×

Utilizziamo i cookies per contribuire a migliorare LingQ. Visitando il sito, acconsenti alla nostra politica dei cookie.

Saldi di Capodanno - Settimana Prolungata Fino al 50% di sconto
image

2021 from Youtube, Die Technik des James Webb Weltraum Teleskop feat. @Yggis Kosmos - Sterne, Weltall und Raumfahrt

Die Technik des James Webb Weltraum Teleskop feat. @Yggis Kosmos - Sterne, Weltall und Raumfahrt

Herzlich Willkommen zu Senkrechtstarter, Dein Youtubechannel für alles über Raumfahrt. Ich bin

Mo und heute geht es um das unglaubliche James Webb Space Teleskop. Viel Spaß!

Es ist endlich soweit! Wieder ein Video, das ich schon geplant hatte, bevor ich auch nur

das erste Video auf Senkrechtstarter hochgeladen hatte. Ein Video über das

James Webb Space Teleskop. Das James Webb ist nicht nur irgend ein neues Weltraumteleskop.

Erst einmal ist es 1,5 mio km von der Erde entfernt – also 4x so weit wie der Mond

von der Erde. Das allein ist schon ziemlich beeindruckend. Es wird die Erforschung unseres

Kosmos auf ein ganz neues Level heben. Denn das James Webb ist so empfindlich,

dass es auf der Entfernung Erde Mond die Wärme-Signatur einer Hummel detektieren könnte.

Da das Thema vieeeel zu groß für ein einzelnes Video ist, haben Andreas von Yiggis Kosmos und ich

uns gedacht, wir teilen uns das Thema etwas auf. Das Video von Andreas findest du hier. Dabei

stellt Andreas in seinem Video vor, was das James Webb für die Wissenschaft bedeutet,

was für Erkenntnisse man sich von dem über 10 mrd $ teuren Weltraumteleskop verspricht,

und erklärt die Infrarot-Astronomie. Hier in meinem Video wird es um die eingesetzte

Technik, den Weg in den Orbit und das für James Webb extrem wichtige Temperatur-Management gehen.

Wenn dir das Thema heute gefällt, lass dem Video gern einen like da und wenn du neu

auf Senkrechtstarter bist und keine Folge über Weltraumtechnik verpassen möchtest,

abonnier doch gern meinen Channel, denn hier gibt es ja jeden Montag

eine neue Folge von Senkrechtstarter. Es gibt wohl keine Mission auf die Astronomie

Fans aktuell sehnsüchtiger warten. Die Sehnsucht hat auch mit den bisher enttäuschten Erwartungen

zu tun. Denn eigentlich sollte das James Webb schon lange in Betrieb sein. Warum das so lange

gedauert hat und warum die Kosten explodiert sind, verrate ich dir am Ende des Videos.

Warum ist der Start des James Webb für viele das Highlight in diesem Jahr? Wie der Name schon sagt,

handelt es sich um ein Weltraumteleskop. Viele werden die spektakulären Bilder des

Hubble Weltraum Teleskops kennen. Das hat uns Bilder aus den Tiefen des Universums

in nie gekannten Details präsentiert. Das hat dann eine ganze Generation von

Wissenschaftlern für die Astronomie begeistert. Und auch wenn das Hubble ein grandioses

Instrument der Wissenschaft ist, so hat es doch mittlerweile über 30 Jahre auf dem Buckel. Auch

hat sich das Interesse der Astronomie vom sichtbaren Licht ins Infrarote verschoben.

Nicht nur sind die Instrumente des James Webb viel empfindlicher als die des Hubbels,

Auch ermöglicht seine schiere Größe eine deutlich höhere Abbildungsleistung als das Hubble.

Eine schöne Beschreibung der Empfindlichkeit des Hubbles hab ich auf Heise gefunden. Und zwar,

dass Hubble im All noch in 16.000 km Entfernung zwei Glühwürmchen nebeneinander

als zwei Objekte identifizieren könnte. Glühwürmchen leuchten in dem Bereich der

elektromagnetischen Strahlung, den wir Menschen sehen können. Diesen Bereich

nennen wir umgangssprachlich einfach „Licht“. Das ist aber nur ein ganz kleiner Teil des Spektrums

der Elektromagnetischen Strahlung. Wie ich eingangs erzählt habe,

ist das Video eine Kooperation mit Andreas von Yggis Kosmos. Und der kann dir viel besser

erklären, was die Infrarot-Astronomie ist. Andreas: Licht ist nicht gleich jenes Licht,

das wir als Lebewesen sehen und spüren können. Wie wir bereits gehört haben, besteht Licht aus einem

sehr breiten Spektrum verschiedener Wellenlängen. Neben den energiereichen Strahlungen kürzerer

Wellenlängen als das sichtbare Licht gibt es auch jene, die weniger energiereich ist.

