Ich habe keine Geduld,immer neue Hosen zu suchen.“ Ich lache und sage: „Ich habe nur vier Hosen, aber dafür vier verschiedene Modelle.“Tom ist erstaunt, er hat mich vielleicht anders eingeschätzt und denkt,jede Frau geht doch gerne shoppen. Ich hänge meine Kleider und die Unterwäsche übrigens nie in der Waschküche auf, es ist mir unangenehm, wenn meine Nachbarn wissen, welche Farben meine Unterhosen haben. Ich trage die Wäsche immer in meine Wohnung und hänge sie über den Stewi [5]. Ich mag den Duft von Waschmittel in der Wohnung. Und etwas vom Schönsten ist für mich, wenn ich mich abends ins Bett lege und die Bettwäsche frisch und nach Blumen duftet[6]. Ich bleibe mit meinem Korb bei Tom stehen und sehe, dass er ein blaues Auge hat. Ich frage: „Was ist mit deinem Auge passiert? Hattest Du eine Schlägerei [7]?“ Tom schaut ernst und erzählt mir dann, dass er gestern Abend einen Einsatz im Rotlichtmilieu [8] hatte. In einem Bordell[9] kam es zu einer Schlägerei zwischen zwei Männern, die sich um eine Prostituierte [10] stritten. Tom sagt: „Ich bin dazwischen gegangen und habe den einen Mann festgehalten. Als ich mich zu meinem Polizistenkollegen umdrehen wollte, schlug mir der andere Mann mit der Faust [11] ins Gesicht.“ Ich sage: „Oh je, das ist nicht schön. Du erlebst wirklich wilde Dinge in deinem Beruf.“ Tom schaut mich an wie ein geschlagener Hund. In diesem Moment merke ich, dass ich Tom gar nicht mehr so toll finde, wie noch vor ein paar Wochen. Damals hätte ich ihn sicher gerne gepflegt und mich um sein Auge gekümmert, aber jetzt stehe ich vor ihm und bin mit meinen Gedanken schon wieder beim nächsten Film, den ich schauen werde, während die Bettwäsche in der Waschmaschine ist. Ich schaue Tom an und sage: „Gute Besserung wünsche ich dir!“ Er schaut mir nach und sagt: „Willst Du nächste Woche mit mir ins Kino gehen?“Ich bleibe stehen und sage: „Ich überlege es mir und melde mich.“ Als ich in der Wohnung bin, weiss ich schon, dass ich gar keine Lust habe. Lustig, wie sich meine grosse Begeisterung für Tom plötzlich in Luft aufgelöst [12] hat.

