×

Utilizziamo i cookies per contribuire a migliorare LingQ. Visitando il sito, acconsenti alla nostra politica dei cookie.


image

YouTube | News Videos / Doku, Zum Glück zu zehnt - Leben in der Großfamilie | SWR Doku (2)

Ähm ...

Zum Beispiel, Luxus ist jetzt,

wenn ich mit Mama mal irgendwie shoppen gehe

und dann mit der mal essen gehe und mit der alleine bin.

Das ist schon für mich Luxus.

(Beschwingte Akkordeonmusik)

Luxus ist für diese Großfamilie na- türlich auch ein gemeinsamer Urlaub.

Nepomuk!

Dabei haben wir Familie Adler damals ebenfalls begleitet.

Wie reist eine zehnköpfige Familie mit Sack und Pack Richtung Süden?

55, das ist unser Wagen!

Welche Logistik steckt dahinter?

Und wie koordiniert ist das Ganze?

Wir gehen hierhin.

(Leises Stimmengewirr)

Ich will ans Fenster. (Genervtes Seufzen)

(Lautes Stimmengewirr)

Die Adlers fallen immer auf.

Einfach, weil sie viele sind.

Ich will ein Päckchen!

Das ist für die Kleinen. - Wie?

Die hab ich für die Großen. - Gib her.

Klar, das Schlechtere.

Und dann noch mal umsteigen, mit acht Kindern und dem ganzen Gepäck.

(Beschwingte Akkordeonmusik)

Beneidet haben wir sie damals nicht.

Reinmachen! - Rein mit dir!

(Fernes Motorradrattern)

Endlich im Elsass angekommen.

Nun geht es auf ein Hausboot.

Eine Woche lang, zehn Personen auf 35 Quadratmetern.

So machen wir das, einer gibt die Hand,

und dann geb ich dir den Koffer.

Für alle beginnt schon vor der Abfahrt ein Abenteuer.

Kann ich auch so aufs Bett rauf? Ich brauch Hilfe!

Ich komm hier nicht runter.

Hey, ich muss mal Pipi.

Wer geht mit wem in welche Kabine?

Wo ist das Klo?

Und vor allem: Wo ist die Dusche?

Ist dir aufgefallen, wie man hier duschen soll?

Ja, da hinten. - Ja, und wie?

Hast du keine Dusche gesehen?

Doch, aber wie soll man da duschen? - Wie, wie soll man da duschen?

Ja, guck. Wo genau siehst du denn hier was zum Duschen?

Da muss man ja irgendwie den Kopf drunterhalten.

Soll das das Duschteil sein? - Ja, das ist doch ganz normal.

Stimmt, aber wenn du dich da reinstellst, ist dein Kopf da.

Was denkst du denn, das ist keine Luxusjacht.

Wir sind ja nicht auf der Queen Mary.

(Kind:) Emil! Wie macht man hier ...

Der Moment des Ablegens.

Ab jetzt geht es eine Woche vom französischen Lutzelbourg

durch die Kanäle des Elsass.

Ganz schön schnell, Schatz. Geht's nicht langsamer?

Das ist total langsam.

Hinsetzen jetzt!

(Ein Kind schreit.)

Müssen wir an der linken Seite halten? Ja, ne?

Mama, wir müssen so eine größere Kurve fahren.

Die Kinder sind das eine.

Die permanenten Schleusen das andere.

Das wollt ich jetzt nicht. - Ja, fast.

Im Moment ist das noch anstrengender als der Alltag.

(Reporterin:) Warum?

Weil das alles so neu ist.

Die Kinder sind sozusagen auf engem Raum zusammen

und sind natürlich ganz fürchterlich aufgeregt.

Und wenn man dann auch noch aufgeregt ist,

sind die doppelt aufgeregt.

Dann: Wie reagiert das Boot? In welche Richtung muss man fahren?

Ich glaub, kaputtmachen kann man's nicht.

Ich glaub, es sind ausreichend Poller an der Seite.

