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malgli, Die Verschlungenheit der Griechischen Sagen

Die Verschlungenheit der Griechischen Sagen

Ja, hier ist genau das im Gange, woran du gerade denkst.

Dieser Schwan ist der Vater von vier wichtigen Figuren der griechischen Mythologie.

Diese Sammlung von Geschichten ist höchst faszinierend.

Die vielen verschiedenen Autoren haben nämlich die einzelnen Geschichten

zu einem beeindruckenden Netzwerk verknüpft.

Das wollen wir uns etwas genauer anschauen.

Beginnen wir mit dieser absurden Szene.

Abgebildet ist der Hauptgott Zeus in Schwanengestalt bei seiner Lieblingsbeschäftigung:

Hinter dem Rücken seiner Frau, als Tier getarnt, Menschen verführen.

In diesem Fall die Königin Leda.

Leda bringt später vier Kinder zur Welt,

die allesamt große Rollen in dem Sagenwirrwar spielen werden.

Helena gilt als die schönste Frau der Welt, Ärger ist also absehbar.

Sie heiratet einen griechischen König, doch dabei soll es nicht bleiben.

Vom trojanischen Prinzen Paris wird sie entführt, beziehungsweise lässt sie sich entführen.

Aber nicht jede Königin brennt ohne weiteres mit jedem dahergelaufenen Prinzen durch.

Die Götter hatten ihre Hände im Spiel.

Es ist Zeit für unseren ersten Abstecher.

Auf der Hochzeit der Eltern des Achilles feiern alle Götter mit,

nur die Göttin der Zwietracht ist nicht eingeladen.

Sie erscheint trotzdem und bringt einen goldenen Apfel „für die Schönste“ mit.

Drei wichtige Göttinnen geraten darüber in Streit

und Zeus bestimmt den unbeteiligten Paris, den Streit zu schlichten.

Alle drei versuchen ihn zu bestechen, aber nur der Liebesgöttin gelingt es.

Sie verspricht ihm die schönste Frau der Welt – besagte Helena.

Das Pärchen flieht in Paris' Heimstatt Troja.

Der zurückgelassene Ehemann ist außer sich.

Fast alle anderen griechischen Könige auch.

Unter der Leitung Agamemnons, dem Bruder des Betrogenen,

bricht ein gewaltiges Heer auf, Helena zurückzuholen.

Es folgt der berühmte Trojanische Krieg, in dem auch Achilles kämpft.

Diese Geschichte ist uns heute als die 'Ilias' bekannt.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass ein Bündnis gegen Troja das Ägäische Meer überquert.

Der berühmte Herakles hatte nur eine Generation früher einen Konflikt mit dem damaligen König der Stadt

und es gelang ihm sie mit einem vergleichsweise kleinen Heer einzunehmen.

Er tötete den König und fast alle seine Söhne.

Eine Tochter übergab er einem befreundeten Mitstreiter als Beute.

Ihr gelang es, einen ihrer Brüder zu retten.

Der Betreffende wird 'Priamos', der Freigekaufte, genannt

und hat zur Zeit des Trojanischen Krieges die Rolle des greisen Königs der Stadt inne.

Die Ilias ist eine endlose Quelle von Verbindungen in alle Gegenden und Epochen des antiken Griechenland.

Denn die Heere beider Seiten bestehen nicht nur aus unzähligen namentlich bekannten Helden

wie Achilles oder Odysseus, viele von ihnen stammen auch von wichtigen Personen ab,

die ihre eigenen Sagen haben.

Kastor und Polydeukes zum Beispiel, die Brüder Helenas.

Die beiden sind allgemein weit herum gekommen: Sie begleiteten Herakles bei einem seiner Abenteuer

und nahmen an der Argonautenfahrt teil.

Dieses Abenteuer ist selbst eine der größten griechischen Sagen.

Aber dieses Fass werden wir uns hüten auch noch aufzumachen.

Die Besatzung des Schiffes 'Argo' bestand nämlich aus praktisch allen großen Helden der Zeit.

Es ist das Avengers der Griechischen Mythologie.

Wir sind aber einem anderen Sagenkomplex auf der Spur.

Denn Leda hatte ja vier Kinder.

Die letzte Schwester ist Klytaimnestra.

Sie ist mit Agamemnon verheiratet.

Dem Agamemnon, der den Krieg gegen Troja anführt um seinem Bruder die schöne Helena zurückzuerobern.

Klytaimnestras Rolle beginnt kurz vor diesem langen Krieg.

Agamemnons Heereszug wird von einer beleidigten Göttin aufgehalten.

Sie verlangt seine Tochter Iphigenie als Opfer, damit er weiterfahren kann.

Agamemnon fügt sich, die Göttin bringt aber im letzten Augenblick Iphigenie heimlich in Sicherheit.

Damit bekommt sie ihre eigene Geschichte,

die zum Beispiel von Goethe in 'Iphigenie auf Tauris' verarbeitet wurde.

Die Mutter ist über den Verlust der Tochter alles andere als erfreut.

Als Agamemnon siegreich aus Troja zurückkehrt, ermordet sie ihn beim baden.

Dessen Kinder Orest und Elektra, die Geschwister von Iphigenie, sind zwischen Vergeltung und

Vergebung des Vatermordes hin- und hergerissen, entschließen sich dann zur Rache

und Orest tötet die Mutter.

Lange wird er dafür von Gewissensbissen geplagt, bis ihm schließlich die Götter vergeben.

Diese Geschichte des Dilemmas um Rache und Schuld hat ihren eigen Namen: die Orestie.

Auf seinen Reisen wird Orest mit Hermione, der Tochter Helenas vermählt

und kämpft mit dem Sohn des Achilles um sie.

