#7: Prüfungen sind mir egal [1]
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So willkommen, ihr Lieben, zurück beim
LingQ Podcast auf Deutsch Ich habe heute wieder einen tollen Gast, auf den ich mich
auch schon gefreut habe und zwar Maria von Deutsch mit Maria.
Hallo Maria, ich freue mich sehr, dass ich dabei sein darf.
Das freut mich auch.
Dann stelle ich dir doch gleich am Anfang
mal unsere Standardfrage, nämlich Wer bist du?
Was machst du? Upsala.
Da fällt mir ein Kabel runter. Wer bist du?
Was machst du?
Und wo kann man dich finden, wenn du gefunden werden möchtest?
Okay. Ich bin tatsächlich Maria.
Ich bin zu finden auf YouTube.
In erster Linie.
Ich habe einen Kanal für fortgeschrittene Deutsch Lernende.
Was heißt fortgeschritten?
Das heißt B2, C1, c2 bis D8, wie ich das meine.
Und genau dort findet man mich.
Man findet mich aber auch auf Instagram und auf Ticktack und auf Facebook.
Alles unter Deutsch mit Maria.
Ansonsten findet man mich auch in meiner
Online Schule, wo wir passend zum YouTube Kanal auch Kurse anbieten
für Leute, die es vielleicht etwas ernster meinen mit dem Deutsch lernen.
Okay, okay, wie immer sind die Links zu allem was damit was mit Maria zu tun hat.
Wo man Maria online finden kann, ist alles in der Beschreibung verlinkt.
Schaut mal vorbei, das heißt du bist
professionelle Sprachlehrerin und wir sind YouTube Kolleginnen.
Wir haben auch beide glaube ich relativ gleich angefangen.
Mit dem Unterschied, dass du zu dem Zeitpunkt, wo du angefangen hast, schon
eine fertige Lehrerin warst und ich gerade mit dem Lehrer Studium angefangen habe.
Ich glaube, als Lehrer ist man nie fertig
oder man kann irgendwann anfangen, aber so wirklich fertig ist man nie.
Das ist ein sehr guter Punkt.
Das ist auch gar nicht so unähnlich zum Sprachenlernen an sich.
Ich ich spring mal gleich in was ins Thema und zwar als Sprachlehrer.
Hast du so zwei, drei große generelle pauschale Tipps zum Sprachenlernen?
Ja, das ist immer das Schwierigste zu
beantworten, weil die Leute einfach so unterschiedlich sind.
Aber ich könnte sagen, man muss immer sehr auf sich selbst achten.
Also man muss schauen, was funktioniert für mich.
Und das als Filter benutzen für alle Tipps, die von außen kommen.
Egal ob das von einem Deutschlehrer, von einem YouTuber oder von, weiß ich nicht.
Egal von welcher Sprache lernen Gurus kommt.
Wenn es für dich nicht funktioniert, lass es sein.
Und ganz wichtig Du solltest auch kein
schlechtes Gewissen haben, wenn du denkst Scheiße, alle arbeiten mit Karteikarten
und für mich funktionieren Karteikarten einfach nicht.
Das ist wahrscheinlich das Wichtigste und es muss Spaß machen.
Das wird sehr oft vergessen, vor allem auf
hohen Niveaus, da wo wir arbeiten und die Leute kommen mit der Einstellung Koste es,
was es wolle, ich muss C1 schaffen, ich muss hier weg, ich möchte an die Uni, ich
möchte hier arbeiten und dann wird man so furchtbar ernst.
Und Erwachsene haben die Tendenz, viel zu ernst zu sein und
einfach locker lassen, überlegen Was macht dir eigentlich Spaß?
Und darauf achten?
Ich sage auf meinem Kanal auch immer Ey,
wenn ihr nur meine Videos guckt, ihr lernt dann nicht Deutsch.
So funktioniert das nicht.
Jeder muss das finden, was für ihn funktioniert.
Das ist aber auch eine sehr unbefriedigende Antwort.
Weil man sich, glaube ich, als
Sprachlehrer ja immer wünscht, dass jemand kommt und sagt Hier ist die Lösung.
So geht es am einfachsten.
Du sprichst ja selber mehrere Sprachen.
Deutsch ist nicht deine Muttersprache, aber du sprichst es.
So gut, dass man das nicht merkt.
Welche Sprache sprichst du denn noch?
Also ich habe Russisch als Muttersprache, Lettisch als Zweitsprache.
Inzwischen hat sich das, glaube ich, ein bisschen verschoben, weil ich Lettisch
seit 17 Jahren kaum benutze, seit ich in Deutschland lebe.
Deutsch offensichtlich Englisch.
Ich schaue ziemlich viele englische Serien
oder englischsprachige Serien an, spreche auch ein halbwegs passables Rumänisch.