Wenn wir vom sichtbaren Licht ausgehend auf dem elektromagnetischen Spektrum längere Frequenzen

betrachten, gelangen wir zu Infrarot-Strahlung, die in einem Bereich zwischen 780 Nanometern

und einem Millimeter auftritt. Infrarot-Strahlung wird in vielen

täglichen Anwendungen eingesetzt. Manche Heizungen wärmen beispielsweise ihre

Umgebung mittels Infrarot-Panels auf. Auch die russische Raumstation Mir wurde seit

1986 auf diese Art und Weise beheizt. Ferner wird Infrarot auch für Fernbedienung benutzt,

um beispielsweise Befehle an den Fernseher weiter zu leiten. Viele elektronische Geräte

hatten oder haben solche Schnittstellen. Eine berühmte Anwendung von Infrarot-Strahlung ist

die sogenannte Wärmebild-Kamera. Hier können Wärmequellen wie Heizungen, Lebewesen oder

andere Temperaturen sehr gut wahrgenommen werden, denn sie strahlen im Infrarotbereich sehr stark.

Eine Anwendung für Infrarot-Technologie besteht jedoch selbstverständlich auch in der Astronomie.

Da alle Himmelskörper im Universum auf irgendeine Art und Weise Wärme-Energie ausstrahlen,

können mit Webb Objekte beobachtet werden, die kühler sind als 826 Grad Celsius. Diese

Temperatur mag zwar für terrestrische Verhältnisse hoch sein, ist aber im Vergleich mit Sternen

oder ultraheißen Akkretionsscheiben von schwarzen Löchern lächerlich gering.

In der dem Infrarotbereich entsprechenden Astronomie, der Infrarot-Astronomie, können

also Objekte von Infrarot-Teleskopen beobachtet werden, die bei herkömmlich beobachtender

Astronomie durchs Raster fallen, weil sie zu kühl sind oder zu wenig sichtbares Licht ausstrahlen.

Und genau in diesem Bereich also arbeitet das James Webb. Auch hier gibt es einen

Insektenvergleich: Das James Webb ist so empfindlich für den Infrarotbereich,

dass es auf der Entfernung Erde Mond, das sind immerhin 384.000 km,

die Wärmesignatur einer Hummel wahrnehmen könnte. Das sind unvorstellbare Zahlen oder?

Neben den empfindlicheren Instrumenten liegt das auch an dem deutlich größeren Spiegel. Mit 6,5

m ist der Spiegeldurchmesser des James Webb mehr als doppelt so groß wie der des Hubbles mit 2,4 m.

Die Spiegelfläche, die noch viel besser angibt, wie viel Strahlung ein Teleskop einfangen kann,

ist vom James Webb mit 25,4 m² 5x so groß wie die des Hubbles mit 4,5 m². Wobei es ja nicht ein

einzelner Spiegel ist. Während das Hubble ja doch schon ähnlich aussieht wie ein überdimensionales

Teleskop, erinnert das James Webb doch eher an eine Designerlampe. Fun Fact, der größte

einzelne Spiegel eines Weltraumteleskops ist der des Europäischen Herschel Teleskops. Der hatte

mit 3,5 m Durchmesser so 9,6 m² Spiegelfläche. Aber zurück zu den 6-eckigen Spiegelkacheln des

James Webb. 18 dieser 1,3 m im Durchmesser messenden Kacheln bilden den Hauptspiegel.

Jedes dieser Spiegelelemente ist etwa 20 kg schwer und besteht aus Beryllium. Das ist ein elementares

Metall, das über hervorragende strukturelle Eigenschaften wie Härte und Steifigkeit verfügt.

Der E-Modul ist gut 30% höher als der von Stahl. Die Dichte hingegen, entspricht dabei nur einem

Viertel der Dichte von Stahl. Beryllium ist also verhältnismäßig leicht. Trotzdem wurden

aus den Beryllium-Rohkörpern eine Gitterstruktur ausgefräst um weiter Gewicht zu sparen. Diese

Art von ausgefrästem Strukturmaterial ist in der Raumfahrt sehr verbreitet und nennt man Isogrid.

