Meine COMING OUT Story
Hallo Hippos!
Für die meisten von euch ist das jetzt bestimmt keine große Überraschung:
Ich bin schwul. [Jubel] [lacht]
Tatsächlich denke ich immer, dass ihr das schon lange wisst
und trotzdem, seit ich auf Youtube bin, lese ich unter jedem Video die gleiche Frage:
Seriously?!
Ich lese das nicht nur bei mir,
sondern auch bei vielen anderen Youtubern.
Und viele von denen sind nicht schwul!
Das ist fast so, wie 'ne Schlüsselfrage des Lebens!
Wie heißt du?
Wie alt bist du?
Spielst du Minecraft?
Bist du schwul?
Und meine Antwort ist:
Ja, ich hab schon mal Minecraft gespielt.
und ich bin schwul.
Und für mich und jedem mit dem ich befreundet bin
ist das auch völlig normal
Bis auf die Sache mit Minecraft!
In meinen Videos geht's um alle möglichen Themen:
Um die Berliner Mauer,
den Überwachungsstaat,
Fanfiction
oder Reisen durch Australien.
Es geht nicht, oder eher selten,
um Sexualität, aber wenn es etwas gibt, das mich interessiert,
weil ich schwul bin,
dann findet das auch statt.
Genauso wie's bei jedem hetero Youtuber stattfindet,
wenn er sich bein Vloggen nach 'nem schönen Mädchen umdreht.
Niemand muss sich dafür rechtfertigen,
ob er auf Megan Foxs Brüste oder Dylan O'Brians Sixpack steht.
Aber warum mache ich dann ein Video,
in dem es nur darum geht, dass ich schwul bin,
wenn ich mich doch eigentlich nicht dafür rechtfertigen will?
Warum muss LifeWithMelina ein Video darüber machen,
dass sie lesbisch ist?
Und warum, fragt FloVloggt,
braucht man überhaupt noch 'n Coming Out?
Also den Moment, in dem man der Welt sagt,
dass man auf das eigene Geschlecht steht.
Der Unterschied zwischen, sich rechtfertigen
und 'n Coming Out haben, ist,
dass ein Coming Out jedem Menschen gegenüber
nur einmal nötig ist.
Und Rechtfertigungen 'n ganzes Leben lang!
Und das zweite ist es, was ich nicht möchte!
Aber warum ist es überhaupt nötig?
Wieso muss irgendjemand wissen,
welche Sexualität ich habe?
Ein Hetero braucht das doch auch nicht!
Oder?
Der Unterschied ist,
jeder geht davon aus,
dass du hetero bist.
Wenn du zu deinen Eltern gehst
und sagst:
"Mama, Papa, ich bin hetero!"
wären sie wohl genauso überrascht,
wie wenn du ihnen sagen würdest:
"Das Klumpige am Ende meiner Beine sind Füße."
Bei Schwulen und Lesben ist das anders,
denn damit rechnen die meisten nicht.
Aber wenn wir alle toleranter wären
und jeder davon ausginge,
dass man sowohl hetero, als auch schwul, als auch lesbisch,
als auch sonst was sein könnte,
wär's dann immer noch nötig 'n Coming Out zu haben?
Können wir nicht einfach jeden Menschen so akzeptieren,
wie er ist?
Ich glaub schon, dass das geht.
Aber ich denke, das es viele Dinge einfacher macht,
wenn man mit Menschen spricht.
Zu sagen, was du magst oder nicht magst,
hilft anderen dich besser zu verstehen
und Rücksicht auf deinen Gefühle zu nehmen.
Und es hilft anderen sich selbst
und ihre Wünsche besser zu verstehen.
Das ist soziale Interaktion.
Weil Menschen sich so gerne mit anderen vergleichen,
stolpern Youtuber jeden Tag über sehr persönliche Fragen
Wie findest du den?
Wie findest du das?
Welche Musik hörst du?
Usw.
Und wenn die Erfahrung der Zuschauer nicht mit der des Youtubers matched,
sind sie manchmal unglaublich irritiert.