Also ich könnte mich nicht über Nietzsche
unterhalten und seine Philosophie, aber über Alltagsthemen.
Und seit ein paar Jahren bin ich tatsächlich am mexikanischen Spanisch dran
und damit komme ich sehr langsam voran, weil ich keine akute Motivation habe.
Und ich habe einfach Spaß an der Sache und das ist einfach nur cool.
Wobei mein B1 wahrscheinlich noch lange nicht in ein B2 emporsteigen wird.
Und ich muss sagen, wenn ich eine neue
Sprache auswähle, die ich lernen möchte ich das ist oft eine sehr intuitive Sache.
Es muss gut klingen für meine Ohren, subjektiv.
Und es reicht eigentlich auch, wenn ich ein bestimmtes Buch lesen möchte, in
dieser Sprache oder einen Film schauen oder so was.
Und ganz ehrlich Ich gehöre zu den Leuten,
die auch ohne groß gestecktes, hoch gestecktes Ziel etwas machen.
Ich brauche einen Antrieb, eine
Motivation, die für den Moment für mich reicht.
Es kann sein, dass ich nie zum Ziel komme.
Ich bin so ein klassischer Scanner aus der aus dem Buch von Barbara Scherer.
Das sind die Leute, die einfach alles gleichzeitig machen wollen, sich für alles
interessieren und das meiste nie zu Ende bringen.
Genau. Und das ist einfach mein Lebensstil.
Und ich muss sagen, seit ich dieses Buch
gelesen habe, weiß ich auch, dass es okay ist.
Man kann immer sehr leicht aus der Ferne Tipps für andere geben.
Ähm, weil man sich ja kognitiv logisch überlegen kann.
Das funktioniert gut.
Das ist erwiesener Weise etwas, was gut funktioniert.
Ich nenne mal ein Beispiel.
Ich hatte letztens die Erfahrung Ich habe, ich wollte ein Brettspiel spielen, ich war
in Holland und das war aber nur auf Niederländisch.
Jetzt muss man ja sagen, für alle, die das
nicht wissen Niederländisch ist sehr nah am Deutschen dran.
Also das war einfacher, als wenn ich jetzt eine Gebrauchsanleitung auf zum Beispiel
Arabisch gehabt hätte, aber hier gar nichts.
Und was interessanterweise passiert ist, ist, dass ich, als ich einmal durch die
Gebrauchsanleitung durch war, ich plötzlich Sachen, an die ich am Anfang
nicht verstehen konnte, auf einmal besser verstehen konnte,
weil ich einfach durch das Lesen der Gebrauchsanleitung und durch die ganz
verschiedenen Kontexten in Wörter aufgetaucht sind.
Die Sätze und dass ich ja schon ein
bisschen was darüber wusste, habe ich Wörter dazu gelernt.
So, das ist was.
Das macht mir tierisch, sehr Spaß,
weil ich so richtig bemerken kann, wie der Prozess funktioniert.
Ich weiß aber, dass es bei anderen Leuten
eventuell sein könnte, dass sie das machen und dass sie sehr frustriert, dass sie
ganz viele Wörter trotzdem nicht verstehen.
Oder dass sie dadurch, dass sie Sprache nicht so
analytisch sehen wie ich, sich das gar nicht so sehr herleiten können.
Und dann einfach nur denken.
Ich kenne diese Vokabeln nicht, ich weiß nicht, was der Satz heißt.
Als Sprachlehrer sollte ich eigentlich in der Lage sein zu sagen Hey, das ist eine
Methode, die funktioniert für mich gut, also hat die einen Wert.
Aber ich persönlich.
Und mich würde interessieren, wie es dir geht.
Tendiere trotzdem dazu zu sagen
okay, aber es gibt ja etablierte Sachen oder es gibt Sachen, von denen weiß
ich, dass die gut funktionieren, egal wie oft ich sie selber benutze.
Und die empfehle ich lieber als die Sachen, die ich halt selber gerne mache.
Weil es kann ja sein, dass nur ich das so mache.
Geht dir das auch so?
Ich glaube, ich achte inzwischen viel mehr
auf Glaubenssätze, die jemand hat beim Sprachenlernen.
Also Methodik ist eine Sache, es gibt
viele verschiedene Methoden und bei den Methoden kann man einiges falsch machen.
Aber im Prinzip, wenn du regelmäßig dich mit der Sprache beschäftigst, auch wenn du
Methoden willst, die eigentlich nicht so optimal für dich sind.
Die Regelmäßigkeit macht es also, wenn du wirklich hartnäckig jeden Tag 30 Minuten
irgendwas machst für die Zielsprache, dann wird es schon funktionieren.