Und ... es ist halt wirklich sehr aufregend.

(Sanfte Musik, leise Vogellaute)

Seine Zeit zum Laufen nimmt sich Paul auch hier.

Ein bisschen Entspannung im sogenannten Urlaub.

(Vogelgezwitscher)

Unser ganzes Leben sozusagen beruht ja auf dem Familienleben,

insofern ist eigentlich jeder Tag eine Art Kampf.

Also, es ist immer wieder neu und eben ...

Ich hab sozusagen es geschafft ...

da irgendwie jeden Tag optimistisch reinzugehen

und zu gucken, zu glauben, dass es ein guter Tag wird

und dass wir uns alle vertragen und lieben und ... ja.

Bis dann wieder Ärger passiert.

(Ruhige Musik, leise Stimmen)

Anton, Emil fährt! - Ja?

Jeden Tag Kräftemessen.

Ich zeig dir mal, wie man das macht. - Nee.

Ich beschimpf dich nicht, und du beschimpfst mich nicht.

Hier gibt's auch nichts zu beschimpfen.

Monika versucht, alles zusammenzuhalten.

Das Fahren durch die engen Kanäle macht Stress.

Erst recht, wenn pubertäre Jungs Kräfte messen.

(laut:) Nach rechts! Nach da!

(Monika schimpft.) Ich hab so nix gesehen!

Du schrammst hier alles weg!

Echt. Ich war grade, bis der dahin gelaufen ist!

Was lenkst du immerzu?

Fahr doch einfach geradeaus durch! - Ja, das sagt die Richtige.

Und dann ist da auch noch die Sorge um die Kleinen,

die permanent vom Boot fallen können.

(Die Kinder schreien, es hallt.)

(Jemand weint.)

Du kletterst nicht aus dem Fenster raus.

Nein, aber ich guck aus dem Fenster.

Aber du kletterst nicht raus. - Ja.

Das ist gefährlich ...

Nur einer bleibt bei all dem gelassen.

Paul.

Kann er auch. (Alarmsignal)

Monika schafft ihm dafür den Freiraum.

Ich kann ja jetzt nicht sagen, Paul steht an Stelle eins

und die Kinder tummeln sich alle auf Stelle zwei.

Man hat mal zu dem einen eine besondere Zuneigung,

mal zu dem anderen.

Die haben alle gleich viel Platz im Herzen,

aber wirklich an der ersten Stelle steht der Paul.

(Belebte Musik)

Knapp zehn Jahre später.

Monika ist nun 52 Jahre alt.

Drei Kinder sind ausgezogen.

Und so hat sich Monikas Aktionsradius seit damals deutlich erweitert.

(Belebte Musik)

Denn auch für die erwachsenen Kinder,

die mittlerweile in einer eigenen Wohnung leben,

fühlt sie sich in Düsseldorf immer noch zuständig.

(Belebte Musik)

Nach wie vor mach ich das richtig gerne mit den Kindern.

Was ich sehr genieße, ist,

ich hab immer noch ein ganz enges Verhältnis zu den Kindern.

Ich werd immer noch sehr einbezogen.

Es ist quasi wie vor zehn Jahren,

da hatte ich ja auch zu allen ein enges Verhältnis.

Und auch eben zu denen jetzt, die nicht mehr vor Ort sind.

Sohn Anton, mittlerweile 24,

ist grade für ein Praktikum in Braunschweig.

Für seine Rückkehr soll alles von Mama vorbereitet sein.

(Belebte Musik)

(Die Musik verklingt.)

Natürlich merke ich auch, dass ich neun Jahre älter geworden bin.

Die Kinder sagen immer, Mutter, du brauchst mehr Kondition,

wenn du die Treppe raufgehst, aber ...

Also, so im Großen und Ganzen ist die Situation so ähnlich

wie auch vor neun Jahren.

Lotte Adler ist heute 21 Jahre alt und lebt noch zu Hause.

Sie hat als Einzige ein eigenes Zimmer.