Als ich in meinem Draw my Life gesagt hab,
dass ich schwul bin,
haben mich in den Kommentaren hunderte Leute gefragt,
ob das stimmt,
dass ich schwul bin.
Ja, ich hatte es ziemlich eindeutig gesagt.
Sie fragen, als ob es ein Scherz gewesen sei,
oder als könnten sie sich verhört haben,
oder, als hätte sich diese Information seit Veröffentlichung des Videos nochmal geändert.
Schwul sein ist so stigmatisiert,
dass sie sich nicht vorstellen können,
dass es jemand' gibt, der kein Problem damit hat
und sich selbst selbstbewusst so nennt.
Häufig können sie nicht einmal glauben,
dass es das wirklich gibt!
Oder dass jemand aus ihrem Freundeskreis,
oder ihrer Familie homosexuell sein könnte.
Oder sie selbst!
So war das bei mir.
Während der Schulzeit war ich mir lange nicht wirklich darüber im klaren,
dass ich schwul bin.
Dabei habe ich schon mit 12 im Schwimmbad Jungs hinterher geschaut!
Mädchen fand ich supernett,
aber als dann ihre Brüste wuchsen,
war das für mich null interessant!
Ich könnte auch nicht nachvollziehen,
warum meine Klassenkameraden so darauf abfuhren.
Kerle dagegen, mit ihren breiten Schultern
und kantigen Gesichtern, fand ich spannend.
Mit dem Wort "schwul" konnte ich mich aber überhaupt nicht identifizieren.
Das war etwas, was sich Leute an dem Kopf geworfen haben,
um sich gegenseitig zu beleidigen.
Und damit wollte ich logischeweise nichts zu tun haben.
Für pubertierende Jungs ist es wichtig, zu zeigen,
wie wahnsinnig maskulin sie sind.
Und das ging zumindest in meiner Klasse am besten,
indem sie Schwächere fertig machten,
und sie verprügelten.
Ich war meistens der Schwächere
und natürlich galt ich deshalb als Schwuchtel.
Nicht, weil die anderen gewusst hätten,
dass ich schwul bin!
Das hatte damit gar nichts zu tun.
Schwul sein, war für sie die schlimmst mögliche Beleidigung,
was es wirklich heißt,
also, dass ein Kerl einen anderen liebt,
spielte gar keine Rolle!
Das war einfach Schulhofsprech dafür,
dass deine Männlichkeit infrage gestellt wird.
Das ist hart.
In dem Alter ist "männlich sein" das ultimative Ziel,
dass einem die Gunst von Mädchen
und den Respekt seiner Freunde garantiert.
Also wehren sie sich, wenn man sie schwul nennt,
mit besonders männlicher Aggressivität!
Und in der Folge benutzen auch diejenigen "schwul" als Schimpfwort,
die eigentlich gar kein Problem mit Schwulen haben!
Niemand will der nächste sein,
auf den sich die Aggression entlädt!
Also teilen sie munter gegen Schwächere aus.
Lieber die, als ich!
Es ist ein Schema, das immer bei Diskriminierung auftritt.
Leute suchen in einer angespannten Situation einen Sündenbock,
um von sich selbst abzulenken.
Das passiert bei Antisemitismus,
Rassenhass,
Islamfeindlichkeit,
Frauenhass
und natürlich bei Homo- und Transphobie.
Dass irgendjemand, der dich kennt,
nur deshalb Respekt vor die verliert,
weil du jemand von deinem eigenen Geschlecht liebst,
oder weil du ein toleranter Mensch bist
und mit Homosexuellen kein Problem hast,
das mag es geben,
und von solchen Leuten solltest du dich lieber fern halten!
Die Regel ist das aber nicht!
Denn Menschen sind so viel komplexer, als das.
Wenn dich jemand kennt und mag,
dann ist das die Basis eurer Beziehung!
Und nicht irgendeine einzelne Eigenschaft!
Respekt erhält man, indem man charakterliche Stärke zeigt
und sich für Schwächere einsetzt.
Aber wir Schüler waren einfach noch zu jung,
um das zu kapieren.
