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2022 Tagesschau, nachtmagazin 23.02.2022, 00:30 Uhr - Separatistengebiete

nachtmagazin 23.02.2022, 00:30 Uhr - Separatistengebiete

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit dem nachtmagazin.

Diese Sendung wurde vom NDR live untertitelt (23.02.2022)

Heute im Studio: Anna Planken

Herzlich willkommen an Tag zwei der neu geschaffenen Tatsachen.

Heute hat der russische Präsident Putin klargestellt:

Er erkennt eine Unabhängigkeit der Separatistengebiete großflächig an,

über die bisher besetzten Regionen hinaus.

Alle Welt schaut auf die Panzer.

Wo stehen sie, wie bewegen sie sich?

Die Wahrheit ist schwer zu überprüfen.

Auf diesem Bild befinden sich die russischen Panzer noch

auf russischer Seite in Rostow am Don.

Aber ob sie da immer noch stehen, wie sie sich bewegen,

das können wir nicht genau sagen.

Es gibt Berichte über Militärbewegungen

an der Grenze, aber entfernt von den Separatistengebieten.

Wenn das stimmt, wäre das kein gutes Zeichen.

Genauso wie es kein gutes Zeichen ist, dass der ukrainische Präsident

Reservisten an die Waffen gerufen hat.

Eine Teilmobilmachung, wie es heißt.

Die Ereignisse des Tages:

Russische Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine.

Nach unbestätigten Angaben sollen Militärfahrzeuge

und schweres Gerät unterwegs sein in die Separatistengebiete.

Er strebe nicht die Wiederherstellung eines russischen Großreiches an,

erklärt Putin am Mittag beim Treffen mit Aserbeidschans Staatschef.

Und am Abend bei einer Pressekonferenz:

Das Minsker Abkommen war schon lange tot.

Lange vor der gestrigen Anerkennung der Volksrepubliken.

Das geht weder auf unser Konto noch das der Vertreter dieser Republiken,

sondern auf das Konto der Machthaber in Kiew.

Hier im Kreml hatte Putin gestern mit den Separatistenführern

den Bündnisvertrag unterzeichnet und damit den Konflikt weiter eskaliert.

Der Vertrag umfasst auch militärische Hilfe.

Alle Verantwortung für mögliches Blutvergießen wird nur das Gewissen

des Regimes belasten, das das Territorium der Ukraine regiert.

In Kiew: Krisenmodus.

Die Ukraine hat einen ranghohen Diplomaten aus Moskau zurückbeordert.

Ich habe die Anfrage des Außenministeriums erhalten:

Um die Frage des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen

mit Russland prüfen.

Im russischen Föderationsrat fällt eine wichtige Entscheidung:

Die 153 Mitglieder stimmen für den Einsatz russischer Truppen

und damit für einen Antrag von Präsident Putin.

Auch das sind ukrainische Reaktionen auf die Worte aus Russland:

Feuerwerk und feiernde Menschen - dieses Bild ist aus dem Donbass.

Wie kann das sein?

Diese Region ist völkerrechtlich Teil der Ukraine.

Ein Teil dieses Teils ist bewohnt und besetzt

von russischen Separatisten.

Die haben aber für viel mehr als für ihre abgespaltenen Regionen

die Unterstützung Russlands eingefordert.

Der Boden der umstrittenen Volksrepubliken umfasst Gebiete,

die noch von der ukrainischen Armee gehalten werden.

Diese Tatsache macht aus einem geographischen Planspiel

einen hochgefährlichen Konflikt.

Der Donbass ist eine Region im Osten der Ukraine.

Dazu gehören die Provinzen Donezk und Luhansk.

Russland hat sie gestern als unabhängig anerkannt.

Seit 2014 werden Teile davon

von aus Russland unterstützten Separatisten kontrolliert.

Andere Teile des Donbass sind unter ukrainischer Kontrolle.

Dazwischen verläuft eine vorübergehende Grenze,

die Demarkationslinie.

Hier kommt es immer wieder zu Kämpfen.

Im Donbass fühlen sich viele Menschen Russland-verbunden.

In den vergangenen Jahren hat Russland

russische Pässe an die Bewohner der Separatistengebiete verteilt.

Die Hafenstadt Mariupol

liegt im von der Ukraine kontrollierten Teil.