Nämlich das von Luise, die längst ausgezogen ist.

(Mandolinenspiel)

Lotte studiert Mandoline und gibt Konzerte,

verdient schon ihr eigenes Geld damit.

(Gefühlvolle Mandolinenmusik)

Ich hab mich bewusst entschieden, noch hier zu Hause zu wohnen,

weil ich's einfach schön finde, mit allen hier zu leben.

Ich dachte nicht nach dem Abitur, ich muss schnell raus hier,

sondern ich lebe gerne hier, hab gerne meine Geschwister um mich rum.

Wenn ich übe, ist die Tür auf und immer läuft jemand vorbei.

Ich bin nicht gern allein, deswegen find ich es schön,

noch hier zu sein.

Alva, der Jüngste von den Zwillingen,

ist heute 13 und kränkelt.

Er ist nicht in die Schule gegangen.

Monika wirbelt nach wie vor in der Küche herum.

(Akkordeonmusik aus dem anderen Raum)

Selbstgemachte Musik ist im Hause Adler

immer noch permanente Geräuschkulisse.

Doch das Kindergeschrei fehlt.

Putzi?

Sehnst du eher die alten Zeiten herbei

oder bist du eigentlich froh, dass sie alle heute groß sind?

Also, ich sehne nicht die alten Zeiten herbei.

Ich freu mich natürlich, dass sie so gut groß geworden sind,

aber es ist nicht so: Ach, sie sind aus dem Gröbsten raus.

Sachen, die früher stressig waren, ändern sich einfach.

Früher hat man für mehr Kinder mitdenken müssen,

heute denken die selbstständig, das kann aber auch anstrengend sein.

Ich bring dir deinen Tee.

Monika ist immer noch für alle da.

Den ganzen Tag.

Fünf Kinder wohnen noch zu Hause in Düsseldorf.

Lotte hilft Alva regelmäßig bei Mathe.

Vier plus fünf mal zehn.

Mal? - Ja.

Ist ja quasi, zwischen der Fünf und der Klammer ist ein Malzeichen.

Ja, also 20. Und dann?

Das Konzept Großfamilie funktioniert noch.

Gegenseitige Unterstützung wird weiterhin großgeschrieben.

(Leises Gespräch)

Monika hat sich mittlerweile

an den Auszug ihrer drei ältesten Kinder gewöhnt

und freut sich, dass noch welche da sind.

Nee, eben nicht. - Hm ...

Paul arbeitet mittlerweile oft auch tagsüber

und leistet sich gerne Auszeiten aus dem Familienalltag.

Wenn man meine Familie fragt, würde die sagen, ich bin egoistisch.

Bin ich manchmal auch, und mir ist es dann irgendwie auch egal.

Ich leb mein Leben dann trotzdem

und geh dann eben mal weg, setz mich in ein Café.

Ich setz mich nicht allem aus.

Ich denk, das hab ich mir auch verdient mit fast 60.

Insofern nehm ich mir das, ich nehm mir meine Freiheit.

Die Musik begleitet viele der Adler-Kinder noch heute.

Emil hat seinen Plan von damals umgesetzt

und unterrichtet an einer Musikschule Akkordeon.

Und schön weich raus. Sehr gut.

Jetzt machen wir einmal die linke Hand von da.

Und die linke Hand, das ist wie so ...

kleine Elfen, die die ganze Zeit durch den Wald tanzen.

Stell dir vor, die linke Hand, das sind nicht nur Elfen,

sondern die werden begleitet von so Kontrabässen, ja?

(Einzelne verhaltene Töne)

Der 24-Jährige liebt es, mit Kindern zu arbeiten.

Seine Großfamilie hat ihn ganz sicher pädagogisch geschult -

und ihm nichts vorenthalten.

Und langsam werden.

Ich hab eigentlich nichts vermisst, gar nicht.

Ich hab alles machen können, was ich wollte.

Ich hab meine Musik machen können.

