×

Utilizziamo i cookies per contribuire a migliorare LingQ. Visitando il sito, acconsenti alla nostra politica dei cookie.

Iscriviti gratis
image

Ted Talks, Tolerant genug? | Gregor Eistert | TEDxSalzburg

Tolerant genug? | Gregor Eistert | TEDxSalzburg

Transkribierer: Sofia Sapountzaki Lektorat: Nadine Hennig

Dieses Jahr ist viel passiert.

Polen hat die Volleyball- Weltmeisterschaft gewonnen.

Deutschland hat die Fußball- Weltmeisterschaft gewonnen,

aber wir in Österreich haben zumindest den Eurovision Song Contest gewonnen. Wow!

Nach 48 Jahren sind wir endlich wieder mal Sieger.

Und dann noch mit einer bärtigen Sängerin.

Jetzt glaubt natürlich ganz Europa:

Was sind wir nur für ein unheimlich tolerantes Land.

Und auch ich selber habe mir gedacht:

Es hat sich echt einiges getan in Österreich,

weil, als ich vor so circa 10 Jahren im Gymnasium war,

da hat alles noch ganz anders ausgeschaut.

Da war das häufigste Schimpfort [auf dem] Pausenhof "Schwuchtel". Unser Religionslehrer hat uns gesagt,

dass Homosexualität etwas extrem Abnormales ist, das von vornherein abzulehnen sei.

Mein damals bester Freund hat mir gesagt:

Sollte ich mal schwul werden, würde er mich umbringen.

Aber das war damals für mich gar nicht so schlimm. Mit 16 hatte ich eher Freundinnen und das Ganze war kein Thema mehr.

Was aber im Nachhinein gesehen das Schlimme daran ist,

ist, dass ich in einer Gesellschaft aufgewachsen bin

oder in einem Umfeld aufgewachsen bin,

in der es einfach nicht okay ist, schwul zu sein.

Ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen,

in der ich nicht mal darüber nachgedacht habe,

dass ich schwul sein könnte.

Heterosexualität hatte einfach was viel zu Erstrebenswertes an sich,

aber wie gesagt,

das ist alles schon um die zehn Jahre her und seitdem hat sich einiges getan.

Ich habe Film studiert und ich merkte,

dass in meinem Umfeld alle viel toleranter und viel offener sind.

Aber dann habe ich vor ein paar Wochen

einen Workshop in einer Hauptschule gegeben und wieder war das häufigste Schimpfwort [auf dem] Pausenhof "Schwuchtel".

Und ich glaube nicht, dass es immer böse gemeint ist,

oder wirklich extrem diskriminierend.

Aber es trägt einfach dazu bei, dass Jugendliche in einem Umfeld aufwachsen,

in dem es nicht okay ist, schwul zu sein.

Es trägt dazu bei, dass es unglaublich schwierig ist,

für Jugendliche zu sagen, wen sie lieben.

Ich habe extremes Glück mit meiner Familie,

also für meine Eltern, glaube ich, war es ein viel größerer Schock,

als ich dann Vegetarier geworden bin.

(Gelächter)

Das war echt ein Brocken für sie.

(Gelächter)

Aber ich kenne auch Fälle, wo das nicht so ist.

Ich kenne Jugendliche, deren Eltern überhaupt nicht akzeptieren,

dass sie homosexuell sind.

Und ich kenne Eltern, die es zwar wissen von ihren Kindern, die es aber einfach als Phase abtun.

Oder daheim darf einfach nicht darüber geredet werden.

Und es ist extrem schwierig, sich vor solchen Leuten hinzustellen

und zu sagen, ich bin wer ich bin.

Und dabei sollte genau das eigentlich das Einfachste sein.

Aber fast noch schlimmer als stichelnde Beleidigungen

oder sogar schlimme Schimpfworte

ist die Angst, dass einen seine Freunde anders behandeln könnten.

Dass es dann nicht mehr heißt:

"Ach, der Gregor, der da so viel redet und so gern im Mittelpunkt steht."

Sondern, dass es dann heißt: "Ach, der Schwule".

Solche Verallgemeinerungen tun immer weh,

weil sie einfach den ganzen wunderbaren Charakter eines Menschen,

seine ganze Vielfältigkeit auf einen einzigen Aspekt reduzieren.

Und das ist immer gemein. Schubladendenken tut immer weh.

Und ganz egal, ob das der Schwule ist,

der Ausländer, der Behinderte, der Vegetarier.

Und deshalb glaube ich,

wir brauchen nicht unbedingt mehr Toleranz.

Weil Toleranz heißt immer, dass man etwas erträgt oder erduldet.

Dass man weiß, dass etwas da ist, mit dem man nicht so ganz zufrieden ist.

Man weiß aber auch, dass man nicht so wirklich darüber reden darf --

oder wie man im Waldviertel sagt: "Hände falten, Gosch'n halten."

Was wir brauchen, wäre mehr Akzeptanz.

Und da geht es nicht nur um Homosexualität.

Ich rede deshalb über Homosexualität oder über sexuelle Orientierung,

weil es einfach eine Problematik ist, die mich selbst betroffen hat

und immer noch betrifft.

Es geht um viel mehr.

Es geht um Charaktereigenschaften.

Es geht um Projekte, die wir gern umsetzen würden;

um Ideen, die wir haben;

darum, wen wir lieben und wie wir unser Leben leben wollen.

Ich glaube, wenn wir es schaffen würden,

eine Gesellschaft zu kreieren,

indem wir jedem die Möglichkeit geben,

sein volles Potenzial auszuleben,

dann könnte unsere ganze Gesellschaft

einen großen Schritt nach vorne machen.

Und ich glaube, wenn wir anfangen würden,

weniger streng mit uns selbst zu sein,

dann könnten wir vielleicht auch

andere Menschen so akzeptieren,

wie sie sind.

Danke.

(Applaus)

Learn languages from TV shows, movies, news, articles and more! Try LingQ for FREE