Ob Russland auch hierher Militär schicken will, ist unklar.

Sollte das passieren, würden wohl russische und ukrainische Truppen

aufeinandertreffen.

Die militärische Lage könnte eskalieren.

Auf weitere Eskalationen stellen sich auch die USA ein.

Das konnte heute Abend jeder hören, der den US-Präsidenten gesehen hat.

Claudia Buckenmaier in Washington:

Was hat Joe Biden gesagt, wie brisant schätzt er die Lage ein?

Ich hatte den Eindruck, dass er sie sehr brisant einschätzt.

Er sagte, er glaube, dass Putin einen massiven militärischen Angriff

auf die Ukraine plane.

Und er hoffe, dass er damit falsch liege.

Aber alles deutet darauf hin,

dass Putin die Situation eskalieren würde.

Er betonte, man bleibe offen für Diplomatie.

Aber wo der Raum für Diplomatie sein soll,

wurde mir heute nicht wirklich klar.

Vor kurzem hat die Regierungssprecherin bestätigt,

dass es dieses Treffen zwischen Biden und Putin

in nächster Zeit definitiv nicht geben wird.

Wie gehen die USA jetzt weiter vor?

Sanktionen? Militär?

Es gibt Sanktionen, die wurden heute verkündet.

Unter anderem gegen Finanzinstitute.

Gegen zwei wichtige russische Banken,

die eng mit dem Kreml und dem russischen Militär verbunden sind.

Man will Russland vom europäischen und amerikanischen Kapitalmarkt

abschneiden.

Dann gibt es Sanktionen gegen fünf Führungsmitglieder

der russischen Elite.

Das hat Präsident Biden so begründet, dass er gesagt hat:

Die sollen den Schmerz spüren, was es bedeutet,

einen Präsidenten wie Putin zu unterstützen.

Sie sollen vielleicht Druck auf Putin ausüben.

Und Biden hat eine Verlegung von US-Truppen

in die baltischen Staaten verkündet.

US-Außenminister Blinken hat sich am Abend

mit seinem ukrainischem Kollegen getroffen.

Was ist da rausgekommen?

Das Wichtigste kam vorab:

Man hat sich die letzten Tage immer wieder gefragt,

ob das geplante Treffen in Genf zwischen Blinken

und seinem russischen Kollegen stattfinden würde.

Dem hat er heute eine Absage erteilt.

Er hat der Ukraine immer wieder Unterstützung versichert.

Militärisch, humanitär, auch wenn es wirtschaftlich eng werden würde.

Da stehe man an der Seite der Ukrainer.

Ich hatte den Eindruck, dass der ukrainische Außenminister

nicht immer glücklich damit war.

Er hätte sich vielleicht deutlichere Sanktionen gewünscht.

Aber das war eher zwischen den Zeilen.

Danke.

Und die Erwartungen an die USA sind groß, ebenso wie an die EU.

Demonstranten vor der russischen Botschaft in Kiew

forderten nichts weniger als dass sie alle Putin stoppen sollen.

Aber wie?

Darüber machen sich die EU-Staaten seit Wochen Gedanken.

Gemeinsam, entschlossen und schnell:

Das sollten die Kriterien für Sanktionen und Reaktionen sein.

Nach der ersten Überraschung gestern Nacht kam heute die Antwort.

Einen Tag nach den dramatischen Entscheidungen in Moskau

ringt Europa um Fassung.

Der Kreml gefährde den Frieden –

die verstörende Rhetorik Putins sei ein Alarmzeichen.

Europa steht nur einen Schritt vom Krieg entfernt.

Das Gerede, dass die Ukraine ein künstlicher Staat sei

oder Russland bedrohe – es sind Märchen.

Wie soll man reagieren?

In Brüssel schlägt die EU-Kommission erste Sanktionen vor.

Russland hat diese Krise mutwillig ausgelöst.

Wenn der Kreml das weiter eskaliert,

werden wir nicht zögern, weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Die EU-Außenminister stimmten diesem Paket zu.

Die Sanktionen sind nur ein kleiner Teil dessen,

was die EU vorbereitet hatte - für den Fall einer Invasion.

Eine Friedensmission auf ukrainisches Gebiet zu senden,

ist eine Eskalation der russischen Aggression gegen die Ukraine.

Das sieht auch die NATO so.