Und es war keiner da, der es uns erklärt hätte.
Niemand in unseren kleinen Käffern kannte auch nur einen einzigen Schwulen
oder eine einzige Lesbe!
Unsere Vorstellung davon,was schwul oder lesbisch ist,
hatte mit der Realität nichts zu tun!
Und wir konnten uns die schlimmsten Sachen darunter vorstellen,
ohne dass irgendjemand sagte: "Moment mal! Was glaubt ihr da eigentlich für einen Müll?!".
Wenn es im Unterricht vorkam, dann auch nur als Nebensatz!
"Homosexuelle? Gibt's auch."
"Kennt ihr welche?" "Ich nicht."
Am besten noch eingeleitet mit: "Ich bin ja nicht schwul, aber..."
Als Vorwärtsverteidigung, damit ja keiner 'was Falsches denkt!
"Ich bin ja nicht schwul, aber..."
Klammer auf: Falls du 'was gegen Schwule hast,
erinnere dich bitte daran: Ich bin nicht schwul,
ich hab auch nichts mit Schwulen zu tun!
Hau mir bitte nicht auf's Maul! Klammer zu!
Wenn ich eh schon von zu Hause 'ne tolerante Einstellung mitbrachte,
wurde dadurch kaum überzeugt!
Die einzigen, die nicht von Homophobie angesteckt wurden,
waren die, die Selbstbewusstsein hatten!
Wer sich seiner Sexualität wirklich sicher ist,
hat auch keine Angst, dass sie in Frage gestellt wird!
Dann gibt's auch keinen Grund, sich distanzieren zu müssen,
oder Schwächere zu mobben.
Aber von denen gab es viel zu wenige.
Und "schwul" steht bis heute an der Spitze der Schulhofbeleidigungen!
Aber zurück zu meinem Coming Out:
Ich wusste bis ich 17 war nicht mit Sicherheit,
dass ich schwul bin.
Mir fehlte einfach der Vergleich.
Ich wusste nicht mal, was das ist!
Und es gab keine Vorbilder!
Stattdessen wurden Schwule in vielen Filmen als furchtbares Klischee dargestellt,
als eklige Typen, die komisch sprechen, sich an kleine Kinder ran machen.
Selbst der nette Schwule aus der Lindenstraße, Carsten Flöter,
war alles andere, als 'n Sympathiebolzen!
So war ich nicht!
Wenn das meine Zukunft sein sollte,
wollte ich auf keine Fall schwul sein!
Also hab ich aus Angst vor mehr Mobbing erstmal alles für mich behalten.
In der "Bravo" stand außerdem, dass es 'ne Phase sei,
die irgendwann vorbei ginge.
Also hab ich gewartet.
Doch es ging nicht vorbei.
Weder die Phase, und auch die "Bravo" gibt's heute noch.
Ich hab sogar versucht 'ne Zeit lang Mädchen attraktiv zu finden,
aber das hat überhaupt nicht funktioniert!
Die waren einfach sexuell für mich völlig uninteressant!
Auf der anderen Seite war ich froh Mädchen als Freunde zu haben,
die waren vom aggressiven Auftreten der Jungs genauso genervt, wie ich.
Und wenn ich bei ihnen war,
ließen mich die Mobber in Ruhe.
Der Wendepunkt kam mit 17,
als ich mich in einen Jungen aus der Parallelklasse verliebt habe!
Er war Austauschschüler,
und wenn ich in seiner Nähe war,
könnte ich nicht mehr so richtig klar denken!
Er sah verdammt gut aus,
und er verhielt sich mir gegenüber nicht wie 'n Arschloch!
Das war deutlich mehr, als ich über die meisten Jungs in meiner Klasse sagen konnte.
Miteinander gesprochen haben wir leider kaum.
Dafür war ich dann doch 'n bisschen zu schüchtern.
Ich hab aber mein Talent als professioneller Stalker entdeckt,
denn in kürzster Zeit kannte ich seinen kompletten Stundenplan auswendig
und war zufälligerweise immer genau da, wo seine Klasse war!
