Ein gesundes, frohes und gesegnetes neues Jahr 2020
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, heute Abend stehen wir nicht nur am Beginn eines
neuen Jahres, sondern auch eines neuen Jahrzehnts.
Ich bin überzeugt: Wir haben gute Gründe, zuversichtlich zu sein, dass die in wenigen
Stunden beginnenden 20er Jahre des 21. Jahrhundert
gute Jahre werden können - wenn wir unsere Stärken nutzen, wenn wir auf das setzen
, was uns verbindet, wenn wir uns daran erinnern, was wir in den letzten Jahrzehnten
gemeinsam erreicht haben.
Im nächsten Jahr wird Deutschland seit 30 Jahren in Frieden und Freiheit wiedervereint sein.
In diesen 30 Jahren haben wir Großartiges geschafft.
So hatten zum Beispiel noch nie so viele Menschen Arbeit wie heute.
Dennoch bleibt auch im nächsten Jahrzehnt noch mehr zu tun, als wir vor 30 Jahren gedacht haben.
Zugleich erleben wir täglich, wie sehr der digitale Fortschritt unser Leben in allen
Bereichen verändert, natürlich auch unser Arbeitsleben.
Darauf müssen wir neue Antworten finden.
Denn wir wollen, dass alle Menschen Zugang zu der Bildung haben, die sie für diesen
Wandel brauchen.
Wir wollen, dass sie auch in Zukunft einen guten und sicheren Arbeitsplatz haben – und
im Alter eine verlässliche Rente.
Dazu brauchen wir mehr denn je den Mut zu neuem Denken, die Kraft, bekannte Wege zu
verlassen, die Bereitschaft, Neues zu wagen, und die Entschlossenheit, schneller zu handeln,
in der Überzeugung, dass Ungewohntes gelingen kann – und gelingen muss, wenn es der Generation
der heute jungen Menschen und ihren Nachkommen noch möglich sein soll, auf dieser Erde gut
leben zu können.
Die Erwärmung unserer Erde ist real.
Sie ist bedrohlich.
Sie und die aus der Erderwärmung erwachsenden Krisen sind von Menschen verursacht.
Also müssen wir auch alles Menschenmögliche unternehmen, um diese Menschheitsherausforderung
zu bewältigen.
Noch ist das möglich. Diese Überzeugung trägt auch das Klimaschutzprogramm,
das Bund und Länder vor wenigen Tagen verabschiedet haben.
Ich weiß sehr wohl, dass die darin beschlossenen Maßnahmen den einen Angst machen, dass sie
sie überfordern könnten, und den anderen noch lange nicht ausreichen.
Und es stimmt ja auch: Ich bin mit meinen 65 Jahren in einem Alter, in dem ich persönlich
nicht mehr alle Folgen des Klimawandels erleben werde, die sich einstellen würden, wenn die
Politik nicht handelte.
Es sind ja unsere Kinder und Enkel, die mit den Folgen dessen leben müssen, was wir heute
tun oder unterlassen.
Deshalb setze ich all meine Kraft dafür ein, dass Deutschland seinen Beitrag leistet - ökologisch,
ökonomisch, sozial - den Klimawandel in den Griff zu bekommen.
Das gerade beschlossene Gesetz bietet dazu den – im Wortsinne – Not-wendigen Rahmen.
Dabei können wir aufbauen auf dem, was uns schon immer stark gemacht hat: unseren Ideen,
unserem Erfindergeist, unserem Fleiß und unserer Hartnäckigkeit, unseren Handwerkern,
Ingenieuren und Fachkräften, unseren staatlichen und ehrenamtlichen Strukturen, unserer Art
des Zusammenlebens in Familien und Vereinen, der Wertschätzung für diejenigen, die zum
Beispiel in der Pflege für andere Menschen und mit anderen Menschen arbeiten.
Und dabei tragen uns die Werte des Grundgesetzes von Freiheit, Solidarität und der Achtung
der Würde jedes einzelnen Menschen sowie die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft.
Sie bleiben unser Kompass auch im nächsten Jahrzehnt.
Das heißt, auch im digitalen Zeitalter hat die Technik dem Menschen zu dienen – und
nicht umgekehrt.
Die Würde des Menschen setzt die Grenzen, denn sie ist unantastbar.
Das ist der Kern unserer freiheitlichen Demokratie, die jeden Tag mit Leben zu füllen ist.
Ich danke den Frauen und Männern, die in unserem Land politische Verantwortung übernehmen,
ganz besonders denen in den Kommunen.
Sie - wie alle Menschen in unserem Land - vor Hass, Anfeindungen und Gewalt, vor Rassismus
und Antisemitismus zu schützen, ist Aufgabe des Staates, eine Aufgabe, der sich die Bundesregierung
besonders verpflichtet fühlt.
Ich danke den vielen, die sich für unser Gemeinwesen einsetzen, haupt- und ehrenamtlich:
den Polizisten, Feuerwehrleuten und all denen, die ihren Mitmenschen in schweren Situationen
beistehen.
Sie alle bilden das Rückgrat unserer Demokratie.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, in den vergangenen Jahren habe ich oft gesagt, dass
es auch Deutschland auf Dauer nur dann gut geht, wenn es auch Europa gut geht.
Denn nur in der Gemeinschaft der Europäischen Union können wir unsere Werte und Interessen
behaupten und Frieden, Freiheit und Wohlstand sichern.
Europa muss seine Stimme stärker in der Welt einbringen.
Dafür werden wir uns auch während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr
einsetzen, zum Beispiel durch einen Gipfel aller Mitgliedstaaten mit China und ein Treffen
mit den Staaten Afrikas.
Die Zusammenarbeit mit Afrika liegt auch in unserem eigenen Interesse.
Denn nur wenn Menschen die Chance auf ein friedliches und sicheres Leben haben, werden
Flucht und Migration abnehmen.
Nur wenn wir Kriege durch politische Lösungen beenden, wird sich nachhaltige Sicherheit
einstellen.
Unsere Sicherheit und unser Wohlstand hängen wesentlich davon ab, dass es auch in unserer
Nachbarschaft sicher wird und wirtschaftlich aufwärts geht.
Deshalb danke ich heute Abend sowohl unseren Soldatinnen und Soldaten, den Polizistinnen
und Polizisten als auch den zivilen Helferinnen und Helfern, die fern der Heimat ihren Dienst tun.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ein neues Jahrzehnt liegt vor uns.
Die 20er Jahre können gute Jahre werden.
Überraschen wir uns einmal mehr damit, was wir können.
Veränderungen zum Guten sind möglich, wenn wir uns offen und entschlossen auf Neues einlassen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, frohes und gesegnetes
neues Jahr 2020.