Sie warnte am Abend: Russland plane einen großangelegten Angriff.

Diese neue Lage hat den Druck in Deutschland erhöht,

sich klar in Sachen Gaspipeline zu äußern.

Das Wort, das Olaf Scholz partout nicht in den Mund nehmen wollte:

Nord Stream 2.

Das deutsch-russische Projekt wurde heute offiziell auf Halt gesetzt.

Scheitert es endgültig, träfe das Deutschland und Russland.

Aber hat das überhaupt noch Einfluss auf Putins Entscheidungen?

"Stoppt Putin, stoppt den Krieg".

Es sind mehrere Gruppen,

die sich vor der russischen Botschaft einfinden.

Die Waffen nieder, fordert Die Linke.

Sanktionen gegen Russland - die Jungen Liberalen.

Besuch aus Irland.

An anderen Tagen liefern solche gemeinsamen Auftritte

kaum mehr als allgemeine Worte.

Heute Härte statt Höflichkeit in Richtung Moskau.

Scholz sagt, es gelte, einen Krieg abzuwenden.

Die Lage ist eine grundlegend andere.

Deshalb müssen wir angesichts der jüngsten Entwicklung

sie neu bewerten, auch im Hinblick auf Nord Stream 2.

Er kündigt eine Entscheidung an, die wochenlang

im Wirtschaftsministerium vorbereitet wurde.

Der Betrieb aufgeschoben - für immer?

Das kann keiner vorhersagen. Man sollte jetzt nicht drauf wetten.

Die Pipeline-Pausentaste:

In vielen EU-Staaten, auch in den USA

hatte man sich das Signal früher gewünscht.

In Mecklenburg-Vorpommern, wo die Pipeline ankommt:

Gemischte Reaktionen.

Grundsätzlich richtig.

Wir können uns nicht so abhängig machen von 'nem,

man muss fast sagen, Aggressor.

Wenn der Russe sich nicht an die Abmachung hält hier,

dann ist das richtig.

Irgendwie müssen wir den zur Räson bringen.

Wovon sollen wir heizen, kochen, wenn das abgeschaltet wird?

Scharfe Kritik an der russischen Entscheidung beim Ost-Ausschuss

der deutschen Wirtschaft, und Sorge über die Folgen.

Sanktionen, Krieg, gar nicht gut.

Wir haben im letzten Jahr über 30 Prozent Wachstum

im bilateralen Handel.

Umso bedauerlicher und tragischer sind diese Probleme.

Die Konsequenz ist noch nicht nachvollziehbar,

aber das ist Gift für die Wirtschaftsbeziehungen.

Im Senegal sagt der Bundespräsident wenig beruhigende Sätze.

Ist die Spitze der Eskalation erreicht?

Das könne er nicht beurteilen.

Zu befürchten ist, dass wir das Ende noch nicht erlebt haben.

Es sind Zeiten der Unsicherheit - in der Politik und in der Wirtschaft.

Kommen wir zu einem Thema, das Deutschland seit 2020 umtreibt:

Die Belastung der Menschen,

die jeden Tag versuchen, uns durch die Pandemie zu retten.

Pflegende, die im Gegensatz zu den meisten anderen

immer wieder sehen, was das Coronavirus anrichten kann.

Ihre Belastung oder eben Entlastung ist bis heute die Rechtfertigung

für weitreichende Schutzmaßnahmen.

Oft wurde in diesen zwei Jahren ihre Arbeit mit Worten gewürdigt.

Dann wurde aber schnell klar, dass klatschen alleine

nicht reichen wird, um Menschen in diesem aufreibenden Job zu halten.

Deshalb wurde seit 2020 ein einmaliger Corona-Bonus gezahlt.

Dabei gab es immer Streit darüber, wie viel Geld es sein sollte

und wer Anspruch darauf hat.

Dann kam die neue Bundesregierung und die will einen Bonus nachlegen.

Eine Milliarde Euro,

so steht es in einem Eckpunktepapier des Gesundheitsministeriums.

Ab Juni soll das Geld ausgezahlt werden.

Auch der Bundespräsident war heute in Sachen Corona unterwegs.

Steinmeier ist im Senegal und will sich dafür einsetzen,

dass in Afrika bald Impfstoff produziert wird.

