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GERMANIA, Aminata Belli | GERMANIA

Aminata Belli | GERMANIA

Die Leute denken immer: Du Arme, wohnst im Wohnwagen.

Und das ist immer noch so, wenn ich erzähle: Mein Vater kommt aus Afrika

und wir sind im Wohnwagen aufgewachsen.

Das ist immer so 'n bisschen: Och!

* Titelmusik *

Ich bin Aminata Belli, ich bin 26, wohne in Hamburg.

Und ich bin Moderatorin.

Wenn ich an meine Kindheit denke, dann bin ich sehr, sehr glücklich.

Unsere Familie hat eine 300-jährige Tradition.

Und macht schon seitdem Jahrmärkte oder Rummel, Kirmes.

Das ist eigentlich 'ne Kultur für sich.

Schausteller bleiben unter sich.

Man übernimmt das Geschäft der Eltern.

Es ist sehr traditionell bei uns und sehr familiär.

Weil zu Hause ist da, wo die Familie ist, wo der Wohnwagen steht.

Schausteller sind an sich sehr, sehr stolz.

Wir stehen 100 % dahinter, hinter dem, was wir machen.

Das rührt, glaube ich, auch daher, dass du dich immer beweisen musst.

Dadurch, dass man jede Woche an einer anderen Stelle ist quasi,

musste ich auch jede Woche in eine andere Schule gehen.

Und natürlich ist es nervig, dass du jede Woche gefragt wirst:

Habt ihr auch 'nen Fernseher? Wie wascht ihr euch denn?

Und alle denken erst mal, du bist arm.

Aber ich bin in die Klasse gekommen, es gab tausend Fragen.

Ich hab mich aufs Pult gestellt und jede Frage erklärt.

Und mich total gefreut, allen Leuten zu erzählen,

was ich für ein tolles Leben auf dem Jahrmarkt hab.

Du bist immer mit deinen Freunden auf dem Jahrmarkt,

kannst den ganzen Tag mit den Geschäften fahren.

Und alles essen, was es dort gibt.

Aber du musst halt... als Mensch mit Migrationshintergrund

und als Schausteller musst du dich doppelt beweisen.

Wenn ich in eine neue Schule kam, musste ich nicht nur erklären,

warum ich braune Haut hab.

Sondern auch noch, warum wir in 'nem Wohnwagen wohnen,

wie das Ganze funktioniert.

Es gibt kaum Schausteller, die so aussehen wie ich.

Ich habe letztens eine Instagram-Umfrage gemacht.

Und bin auf eine Person gestoßen, die Schwarz ist.

Deshalb war es von vornherein auch ziemlich schwierig,

dass meine Mutter mit 'nem Afrikaner ankam.

Demnach war die Frage die ganze Zeit, wie Aminata wohl aussehen würde.

Alle waren total aufgeregt,

weil sie noch nie so ein Kind gesehen haben wie mich.

Aber dann war ich halt da und man hat sich dran gewöhnt.

Dann war es auch okay so.

Meine Mama kommt aus Schleswig-Holstein.

Und mein Vater kommt aus Gambia in Westafrika.

Meine Eltern waren lange verheiratet. Ich wurde 1992 geboren.

Und 1994 hat mein Vater unsere Familie verlassen.

Also seit ich zwei bin, habe ich quasi meinen Vater nicht bei mir.

Ich glaube, 'n generelles Aufwachsen ohne Vater ist gar nicht so schlimm.

Wenn der Vater früh geht.

Ich glaube nur, dass es dann zu Problemen kommt,

wenn man z.B. so wie ich eine andere Hautfarbe hat.

Und die Person, wo das herkommt, dann nicht da ist.

Es geht da einmal um die Beziehung zum Vater an sich.

Aber auch um seine eigene Identität zu verstehen.

Ich hatte dann, glaube ich, mit 23 so 'nen Geistesblitz.

Und hab einfach gespürt, dass ich meinen Vater jetzt kennenlernen muss.

Ich muss nach Gambia.

Hab gleich direkt die Flüge gebucht und musste das machen.

Dann kam ich an und hab meinen Bruder getroffen.

Was schon viel zu viel für mich war.

Und der hat mir dann gesagt, dein... oder unser Vater steht vor der Tür.

* sphärische Musik *

Er hat mich halt gerufen.

Das hat sich schon total surreal angefühlt.

Ich glaub, so wie wenn man 'nen Superstar vor sich hat,

den man eigentlich nur von Postern kennt.

Ich hab ihn angeguckt und war absolut sprachlos.

Und beeindruckt und durcheinander, dass mein Vater vor mir stand,

dem ich übertrieben ähnlich sehe.

Der Moment, wenn du da vor jemandem stehst, du merkst,

dass das zusammengehört, ist total überwältigend.

In Gambia hat mein Vater erst die Chance bekommen,

mir eigentlich seine Person zu zeigen.

Und auf einmal hab ich gemerkt, dass der witzig ist, dass er cool ist.

Und Persönlichkeit hat.

Ich hab dort meine Familie wiedergefunden.

Und auch verstanden für mich, dass das meine Familie ist.

Und das auch gefühlt.

Und danach war ich glücklich und befriedigt und einfach komplett.

Aber ich glaube, dieses Schwarzsein ist noch mal 'ne ganz andere Sache.

Wenn du hier bist, dann bist du ja Schwarz.

Wenn du nach Afrika gehst, bist du weiß.

Für mich denke ich, man sieht ja ganz klar,

dass ich kein weißer Mensch bin.

Aber die Gambianer verstehen nicht, warum ich sage, ich bin Schwarz.

Was zu 'ner noch größeren Identitätskrise am Ende führt.

Und am Ende des Tages steht man wieder zwischen den Stühlen,

muss halt irgendwie akzeptieren, dass man Schwarz und weiß ist.

* Titelmusik *

Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2018)

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