Stories of Conflict: Nordpol
Wenn man an den Nordpol denkt, hat man den Weihnachtsmann, Eisbären und blendend weißes Packeis vor Augen. Doch die Arktis ist vor allem die vom Klimawechsel am schwersten betroffene Region. Durch ihre immer leichtere Erreichbarkeit wächst ihre strategische Bedeutung. Lange Refugium einer geschützten Tier- und Pflanzenwelt war, ist die Arktis zum neuen Streitobjekt zwischen den Großmächten geworden.
Beim Nordpol denken wir an den Weihnachtsmann, Eisbären und Packeis. Aber die Arktis ist vor allem die Region, die der Klimawandel am härtesten trifft, und sie wird strategisch immer wichtiger. Lange war sie ein geschütztes Natur Refugium. Heute ist sie unter Großmächten umkämpft. Stories of Conflict erklärt, wie es um die Zukunft der Arktis steht.
Der Name Arktis kommt vom altgriechischen arktos, was Bär bedeutet.
Gemeint ist der Große Bär, das Sternbild des Nordens. Jahrhundertelang war die Arktis das Land der Wikinger und Abenteurer, der Polarforscher und der großen Expeditionen.
Heute leben rund vier Millionen Menschen nördlich des Polarkreises und acht Staaten haben hier Gebietsansprüche Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, die USA mit Alaska, Kanada, Dänemark mit Grönland und Island mit der Insel Grimm See. Die acht Staaten gehören dem Arktischen Rat an, dem wichtigsten politischen Organ der Region. Er wurde 1996 gegründet und umfasst auch Vertreter indigener Völker und 13 Beobachter Staaten wie Frankreich, Deutschland, China, Indien und sogar die Schweiz. Ein Land ohne Zugang zum Meer.
Die arktische Zone besteht vorwiegend aus Wasser. Das Nordpolarmeer ist rund ums Jahr mit Packeis bedeckt. Hier leben Tier und Pflanzenarten und indigene Völker in einem extremen Klima. Das Gebiet gehört zu den Unwürdigsten der Erde und der König des Packeis? Es ist der Eisbär. Das Meereis erreicht seine minimale Ausdehnung im September und die maximale im März. Bislang war das Gebiet uninteressant für die Erschließung durch den Menschen. Doch seit 2007 schmilzt das Packeis im Sommer zunehmend und damit beginnt ein Wettlauf.
Geopolitik bedeutet immer, die Nase vorn zu haben. Statt das Phänomen zu stoppen, rechnen sich die Länder ihre Chancen bei einer Klimaerwärmung aus. Wenn nichts passiert, wird im Laufe des 21.Jahrhunderts die Schmelze im Sommer zum völligen Verschwinden des Packeis führen. Manche sehen das schon für 2050 voraus, was zu wilden Fantasien Anlass gibt. Immer mehr Gebietsansprüche werden laut. Russland plant 2007 seine Fahne in den Meeresgrund am Nordpol, der auch von Kanada und Dänemark beansprucht wird. Im Jahr darauf wird es noch heißer als das US Institut für Geowissenschaften verkündet, das die Arktis Regionen 10 prozent der unentdeckten Erdöl und 30 prozent der Erdgasreserven bergen könnten.
Die Schätzungen sind umstritten.
Es sind nur Zahlen, Zahlen auf Papier. Wenn ihr das begriffen habt, sind sie sehr einfach zu beherrschen. Die Gasförderung hat sich technisch weiterentwickelt, vor allem in der russischen Arktis auf der Halbinsel, 600 Kilometer nördlich des Polarkreises, wurde der Hafen Savitar mit einer Erdgas Anlage aus dem Boden gestampft und auf der Guidance Halbinsel vor 2023 ein weiteres Großprojekt die Produktion starten. Russland war so auf dem asiatischen Markt mit flüssigem Erdgas vorpreschen und den beiden größten Exporteuren der Welt Konkurrenz machen.
Katar und Australien, aber das riesen Vorkommen in der Barentssee ist wegen des extrem Klimas und der großen Tiefe auf Eis gelegt. Weitere Bodenschätze der Arktis sind Mineralien, deren Förderung vor allem im Kanadischen nun eine Wut und im russischen Sibirien zunimmt. Und Grönland soll die zweitgrößten Vorkommen an seltenen Erden haben. Dank dieser könnte die Insel bis dato Autonomiegebiet unter dänischer Krone gegen die Widerstände von Dänemark und Umweltschutz NGOs seine Unabhängigkeit erreichen. Bodenschätze in der Arktis sind also vorhanden, aber kostspielig zu erschließen.
Ende Mai 2020 läuft ein Tank mit 20 000 Tonnen Diesel durch das Abschmelzen des Permafrostboden aus. Es ist die größte Erdöl Havarie in der russischen Arktis. Ein weiterer großer Traum sind Handelsstraße, die Pazifik und Atlantik über die arktische See verbinden. Der Verkehr auf dem nördlichen Seeweg nimmt zu, weil er inzwischen eisfrei ist und damit den Export von russischen Flüssiggas ermöglicht. Außerdem liegen an der Strecke zahlreiche Häfen und Moskau besitzt eine große Eisbrecher Flotte, die sehr nützlich ist, um die Arktis zu erobern.
Diese neuen Straßen könnten den Weg von Europa nach Asien um ein Drittel oder mehr verkürzen. Statt neun und zehn tausend sieben hundert Kilometer über den Suezkanal wären es nur noch fünf und zehn tausend ein hundert Kilometer.
Über die Nordost Passage, wo wir hinfahren, brauchen wir keine Straßen.
China träumt von einer polaren Abzweigung der Seidenstraße für seine Energieversorgung, aber vor allem, um sich seinen Platz zu sichern. Wenn sich die arktischen Staaten die wirtschaftlichen Einflusszonen aufteilen. Deshalb bezeichnet es sich als Arktis nahen Staat und agiert strategisch. China und Russland kooperieren bereits bei gigantischen Erdgas Projekten in Sibirien, um den nördlichen Seeweg auszubauen, aber auch für den künftigen Bau chinesischer Eisbrecher mit Nuklear Antrieb. Dieser arktische Flagg geht Washington gegen den Strich. Im Mai 2019 in Rovaniemi, der offiziellen Heimat des Weihnachtsmanns, wirft US-Außenminister Mike Pompeo ihnen vor, den Zugang zur Region privatisiert zu haben.
Trump beschließt daraufhin, Grönland zu kaufen.
Jetzt müssen wir uns auf einen neuen Kalten Krieg in der Arktis einstellen.
Zumindest sind die Zeiten vorbei, in denen diese Region vor dem Wettlauf der Großmächte geschützt war. Sie muss sich gezwungenermaßen der Welt öffnen, wenn das Nordpolarmeer in Zukunft im Sommer eisfrei sein sollte.
Sie wird vielleicht nicht zu einem neuen Nahen Osten, aber sie ist vom Rand ins Zentrum gerückt. Demnächst erleben wir dann eine Art Game of Thrones in Weiß. Der Eisbär wird bald in seinem eisigen Reich vom Thron gestoßen. Winter is coming.