Damit die Menschen dort unabhängiger sind von Importen,

die viel zu selten in Afrika angekommen sind.

Das Institute Pasteur in Dakar:

Seit Jahrzehnten medizinische Forschung, Seuchenüberwachung,

ein Serum gegen Gelbfieber wird hier hergestellt.

Bisher aber kein Corona-Impfstoff.

Institutsleiter Amadou Sall will das ändern.

Die Pandemie, sagt er, hat gezeigt, wie schwierig die Lage in Afrika ist.

Es gab genug Impfstoffe in anderen Ländern, aber keiner wollte teilen.

Wir müssen daraus lernen,

unser Schicksal in unsere eigenen Hände zu nehmen.

Das gilt nicht nur für Corona -

bislang muss Afrika 99 % aller Impfstoffe importieren.

Nun will das Institut Pasteur

auch mit deutscher Hilfe eine Gelände für Impfstoffproduktionen aufbauen.

Baustellenbesuch des Bundespräsidenten.

Der plädiert nicht für die Freigabe von Patenten,

aber für die Produktion vor Ort.

Dabei steht im Augenblick Corona noch im Vordergrund.

Aber es geht jetzt schon um neue Impfstoffe,

insbesondere im Kampf gegen Malaria.

Auch Biontech will im Senegal mitmachen.

Die Firma plant, Impfstoffe in Containern zu produzieren,

die schlüsselfertig vor Ort aufgestellt werden sollen.

Trotzdem: Es brauche einen anderen Umgang mit Impfstoffpatenten,

mehr Technologietransfer, fordern Fachleute und Hilfsorganisationen.

Zum Ende dieses Tages dürfen wir Ihnen noch diesen Mann präsentieren:

George Aperghis.

Er komponiert moderne Musik von der Oper bis zum Schlagzeug-Solo.

Er hat heute einen Preis gewonnen,

der als Musik-Nobelpreis bezeichnet werden kann.

Der Ernst-von-Siemens-Musikpreis, dotiert mit 250.000 Euro!

Ein Grieche, der seine Heimat in Frankreich gefunden hat

und musikalisch in keine Schublade passt.

Ein Mann, der viel schweigt, wirkt konzentrierter.

Ein Pianist der aus Canettis "Masse und Macht" zitiert.

Eine Streicherin, die singt.

"Situations" nennt sich das Werk.

Uraufgeführt 2013 in Donaucheschingen.

Komponiert von Georges Aperghis, der am Abend ausgezeichnet wird.

Ein Komponist, der die Szene revolutioniert,

der sich schneller Einordnung widersetzt.

Insbesondere mit dem Umgang mit dem gesprochenen Wort,

aber auch mit Gesang, dem Text mit den Künstlern:

Er ist neue Wege gegangen.

Und ich glaube, dass er auch ganze Generationen

von Komponistinnen und Komponisten beeinflusst hat.

Er hat ihnen einen Weg gewiesen.

Der Grieche George Aperghis: 1945 in Athen geboren.

Die Mutter malt, der Vater ist Bildhauer.

1963 zieht er nach Paris, hier lebt und arbeitet er heute noch.

Seine Noten bringt er noch ganz altmodisch mit dem Stift auf Papier.

♪ Wilde Streichmusik ♪

Komponieren ist Medizin für mich.

Es ist sehr wichtig für mich, ich brauche es.

Es ist mein Leben.

Das Klangforum Wien: sein Lieblingsorchester.

Für ihn mehr als eine Freundschaft.

De Musiker lieben die Zusammenarbeit und die Herausforderung.

Großartig, wunderbar, wunderschön, einfach.

Wilde Mischung, passt auch zum Wetter.

Und wenn Sie das Wasser der letzten Tage leid sind,

haben wir einen kleinen Stimmungsaufheller für Sie.

An der See und auf den Bergen gibt's heute Nacht Sturmböen.

Der Regen zieht sich nach Süden zurück.

In den Hochlagen Schnee.

Von Nordwesten lockert es auf.

Am Tag fällt an den Alpen Regen oder Schnee.

Im Laufe des Tages setzt sich immer mehr die Sonne durch.

Das war es von uns.

Gegen 2.55 Uhr hat Constantin Schreiber die nächste tagesschau.

Kommen Sie gut durch die Nacht.

Copyright Untertitel: NDR 2022

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