Meine Wochenhighlights waren, wenn wir in benachbarten Zimmern Unterricht hatten
und sogar der gemeinsame, bis dahin verhasste, Sportunterricht
wurde mehr oder weniger mein Lieblingsfach!
Jahrelang habe ich mir eingeredet, dass ich gar nicht schwul sein konnte
und jetzt hatte ich mich auf einmal in einen Kerl verliebt.
Und lustigerweise war das gar kein Problem.
Verliebst sein fühlt sich toll an!
Jedenfalls solange man noch Hoffnung hat
und das Herz nicht bricht.
Was dann leider passiert ist,
als er im Sommer wieder die Schule verließ.
Natürlich, ohne, dass ich jemals herausfand, ob ich überhaupt 'ne Chance gehabt hätte.
Damit begann für mich das innere Coming Out.
Ich hatte zwei Möglichkeiten:
Weiterhin meine Gefühle ignorieren
oder mich ihnen stellen!
Bis dahin hatte ich mich noch keinem Menschen anvertraut
und das und der Liebeskummer machten mich kaputt.
Ich wollte endlich mit irgendjemand darüber sprechen,
genauso wie Heteros über die erste große Liebe mit ihrem besten Freund sprechen,
nur... ich hatte keinen!
Keinen, dem ich so weit vertraut hätte!
Zumindest war ich jetzt sicher:
Ja! Ich war schwul!
Als ersten Schritt habe ich mich vor 'n Spiegel gestellt und es mir in's Gesicht gesagt.
Klingt vielleicht cheesy, aber ich fand,
wenn ich's schon nicht ändern kann, dann will ich mir zumindest nicht selbst leid tun!
Kurz nach meinem 18. Geburtstag kam mein äußeres Coming Out.
Meine Mutter saß im Wohnzimmer
und ich lief wie ein überkoffeiniertes Wiesel im Flur auf und ab.
Ich wollte es ihr als Erste sagen.
Ich wusste, dass dieser Schritt der Schwierigste sein würde
und ich wollt's hinter mich bringen!
Aber was, wenn sie es nicht versteht?
Wenn sie sauer ist? Wenn sie weint?
Was, wenn ich rausgeschmissen werde?!
Mit einem Puls, als hätte ich einen Marathonlauf hinter mir,
hab ich mich dann zu ihr ins Wohnzimmer gesetzt.
Die Minuten vergingen, ohne, dass irgendwas passiert ist
Mein Kopf wurde roter und roter!
Irgendwann drehte sie sich zu mir und fragte, was los sei
Ich bin...
schwul...
[seufzt laut]
Ich war auf alles gefasst!
Dass sie mir Vorwürfe mach, dass sie sagt, dass ich nicht mehr ihr Sohn sei,
dass sie mich rausschmeißt!
Mein ganzes bisheriges Leben stand auf der Kippe!
Aber meine Mutter war großartig!
Sie sagte, dass Homosexualität für sie 'was ganz normales sei
und, dass ich vor ihr und meinem Vater keine Angst haben muss.
Mir fiel so ein Stein vom Herzen!
Und tatsächlich unterstützte mich mein Vater genauso!
Besonders stolz war ich auf ihn, als er mir einige Zeit später erzählte,
wie er einen homophoben Arbeitskollegen nach einem dummen Spruch über Schwule zurechtgestutzt hat!
Vor meinem Coming Out war die Reaktion meiner Eltern tatsächlich das,
wovor ich mir am meisten Sorgen gemacht hatte.
Und dann waren die Sorgen völlig unbegründet.
Nicht lange danach kam auch mein Coming Out in der Schule.
Zuerst bei zwei Klassenkameraden, den ich sehr vertraute
und die mit mir zusammen in der Schülerzeitung waren.
Mein Plan war, ein Artikel über Homosexualität in der Schule zu schreiben.
Ich wollte anderen lesbischen und schwulen Schülern zeigen, dass sie nicht alleine waren.
Und ich bat meine beiden Freunde aus ihrer Perspektive zu schildern
wie sie mein Coming Out erlebten.