Für James Webb eignet sich Beryllium auch besonders gut, da es eine hohe Reflektivität für

Infrarot hat. Das wird noch durch die Bedampfung mit Gold als Spiegelmaterial unterstützt. Wenn du

jetzt denkst, dass das James Webb wegen des Goldes so teuer ist, muss ich dich enttäuschen. Auf jedem

der Spiegel sind gerade einmal 3g Gold. Das sind trotz des aktuell hohen Goldpreises für alle 18

Spiegel keine 3000 € an Materialkosten. Die Fertigungstoleranzen dieser Spiegel

sind übrigens so gut, dass wenn man eines der Spiegelelemente auf die Größe der USA vergrößern

würde, immerhin 5500 km im Durchmesser, dann wären die Fehler in der Oberfläche, also die Hügel und

Täler als Abweichung von der Idealform, keine 8 cm groß. Das ist schon enorm beeindruckend.

Diese 18 Spiegel-Elemente bilden dabei den Primär- oder Hauptspiegel. Die zu beobachtende Strahlung

wird auf einen Sekundärspiegel gebündelt und an der Basis in der Hauptspiegel Mitte von

zwei weiteren Spiegeln gebündelt und umgelenkt, bevor sie schlussendlich auf die Sensorik fällt.

Der Hauptspiegel ist dabei nicht starr, sondern jedes Spiegelelement ist um 2-Achsen neigbar.

Dadurch kann der Hauptspiegel nachträglich feinjustiert werden. Das übernimmt ein

Computer. Dafür wird das James Webb in regelmäßigen Abständen auf einen

einzelnen Stern gerichtet. Durch eine schlechte Ausrichtung der Spiegel würde ein Falschbild mit

mehreren hellen Punkten entstehen. Durch das minutiöse Ausrichten jedes einzelnen Spiegels

wird ein Algorithmus dann alle einzelnen Punkte übereinander legen, was schlussendlich zu einem

scharfen Bild führt. Der Mechanismus, der jede dieser 18 Kacheln verstellen kann, ist so genau,

dass jeder Stellschritt gerade mal so groß ist wie 1/10.000 der Dicke eines menschlichen Haares.

Witzigerweise lag im Hauptspiegel eines der größten Probleme von Hubble. Durch einen

Fertigungsfehler des Hauptspiegels waren die ersten Bilder des Hubbles nämlich unscharf.

Wenn dich Hubble mehr interessiert, schau mal in mein Video zu dem Thema. Auch empfehle ich

dir mein Video „5 Wege wie Hubble nicht repariert wurde“. Darin erkläre ich dir

Konzepte, die die Nasa zur Reparatur von Hubble hatte, die aber am Ende nicht verwirklicht

wurden. Meiner Meinung nach ist das eines meiner am meisten unterschätzen Videos.

Das James Webb wiegt insgesamt 6.500 Kg und sein ausfahrbarer Sonnenschild hat mit 14,1

x 20.1m etwa die Fläche eines Tennisplatzes. Bei diesen Abmessungen wird einem schnell klar,

dass das in keine Rakete passen würde, nicht mal in das Starship von SpaceX. Und so ist das

James Webb zusammengefaltet wie ein Origami Brief. Insgesamt besteht das James Webb aus

40 beweglichen Teilen, die alle vor der Inbetriebnahme ausgeklappt werden müssen.

Einen Klappmechanismus, den man sich sehr gerne gespart hätte, ist der der seitlichen Teilung

des Hauptspiegels. Nur so kann James Webb in die nicht gerade kleine Nutzlastverkleidung

einer Ariane 5 gesteckt werden. Die ist 4,57m breit und 16,19m lang. Und ja,

die aktuell teuerste und wichtigste Einzelmission der NASA fliegt mit einer europäischen Rakete.

Hat dir das Video bisher gefallen? Dann nicht vergessen, das Video zu

liken und den Kanal zu abonnieren. Wir waren bei der Ariane 5. Ja. Wir

als Europäer können definitiv sehr stolz darauf sein, diese Enorm wichtige Mission für die NASA

mit einer europäischen Rakete zu starten. Jetzt dürfen wir das nur nicht verkacken.

