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GERMANIA, Enissa Amani | GERMANIA

Enissa Amani | GERMANIA

Und das kotzt mich an, es kotzt mich wirklich an.

*Titelmusik*

*Musik*

Ich bin Enissa Amani,

ich bin geboren im Iran, aufgewachsen in Frankfurt am Main,

lebe jetzt in Köln und bin hauptberuflich Comedian.

Meine Eltern sind beide aus dem Iran.

Sie sind aus dem Iran geflohen, 1987,

weil die zu der Zeit sehr schwer verfolgt wurden.

Sie waren beide Revolutionäre im Iran,

haben viel im Untergrund gearbeitet,

haben 'ner verbotenen Partei angehört.

Und haben sich dort auch übrigens kennengelernt, in dieser Partei.

Mein Zweitname, Sahar, war der Deckname meiner Mutter.

Also die hatten ja immer Untergrund-Decknamen.

Und man durfte...

Selbst wenn man verknallt, verliebt war,

hast du ganz lange gewartet, bist du jemandem

deine wirkliche Identität, deinen Namen, genannt hast.

Und mein Vater hat dann darauf bestanden, dass ich eben

den Decknamen meiner Mutter als Zweitnamen bekomme.

Mein Vater hat 4 Jahre

als politischer Gefangener abgesessen, im Iran.

Rein für Bücher, die verboten waren.

Und der ist tatsächlich damals

mit Bertolt Brecht an der Uni erwischt worden.

Ich war das 1. Mal im Iran, da war ich 21 -

das 1. Mal, seit ich ein ganz kleines Baby war.

Wir haben alle im Wohnzimmer geschlafen,

alle Cousinen und Cousins.

Hatten auf dem Boden Matratzen und Decken ausgelegt

und uns alle bei der Hand gehalten - die ganze Nacht.

Und ich weiß noch, ich hab so viel geweint, als ich von da zurück kam,

weil ich eben zum 1. Mal so viel Familie hatte.

'Ne Oma, 'nen Opa, die für dich kochen - und alles ist voll.

Aber natürlich dann mit meinen weiteren Iran-Reisen

habe ich, wie soll ich sagen, so die gesellschaftlichen Abgründe gesehen.

Mein Verhältnis zum Iran ist sehr zwiegespalten.

Iran ist ein sehr junges Land.

Wenn du durch die Straßen läufst, du siehst dort nur junge Leute,

die dir entgegenkommen.

Und die wollen frei sein und die wollen leben, wie sie leben wollen.

Also da ist so viel Potenzial

und das ist tatsächlich so ein intellektuelles Volk.

Aber natürlich ist da eine sehr willkürliche Politik.

Und vor allem auch 'ne sehr willkürliche Exekutive.

Da ist 'ne ganz andere Hierarchie.

Und die kann dir natürlich sehr Angst machen.

Als wir nach Deutschland kamen,

waren Mama und Papa beide fast fertig mit dem Studium.

Beiden wurde es komplett nicht anerkannt.

Meine Mutter, sie hat in Frankfurt am Main,

mit 34 Jahren von vorne angefangen, Medizin zu studieren.

Und mein Vater hat dann aber gesagt:

"Okay, einer muss arbeiten, dann studiere du,

ich arbeite bei der Post" - was er heute noch macht.

Davor hat mein Papa alles mögliche gemacht: geputzt,

in der Alten Oper in Frankfurt unten im Restaurant gespült.

Also wir haben, bis ich 18, 19 war, Möbel vom Sperrmüll gehabt.

So, das war völlig normal für uns.

Meine Mama ist eher 'ne Karrierefrau,

die macht ganz viel mit Ärzte ohne Grenzen.

Und als Kind war ich so: Warum hab ich nicht eine ganz normale Mutter,

die den Tee bringt und wo wir so 'ne Schrankwand zuhause haben,

mit so kleinen Glasfigürchen.

Das war immer so meine klassisch iranische Familie.

Ich find deutsche Frauen sind mit die hübschesten Frauen auf der Erde.

Aber deutsche Frauen, das ist hier 'ne kulturelle Sache,

sind von ihrer Optik lieber 'nen bisschen Understatment.

Bisschen schlichter.

Wenn du das vergleichst mit uns orientalischen Frauen,

wir schminken uns gern.

Und dadurch hat man hier automatisch dieses Bild.

Sobald etwas weiblich ist, bekommt das so diesen Tussi-Stempel.

Oder es bekommt so einen unangenehmen Stempel.

Und man hört gar nicht mehr zu.

Mein ganzes Leben lang sagt mir jeder: "Ihre Stimme ist so angenehm".

Und dann werde ich in Deutschland plötzlich berühmt

und dann gibt's Leute, die sagen: "Ah, Pieps-Stimme, Pieps-Stimme".

Genauso wie sie sagen: Highheels, Tussi, ah, Lidstrich.

Und ich so: Krass!

In den Ländern wie im Iran, da ist es genau umgekehrt.

Frauen in krassen Positionen, also Anwältinnen, Ärztinnen...

die Frau kommt da rein, du denkst:

Alter, ist die Ärztin oder Supermodel?

Jede Frau wie sie will. Darum geht's nicht.

Wir denken alle in Schubladen.

Aber gib mir doch wenigstens die Chance,

mir zuzuhören und dann zu sagen: sympathisch, nicht sympathisch.

Das wär gerechtfertigt.

Also Comedy... Ich hab lange meinen Weg nicht gefunden,

im Sinne von gesucht.

Auf jeden Fall hab ich dann gesagt: "Ich schreib jetzt ein Buch.

Und wenn es das schlechteste Buch dieser Welt ist,

dann ist es halt das schlechteste Buch der Welt".

Ich hab dann davon Textauszüge immer wieder gepostet, für meine Freunde.

Und dann kommt jemand, ein Freund, und sagt so:

"Geh doch damit auf 'ne offene Bühne".

Und 2 Jahre später, von da an, hatte ich meine eigene Fernsehshow.

Ich berichte halt von allem, was mir nahe geht: Iran, Deutschland.

Am Anfang, mein 1. Set, war über meine Nasen-OP.

Alles, wo ich gemerkt hab:

Oh, das fällt mir auf, das bewegt mich gerade.

Das kriegt man lustig hin.

Du hast ja immer auf der Bühne ganz viel Selbstironie,

du gehst da hin und sagst:

"Ey, ich, ich Schrott schon wieder, hab das schon wieder verkackt".

Das ist, was die Leute lustig finden und auch sympathisch finden.

*Titelmusik*

Untertitel: ARD-Text im Auftrag von Funk (2018)

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