Veröffentlicht haben wir den Artikel anonym.
Mit meinem Namen wollte ich erstmal nicht unterzeichnen,
denn damals war ich noch nicht so selbstbewusst.
Aber der Artikel kam super an,
sowohl bei Schülern, als auch bei Lehrern.
Einige Lehrer inspirierte er sogar dazu eine ganze Schulstunde dem Thema zu widmen.
Sogar von Eltern kam Lob per Leserpost!
Mein Ziel, lesbischen und schwulen Schülern Mut zu machen
und für Aufklärung zu sorgen hatte ich erreicht
und selbst 'n paar Jahre später erzählten mir Leute, die nicht wusste, dass der Artikel von mir war,
von diesem tollen Beitrag, damals in der Schülerzeitung.
Das ist sie! [lacht]
Für unseren etwas religiösen Schulrektor ging der Artikel aber gar nicht klar!
Da er anonym veröffentlicht wurde und weil darin sogar der Papst kritisiert wurde,
polterte er den Leiter unserer Presse-AG an,
dass der Artikel nie und nimmer von einem Schüler geschrieben worden sein konnte,
sondern garantiert von einer ominösen Organisation käme,
die unsere armen Kinder versauen wollte!
Aber ne, das war einfach nur ich!
Wirklich warm wurde ich mit den etwas hinterwäldlerischen Einstellungen auf'm Land nie,
aber ich hab mich dann so nach und nach bei vielen meiner Klassenkameraden geoutet.
und je öfter ich das tat, desto leichter fiel es mir.
In fast allen Fällen war'n die Reaktionen super,
sogar die meisten Idioten, die mich früher fertig gemacht hatten,
reagierten zugegeben verblüfft,
aber trotzdem positiv!
Mein Selbstvertrauen wurde enorm durch's Coming Out gestärkt.
Während der ganzen Schulzeit war ich eher schüchtern und hatte Angst vor Angriffen.
Aber jetzt konnte mir keiner mehr was!
Und der Grund ist ganz einfach:
Du kannst niemanden mit schwul beleidigen oder einschüchtern,
wenn derjenige dazu steht!
Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere:
Wenn ich schwul, lesbisch, bisexuell oder was auch immer bin,
soll ich mich dann outen?
Hilft mir das wirklich?
Und wenn du hetero bist, fragst du dich vielleicht,
was du tun kannst, um Freunden die mitten im Coming Out sind, zu helfen.
Zu den Heteros komme ich gleich.
Wenn du schwul, lesbisch oder was auch immer bist,
und dich sicher fühlst und wenn du Freunde oder Familie hast, den du vertraust,
glaube ich, dass du keine Angst haben musst
und das 'n Coming Out dein Leben einfacher machen wird,
weil du dich dann nicht mehr verstecken musst.
Aber niemand muss sich outen!
Nur weil ich und andere Leute das gemacht haben, heißt das nicht, dass du das auch musst!
Es ist deine Entscheidung!
Wenn du dich noch nicht sicher fühlst, ist es völlig in Ordnung zu warten!
Du hast Zeit!
Es gibt keinen Preis dafür, dass man sich so früh wie möglich outet.
Finde erstmal heraus, was du wirklich willst
und schaue wie gut dein Umfeld mit dem Thema klar kommt.
Und wenn du soweit bist und das wirklich willst:
Lass es raus!
In Deutschland und den meisten europäischen Ländern,
in den USA, Australien und Neuseeland
ist es relativ entspannt
und die rechtliche Situation, z. B. beim Schutz von Partnerschaften,
Erb - und Adoptivrecht stellen immer mehr Länder Homosexuelle mit Heterosexuellen gleich!
Wir sind noch nicht ganz bei Gleichberechtigung,
aber schon ziemlich nah dran.
In Russland, in arabischen Staaten
und vielen afrikanischen Ländern werden Homosexuelle dagegen immer noch verfolgt
und sogar mit dem Tod bedroht.
Hier würde ich leider kein Coming Out empfehlen
oder zumindestens ziemlich vorsichtig sein!
