Lesen
Meine ersten Bücher waren Bilderbücher aus starkem Karton.
Unter den Bildern gab es kurze Texte in Großbuchstaben. Natürlich gab es auch andere Bücher: Märchen und Geschichten für Kinder vor allem, aus denen mir meine Eltern vorlasen. Manchmal erzählte mir meine Mutter auch einfach Märchen, die sie gut kannte, aber am liebsten hörte ich immer wieder dieselben Bildunterschriften und Geschichten. Im Jahr vor der Schule begann ich dann durch Fragen herauszufinden, wie die Wörter in den in Blockbuchstaben geschriebenen Sätzen aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt und zu lesen waren. Ausgehend von einzelnen Buchstaben erschloss ich mir dann nach und nach fast das ganze Alphabet. Das waren meine ersten Leseversuche. Im ersten Jahr der Volksschule lernte ich wirklich lesen und schreiben, und zwar große und kleine Druckbuchstaben und die damals übliche Schulschrift, die man zuerst mit Bleistift und dann mit Federhalter und Tinte übte.
Dann kam noch die in älteren Büchern noch häufige gotische Schrift dazu, die wir lesen lernen mussten. Für die Schule gab es ein Lesebuch, jedes Jahr ein neues, mit allerlei Geschichten und Gedichten, aber so richtig aufregend fand ich das nicht. Unter den Büchern, aus denen mir vorgelesen worden war befand sich auch eine gekürzte deutsche Nacherzählung von Daniel Defoes Roman "Robinson Crusoe".
Dieser wurde mein erstes selbständig gelesenes Buch, das ich vor Begeisterung gleich mehrmals hintereinander las. Es vermittelte Abenteuerlust und Entdeckerfreuden und war so ein Schlüsselwerk für einige meiner späteren Interessen und Hobbys. Im Laufe der Jahre entwickelte ich eine regelrechte Lesewut.
Als Leseratte schreckte ich nicht einmal vor der sprichwörtlichen Taschenlampe unter der Bettdecke zurück, da ich ja als Kind früh schlafen gehen musste und nicht zu lesen aufhören wollte. Leider musste ich feststellen, dass die Schullektüre nicht immer mit meinen Vorlieben konform ging. Dennoch bekam ich auch durch sie wertvolle Anregungen. Meine eigene Leseliste umfasste aber viele "Exoten", die vom Lehrplan nicht abgedeckt waren, zum Beispiel russische Romane (natürlich in Übersetzung) und jede Menge Sachbücher. Später erweiterte sich das Spektrum meiner Lektüren mehr und mehr, auch in den Fremdsprachen, die ich an der Uni studierte, nämlich in Englisch und Französisch.
Irgendwann begann ich dann aufzuschreiben, was ich lese und wann, eine Liste begann zu entstehen, die ich bis heute weiterführe. Auch das Sammeln von Büchern ist für mich eine lebenslange Leidenschaft geworden, die eine umfangreiche Bibliothek hervorgebracht hat, in der noch viele Schätze darauf warten gelesen zu werden. Im Zeitalter des Internets gibt es für solche Aufzeichnungen und Listen auch Websites, auf denen man seine Lektüren festhalten und sich darüber mit anderen Mitgliedern austauschen kann.
So erhält man wiederum Anregungen, kann kommentieren und bewerten und einander gegenseitig oder sich selber herausfordern, indem man sich vornimmt eine bestimmte Anzahl von Büchern in einem Jahr zu lesen. Einzig mit eBooks, also elektronischen Büchern, habe ich noch wenige Erfahrungen gesammelt, wahrscheinlich hauptsächlich, weil ich viele Bücher besitze, die ich noch nicht gelesen habe, aber auch, weil ich gerne in Buchhandlungen stöbere und viele Bücher über das Internet bestelle, die es sicher nicht als eBooks gibt.
Ich schließe nicht aus, dass ich in Zukunft mehr und mehr elektronische Bücher lesen werde, da sie viele zusätzliche Möglichkeiten bieten, wie Notizen zu machen oder Wörterbücher zu benützen. Noch bin ich aber ein überwiegend klassischer Leser und Bücherfreund.