Und das Tollste war, dass eigentlich auch unser Vater,

aber vor allem unsere Mutter den ganzen Tag für uns da war

und ansprechbar war.

Und so brauchten wir nicht irgendwie,

dass wir jeden Nachmittag bei ir- gendeinem Freund unterkommen mussten

oder von einem Spot zum anderen.

Sondern wir hatten immer unseren Mittelpunkt zu Hause

und sind unseren Weg gegangen.

Luise ist heute 26 und lebt inzwischen in Wien.

Sie hat das Harfenstudium abgeschlossen

und mit Musikwissenschaft begonnen,

arbeitet daneben an der Uni als Tutorin und gibt Konzerte.

Von Düsseldorf so weit weg zu gehen, war eine Überwindung für sie.

Als Kind einer Großfamilie.

Als ich dann erfahren hab,

ich bin in Wien angenommen, ich werd nach Wien gehen,

das war schon schwierig für mich.

Weil ich hatte als Kind schon bei drei Tagen Klassenfahrt Heimweh.

Also ich war schon immer sehr gern zu Hause.

Und das hat dann aber total gut geklappt.

Also, es war irgendwie schon auch schön,

so ein bisschen mehr auf sich selbst gestellt zu sein,

klar, so bestimmte Sachen, weiß ich nicht ...

Wenn man abends nach Hause kommt,

und zu Hause ist dann oft noch von mittags was gekocht,

und wenn man alleine wohnt, muss man sich halt selbst kümmern.

Oder auch, am Anfang war's schwierig, wenn ich ganz allein war,

so diese Ruhe, weil das kenn ich von zu Hause nicht.

Da ist es nie ganz ruhig.

Ich kann wahrscheinlich an zwei Händen abzählen,

wie oft ich mal zwei Stunden wirklich alleine zu Hause war.

Also, das war schon schön für mich.

(Ruhige Musik)

Seit acht Jahren wohnt sie jetzt in Wien.

Ihr Weggang aus Düsseldorf,

nicht nur für sie selbst war das damals eine schmerzhafte Erfahrung.

Luise ist bei allem immer der Vorreiter:

als Erste Abi gemacht, als Erste das Haus verlassen.

Deshalb, das hat, glaub ich, gar nicht speziell mit Luise zu tun,

sondern, also, natürlich auch mit Luise,

aber es ist immer das erste Kind, wo das passiert.

Das war schon ... Hatte ich nicht mit gerechnet.

Dass man morgens wach wird und einem die Tränen laufen,

weil man denkt ...

Das ist eine ungewohnte Situation, der Erste aus dem Haus.

(Ruhige Musik)

Partys, Rauchen, Alkohol hat Luise alles damals nicht interessiert

und tut es auch heute nicht.

Einen festen Partner hat sie noch nicht.

Sie ist in Wien, trifft sich mit ihren Freundinnen

und ist auf ihr berufliches Fortkommen konzentriert.

Hallo! - Hallo!

Schön, dich zu sehen.

(Kaffeehausgeräusche)

Und noch ein ordentliches Stück Kuchen.

Sie möchte einmal Kinder haben und einen guten Job

und ganz sicher irgendwann zurück nach Düsseldorf,

zu ihrer Familie.

Danke schön.

(Gesprächsfetzen)

Die Bindung nach Hause ist immer noch extrem.

Auch nach den acht Jahren alleine leben.

Am Anfang haben wir's wirklich manchmal gemacht,

dass wir dann geskypt haben, Mama hat einfach Skype angelassen,

und ich war so ein bisschen mit dabei.

Also es war am Anfang schon manchmal schwierig.

Aber ich telefonier eigentlich jeden Tag mehrmals mit zu Hause,

sprich mit Mama.

Das heißt, ich weiß immer, wer welchen Arzttermin hat,

wer welche Arbeit in der Schule schreibt.

Also ich fühl mich schon immer noch so dazugehörig.

Und dann gibt es doch noch einmal einen gemeinsamen Urlaub,

wie damals.

Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren wieder alle gemeinsam.