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Am letzten Samstag war ich auf eine Hochzeit von einem Freund eingeladen, mit dem ich an der Universität studiert habe. Wir haben uns nach dem Studium aus den Augen verloren [13]. Als ich die Einladung zu seiner Hochzeit im Briefkasten hatte, habe ich mich zwar gefreut, aberich war auch etwas überrascht, dass er an mich gedacht hat. Ich war einen ganzen Tag in der Stadt und habe ein Kleid gesucht. Nach vielen Stunden und einem kurzen Nervenzusammenbruch habe ich dann ein dunkelblaues Kleid gefunden und zum ersten Mal im Leben habe ich mir hohe Schuhe gekauft. Der Absatz [14] ist 7.5 cm hoch und ich hatte zum Glück noch drei Tage Zeit, jeden Abend zu Hause mit den Schuhen durch die Wohnung zu laufen und zu üben. Zum Termin auf dem Standesamt [15] wurden nur die Familie und die besten Freunde eingeladen. Ich war dann aber zum Abendessen eingeladen. Das Fest war in einem wunderschönen alten Schloss am Bodensee. Es waren zweihundert Menschen eingeladen. Das muss sehr viel gekostet haben, aber in der Regel heiratet man ja nur einmal und da kann man schon mal etwas Geld ausgeben. Nach dem Apéro setzte man sich an grosse, runde Tische. Auf jedem Teller lagen Kärtchen mit den Namen der Gäste. Ich sass an einem Tisch mit vier Männern und drei anderen Frauen. Zuerst gab es eine Suppe und als ich gerade den Löffel im Mund hatte, fragte mich der Mann neben mir: „Wie lange bist Du schon Single, Nora?“ Ich war perplex [16]. Ich habe diesen Mann noch nie gesehen, wusste nicht einmal, wie er heisst und das war seine erste Frage. Ich dachte mir, ich sehe diese Hochzeit einfach als Sozialstudie [17] und schaue, was passiert. „Ich bin seit drei Jahren Single, und Du?“ der Mann neben mir, vom dem ich bis heute nicht weiss, wie er heisst, sagte: „Ich bin seit fünf Jahren Single. Und ich bin letzte Woche 40ig geworden und suche jetzt eine Frau, die auch Kinder möchte.“ Zum Glück kam in diesem Moment der Hauptgang [18]. Ich habe schnell gegessen und hatte immer einen vollen Mund, wenn er darauf wartete, dass ich mit ihm redete. Ich hörte, wie die Frau neben mir mit einem anderen Mann an unserem Tisch redete und ihm erzählte, dass sie frisch geschieden sei und heute Abend hoffe, dass sie hier einen neuen Mann kennenlerne. Plötzlich ging mir ein Licht auf [19]. Ich wurde an einen Tisch mit anderen Singles gesetzt. Die Idee des Hochzeitspaars war sicher gut gemeint, aber ich kam mir vor wie im Zoo. Wie wenn sich Tiere gegenseitig beschnuppern [20]. Als der Mann neben mir fragte: „Willst Du auch Kinder? Du gefällst mir sehr gut, Nora“,musste ich erst lachen und sagte ihm dann: „Leider will ich keine Kinder. Ich stehe übrigens auch nicht auf [21] Männer, sondern auf Frauen, tut mir leid.“ Das war natürlich gelogen, aber da wir schon beim Dessert waren, wusste ich, dass ich danach schnell aufstehen und wieder nach Hause fahren konnte. Als ich zu Hause war und endlich die unbequemen hohen Schuhe ausziehen konnte, dachte ich an den Mann zurück, der so verzweifelt auf der Suche nach einer Frau ist. Ob er so wirklich jemanden finden wird, weiss ich nicht. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich alleine ganz glücklich bin.

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Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 1. Dezember auf podclub.ch und in der App wieder aus meinem Leben erzählen darf. Brigit ist mitten in den Weihnachtsvorbereitungen. Sie hat jetzt schon im Treppenhaus Weihnachtskugeln aufgehängt, davon werde ich Ihnen erzählen. Und ich werde Ihnen von meiner neuen Arbeit als Lehrerin erzählen. Schauen Sie doch in der Zwischenzeit bei Instagram unter #PodClubNora und #zukkerimleben vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Auf Wiederhören! Glossar: Zukker im Leben (D) [1] der Polizeieinsatz: wenn mehrere Polizisten an einen Ort gerufen werden, wo es ein Problem gibt

[2] das Ritual: wenn man etwas immer wieder tut, weil es eine besondere Bedeutung hat

[3] der Nachschub: neues Material

[4] die Wäscheleine: Schnur, an der nasse Wäsche aufgehängt wird

[5] der Stewi: ein Wäscheständer

[6] duften: wenn etwas gut riecht

[7] die Schlägerei: heftige, brutale und körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehreren Personen

[8] das Rotlichtmilieu: Bezirk, Quartier in einer Stadt, in der Prostitution stattfindet

[9] das Bordell: Haus in dem Prostituierte ihrem Gewerbe nachgehen

[10] die Prostituierte: Frauen, die gegen Geld sexuelle Dienstleistungen anbieten

[11] die Faust: die geballte Hand, die Finger werden eingerollt

[12] etwas löst sich in Luft auf: etwas ist plötzlich nicht mehr da, ist plötzlich verschwunden

[13] sich aus den Augen verlieren: mit jemandem keinen Kontakt mehr haben

[14] der Absatz: erhöhter Teil der Schuhsohle

[15] das Standesamt: Behörde, die Geburten, Eheschliessungen, Todesfälle beurkundet

[16] perplex sein: verblüfft sein, irritiert sein, etwas nicht verstehen

[17] die Sozialstudie: wenn man das Zusammenleben mit Menschen studiert, erforscht, beobachtet

[18] der Hauptgang: das Hauptgericht beim Essen, nach der Vorspeise und vor dem Dessert

[19] jemandem geht ein Licht auf: plötzlich etwas verstehen, sofort Zusammenhänge erkennen

[20] beschnuppern: an etwas schnuppern, einen Duft von etwas oder jemandem erkennen, sich kennenlernen

[21] auf jemanden stehen: wenn einem jemand gut gefällt, potentielle Liebespartner

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