Der Weg zum Ersten Weltkrieg I musstewissen Geschichte
In diesem Video erklär ich euch in fünf Schritten,
wie und warum der Erste Weltkrieg ausbricht.
Eben alles, was du wissen musst.
Die Entwicklung der Außenpolitik des Deutschen Kaiserreichs
könnt ihr in einem eigenen Video anschauen.
Findet ihr, wenn ihr oben auf das "i" klickt.
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts
wird Deutschlands Außenpolitik immer selbstbewusster.
Man handelt aus dem Gefühl der eigenen, großen Stärke heraus.
Allerdings schätzt man die Lage oft nicht richtig ein.
So kommt es immer wieder zu Konflikten und ausgewachsenen Krisen.
Das schweißt vor allem England und Frankreich zusammen.
Dieses Bündnis nennt man "Entente"
und die beiden verständigen sich auch noch mit dem Zarenreich Russland.
Dagegen steht der Zweibund Deutschlands und Österreich-Ungarns.
Wenn es nur zwei Lager gibt, dann ist das immer schlecht,
denn dann gibt es bei Konflikten nie einen Dritten, der vermitteln kann.
Alle Länder rüsten enorm auf.
Das ist an sich erst mal nix Besonderes und auch nicht besonders schlimm,
denn Waffen können auch der Abschreckung dienen.
Im Kalten Krieg hat das Wettrüsten zwischen der Sowjetunion
und den Vereinigten Staaten von Amerika die jeweils andere Seite abgeschreckt.
Aber natürlich ist es nicht gut, wenn, ich sag das mal so überspitzt,
überall Waffen rumliegen.
Dann fühlt man sich vielleicht stark genug, sodass man nicht mehr verhandeln will.
Genau das passiert in Europa.
Die Bündnisse fühlen sich von den anderen bedroht
und gleichzeitig fühlen sie sich stark.
Irgendwann denkt jeder: "Joah, wenn die Franzosen oder die Deutschen,
wenn die anderen unbedingt wollen, können sie eine Abreibung bekommen.
Denen werden wir's schon zeigen."
Krieg wird nicht mehr als die schlimmste Sache der Welt begriffen,
sondern als, vielleicht, unausweichliche Lösung der schwelenden Konflikte.
Ein reinigendes Gewitter, sozusagen.
Ein ungelöster Konflikt schwelt auf dem Balkan.
Lange Zeit herrscht hier das Osmanische Reich.
Im 19. Jahrhundert werden Griechenland, Bulgarien,
Rumänien und Serbien selbstständig.
Die Länder ringen darum,
wie man den von den Osmanen befreiten Balkan aufteilen soll.
Und dann gibt es da noch den großen Nachbarn Österreich-Ungarn.
Der schnappt sich Bosnien-Herzegowina mit der Hauptstadt Sarajewo.
Allerdings hätte gern auch Serbien zugegriffen, denn dort leben viele Slawen.
Und Serbien will alle Slawen, auch die, die in anderen Ländern leben,
in einem serbischen Großreich vereinen.
Österreich-Ungarn will das nicht, weil es Angst hat, dass "seine" Slawen
und andere der vielen Völker im Reich die Freiheit und Unabhängigkeit wollen.
Unterstützt wird Serbien von Russland.
Russland ist die Schutzmacht aller Slawen.
Serbien ist sozusagen der verlängerte Arm des Zaren.
Außerdem will Russland Österreich-Ungarn schwächen,
weil es selbst Interessen auf dem Balkan hat.
Russland will dem schwächelnden Osmanischen Reich
die Herrschaft über die Dardanellen entreißen.
Das ist die Verbindung zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer.
Also: Es ist ein Durcheinander.
Der Balkan wird als "Pulverfass" bezeichnet,
weil hinter Österreich-Ungarn und Russland
ja wieder deren Verbündete stehen.
Deutschland einerseits, England und Frankreich andererseits.
Aus einem kleinen, örtlich begrenzten Krieg
kann ganz schnell ein Weltkrieg werden.
Österreich-Ungarn will gegenüber Serbien Stärke demonstrieren.
Deshalb reiste Erzherzog Franz Ferdinand
mit seiner Gattin nach Sarajewo.
Es gab zuvor schon ein paar Attentate.
Und sogar am 28. Juni selbst wird auf das Thronfolgerpaar
durch serbische Nationalisten ein Attentat verübt.
Da die beiden aber unverletzt bleiben,
beschließt man, dass der Besuch wie geplant weitergehen soll.
Im offenen Wagen fährt das Thronfolgerpaar durch die Stadt.
Aber sie müssen einen Umweg nehmen.
Und dadurch geraten sie zufällig anderen Verschwörern in die Hände,
die die Gelegenheit zum Zuschlagen ergreifen.
Franz Ferdinand und seine Frau sterben durch Revolverschüsse.
Die Julikrise ist die Zeit zwischen dem Attentat und dem Kriegsausbruch.
Österreich will Serbien für das Attentat zur Verantwortung ziehen
und die Chance nutzen, Serbien vielleicht sogar durch einen Krieg kleinzuhalten.
Aber hinter Serbien steht Russland.
Also fragt Wien beim deutschen Verbündeten nach.
Die deutsche Regierung Wilhelms II. sagt bedingungslose Unterstützung zu.
Man nennt das in der Geschichtsschreibung "Blankoscheck".
Bei einem Blankoscheck kann derjenige, der den Scheck bekommt,
die Geldsumme selbst eintragen.
Man sagt also: "Egal was du tust, ich bin dabei."
Die Deutschen glauben, dass Russland noch nicht kriegsbereit ist,
aber auch ein Krieg wird in Kauf genommen.
Österreich stellt Serbien jetzt ein Ultimatum.
Und zur großen Überraschung lenkt Serbien ein. Nur eines soll es nicht geben:
dass die österreichische Polizei selbstständig in Serbien ermitteln darf.
Jetzt setzt diplomatische Hektik ein.
Einerseits erkennen die Großmächte,
dass sie ganz knapp vor einem Krieg stehen und wollen ihn noch verhindern.
Andererseits zählt schon die militärische Logik: Wenn ich jetzt nicht mobil mache,
wenn ich jetzt nicht meine Truppen an die Grenze fahre,
dann ist es vielleicht zu spät.
Irgendwie verlässt sich jeder darauf,
dass der andere Vernunft annehmen und klein beigeben wird.
Ist der Krieg in letzter Sekunde abgeblasen?
Nein, Österreich, mit dem Blankoscheck im Rücken,
stellt auf stur und erklärt Serbien den Krieg.
Daraufhin ordnet Russland für einen Teil seiner Armee die Kriegsbereitschaft an.
Deutschland fordert Russland dazu auf, die Teilmobilmachung zurückzunehmen,
Russland wiederum reagiert nicht.
Deutschland erklärt daraufhin erst Russland, dann Frankreich den Krieg.
Außerdem marschieren deutsche Truppen in Belgien ein, das neutral ist.
Jetzt erklärt England Deutschland den Krieg.
Die militärische Logik hat gegriffen. Die Militärmaschine rattert.
Der Krieg beginnt.
Ja, ich geb zu, das war ganz schön viel heute.
Aber natürlich findet ihr rund um den Ersten Weltkrieg
auch noch mehr Videos hier auf dem Kanal.
Ihr könnt dieses Video so oft angucken, wie ihr wollt.
Dann habt ihr das irgendwann im Kopf und wenn ihr Fragen habt,
dann postet sie einfach unten in die Kommentare.
Danke euch fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
Untertitel für funk im Auftrag des ZDF, 2018