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2020-7 Imported from YouTube, Corona: Das Ende der Globalisierung? | Panorama | NDR

Corona: Das Ende der Globalisierung? | Panorama | NDR

Diesen Satz habe ich oft gelesen während der Zeit des Lockdowns.

In der Tat konnte man gar nicht so schnell gucken,

wie sich das Virus verbreitete.

Gerade war es in einer Provinz in China,

von der man nie gehört hatte.

Dann in Bergamo, in Ischgl, in Heinsberg, in der ganzen Welt.

Alles hängt mit allem zusammen.

Lieferketten brachen zusammen, Firmen konnten nicht weiterarbeiten,

Supermärkte wurden gestürmt.

Da kam bei einigen schon der Gedanke auf,

ob das so gut ist mit dieser Globalisierung.

Denn ja, sie hat Blüten getrieben.

Wäre es besser, alles von global auf national zu trimmen?

Oder sogar regional?

Am Anfang war das Virus sehr weit weg.

♪ Dramatische Streichakkorde ♪

Die mysteriöse Lungenkrankheit im chinesischen Wuhan ...

Doch in einer global vernetzten Welt breitet es sich rasend schnell aus.

♪ Dramatische Streichakkorde ♪

Viele fragen jetzt:

Sind wir zu anfällig, ist die Globalisierung schuld an Corona?

Lübeck - vor 600 Jahren Ort einer Katastrophe,

lange vor der modernen Globalisierung.

Unter dieser Terrasse fanden Forscher Erschreckendes.

In diesem Gebiet, von dem Strebepfeiler hier rüber,

wurden Massengräber gefunden, dicht an dicht.

Teils mehrere Lagen übereinander mit über 800 Bestatteten.

Todesursache: die Pest.

Mindestens ein Viertel aller Lübecker starb in kürzester Zeit.

Wo kam die Pest her?

An den Skeletten entdeckten Forscher Spuren aus entfernten Ländern –

Spuren internationalen Handels.

Wir haben sogar Produkte,

die aus Indonesien und Java den Weg nach Lübeck gefunden haben.

Handel gehört zur Menschheit.

Um globale Seuchen zu verhindern,

müssten wir die Welt um Tausende Jahre zurückdrehen.

Aber laut Umfragen sieht neuerdings die Hälfte der Deutschen

die Globalisierung negativ.

Sie scheint schuld an der Entstehung von Corona

und behindere den Kampf dagegen.

Wir haben lumpige Masken nicht gekriegt,

weil alles ausgelagert wurde nach China.

Das ist doch krank.

Eine erfolgreiche, moderne Nation kann keine Maske beschaffen.

Das muss hier passieren!

Wir haben da auch Leute für.

Keine Masken wegen der Globalisierung?

Das Überraschende:

Die deutsche Firma Dräger etwa stellt hochwertige FFP2- und -3-Masken her,

nur nicht in Deutschland.

Wir kommen aus Deutschland,

haben hier unseren Stammsitz und produzieren viel hier.

Aber Masken produzieren wir in Schweden.

Denn ein Schwede erfand einst eine Hightech-Maschine,

die Masken hochautomatisiert und günstig herstellt.

Er schloss sich mit Dräger zusammen.

Wie man so eine Maschine konstruiert und betreibt,

ist historisch gewachsen.

In Schweden haben sich immer findige Leute sehr engagiert,

auch für dieses Produkt, als sich kaum jemand dafür interessiert hat.

Deswegen ist dort unsere Haupt-Maskenproduktion.

Okay, weltweiter Handel lebt von Spezialisierung.

Aber was hilft uns das, wenn wir Masken brauchen?

Ist die Lösung, doch alles hier zu produzieren?

Wirtschaftsprofessor Gabriel Felbermayr

empfiehlt eine andere Strategie.

Wo Dinge hergestellt werden, das nicht entscheidend.

Aber in einer nächsten Krise wollen wir widerstandsfähiger sein.

Vielleicht müssen wir strategische Lager anlegen.

Unsere strategischen Erdöllager,

das war eine Lehre aus den Ölpreiskrisen der 70er.

Für Medikamente oder Schutzkleidung, die im Ausland hergestellt werden,

müssten wir mehr Lagerhaltung haben.

Aber sollten wir Lebensnotwendiges nicht auch hier produzieren?

Tun wir längst, etwa Beatmungsgeräte.

Dräger ist Weltmarktführer,

das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint zu stimmen.

Wie schafft man das?

