Die 4 häufigsten Lernfehler
Lernen ist ätzend? Nicht, wenn man weiß, wie man am besten lernt.
Sag mal, reicht es nicht, dass wir ständig lernen müssen?
Jetzt müssen wir auch noch das Lernen lernen?
Na ja, man kann mit Sicherheit sagen:
Je moderner unsere Welt wird, desto mehr Ansprüche stellt sie an uns.
Wir müssen ein Leben lang lernen, nicht nur in der Schule.
Deswegen beschäftigen sich Wissenschaftler
schon seit über 100 Jahren mit Lernforschung.
Um herauszufinden, welche Methoden am effektivsten sind.
Heute gebe ich euch dazu einen kleinen Überblick,
nämlich die vier häufigsten Fehler, die wir beim Lernen machen
und wie man sie vermeiden kann.
Wer kennt das nicht?
Die Klausur ist in zwei Tagen,
so ist die nächsten zwei Nächte nichts mit schlafen.
Wie soll ich denn sonst das alles hier in mein Gehirn bekommen?
Gut, das grundlegende Problem
ist hier natürlich das Prokrastinieren,
also das Aufschieben vom Lernen.
Dazu gibt es diese Videos von uns.
Aber vielleicht motiviert euch Folgendes,
um das Aufschieben nicht zu übertreiben, nämlich:
Portionsweises Lernen ist nachgewiesenermaßen viel effektiver
als viel auf einmal zu lernen.
Wenn ihr versucht, montags 50 neue Vokabeln reinzupfeifen,
ist die Wahrscheinlichkeit,
dass ihr die bis zum Wochenende vergesst, ziemlich groß.
Besser ist es, jeden Tag jeweils nur zehn Vokabeln zu lernen.
Unser Gehirn funktioniert nämlich nicht wie eine Computer-Festplatte,
die mit Daten vollgeschrieben wird,
sondern es ist ein sich ständig wandelndes Netzwerk,
wo immer wieder neue Verknüpfungen entstehen.
Und durch kleinere Lerneinheiten und regelmäßige Pausen
können wir die Bildungen dieser Verknüpfungen besser unterstützen.
Kleinere Lerneinheiten bedeuten aber nicht,
dass unser Gehirn eine bestimmte Lernkapazität hat.
Im Gegenteil: Die Fähigkeit neue Verbindungen zu verknüpfen,
ist potenziell unerschöpflich.
Und Menschen, die bereits viel gelernt haben,
fällt es in der Regel leichter, neue Inhalte zu behalten.
Ich nenne das umgangssprachlich "Verschultes Lernen",
ohne den Schulen damit zu nahe treten zu wollen.
Was ich damit meine,
ist das sture Auswendiglernen von Fakten ohne größeren Kontext.
Wir lernen Grammatikregeln und Vokabeln auswendig.
Wir lernen Jahreszahlen in Geschichte.
Namensreaktionen in der Chemie.
Doch das alleine ist Zeitverschwendung.
Stattdessen lernen wir am besten durch verknüpfen.
Wenn wir uns klarmachen,
dass unser Gehirn ein Netzwerk von Neuronen ist,
das sich immer wieder neu verknüpft, verstehen wir auch, dass wir lernen,
indem wir Neues mit Altem und Bekanntem verknüpfen.
Anstatt eine Vokabel nur anhand der Übersetzung zu lernen,
merke ich sie mir viel besser, wenn ich versuche, mit dieser Vokabel
möglichst viele verschiedene zusammenhängende Sätze zu bilden.
Und am besten ist es, wenn ich mir Sätze ausdenke,
die ich so auch im Alltag gebrauchen könnte.
Und eine chemische Reaktion merke ich mir viel besser,
wenn ich weiß, wofür diese Reaktion gut ist.
Und inwiefern sie sich von anderen Reaktionen,
die ich schon kenne, unterscheidet.
Und wo es vielleicht Ähnlichkeiten gibt.
Jetzt verstehen wir, warum Menschen, die viel gelernt haben,
leichter noch mehr Neues lernen.
Sie besitzen schlichtweg mehr Anknüpfungspunkte,
mit denen die neue Information vernetzt werden kann.
Und die wichtigste W-Frage fürs Lernen
ist nicht wer, wie oder wann, sondern warum.
Wenn wir uns ständig fragen, warum etwas so ist, wie es ist,
entstehen dadurch viel mehr Verknüpfungen
und wir lernen viel effektiver.
Sogar, wenn wir keine Antwort auf die Warum-Frage bekommen.
Ihr habt bestimmt schon mal gehört,
dass jeder Mensch ein bestimmter Lerntyp ist, oder?
Ich bin ein visueller Lerner. Ich lerne am besten, wenn ich etwas höre.
Doch diese Hypothese, nämlich dass bestimmte Lernmethoden
für bestimmte Personen besonders geeignet sind,
ist bei Experten weitestgehend überholt.
Höchstens handelt es sich hier um self-fulfilling prophecy.
D.h., wenn ich glaube, dass ich visuell besonders gut lernen kann,
fördert alleine mein Glaube daran bereits die Lerneffizienz.
In Wirklichkeit ist es am effektivsten,
so variabel wie möglich zu lernen.
Also durchlesen, notieren, sich laut vorlesen,
sich abfragen lassen, Tests machen, praktische Übungen.
Je breiter der Methoden-Mix, desto größer die Lernerfolge.
Übrigens, die beliebteste Lernmethode unter Schülern und Studenten
halten Experten für eine der ineffizientesten,
weil sie so passiv ist,
nämlich das Anstreichen von Text mit Textmarker. Fertig!
Und zur letzten:
Klassisches Beispiel: Sprachen lernen.
Wenn wir gerade eine neue Sprache lernen
oder einfach noch nicht so gut darin sind,
vermeiden wir jede Gelegenheit,
unsere Sprachkenntnisse im echten Leben zu testen.
Gott, wie peinlich. Man würde sich ja nur blamieren.
Genau das ist der Fehler,
denn selbstständiges Reproduzieren von Gelerntem,
also ständig testen oder testen lassen, ist essenziell,
nicht nur um Neues besser zu lernen,
sondern auch, um es länger im Gedächtnis zu behalten.
Genauso wichtig ist es, zu wissen, was man nicht weiß oder nicht kann.
Das hängt mit dem zusammen, was ich vorhin über den Kontext gesagt habe.
Lasst euch doch mal vor der nächsten Geschichtsklausur oder Physikklausur
von einem Freund so richtig fies bis ins kleinste Detail ausfragen.
Wenn ihr erkennt, was ihr noch nicht wisst oder verstanden habt,
hilft es euch nicht nur dabei, das Versäumte nachzuholen.
Es hilft euch sogar dabei, das, was ihr bereits wisst,
besser zu verinnerlichen.
Wenn ihr noch Lerntipps habt, teilt sie in den Kommentaren.
Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß beim Lernen. Schönschlau.
Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2017)
Über eure Lerntipps freue ich mich genauso sehr wie über eure Fragen.
Wenn ihr Fragen habt,
die ihr gerne in einem Video beantwortet haben möchtet,
schreibt sie in die Kommentare.
Wir sehen uns nächste Woche, bis dahin: bleibt sicher.