Ich garantiere dir sonst einen Shitstorm mit biblischen Ausmaßen in den sozialen Medien. Das

ist immer das Problem mit der Verantwortung. Man trägt dann halt auch Verantwortung. Da

die Ariane 5 aber als sehr zuverlässige Rakete gilt, und allen Beteiligten die

unglaubliche Wichtigkeit dieser Mission klar sein sollte, geh ich davon aus, dass der Ariane

5 ein positiver Platz in den Geschichtsbüchern mit dem Start des James Webb sicher sein wird.

Zur Ariane 5 habe ich auch schon ein eigenes Video gemacht. Das verlinke ich dir hier.

Starten wird das James Webb wie alle Ariane 5 vom europäischen Weltraum Bahnhof in Kourou. Und um

dorthin zu gelangen, muss es mit einem Schiff durch den Panama Kanal und durch die Karibik.

Bei dem immensen Wert des Teleskops wurden für diese Reise extra Vorkehrungen gegen Piraterie

getroffen. Und wenn du dich jetzt fragst, was wollen Piraten denn mit so einem Teleskop?

Bei moderner Piraterie geht es fast immer um Schiffsentführungen und Lösegeldforderungen.

Die dürften bei öffentlich bekannten 10 Mrd. $ Projektkosten wohl bei einer Entführung nicht

gerade klein ausfallen. Die Ariane 5 wird mit

Ihren beiden Feststoffboostern und ihrem Wasserstoff getriebenen Vulcain 2 Haupttriebwerk

das James Webb in den Himmel tragen. Nach 2 Minuten werden die Feststoffbooster abgesprengt

werden. Die Ariane 5 ist jetzt schon so leicht, dass ein einzelnes Vulcain 2 Triebwerk die Rakete

weiter beschleunigen kann. Als nächster Schritt erfolgt 3 Minuten nach dem Start, das Absprengen

der Nutzlastverkleidung. Nach dem Leerbrennen der 1. Stufe, etwa 9 Minuten nach dem Start,

wird die 1. Stufe von der 2. Stufe getrennt. Jetzt übernimmt die cryogene Oberstufe, die

auch mit Flüssigsauerstoff und Flüssigwasserstoff angetrieben wird. Ganz spannend, dass während

dieser Antriebsphase, wenn das James Webb ja nicht mehr durch die Nutzlastverkleidung geschützt

wird., die 2. Stufe eine kleine Grillparty veranstaltet. Die Oberstufe wird nämlich um

ihre Längsachse oszillieren. Das heißt sie wird sich hin und her drehen, um das Teleskop vor zu

viel direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Nachdem sich das James Webb etwa eine halbe

Stunde nach dem Start von der Ariane 5 Oberstufe getrennt hat, wird es als

erstes seine Stromversorgung sicherstellen. Dazu wird es sein 2000 Watt Solar Panel ausfalten.

Wenn das Zweit-Stufentriebwerk 27 Minuten nach dem Start aufhört zu feuern, befindet sich das James

Webb nicht, wie wir das von den meisten anderen Satelliten kennen, auf einem kreisrunden Orbit.

Stattdessen bewegt sich das James Webb dann auf einer hochelliptischen Bahn, die das James Webb,

nach einigen Mitkurskorrekturen, schlussendlich auf einen Punkt 1,5 Mio. km von der Erde entfernt

zu steuert. Das ist 4x weiter als die Strecke Erde-Mond. Diesen Punkt nennen wir Sonne-Erd-L2.

Was so besonders an diesem Punkt ist, und warum das James Webb diesen Punkt ansteuert,

dass erklärt euch Andreas von Yiggis Kosmos. Andreas: bei den Lagrange-Punkten, die ich euch

jetzt erkläre, handelt es sich um Stellen im System eines Masse-reichen und Masse-ärmeren

Himmelskörpers. Beispielsweise der Sonne und der Erde. An diesen Punkten kann ein leichterer

Körper, etwa eine Sonde, ein Asteroid, oder eben in unserem Fall das James Webb Space Teleskop

antriebslos den Masse-reicheren Himmelskörper, in diesem Fall die Sonne, umkreisen. Nehmen

wir eine Sonde, hat diese dann die gleiche Umlaufzeit wie der Masse-ärmere Himmelskörper,

in diesem System die Erde. Da es mehrere solcher Stellen in einem gemeinsamen System gibt,

haben sich die Astronomen für das James Webb Space Teleskop den Lagrange-Punkt 2 ausgesucht. Dieser

befindet sich hinter dem Mond, 1,5 millionen Kilometer von der Erde entfernt. Normalerweise

wäre die Umlaufzeit eines Satelliten um die Sonne an einem Punkt außerhalb der Erde,

der weiter von der Sonne entfernt liegt als unsere Erde selbst, länger als die unseres Planeten. Doch

die zusätzliche Anziehungskraft der Erde bewirkt eine kürzere Umlaufdauer. Somit wird Webb am