Dieses Mal geht es ins Allgäu in die Berge.


Ähm ...

Zum Beispiel, Luxus ist jetzt,

wenn ich mit Mama mal irgendwie shoppen gehe

und dann mit der mal essen gehe und mit der alleine bin.

Das ist schon für mich Luxus.

(Beschwingte Akkordeonmusik)

Luxus ist für diese Großfamilie na- türlich auch ein gemeinsamer Urlaub.

Nepomuk!

Dabei haben wir Familie Adler damals ebenfalls begleitet.

Wie reist eine zehnköpfige Familie mit Sack und Pack Richtung Süden?

55, das ist unser Wagen!

Welche Logistik steckt dahinter?

Und wie koordiniert ist das Ganze? 这一切的协调程度如何?

Wir gehen hierhin. 我们要去这里。

(Leises Stimmengewirr) (小声嘀咕)

Ich will ans Fenster. (Genervtes Seufzen) 我想去窗边。 (恼怒的叹息)

(Lautes Stimmengewirr)

Die Adlers fallen immer auf.

Einfach, weil sie viele sind.

Ich will ein Päckchen!

Das ist für die Kleinen. - Wie?

Die hab ich für die Großen. - Gib her.

Klar, das Schlechtere.

Und dann noch mal umsteigen, mit acht Kindern und dem ganzen Gepäck.

(Beschwingte Akkordeonmusik)

Beneidet haben wir sie damals nicht.

Reinmachen! - Rein mit dir!

(Fernes Motorradrattern)

Endlich im Elsass angekommen.

Nun geht es auf ein Hausboot.

Eine Woche lang, zehn Personen auf 35 Quadratmetern.

So machen wir das, einer gibt die Hand,

und dann geb ich dir den Koffer.

Für alle beginnt schon vor der Abfahrt ein Abenteuer.

Kann ich auch so aufs Bett rauf? Ich brauch Hilfe!

Ich komm hier nicht runter.

Hey, ich muss mal Pipi.

Wer geht mit wem in welche Kabine?

Wo ist das Klo?

Und vor allem: Wo ist die Dusche?

Ist dir aufgefallen, wie man hier duschen soll?

Ja, da hinten. - Ja, und wie?

Hast du keine Dusche gesehen?

Doch, aber wie soll man da duschen? - Wie, wie soll man da duschen?

Ja, guck. Wo genau siehst du denn hier was zum Duschen?

Da muss man ja irgendwie den Kopf drunterhalten.

Soll das das Duschteil sein? - Ja, das ist doch ganz normal.

Stimmt, aber wenn du dich da reinstellst, ist dein Kopf da.

Was denkst du denn, das ist keine Luxusjacht.

Wir sind ja nicht auf der Queen Mary.

(Kind:) Emil! Wie macht man hier ...

Der Moment des Ablegens.

Ab jetzt geht es eine Woche vom französischen Lutzelbourg

durch die Kanäle des Elsass.

Ganz schön schnell, Schatz. Geht's nicht langsamer?

Das ist total langsam.

Hinsetzen jetzt!

(Ein Kind schreit.)

Müssen wir an der linken Seite halten? Ja, ne?

Mama, wir müssen so eine größere Kurve fahren.

Die Kinder sind das eine.

Die permanenten Schleusen das andere.

Das wollt ich jetzt nicht. - Ja, fast.

Im Moment ist das noch anstrengender als der Alltag.

(Reporterin:) Warum?

Weil das alles so neu ist.

Die Kinder sind sozusagen auf engem Raum zusammen

und sind natürlich ganz fürchterlich aufgeregt.

Und wenn man dann auch noch aufgeregt ist,

sind die doppelt aufgeregt.

Dann: Wie reagiert das Boot? In welche Richtung muss man fahren?

Ich glaub, kaputtmachen kann man's nicht.

Ich glaub, es sind ausreichend Poller an der Seite.

Und ... es ist halt wirklich sehr aufregend.