Die Geräte werden nicht von Grunde auf erzeugt,

sondern greifen zurück auf eine lange Wertschöpfungskette.

Die Teile kommen aus verschiedenen Teilen der Welt.

In so einem Gerät sind 500 Teile von 120 Zulieferern aus 30 Ländern.

Das Display kommt aus Korea, der Mikroprozessor aus den USA,

die Schläuche aus der Türkei und der Anfeuchter aus Neuseeland.

Viele denken,

wir müssen die Produktion dorthin holen, wo wir konsumieren.

Das ist für Deutschland eine teure Strategie:

Wir konsumieren bei vielen Produkten viel weniger, als wir produzieren,

bei Autos, sogar bei Medikamenten.

30 Milliarden Euro Überschuss im Pharmabereich.

All diese Überschüsse wären weg,

wenn jedes Land nur konsumiert, was dort auch produziert wird.

Viel Überschuss bedeutet mehr Einnahmen,

mehr Jobs, höhere Löhne, höhere Einnahmen der Rentenkasse.

Und damit höhere Renten.

Was weniger Globalisierung bedeuten könnte,

hat Prof. Felbermayr für Panorama ausgerechnet:

Wie würde sich die Rente mit weniger Außenhandel entwickeln?

2018 lag die Rente im Schnitt bei 900 Euro im Monat.

Mit 50 % weniger Außenhandel wären es wohl knapp 750 Euro,

ohne Außenhandel 540 Euro.

Was wir aus der Analyse klar sagen können, ist:

Je stärker wir die Globalisierung zurückdrehen,

umso stärker muss Deutschland Sozialleistungen einschränken.

Denn der Kuchen, aus dem diese Zahlungen geleistet werden,

würde deutlich kleiner werden.

Ist die Globalisierung also ohne Fehler?

Natürlich nicht.

Ausbeutung von Menschen, Umweltzerstörung, Klimawandel.

Das Problem:

Wir haben ein globales Wirtschaftssystem,

aber kein globales Regelwerk, wie es die EU für Europa entwickelt.

Mühsam, aber möglich.

Und so suchen die meisten einfachere Antworten:

Raus aus der Globalisierung, rein ins Regionale.

Die Sachen, die hergekarrt werden,

mit dem Lkw, Flugzeugen oder Schiffen:

Was soll das?

Das ist umweltschädlich ohne Ende.

Wir haben doch alles hier.

Gerade beim Essen herrscht der Glaube:

Da produzieren, wo wir konsumieren.

Groß-Gerau in Hessen.

Gemüsebauer Rudolf Behr verkauft regionale Produkte -

aber unfreiwillig.

Er hat seine Felder in Norddeutschland,

doch weil "regional" ein Trend ist, muss er auch in Hessen anbauen.

Es zeichnete sich ab, dass Regionalität bevorzugt wird

und wir aus dem Norden nicht mehr in den Süden liefern können.

Wir sind nicht hier, weil es hier besonders gut wächst,

sondern, weil es hier regional ist.

Salat baut er hier nur an,

weil Supermärkte "aus der Region" draufschreiben wollen.

Dabei ist es im Sommer in Hessen für Salat zu heiß.

Die optimale Temperatur bei Salat

sollte am Tag nicht über 25 und nachts unter 15 Grad sein.

Das haben wir hier über lange Phasen nicht,

da spielt der verrückt.

Das ist nicht seine Umgebung.

Da müsste man Kompromisse eingehen

und Sorten nehmen, die hier überleben.

Aber die sind in Form, Konsistenz und Geschmack nicht so,

dass es vernünftig ist.

Was in Hessen besser geht: Zucchini.

Am liebsten würde Behr Gemüse jeweils dort anbauen, wo es optimal wächst.

"Regional" klinge zwar gut, sei aber nicht immer besser.

Nehmen wir Eisbergsalat:

Wir brauchen 4000 Hektar Produktion in Deutschland,

das kann man im Norden machen für ganz Deutschland - kein Problem!

Die Maschinen sind da, alles ist da.

Sie würden viel weniger Fläche und Pflanzenschutzmittel brauchen.

Oft ist Regionalität alles andere als nachhaltig,

umweltschonend, ressourcenschonend.

Überregionaler Handel lohnt sich,

ob beim Salat, beim Beatmungsgerät oder einem Corona-Impfstoff.

Dennoch haben sich in der Corona-Krise

viele verabschiedet vom Leitbild Globalisierung.

Dabei ist sie wohl die größte Chance gegen die Plagen dieser Welt.

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