Wenn du aus einer Kultur oder einem Elternhaus kommst,
in dem Homosexuelle nicht akzeptiert sind,
ist es vielleicht besser sich erst dann zu outen, wenn du etwas älter und finanziell unabhängig bist.
Vielleicht hilft dann auch eine Umzug in eine größere Stadt.
In der du dann du selbst sein kannst!
Manchmal ist es auch einfacher erst einmal anonym mit Leuten zu chatten.
In die Videobeschreibung habe ich 'n paar Links zu deutschsprachigen Communities gepackt,
in denen junge Leute ihr Leben, ihr Coming Out und viele andere Dinge diskutieren können.
Bücher zum Thema gibt's übrigens auch,
ich hab sie unten in der Videobeschreibung verlinkt.
Und wenn du hetero bist und helfen willst Disskriminierung abzubauen
hab ich auch noch ein par Tipps!
Erstens: Schwul ist kein alternatives Wort für Scheiße!
Ich weiß, viele Leute benutzen es,
und sagen, wenn man sie drauf anspricht:
"Ich mein's ja nicht böse."
Es schadet trotzdem!
Für mich war es als Jugendlicher immer ein Schlag in die Fresse, wenn's einer meiner Freunde so benutzt hat.
Sie gaben mir das Gefühl niemals 'ne Chance zu haben, von ihnen akzeptiert zu werden
und immer nur Mensch zweiter Klasse zu sein!
Unter lesbischen und schwulen Jugendlichen
ist genau deshalb die Selbstmordrate vier bis sieben mal höher als bei Heterosexuellen!
Nicht, weil sie schwul oder lesbisch sind, sondern weil sie Angst haben,
die Unterstützung ihrer Freunde zu verlieren!
Hört deshalb auf schwul als Schimpfwort zu verwenden
und sagt das auch denen, die es machen!
Solange keiner den Mund aufmacht, wird es immer so weiter gehen
und die Spirale aus Hass und Angst hört nicht auf.
Stoß das Thema bei dir im Unterricht an!
Am besten bei 'nem Lehrer, dem du vertraust.
Wie gesagt, du musst nicht schwul oder lesbisch sein, um das zu machen.
Und mach deinen Freunden klar, dass du gegen Diskriminierung bist
und jeden Menschen unabhängig von seiner Sexualität akzeptierst!
Wenn du Kinder hast,
mach auch ihnen klar, dass du kein Problem damit hast, wenn eines von ihnen homosexuell sein sollte.
Vielleicht denkst du, dass du keinen Schwulen und keine Lesbe kennst,
aber das heißt nicht, dass es in deinem Umfeld keine gibt.
Allein in meine Stufe habe ich Jahre nach meinem Coming Out festgestellt,
dass ich bei weitem nicht der einzige war!
Und zwar bei Leuten, bei denen ich das echt nicht gedacht hätte!
Ich bin ehrlich gesagt heute ziemlich glücklich darüber, dass ich schwul bin!
Mein Coming Out war der mit Abstand wichtigste Moment meines Lebens,
durch den ich Selbstvertrauen und wirklich gute Freunde gefunden hab!
Und die möchte ich auch gar keinen Fall wieder hergeben!
Hier kannst du jetzt noch mein Draw My Life anschauen, in dem es auch um mein Leben und mein Coming Out geht
oder mein letztes, auch sehr schwules Video, über Fanfictions!
Was denkst du eigentlich über Coming Outs?
Sind sie nötig?
Kennst du Schwule oder Lesben?
Hast du Fragen?
Schreib's unten in die Kommentare!
Ich freu mich wie immer über 'n Daumen hoch
und du kannst gerne mein Video teilen.
Vielleicht hilfts ja anderen, die gerade mitten im Coming Out sind.
Oder Leuten, die sich einfach mal informieren wollen.
Jetzt kannst du mir noch auf Twitter, Instagram und Snapchat folgen,
die Links sind ebenfalls unten in der Videobeschreibung.
Das war's! Bis zum nächsten Mal!
Bye!