(Sanfte Musik, leise Vogellaute)

Seine Zeit zum Laufen nimmt sich Paul auch hier.

Ein bisschen Entspannung im sogenannten Urlaub.

(Vogelgezwitscher)

Unser ganzes Leben sozusagen beruht ja auf dem Familienleben,

insofern ist eigentlich jeder Tag eine Art Kampf.

Also, es ist immer wieder neu und eben ...

Ich hab sozusagen es geschafft ...

da irgendwie jeden Tag optimistisch reinzugehen

und zu gucken, zu glauben, dass es ein guter Tag wird

und dass wir uns alle vertragen und lieben und ... ja.

Bis dann wieder Ärger passiert.

(Ruhige Musik, leise Stimmen)

Anton, Emil fährt! - Ja?

Jeden Tag Kräftemessen.

Ich zeig dir mal, wie man das macht. - Nee.

Ich beschimpf dich nicht, und du beschimpfst mich nicht.

Hier gibt's auch nichts zu beschimpfen.

Monika versucht, alles zusammenzuhalten.

Das Fahren durch die engen Kanäle macht Stress.

Erst recht, wenn pubertäre Jungs Kräfte messen.

(laut:) Nach rechts! Nach da!

(Monika schimpft.) Ich hab so nix gesehen!

Du schrammst hier alles weg!

Echt. Ich war grade, bis der dahin gelaufen ist!

Was lenkst du immerzu?

Fahr doch einfach geradeaus durch! - Ja, das sagt die Richtige.

Und dann ist da auch noch die Sorge um die Kleinen,

die permanent vom Boot fallen können.

(Die Kinder schreien, es hallt.)

(Jemand weint.)

Du kletterst nicht aus dem Fenster raus.

Nein, aber ich guck aus dem Fenster.

Aber du kletterst nicht raus. - Ja.

Das ist gefährlich ...

Nur einer bleibt bei all dem gelassen.

Paul.

Kann er auch. (Alarmsignal)

Monika schafft ihm dafür den Freiraum.

Ich kann ja jetzt nicht sagen, Paul steht an Stelle eins

und die Kinder tummeln sich alle auf Stelle zwei.

Man hat mal zu dem einen eine besondere Zuneigung,

mal zu dem anderen.

Die haben alle gleich viel Platz im Herzen,

aber wirklich an der ersten Stelle steht der Paul.

(Belebte Musik)

Knapp zehn Jahre später.

Monika ist nun 52 Jahre alt.

Drei Kinder sind ausgezogen.

Und so hat sich Monikas Aktionsradius seit damals deutlich erweitert.

(Belebte Musik)

Denn auch für die erwachsenen Kinder,

die mittlerweile in einer eigenen Wohnung leben,

fühlt sie sich in Düsseldorf immer noch zuständig.

(Belebte Musik)

Nach wie vor mach ich das richtig gerne mit den Kindern.

Was ich sehr genieße, ist,

ich hab immer noch ein ganz enges Verhältnis zu den Kindern.

Ich werd immer noch sehr einbezogen.

Es ist quasi wie vor zehn Jahren,

da hatte ich ja auch zu allen ein enges Verhältnis.

Und auch eben zu denen jetzt, die nicht mehr vor Ort sind.

Sohn Anton, mittlerweile 24,

ist grade für ein Praktikum in Braunschweig.

Für seine Rückkehr soll alles von Mama vorbereitet sein.

(Belebte Musik)

(Die Musik verklingt.)

Natürlich merke ich auch, dass ich neun Jahre älter geworden bin.

Die Kinder sagen immer, Mutter, du brauchst mehr Kondition,

wenn du die Treppe raufgehst, aber ...

Also, so im Großen und Ganzen ist die Situation so ähnlich

wie auch vor neun Jahren.

Lotte Adler ist heute 21 Jahre alt und lebt noch zu Hause.

Sie hat als Einzige ein eigenes Zimmer.

Nämlich das von Luise, die längst ausgezogen ist.