Lagrange-Punkt 2 trotz der weiten Entfernung zum Planeten die gleiche Umlaufzeit wie die Erde

besitzen. Die Kräfte von Erde und Sonne sind hier gleichgerichtet und damit quasi ausbalanciert.

Lagrange-Punkte befinden sich überall im Sonnensystem. Interessanter ist,

dass beispielsweise die Lagrange-Punkte von Mars, Jupiter von Sonne derart gestaltet sind,

dass Asteroiden im Asteroidengürtel sich in diesen „Gravitationstaschen“, wo die Anziehungskräfte der

verschiedenen Himmelskörper sich quasi gegenseitig aufheben, sammeln, da sie dort energetisch

wesentlich günstiger um die Sonne kreisen können. Der Vorteil für Webb wird hingegen sein,

dass das Teleskop seine Orientierung in Bezug auf Sonne und Erde am Lagrange-Punkt

2 des Erde-Mond-Sonne-Systems beibehält und dort die Abschirmung vor Sonneneinstrahlung

wesentlich einfacher als auf einer Erd-Umlaufbahn ist. Dadurch wird das

Teleskop nicht zusätzlich aufgewärmt, was den äußerst empfindlichen Infrarot-Instrumenten zu

gute kommt. In der Vergangenheit plazierte übrigens die NASA dort die WMAP-Raumsonde,

auf die wir in meinem Video eingehen. Das war der Lagrange-Punkt 2. Es würde

mich freuen, wenn ihr auch auf meinem Kanal vorbei schaut. Ich

gebe jetzt zurück an Moritz. Tschüss! Mo: Aber das James Webb verfügt auch über

eigene Triebwerke, die mit hypergolen Treibstoffen funktionieren. Die befinden

sich auf der Rückseite des Teleskops und arbeiten mit Hydrazin und Distickstofftetroxid. Eine sehr

verbreitete Kombination in der Raumfahrt wie du ja vielleicht weißt, wenn du schon

länger auf Senkrechtstarter unterwegs bist. Diese Triebwerke erwähne ich nicht nur wegen

meiner Vorliebe für Antriebssysteme, sondern auch weil sie tatsächlich vermutlich für den

Tot von James Webb verantwortlich sein werden. Denn die Bahn, auf der sich das

James Webb befinden wird, ist nicht stabil. Daher müssen etwa einmal im Monat die Triebwerke dafür

verwendet werden, den Kurs zu korrigieren. Und da dafür Treibstoff benötigt wird, der natürlich

endlich ist, wird James Webb spätestens, wenn der Treibstoff alle ist, seine Mission

beenden müssen. Aber keine Angst, die geplante Missionsdauer ist zwar nur mit 5 Jahren angegeben,

aber der Treibstoff soll für 10 Jahre reichen. Wenn man sich jetzt natürlich Hubble anschaut,

das seit 31 Jahren für die Forschung zur Verfügung steht, dann wirken maximal 10 Jahre doch schon

etwas kläglich. Vermutlich schreibt jetzt wieder irgendein Schlauberger in den Kommentaren: „könnte

man nicht einfach mit einem anderen Raumschiff wieder auftanken…“ Was soll ich sagen? Gute Idee!

Genau das wurde sogar vorgesehen. Es gibt eine Möglichkeit James Webb nachträglich wieder zu

betanken. Vielleicht solltest du ja darüber nachdenken, in der Raumfahrt zu arbeiten. Du hast

offensichtlich ganz gute Ideen (: Wo wir bei coolen Ideen sind: Andreas

hatte uns ja erzählt, warum James Webb im Infrarot Bereich operiert. Eines der Hauptinstrument von

James Webb hat den schönen Namen MIRI was für Mid Infrared Instrument steht.