So knüpfen sich auch von ihm direkte Bande zum Trojanischen Krieg,

aber das eigentlich Interessante ist, dass mit dem Verständnis der Götter für

seinen Racheakt ein Generationen alter Fluch über seine Familie aufgehoben wird.

Seine Vorväter waren dazu verdammt, jeder innerhalb der eigenen Familie einen Mord zu begehen

und so eine Spirale der Rache immer weiter voran zu treiben.

Über Orests und Elektras Vater Agamemnon und dessen Vorfahren hatte der Fluch seinen Ursprung

im Ur-Ur-Großvater Tantalos.

Tantalos war ein König, der bei den Göttern beliebt war.

Er wurde aber übermütig und stahl von einem Festmahl göttliche Speisen und Getränke.

Als sich sein Sohn Pelops dagegen aussprach, tötete er ihn

und beschloss die Allwissenheit der Götter zu testen, indem er ihnen Pelops als Braten servierte.

Die Götter durchschauten aber die Tat.

Sie verfluchten Tantalos und bestraften ihn furchtbar.

Pelops wurde von den Göttern wiederbelebt.

Es erkannten allerdings nicht alle die wahre Natur des Bratens.

Die Fruchtbarkeitsgöttin war in traurigen Gedanken über ihre Tochter Persephone verloren

und aß ein Stück Schulter.

Sie ersetzte es später durch eine Prothese aus Elfenbein.

Grund ihrer Trauer war, dass Persephone vom Gott der Unterwelt in sein Reich entführt worden war.

Er hatte sich in sie verliebt und erhob nun Anspruch auf sie.

Es gab zwar später eine Abmachung, dass Persephone die Hälfte des Jahres in der Unterwelt und

die andere Hälfte bei ihrer Mutter verbringen würde, die Göttin ist aber dennoch so erschüttert,

dass sie sich in den Monaten der Abwesenheit in einer Höhle versteckt.

So erklärt diese Sage den Ursprung der Jahreszeiten.

Anfangs suchte die Fruchtbarkeitsgöttin aber noch verzweifelt nach ihrer Tochter.

Auch Freundinnen der Persephone halfen bei der Suche

und wurden dafür von den Göttern mit Vogelflügeln ausgestattet.

So wurden sie zu den 'Sirenen' und mit ihrem betörenden Gesang eine großen Gefahr für Seefahrer.

Einer, der diese Gefahr übersteht, ist der listige Odysseus.

Der irrt nach dem gewonnenen Krieg von Troja jahrelang auf den Meeren umher, was der Dichter

Homer anschließend an die Ilias in der Odyssee behandelt.

Er erlebt viele Abenteuer.

Unter anderem überwindet er die Sirenen und besucht die Unterwelt.

Dort stößt er auch auf Tantalos und Homer lässt ihn dessen Bestrafung schildern:

Der König steht für alle Ewigkeit bis zum Hals in Wasser, aber immer, wenn er seinen

Durst zu stillen versucht, weicht das Wasser von seinen Lippen zurück.

Neben ihm wachsen die herrlichsten Früchte, aber immer wenn er davon essen möchte,

biegen sich die Äste gerade außer Reichweite.

Und schließlich leidet er ewige Angst, weil ein großer Stein droht jeden Moment auf ihn zu stürzen.

Das ist das Schicksal des Tantalos.

Der eigentliche Zweck von Odysseus' Besuch in der Unterwelt ist aber die Suche nach Rat

beim blinden Seher Teiresias, der ihm auch tatsächlich weiterhilft.

Teiresias ist ebenfalls eine bedeutende Person in der griechischen Sagenwelt –

fast die letzte, mit der wir uns hier bekannt machen.

Zu Lebzeiten war er in Theben tätig.

Dort hatte er die schwierige Aufgabe, dem König Ödipus beratend beizustehen.

Dessen Vater hatte sich in einen Sohn des Pelops verliebt und wurde dafür von Pelops verflucht.

Ödipus hat unter den Folgen des Fluches vielfältig zu leiden.

Aus seiner tragischen Geschichte entwickelt sich noch einmal eine ganze Kette von Ereignissen

rund um seine inzestuösen Nachfahren und die Herrschaft in der Stadt Theben,

aber das sind Geschichten für ein andermal.

Blicken wir lieber noch einmal zurück, auf all die verworrenen Verknüpfungen,

die wir schon aufgespürt haben:

Ödipus wird beraten vom blinden Seher Teiresias.

Dessen Hilfe sucht auch Odysseus,

der sich nach dem Trojanischen Krieg auf einer jahrelangen Irrfahrt befindet.

Er sucht den verstorbenen Seher in der Unterwelt auf, wo er auch dem ewig gequälten Tantalos begegnet.

Dessen Sohn hatte Ödipus schweres Schicksal durch einen Fluch heraufbeschworen.

Aber auch sein Vater war selbst Anlass für einen Fluch über die eigene Familie.

Diesem Fluch folgt Klytaimnestra, als sie aus Rache für den vermeintlichen Mord an

der gemeinsamen Tochter, ihren Ehemann ermordet.

Dafür wird sie selbst von ihren anderen Kindern getötet.

Der Ehemann war oberster Heerführer im Trojanischen Krieg, in dem auch Klytaimnestras Brüder

Kastor und Polydeukes zwischen ihren zahlreichen anderen Abenteuern mitkämpfen.

Anlass für diesen epischen Konflikt war die schöne Helena, Schwester von Klytaimnestra,

Kastor und Polydeukes, deren gemeinsame Mutter Leda

einst von Zeus in Schwanengestalt verführt worden war.

Damit kehrt unsere Expedition durch das Dickicht der griechischen Sagen wieder an ihren Ausgangspunkt zurück.

Und wir haben endlich den Überblick, wie schön das alles zusammenhängt.

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