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GRMN1401 Optional Readings, Deutschland-Saga – Was uns antreibt

Deutschland-Saga – Was uns antreibt

Ich bin Christopher Clark, Australier, Professor für Geschichte. Die Deutschen und ihr Land will ich erforschen, ihre große Saga durch die Jahrtausende erzählen.

Ein richtiges Biotop für Tüftler, Bastler, Erfinder und Ingenieure scheint dieses Deutschland zu sein. Damals wie heute. Von außen betrachtet hat man jedenfalls diesen Eindruck.

Ein Deutscher war es, der im fünfzehnten Jahrhundert den ersten Globus baute, und heute können wir mit Flugzeugen unter anderem deshalb die Erde umrunden, weil Otto Lilienthal im neunzehnten Jahrhundert halsbrecherische Flugexperimente machte.

Der Buchdruck, die Bakterien, die Röntgenstrahlen, das Auto, das Telefon ... ohne die deutschen Tüftler, Forscher und Erfinder würde unsere Welt ganz anders aussehen. Es gäbe keinen Kaffeefilter, keine Jeans und keine Gummibärchen.

Wäre die Welt dann ärmer? Das kommt auf den Standpunkt an. Aber die interessante Frage ist: Gibt es so etwas wie einen deutschen Genius?

Tatsächlich konnte Deutschland im neunzehnten Jahrhundert schon auf eine lange Tradition der Kultur und der Wissenschaft zurückblicken. Und dann veränderten deutsche Forscher und Erfinder die Welt endgültig. Nicht etwa nur die Welt des Geistes, sondern auch der Wirtschaft. Erfindungen und Patente ließen und lassen dieses Land boomen.

Ich bin mal wieder auf dem Weg zur Walhalla in Bayern, hoch über der Donau, wo sie alle versammelt sind ... die Dichter und Denker der Deutschen.

Überall in Europa war jetzt die Erforschung der Natur angesagt, aber aus Deutschland kamen besonders viele Impulse für das neue Zeitalter. Warum war das so? Vielleicht weil Deutschland auf breiter Ebene eine wirklich gebildete Mittelschicht besaß.

Großbritannien hatte zwar Oxford und Cambridge, die zu den ältesten Universitäten der Welt zählten. In Deutschland gab es aber schon im neunzehnten Jahrhundert rund fünfzig Universitäten. Das war der unschlagbare Vorteil der ansonsten eher nervigen Kleinstaaterei.

Und weil damals an vielen protestantischen Schulen und Universitäten der Pietismus tonangebend war, der den Fleiß, die Pflicht und die Gründlichkeit hochhielt, hatte die Forschung eine ganz besondere Triebkraft.

Auch deshalb gab es so viele Ingenieure, Tüftler und Erfinder, die die Welt mit ihren Erkenntnissen besser machen wollten. Aus Deutschland kamen damals entscheidende Schritte für die Medizin, für die Chemie, die Biologie und bald auch für die Physik.

Newton und Kepler hatten zwar unser Weltbild revolutioniert, aber in Deutschland braute sich ein Sturm des praktischen Wissens zusammen.

Das Trauma der Pest im Mittelalter und später sogar im achtzehnten Jahrhundert saß immer noch tief. Mehrfach war Deutschland von der Pest verwüstet worden.

Und bald kamen neue Seuchen. Cholera und Tuberkulose breiteten sich aus. Armut und mangelnde Hygiene förderten das. 1873 kam eine große Cholera-Epidemie nach Europa und jedes Jahr starben über 100 000 Menschen an Tuberkulose allein in Deutschland.

Der Forscher Robert Koch entdeckte den Cholera-Erreger und nahm auch den anderen großen Feind ins Visier. Immer neue Rätsel musste er lösen.

Koch fand den Erreger und jetzt konnte die Krankheit früh erkannt und später gezielt behandelt werden. Die Forscher wollten jetzt die Natur immer mehr beherrschen und durchschauen.

Konrad Röntgen entdeckte die Strahlen, die nach ihm benannt wurden, und die jetzt den Blick in den menschlichen Körper möglich machten. Akribisch führte Röntgen seine Experimente durch, immer streng nach einer bestimmten Methode, selbstkritisch und mit besonnenem Urteil.

Das ist wohl ein typisches Merkmal der deutschen Forscher in der damaligen Zeit, das machte ihren Erfolg aus.

Und dann gab es im neunzehnten Jahrhundert noch die anderen, die Tüftler, die in irgendwelchen Scheunen genauso gründlich experimentierten wie die Professoren an ihren Instituten ... wie der Physiklehrer, Philipp Reis, der sich in seiner Freizeit mit der Übertragung von Tönen beschäftigte.

Er erfand das erste Telefon. So jemand würde heute ganz schnell ein Startup-Unternehmen gründen und zum Milliardär werden, aber Reis kam für seine Zeit einfach zu früh. Ruhm und Reichtum erntete Alexander Graham Bell, der die Erfindung von Reis weiterentwickelt hatte, und patentieren ließ.

So landete die eigentlich geniale Erfindung einfach nur im Museum. Schicksal! Die alte Zeit möglichst weit hinter sich lassen, die Welt verbessern ... diese Parole setzten die deutschen Forscher jetzt um.

Künstliche Dünger, Treibstoffe, Arzneimittel ... Deutschland wird zum Chemielabor und zur Apotheke der Welt, aber der Drang nach Erkenntnis lässt nicht nach. Albert Einstein ... wieder ein Faust?

1905 in der Schweiz veröffentlicht der in Ulm geborene Albert Einstein seine spezielle Relativitätstheorie. Sie erklärt, dass eine Stunde mal schneller und mal langsamer vergehen kann.

Einstein selber erklärt das so: Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.

Elf Jahre später veröffentlicht Einstein dann die allgemeine Relativitätstheorie, ein ganz neues Verständnis des Universums und der Kräfte, die darin wirken. Einstein wird zum Weltstar und zum lebenden Symbol für Deutschland als Biotop bahnbrechender Forschung.

Zwischen 1901 und 1933 ging ein Viertel aller Nobelpreise für Wissenschaften nach Deutschland. Zwischen 33 und 1960 waren es noch ganze acht. Ungezählte Forscher, die meisten von ihnen Juden, emigrierten: Albert Einstein, Fritz Haber, Edward Teller und viele, viele andere.

Vor dem Krieg hatten Chemiker und Physiker überall auf der Welt eifrig Deutsch gelernt, um wichtige wissenschaftliche Werke zu verstehen, die aus Deutschland kamen. Heute schreiben deutsche Naturwissenschaftler lieber gleich auf Englisch.

Das ist der Lauf der Geschichte. Deutschland hatte durch die Nazis seine Besten verloren.

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