Damit das Instrument empfindlich genug für die Infrarotstrahlung ist, die es beobachten soll,

muss es extrem gekühlt werden. Auf nur 7°K über dem absoluten Nullpunkt. Ich will da

nicht zu weit ausholen, aber du kannst dir Temperatur grob als ein Maß für die Energie

in einem System vorstellen. Das heißt am absoluten Nullpunkt ist überhaupt keine

Energie vorhanden. Dementsprechend gehts auch nicht kälter. Da aber die Sensorik und alle

Instrumente und Systeme am James Webb Energie Dafür wird Helium als Arbeitsmedium und eine

Wärmepumpe als Kältemaschine verwendet. Da dieses System neben anderen Systemen auch selbst wieder

Abwärme erzeugt, muss diese an der Rückseite des James Webb über einen Radiator in den Weltraum

abgestrahlt werden. Der Prozess des Tiefkühlens soll vorsichtig schrittweise erfolgen und fast

ein ganzes Jahr dauern. Diese aktive Kühlung ist eine der vielen Neuerungen am James Webb.

Das Europäische Herschel Teleskop, das auch im infraroten Spektrum operiert hat, wurde

mit einem Vorrat an flüssigem Helium gekühlt. Nachdem das Helium verbraucht war, war damit auch

die Mission zu Ende. Das wird für James Webb, sollte die Kühlung wie geplant funktionieren,

nicht zu einem Ende der Mission führen. Etwas worüber wir noch gar nicht gesprochen haben,

sind die 5 Schutzsegel von der Größe eines Tennisplatzes. Die sind nicht zur Kühlung,

sondern dafür, dass James Webb gar nicht erst warm wird. Denn auch, wenn James Webb mit 1,5

Mio. km unvorstellbar weit von der Erde entfernt ist, brutzelt die Sonne trotzdem erbarmungslos

auf das Teleskop ein und würde es auch in kürzester Zeit auf der sonnenzugewandten

Seite aufheizen. Wie ein großer Sonnenschirm soll das Schutzsegel genau das verhindern. Das heißt:

mit seinen Schwungrädern und Steuerdüsen wird James Webb so ausgerichtet sein,

dass sein Hauptspiegel immer im Schatten liegt. Wie viel das bringt, kannst du dir verdeutlichen,

wenn du weißt, dass das sonnenzugewandte 1. Segel über 100°C warm sein wird. Während das

sonnenfernste 5. Segel – 240°C kalt ist. Die Segel bestehen dabei aus vier-lagigen

Polyamid Membranen. Diese Membranen sind dünner als ein menschliches

Haar und mit Aluminium und Silizium bedampft. Das Ausfahren der Teleskoparme und das Aufspannen der

Sonnenschutzsegel wird ganz vorsichtig erfolgen. Ok, im wahrsten Sinne des Wortes ein cooles Teil

dieses James Webb. Aber warum hat der Bienen Technoclub so viel Geld gekostet und warum hat

das so lange gedauert? Ein kleiner Vergleich: Wenn man sich die 14 Jahre Verspätung zur initialen

Planung für das James Webb Space Teleskop ansieht, dann ist das SLS mit „gerade einmal“

3 Jahren Verspätung doch super im Zeitplan. Und auch die Verzwanzigfachung des zu Programmbeginn

veranschlagten Budgets sind beim James Webb deutlich größer als beim ständig kritisierten

SLS. Die Planungen für das James Webb gehen tatsächlich bis in die 90er zurück. Zu Beginn

des Programms 1997 wurde von einem Start 2007 und 500 Millionen $ Kosten ausgegangen. Aktuell

sieht alles gut aus für den Start noch in diesem Jahr. Sollte es keine Verspätungen mehr geben,

wäre das finale Preisschild für das James Webb trotzdem über 10 Mrd. $. Wie konnte das Programm

derart aus dem Ruder laufen? Naja, man muss die NASA schon auch etwas in Schutz nehmen,

es ist nun mal sehr schwierig die Kosten zu schätzen von etwas, dass es so noch

nicht gab und für das bestimmte Technologien erst noch entwickelt werden mussten. Klar,

dass da unvorhersehbares aufgetreten ist. Aber es soll beim James Webb auch einfach eine Wunschliste

der Wissenschaftler ohne Budgetvorstellung für die Fähigkeiten abgesegnet worden sein. Aber natürlich

sollte man die Ursache auch in dem Kosten+ Vertrag des Hauptauftragnehmers Northrop Grumman sehen.