(Mandolinenspiel)

Lotte studiert Mandoline und gibt Konzerte,

verdient schon ihr eigenes Geld damit.

(Gefühlvolle Mandolinenmusik)

Ich hab mich bewusst entschieden, noch hier zu Hause zu wohnen,

weil ich's einfach schön finde, mit allen hier zu leben.

Ich dachte nicht nach dem Abitur, ich muss schnell raus hier,

sondern ich lebe gerne hier, hab gerne meine Geschwister um mich rum.

Wenn ich übe, ist die Tür auf und immer läuft jemand vorbei.

Ich bin nicht gern allein, deswegen find ich es schön,

noch hier zu sein.

Alva, der Jüngste von den Zwillingen,

ist heute 13 und kränkelt.

Er ist nicht in die Schule gegangen.

Monika wirbelt nach wie vor in der Küche herum.

(Akkordeonmusik aus dem anderen Raum)

Selbstgemachte Musik ist im Hause Adler

immer noch permanente Geräuschkulisse.

Doch das Kindergeschrei fehlt.

Putzi?

Sehnst du eher die alten Zeiten herbei

oder bist du eigentlich froh, dass sie alle heute groß sind?

Also, ich sehne nicht die alten Zeiten herbei.

Ich freu mich natürlich, dass sie so gut groß geworden sind,

aber es ist nicht so: Ach, sie sind aus dem Gröbsten raus.

Sachen, die früher stressig waren, ändern sich einfach.

Früher hat man für mehr Kinder mitdenken müssen,

heute denken die selbstständig, das kann aber auch anstrengend sein.

Ich bring dir deinen Tee.

Monika ist immer noch für alle da.

Den ganzen Tag.

Fünf Kinder wohnen noch zu Hause in Düsseldorf.

Lotte hilft Alva regelmäßig bei Mathe.

Vier plus fünf mal zehn.

Mal? - Ja.

Ist ja quasi, zwischen der Fünf und der Klammer ist ein Malzeichen.

Ja, also 20. Und dann?

Das Konzept Großfamilie funktioniert noch.

Gegenseitige Unterstützung wird weiterhin großgeschrieben.

(Leises Gespräch)

Monika hat sich mittlerweile

an den Auszug ihrer drei ältesten Kinder gewöhnt

und freut sich, dass noch welche da sind.

Nee, eben nicht. - Hm ...

Paul arbeitet mittlerweile oft auch tagsüber

und leistet sich gerne Auszeiten aus dem Familienalltag.

Wenn man meine Familie fragt, würde die sagen, ich bin egoistisch.

Bin ich manchmal auch, und mir ist es dann irgendwie auch egal.

Ich leb mein Leben dann trotzdem

und geh dann eben mal weg, setz mich in ein Café.

Ich setz mich nicht allem aus.

Ich denk, das hab ich mir auch verdient mit fast 60.

Insofern nehm ich mir das, ich nehm mir meine Freiheit.

Die Musik begleitet viele der Adler-Kinder noch heute.

Emil hat seinen Plan von damals umgesetzt

und unterrichtet an einer Musikschule Akkordeon.

Und schön weich raus. Sehr gut.

Jetzt machen wir einmal die linke Hand von da.

Und die linke Hand, das ist wie so ...

kleine Elfen, die die ganze Zeit durch den Wald tanzen.

Stell dir vor, die linke Hand, das sind nicht nur Elfen,

sondern die werden begleitet von so Kontrabässen, ja?

(Einzelne verhaltene Töne)

Der 24-Jährige liebt es, mit Kindern zu arbeiten.

Seine Großfamilie hat ihn ganz sicher pädagogisch geschult -

und ihm nichts vorenthalten.

Und langsam werden.

Ich hab eigentlich nichts vermisst, gar nicht.

Ich hab alles machen können, was ich wollte.

Ich hab meine Musik machen können.

Und das Tollste war, dass eigentlich auch unser Vater,

aber vor allem unsere Mutter den ganzen Tag für uns da war

und ansprechbar war.

