Brauchen wir die Öffentlich-Rechtlichen noch?
Die öffentlich-rechtlichen Medien sind für viele ein riesiges,
schwerfälliges Ungeheuer.
Sie fressen viel Geld, werden scheinbar vom Staat gelenkt
und sind sehr alt.
Das Fernsehpublikum hat ein Durchschnittsalter
von über 60 Jahren und ist damit knapp 20 Jahre älter
als die Gesamtbevölkerung.
Junge Menschen werden durch das Programm
anscheinend nicht mehr angesprochen.
Brauchen wir die Öffentlich- Rechtlichen also überhaupt noch?
* Intro *
In Deutschland haben wir ein duales Rundfunksystem
mit privaten Sendern,
die sich durch Werbeeinnahmen finanzieren,
und Öffentlich-Rechtlichen, die von uns allen bezahlt werden,
ob wir wollen oder nicht.
Die deutsche Art des unfreiwilligen Solidarbeitrags
hat eines der größten öffentlichen Rundfunksysteme der Welt geschaffen.
Inzwischen sind ca. 46.000 Mitarbeiter
bei 20 TV- und 74 Radiosendern angestellt.
Unser Beitrag von 17,50 Euro im Monat
liegt dabei noch im europäischen Mittelfeld.
Zusammengerechnet sind das ca. 8 Mrd Euro,
die den Sendern im Jahr zur Verfügung stehen.
Zum Vergleich: der Staat gibt aus Steuertöpfen
27 Mrd Euro pro Jahr für Verkehr und Infrastruktur aus.
Für Verteidigung 38 Mrd.
Doch seit der Einführung der allgemeinen Beitragspflicht,
verärgert besonders viele junge Menschen, etwas zahlen zu müssen,
was sie nicht bestellt haben und vielleicht nicht einmal gucken.
Besonders, weil das Angebot speziell auf seine ältere Zielgruppe
ausgerichtet zu sein scheint.
So gibt es insgesamt 29 Kochsendungen
9 Serien, die in einem Krankenhaus spielen,
und allein beim ZDF 42 Krimiserien.
Neben dem "Eurovision Song Contest"
und der "Großen Helene Fischer Show",
gibt es noch 15 weitere Musikshows,
von denen 7 Volksmusik oder Schlager spielen.
56 % der Programmkosten fallen für Serien, Spielfilme,
Shows und Sport an,
während Nachrichtendokus und Reportagen
mit nur 38 % auskommen müssen.
Dabei finden Unterhaltungsprogramme
immer weniger im Fernsehen, sondern im Internet statt.
Womit sich die Öffentlich- Rechtlichen noch eher schwertun.
Und doch obwohl immer mehr Menschen ihre Filme und Serien
bei Netflix sehen, informieren sie sich nach wie vor
bevorzugt über Angebote wie die "tagesschau", "ZDF heute"
und dem Deutschlandfunk.
Auf den privaten Sendern laufen kaum Nachrichten,
während auf ARD und ZDF Informationsangebote
immer noch 43 % der gesamten Sendezeit ausmachen.
Hinter der "tagesschau" z.B.,
steht eines der größten Korrespondentennetzwerke der Welt,
mit 100 Funk- und Fernseh-Korrespondenten
in 26 verschiedenen Ländern.
Dazu kommen noch Spartensender,
die ausschließlich informieren oder bilden.
Wir begleiten aber lieber einen Bauern
bei seiner verzweifelten Suche nach Liebe,
als Reporter beim aufdecken von Skandalen.
Besonders mit simplen Unterhaltungsangeboten
lässt sich viel Geld verdienen und eine hohe Einschaltquote erzielen.
Die Öffentlich-Rechtlichen, die kein Geld verdienen
und nicht immer auf die Einschaltquote schauen müssen,
haben dadurch die Freiheit, Journalismus zu bezahlen
oder aufwendig produzierte Sparten- programme in Auftrag zu geben.
Der Kultursender arte z.B.,
hat gerade mal einen Marktanteil von 1 %
und würde sich trotz sehr hochwertiger Formate
wohl kaum halten können.
Auch den deutschen Kurzgesagt-YouTube-Kanal
gäbe es ohne die Beiträge nicht mehr.
So weit schön und gut.
Was ist aber mit dem Vorwurf,
dass die Öffentlich-Rechtlichen nur ein Werkzeug der Politik sind?
Das ist nicht so einfach.