So ein Vertrag sichert den Lieferanten vor finanziellen Risiken ab. Sollten Verzögerungen

und Kostensteigerungen auftreten, die vorher für eine neue Technologie eben nicht richtig

eingeschätzt werden konnten, geht die Firma dann nicht Pleite. Aber andererseits ist der Lieferant

auch nicht sonderlich daran interessiert, dass die Kosten im Rahmen bleiben, wenn immer neue

Kohle fließt. Ein Problem, dass viele Raumfahrt und Rüstungsprojekte haben. Da können wir in

Deutschland auch ein Lied von singen. Ja, die Kosten und die Zeitplanung sind

sicherlich aus dem Ruder gelaufen. Ich bin mir aber sicher, sollte alles glatt gehen, wird James

Webb mindestens genau so wichtige Erkenntnisse über den Kosmos und die Entstehung des Universums

ermöglichen, wie das Hubble seiner Zeit. Viel wichtiger aber vielleicht noch die

Strahlkraft, die dieses Leuchtturm-Projekte für die zukünftigen Astronomen und Forscher

darstellen wird. Menschen, die sich durch die Bilder und Daten dazu berufen fühlen, sich der

Erforschung des Weltalls zu verschreiben. Ein amerikanischer Astronom hat dazu gesagt:

„Dass das James Webb die Erforschung der Geburt von Sternen am Anbeginn des Universums ermöglichen

wird. Und das zu dem Preis den die US-Amerikaner im Jahr für Kartoffelchips ausgeben.“

Und es ist ja jetzt auch endlich so weit. Oder zumindest sieht es sehr danach aus. Zwar

war als Starttermin der Oktober diesen Jahres geplant, aber es wird wohl eher November. Und

dieses Mal liegt es an den Europäern: Denn während des Absprengens der Ariane

5 Nutzlastverkleidung wurden bei den letzten Starts Beschleunigungs-Anomalien festgestellt.

So soll vor einem Start des James Webbs, erst ein weiterer Ariane 5 Start erfolgen,

bei dem das Probleme gelöst wurde und diese Anomalie nicht mehr auftritt. Da

noch 2 weitere Ariane 5 Starts vor dem Start des James Webb anstehen, sollte es diese

Testmöglichkeit geben. Das bedeutet natürlich, dass es bei diesen Starts und Nutzlasten keine

Verspätung geben darf. Andererseits gibt es für den Start zum L2 kein enges Zeitfenster

wie für Starts zum Mars oder anderen Planeten. So ist eine Verschiebung auch nicht so dramatisch

wenn auch ärgerlich. Ganz interessant, dass es auch die Befürchtung gab, dass Rest-Atmosphäre

innerhalb der Nutzlastverkleidung die dünne Sonnenschutzfolie zerreißen könnte,

was aber in einer Nachuntersuchung ausgeschlossen werden konnte.

Wir drücken die Daumen, dass alles glatt läuft und der Start so bald wie möglich

erfolgen kann. Und lieber sicher, als ein 10 mrd $ Feuerwerk oder Weltraumschrott.

Ich hoffe dir hat die Kooperation von Yiggis Kosmos und Senkrechtstarter gefallen. Wenn du

dir mehr so Themenübergreifende Videos und Kooperationen wünschst, schreib mir

doch einfach unter dem Video. Vielleicht hast du ja auch Ideen für YouTube-Kanäle,

wo eine Kooperation mit Senkrechtstarter besonders passen würden. Kleiner Spoiler, die

Zukunft der Raumfahrt wird unglaublich spannend und es werden uns nicht die Themen ausgehen.

An dieser Stelle vielen Dank Andreas, dass wir das zusammen machen konnten. Ich danke Patrick und

Space Racer fürs Skript-Korrekturlesen und ganz besonders allen Patreons. Ihr macht diese Videos

erst möglich. Vielen Dank! Als kleines Dankeschön stell ich allen Patreons die Folgen ab sofort vor

der eigentlichen Veröffentlichung zur Verfügung. Wenn Du diese und weitere Entwicklungen in der

Raumfahrt nicht verpassen möchtest, abonnier gerne meinen Channel. Denn hier gibt es ja jeden Montag

eine neue Folge von Senkrechtstarter. Ich hoffe die Folge hat dir gefallen,

wenn ja lass mir gern einen like da. Bis nächste Woche. Immer schön senkrecht bleiben. Dein Moe

Learn languages from TV shows, movies, news, articles and more! Try LingQ for FREE