Und so brauchten wir nicht irgendwie,

dass wir jeden Nachmittag bei ir- gendeinem Freund unterkommen mussten

oder von einem Spot zum anderen.

Sondern wir hatten immer unseren Mittelpunkt zu Hause

und sind unseren Weg gegangen.

Luise ist heute 26 und lebt inzwischen in Wien.

Sie hat das Harfenstudium abgeschlossen

und mit Musikwissenschaft begonnen,

arbeitet daneben an der Uni als Tutorin und gibt Konzerte.

Von Düsseldorf so weit weg zu gehen, war eine Überwindung für sie.

Als Kind einer Großfamilie.

Als ich dann erfahren hab,

ich bin in Wien angenommen, ich werd nach Wien gehen,

das war schon schwierig für mich.

Weil ich hatte als Kind schon bei drei Tagen Klassenfahrt Heimweh.

Also ich war schon immer sehr gern zu Hause.

Und das hat dann aber total gut geklappt.

Also, es war irgendwie schon auch schön,

so ein bisschen mehr auf sich selbst gestellt zu sein,

klar, so bestimmte Sachen, weiß ich nicht ...

Wenn man abends nach Hause kommt,

und zu Hause ist dann oft noch von mittags was gekocht,

und wenn man alleine wohnt, muss man sich halt selbst kümmern.

Oder auch, am Anfang war's schwierig, wenn ich ganz allein war,

so diese Ruhe, weil das kenn ich von zu Hause nicht.

Da ist es nie ganz ruhig.

Ich kann wahrscheinlich an zwei Händen abzählen,

wie oft ich mal zwei Stunden wirklich alleine zu Hause war.

Also, das war schon schön für mich.

(Ruhige Musik)

Seit acht Jahren wohnt sie jetzt in Wien.

Ihr Weggang aus Düsseldorf,

nicht nur für sie selbst war das damals eine schmerzhafte Erfahrung.

Luise ist bei allem immer der Vorreiter:

als Erste Abi gemacht, als Erste das Haus verlassen.

Deshalb, das hat, glaub ich, gar nicht speziell mit Luise zu tun,

sondern, also, natürlich auch mit Luise,

aber es ist immer das erste Kind, wo das passiert.

Das war schon ... Hatte ich nicht mit gerechnet.

Dass man morgens wach wird und einem die Tränen laufen,

weil man denkt ...

Das ist eine ungewohnte Situation, der Erste aus dem Haus.

(Ruhige Musik)

Partys, Rauchen, Alkohol hat Luise alles damals nicht interessiert

und tut es auch heute nicht.

Einen festen Partner hat sie noch nicht.

Sie ist in Wien, trifft sich mit ihren Freundinnen

und ist auf ihr berufliches Fortkommen konzentriert.

Hallo! - Hallo!

Schön, dich zu sehen.

(Kaffeehausgeräusche)

Und noch ein ordentliches Stück Kuchen.

Sie möchte einmal Kinder haben und einen guten Job

und ganz sicher irgendwann zurück nach Düsseldorf,

zu ihrer Familie.

Danke schön.

(Gesprächsfetzen)

Die Bindung nach Hause ist immer noch extrem.

Auch nach den acht Jahren alleine leben.

Am Anfang haben wir's wirklich manchmal gemacht,

dass wir dann geskypt haben, Mama hat einfach Skype angelassen,

und ich war so ein bisschen mit dabei.

Also es war am Anfang schon manchmal schwierig.

Aber ich telefonier eigentlich jeden Tag mehrmals mit zu Hause,

sprich mit Mama.

Das heißt, ich weiß immer, wer welchen Arzttermin hat,

wer welche Arbeit in der Schule schreibt.

Also ich fühl mich schon immer noch so dazugehörig.

Und dann gibt es doch noch einmal einen gemeinsamen Urlaub,

wie damals.

Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren wieder alle gemeinsam.

Dieses Mal geht es ins Allgäu in die Berge.