Aber was wahnsinnig hinderlich ist, ist
sozusagen die Hardware, die wir haben, und zwar unsere Glaubenssätze.
Zum Beispiel die Lehrerin sowieso hat in
der Schule immer gesagt Mensch, du bist doch überhaupt nicht sprachbegabt, in
Mathe bist du gut, aber Sprachen sind einfach nicht dein Ding.
Und das sind Dinge, von denen wir oft
glauben Ach, das hat doch die alte Schachtel damals gesagt, das stimmt
überhaupt nicht, das glaube ich auch gar nicht.
Aber unser Unterbewusstsein glaubte sehr wohl, dass es so wie du.
Du hast eine blöde Bemerkung zu Weiß es
nicht zu deiner Figur gehört oder zu deiner Frisur oder zu irgendwas.
Und es bleibt einfach wie weiß ich nicht, wie so ein toxischer
Gedanke im Unterbewusstsein hängen und es kann einiges kaputt machen.
Und ich? Ich habe schon viele, viele Kunden gehabt,
die durch die Glaubenssatz Arbeit viel schneller vorangekommen sind.
Ich hatte Kunden, die perfektes oder fast
perfektes Deutsch gesprochen hatten, aber sie haben es mir nicht geglaubt.
Sie haben gesagt Nein, nein.
Also letztens eine Ärztin, die ich betreut habe.
Hohe Position seit Ewigkeiten in Deutschland.
Aber sie hat gesagt Ja, wenn ich aber spreche und die
Krankenschwester, der ich Anweisungen gebe.
Sie machte ein komisches Gesicht, so als würde sie mich nicht verstehen.
Da ist Klappe zu, Affe tot.
Und ich bin felsenfest davon überzeugt,
dass mein Deutsch viel zu schlecht ist und dass es sofort Fehlinterpretation wäre.
Sie weiß ja gar nicht, ob die
Krankenschwester schlecht hört oder wegen was anderem das Gesicht verzieht.
Aber ja, genau.
Und deswegen habe ich ja extra darüber ein Video gemacht, wo ich zig Gründe
aufgezählt habe, warum Muttersprachler das Gesicht verziehen, wenn sie dir zuhören.
Und die verstehen dich vielleicht nicht.
Vielleicht haben sie Kopfschmerzen.
Vielleicht denken sie Oh, hätte ich bloß
in der Schule aufgepasst, dann hätte ich jetzt Englisch sprechen können, mit der
Person oder oder irgendeine andere Sprache.
Es gibt so viele Gründe und meistens sind
Leute viel mehr mit sich selber beschäftigt.
Genau. Genau, wie perfekt du sprichst.
Ja, genau. Aber die Fragen, die ich am häufigsten
bekomme, ist so Ja, Maria, wie kann ich denn Wörter lernen?
Wie ich lerne Vokabeln?
Und heute habe ich sie gelernt und in drei Wochen ist wieder alles weg.
Und das ist eine nicht nur sekundäre.
Das ist eine tertiäre Frage.
Und ich stelle immer zitiere.
Also an dritter Stelle Ich ich muss das jetzt einfach irgendwie reinhauen.
Also wichtig ist, dass du verstehst Was ist dein Ziel?
Wo möchtest du hin?
Was motiviert dich?
Und ganz, ganz häufig kommt es vor, dass zum Beispiel jemand sagt Na ja, mein Mann
ist der Meinung, ich sollte mein Deutsch verbessern.
Kannst du vergessen.
Funktioniert nicht.
Mein Chef macht blöde Witze, wenn ich Fehler mache.
Deswegen möchte ich mein Deutsch verbessern.
Und dann habe ich als erstes gefragt Bist du denn sicher, dass dein Chef kein
anderes Thema findet, worüber er blöde Witze machen kann?
Wenn dein Deutsch perfekt ist, dann ist
deine Frisur dran oder deine Figur oder dein Lippenstift.
Und das war auf einmal ein völlig anderes Bild von der Situation.
Ja, Motivation, Motivation, Motivation.
Das kann ganz unterschiedlich aussehen.
Also ob es jetzt ist, dass ich wirklich,
dass es für mich reicht, dass ich gerne meine Verwandten im Ausland
verstehen können möchte und auch mit ihnen reden können möchte oder weiß ich nicht.
Jemand, der voll der geschichts freak ist,
der vielleicht die Quellen im Original lesen können möchte.
Wenn das lang genug reicht, dass du es dann lernst.
Oder wenn wenn.
Wenn du damit das Ziel erreichst, dass du hast und sich gut damit fühlst.
Super. Das heißt zu deinem.
Lernprozess nicht so, Lernprozess vielleicht auch.
Aber zu einem Lernprozess gehört auch
immer Ganz groß ist ein großer Teil Psychologie.
Ja, ganz, ganz viel.