Für die Programmgestaltung werden Richtlinien
vom Rundfunkrat erstellt, der aus Organisationen
wie Gewerkschaften, Kultur- und Sportverbänden, Kirchen
und ja, auch Politikern gebildet wird.
Sein Auftrag ist es, die Gesellschaft zu repräsentieren.
Ob er das wirklich tut, ist umstritten.
So sitzen z.B. in jedem Rundfunkrat
bis zu fünf Vertreter der Kirchen,
aber nur beim WDR ist der Atheistenverband vertreten.
Politiker sind besonders in diesen Aufsichtsgremien
sehr stark vertreten
und haben auch schon Einfluss auf Programm und Personal genommen.
Im ZDF-Verwaltungsrat hat sich 2009 eine CDU-Mehrheit geweigert,
den Vertrag eines Chefredakteurs zu verlängern,
weil der ihnen zu unbequem war.
Solche Entwicklungen sind aber nicht unbemerkt geblieben
und hatten auch Konsequenzen.
Das Bundesverfassungsgericht hat 2014 entschieden,
dass die Aufsichtsgremien der Öffentlich-Rechtlichen
nur noch zu 1/3 aus staatsnahen Mitgliedern bestehen dürfen.
Staatsfernsehen sind ARD und ZDF deswegen aber nicht.
Die einzelnen Redaktionen können unabhängig ihrer Arbeit nachgehen.
Das belegen kritische Berichte, Kommentare
und satirische Programme, die bis an die Schmerzgrenze gehen
und zur Empörung bei Politikern führen.
Zuverlässige Informationsquellen gewinnen in Zeiten von Fake-News
immer mehr an Bedeutung.
Die "tagesschau" hatte 2017 die höchsten Einschaltquoten
seit über 50 Jahren.
Keine anderen Nachrichten können bei ihrer Berichterstattung
auf so viele eigene Auslandsreporter zurückgreifen,
um die Informationen selbst zu überprüfen.
Auch gibt es keinen anderen Senderverbund
im deutschen Fernsehen,
der so viele Dokumentationen und Reportagen produziert.
Ist es also wirklich eine gute Idee,
das alles abzuschaffen?
17,50 Euro im Monat sind eine Menge Geld,
aber sollten wir nicht lieber darüber nachdenken,
welche Programme und Inhalte wir dafür sehen wollen,
anstatt lautstark die Abschaffung
aller öffentlichen Sender zu fordern?
Genau dort müssen auch die Sender selbst ansetzen,
um mehr junge Leute anzusprechen.
Die deutschen Öffentlich-Rechtlichen sind teuer,
manchmal anstrengend und alt, aber sie stellen auch Mittel
für erstklassige Programme zur Verfügung,
und sie informieren uns auf hohem Niveau.
Kann man unterm Strich schon so machen, finden wir.
An der Umsetzung könnte man aber noch arbeiten.
Und wenn wir alle für die Öffentlich-Rechtlichen zahlen,
sollten wir auch das Recht haben, mit zu diskutieren.
Was ist eure Meinung dazu?
Halt, stopp!
Kurzgesagt auf Deutsch wird ja von den Öffentlich-Rechtlichen bezahlt.
Ist es also überhaupt möglich, dass wir ein neutrales Video machen?
Wie lief das jetzt in dem Fall?
Funk hat uns gefragt, ob wir ein Video machen wollen,
indem wir die Öffentlich-Rechtlichen erklären.
Für uns war von Anfang an klar, dass wir das nur machen,
wenn wir auch ordentlich kritisieren können.
Insgesamt finden wir schon, dass die Öffentlich-Rechtlichen
eine gute Sache sind.
Sonst würden wir uns auch nicht von ihnen finanzieren lassen.
Aber es läuft auch so einiges schief
und es wäre schön, wenn sich einige Sachen ändern.
Wir können bei Funk inhaltlich machen, was wir wollen,
solange es auf Fakten beruht
und wir unsere Videos mit Quellen belegen können.
Und so war es auch diesmal.
Niemand hat uns gebeten, irgendwas nicht zu sagen oder zu relativieren.
Dieses Video ist unserer Meinung nach unserer Recherche.
Insgesamt ist die Zusammenarbeit mit Funk und uns sehr gut
und auf Augenhöhe.
Wir fühlen uns nicht eingeschränkt,
auch wenn alles etwas komplizierter und bürokratischer ist.
Wenn ihr Fragen habt, wie das mit uns und Funk läuft,
könnt ihr die auch gerne in den Kommentaren stellen.
Wir werden sie beantworten.
Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk 2018